) *- , W \o\^y j , j ^ j FOR THE PEOPLE FOR EDVCATION FOR SCIENCE LIBRARY OF THE AMERICAN MUSEUM OF NATURAL HISTORY Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern Band XIII S<\Ax\a{^['V^.-hC) Im Auftrage der Gesellschaft herausgegebeu C. E. Hellmayr Generalsekretär der Gesellschaft. -c8d- Mncheii 1917-1918 Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Qustav Fischer in Jena J,)ie piiizeliicn Hefte de.« XIII. Baiides wurden au.sgegeben : Heft 1 (p. 1-124, V— XII) am 2.5. Februar 1917 Heit 2 (p. 125—208, XIII— XN'IIIi am 20. September 1917 Heft 3 p. 209-322, XIX~-XXIV) am 25. Mai 1918 Heft 4 (p. 323— 370, 1— IV, XXV— XXXllj am 25. November 1918. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Juuge & Sohu. ^^^]'^ löhaltöver/eichoits de« XIII. Baades. III 18 J 1918 Inhaltsverzeichnis des XIII. Bandes. < )rigiiialauf Sätze. .^„ita Bötticher, H. von, EntgegnuDg . , ,...,..,. 120 Domaniewski, .T. von, Sitto. mropaea homeyeri Hart. lUid verwandte Formen 174 Gebhardt, E., Fichtelgebirgsbeobflcbtungen 1914 158 Gengier, ,1.. Materialien zur bayerischen Ornithologie VIII. /weite Abteilung 3 Hellmayr, C. E., Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas ... 87 Besohreilniug von sechs neuen ueotropi8chen Vogelformeu, neb.st einer Bemerkung über Ampelion cinctus (Tsch.) I0t> — Zur Nomenklatur zweier paläarktischer Krähen 181 — Miacellanea Ornithologica II -. 188 - Miscellanea Ornithologica III .... ^ ... 302 Hoffmann, B., Ornithologisches aus Pl'routen 61 — Noch einmal die Baumläufergesänge 346 Laubmann, A., Beiträge zur Avifauna des Elbsee.s bei Aitrang im Algäu . 24 — Ein neuer Name für Alcedo grandis Blyth .105 — Eine neue Habenkrähe aus Japan 201 — Die geographische Variation des Formeukrei.ses Corviis cornLv . . 211 — Zum Vorkommen der Felsenschwalbe (Riparia rupestris nipestris (Scop.)) am Falkeuptein bei Pfronten 221 — Nachruf an Christian Daniel Erdt 36B Mayhoff, H. (f), Zum Schwingengeräuseh der (Schellente (Glaueionetta c. dangula (L.)) 35j Sachtleben, H., Ein älterer Name für Carduelis caniceps urientalis (Eversm.) 349 Schlegel, R., Ein Beitrag zur Ornis des westlichen Rußland 325 Schmitt, C. und H. Stadler, Die Rufe der Mauersegler 152 Analyse der Baumläufergesänge 289 Stadler, H., Vom Zug der Mauersegler {Micropus apus apus (L.)) im Main- tal 1916 74 Stadler, H. und C. Schmitt, Die Kufe der Mauersegler 152 -— Analyse der Baumläufergesäuge 289 Stechow, E., Ornithölogischc Beobachtungen aus Bad Nauheim .... 53 Stresemann, E., Beobachtungen über die Höhe des Seglerfluges .... 50 — Über gemischte Vogelschwärrae 127 IV luhalt.svuizoichni.s des Xiil. Baiidcs. I ^ ,, ' L Ges. Bay. Seite Stresemann, K.. Die Verwendbarkeit des Entfernungsmessers zur Ermittelung der Flughöhe 171 — Drei Jahre Ornithologie zwischen Verdun und Beifort 245 — Ein Beitrag zur Kenntnis der Brutvögel der Voralpen 337 — Nachruf an Hugo Mayhoff 360 Suukel, W., Ornithologische Beobachtungen aus Flandern ] 910/1(5 . . . 225 Öchriftenschau (Keferatej 122, 203, 318 Hesse, Zur Oruis der Mark Brandenburg 122 Heydcr, Ornis Saxonica 123 Kleinschraidt, Ornis Germanica 203 Mayhoff und Scheicher, Beobachtungen im Gebiete der Moritzburger Teiche 190Ü-1914 320 Rendle, Die Vögel in der Umgebung des Walddorfes Affaltern (Schwaben; 318 Bies, Die Vögel Bambergs und seiner Umgebung 124 Strohl, Conrad Geßner's „Waldrapp" 320 Zimmer, Anleitung zur Beobachtung der A^'ogelwelt 206 Sitzungsberichte {Juli 1915— Juni 1918) V Mitgliederverzeichnis 1918 XXIX Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern Band XIII Heft I Inhalt: Seite J. Gengier, Materialien zur bayerischen Ornithologie VIII 3 A. Laubmann, Beiträge zur Avifauna des Eibsees bei Aitrang im Algäu . 24 Erwin Stresemano, Beobachtungen über die Höhe des Seglerfluges ... 50 E. Stechow, Ornithologische Beobachtungen aus Bad Nauheim 53 B. Hoffinann, Ornithologisches aus Pfronten 61 H. Stadler, Vom Zug der Mauersegler (ilfitroj^tts apus apus (L.)) im Maintal 1916 74 C. E. Hellmayr, Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas ... 87 A. Laubmann, Ein neuer Name für Alceclo grandis Blyth 105 C. E. Hellmayr, Beschreibung von sechs neuen neotropischen Vogelformen, nebst einer Bemerkung über Ampeliou cinctus (Tsch.) 106 Hans V. Boetticher, Entgegnung 120 Schriftenschau 122 Sitzungsberichte (Juli 1915— Juni 1916) V Ausgegeben am 25. Februar 1917, München 1917 Im Buchhandel zu beziehen durch die Verlagsbuchhandlung Gustav Fischer in Jena K. B. Hof- und Uuiv.-Buchdruckeiei von Junue & Sohn, Erlanaen. Materialien zur bayerischen Ornithologie Vlll. Achter Beobachtungsbericht aus den Jahren 1911, 1912, 1913 und 1914'). Zusammengestellt und herausgegeben von Dr. J. Gengier. 2. Abteilung. Die Finken und Tauben. Gern hätte ich einen größeren Teil des in meinen Händen befind- lichen Materials ausgearbeitet, aber es war mir ganz unmöglich. Mein alter Beruf, den ich seit Beginn des Krieges wieder aufnehmen mußte, nahm mich so stark in Anspruch, daß ich nur den vorliegenden kleineu Teil anfertigen konnte. Eine Neuerung ist diesmal insofern eingetreten, als die Zusammen- stellung nicht mehr rein alphabetisch, sondern, wenn ich mich so aus- drücken darf, mehr geographisch erfolgt ist. Auf diese Weise treten auch zugleich die Lücken in unserem Beobachternetz deutlicher hervor und können so vielleicht später schneller ausgefüllt werden. Dadurch fällt auch das große Verzeichnis der Beobachtungsorte weg, da ja durch die Angabe des Kreises bei jedem Orte dessen Lage leicht zu finden ist. Die Namen der Beobachter sind dieselben wie im letzten Bericht. Ich verweise daher auf p. 13 der Verh. d. Orn. Ges. in Bayern Bd. XII. Fringillidd e, die Finken. 1. Coccothranstes coccothraustes coccothraiistes (T^), Kirschkernbeißer. igil. Unterfranken: Br. Lohr. Beob. AschafPenburg 17. I. Mittelfranken: Br. Artelshofen, Erlangen, Nürnberg. Beob. Eiters- dorf 4. IX., Engelthal 10. IX. Niederbayern: Br. Pfarrkirchen. >) Die erste Abteilung, welche in dieser Zeitschrift Bd. XII, Heft 1, Mai 1914, p. 13—40, erschien, umfaßte nur Beobachtungsmaterial aus den Jahren 1911 — 1913. Der Vollständigkeit wegen wurden in der vorhegenden Fortsetzung des Berichtes auch die seither eingelaufenen Daten aus dem Jahre 1914 mit verwertet. — Ked. l* 4 Gengier: Materialien. fVerh. Orn. L Ges. Bay. Beob. Rabensteiu 20. V., 10. XII., Saldennu. Schwaben: Beob. Jett- ingeu 15. XI. Rheinpfalz: Beob. Leimen 11. III. — Zunahme: Er- langen, Nürnberg. — 1912. Unterfranken: Br. Aschaffenburg, Burg- lauer. Mittelfranken: Br. Erlangen, Gunzenhauseu, Nürnberg. Ober- franken: Beob. Roßdorf X. 2 St, Niederbayern: Beob, Äletten 3. II., 15. III. je 1 St. Oberbayern: Beob. Hoheuaschau Winter 1 P, Schwaben: Beob. Affaltern 30.1., 27. IIL, Obergünzburg VIII. — 1913- Mittelfranken: Br. Erlangen. Beob. Erlenstegen 9. II., Nürnberg I.I., 28.11. 10 St., IIL, Weigelshof G. IV. 40-50 St. d., 6, VIL 10 St. Oberfranken: . Memmelsdorf 6, IV. 2 St., Roßdorf 26. XL 2 St. Niederbayern: Br. Pfarrkirchen. Oberbayern: Br. München. — 1914. ünterfrankeu: Br. Würzburg. Beob. Amorbach 1 1 , IIL W., Weckbach 16. IL Mittel franken: Br. Erlangen, Nürnberg, Ober- franken: Beob, Eggolsheim 4. IL, Gosberg 21. L, Roßdorf 30, XL Ober bay er n: Br. Grünwald, München, Beob. Andechs 2. VIII, 2, Chloris chloris cllloris (L.), Grünfink, Grünling, 1911. Uuterfr anken: Br. Lohr, Schollbrunn. Mittel franken : Br. Baudenbach, Brück, Eichstätt, Erlangen, Fürth, Hartmannshof, Nürnberg. Oberfranken: Br, Streitberg. Oberpfalz: Br. Bach- hausen, Hirschau, Neumarkt, Niederbayern: Br. Metten, Pfarrkirchen, Riedelsbach. Oberbayern: Br. Langenbruck. Rh e in p falz: Br. Leimen. — 1912. Ünterfrankeu: Br, Amorbach. Mit tel fr anken : Br. Almoshof, Beerbach, Bubeureuth, Cadolzburg, Darabach, Erlangen, Fürth, Gebersdorf, Georgensgmünd, Heroldsberg, Herrnhütte, Ilersbruck, Hilpoltstein, Hüttenbach, Kleiureuth h, V., Lauf, Mögeldorf, Neumühle, Neunhof b. L., Nürnberg, Oberbürg, Oberndorf, Röckingeu, Rückers- dorf, Rupprechtstegen, Schnelldorf, Schweinau, Simmeisdorf, Spardorf, Thon, Tullnau, Weigelshof, Weihershof, Wetzendorf. borfranken: Br. Egloffstein, Hetzles, Kemnathen, Pommer, Pretzfeld, Roßdorf, Streitberg, Trägenweis, Weidach, Weidensees. Oberpfalz: Br. Pullen- ried, Regensburg. Niederbayern: Br. Achdorf, Bayrischhäusl, Egg- mühl, Eisenstein, Landshut, Metten, Neuhütte, Plattling, Zwiesel. Ober- bayern: Br. Erding, Gars, Hohenaschau, Moosburg. Beob. Fraucn- chiemsee Winter. Schwaben: Br. Affaltern, Warching, Rheiupfalz: Br. Bergzabern. — Zunahme: Pullenried. — IQIS- Unterfranken : Br. Amorbach, Bnrglauer, Kreuzberg. Mittelfranken: Br, Ansbach, Behringersdorf, Brück, Erlangen, Fürth, Haimendorf, Hedersdorf, Herolds- berg, Hersbruck, Kalchreuth, Lauf, Lichtenau, Nürnberg, Oberndorf, Rathsberg, Röthenbach b, L,, Schweinau, Sieglitzhof, Stein a. R., "^IVies- dorf zalilr., Unterbürg, Zirndorf. Oberfranken: Br, Banz, Burgstall, Ebermannstadt, Gräfenberg, Memmelsdorf, Ncunkirclien, Pretzfeld, Roß- dorf, Staffelstein, Streitberg, Weißennohe, Oberpfalz: Br. Hatzenreuth, Pullenried (Zunahme), Sulzbach. Nieder bay er n : Br. Bayrischhäusl, Eisenstein, Mamming, Metten. W.G. '^Fann. Oberbayern: Br. Berchtes- ^Y^' ^' Gengier: Materialien. 5 gadeu, Dachau, Langeubruck, München, Ruhpolding, Teisendorf. Beob. Gars 22. VIIL, Murnau 6. VIII., Tölz 8. VIII., Traunstein 18. VIII. Schwaben: Br. Affaltern, Kaufbeuren, Neuburg a.D. Rh e in p falz: Beob. Bergzabern 11., 12. I. massenhaft. — 1914. Unter franken: Br, Amorbach, Kitzingen, Marktbreit, Marktsteft, Ochsenfurt, Veitahöch- heira, Würzburg. Mittelfranken: Br. Altdorf, Baiersdorf, Brück, Bubenreuth, Dietersheim, Erlangen, Fürth, Georgensgmünd^ Hersbruck, Nürnberg, St. Johann, Schauerheim, Sieglitzhof, Unterbürg, Wilherms- dorf. Oberfranken: Br. Alexandersbad, Banz, Bayreuth, Berneck, Eremitage, Fantasie, Greifensteiu, Hausen, Hof, Hollfeld, Honings, Kirchen- lamitz, Markt Redwitz, Münchberg, Neuhaus b. A., Niederlamitz, Raben- stein, Reinersreuth, Rollwenzelei, Roßdorf, Stafifelstein, Tröstau, Unners- dorf, Unteraufseß, Wunsiedel. Niederbayern: Br. Metten. Ober- bayern: Br. Andechs, Argeisried, Berchtesgaden, Dachau, Ebenhauseu, Erching, Isnianiug, Königsee, Leuggries, Mittenwald, München, Pasing, Pullach, Rottach, Schönau, Seesliaupt, Tegernsee, Unterföhring, Wolf- ratshausen. Schwaben: Br, Affaltern, Liuden. Rbeinpfalz: Br. Börr- stadt, Hochspeyer, Homburg. 3. Card'uelis carduelis cardtielis (L,), Stieglitz, 1911. Unterfranken: Br. Burglauer, Dorgeudorf, Lohr s, zahlr., Partensteiu St. Beob. Gailbach 17, I., 4. X.^ Schweinheim 17.1., 4. X. M ittelf r au keu : Br. Artelshofeu, Atzeisberg, Baiersdorf, Baudeubach spärl., Brück, Butteudorf, Eichstätt zahlr., Eitersdorf, Erlangen s. zahlr., Fürth, Heroldsberg, Hohenstadt, Königshof, Nürnberg, Schwabach zahlr., Schweinau. Beob. Hartmaunshof Herbst s, zahlr,, Rohensaas 3. IX., Traishöchstädt 3. IX., Welkenbach 1. X,, Ziegelstein 11. XI, Ober- franken: Br, Büchenbach, Großenseebach, Heroldsberg, Kersbach, Mechelwind, Muggendorf, Neuhaus, Streitberg. Beob. Gerlas 26. IX. Fl., Kairliudach I. X., Kleiuueuses 3. IX., Lappach 3. IX. Oberpfalz: Br, Bachhausen, Neumarkt spärl,, zahlr. D. Niederbayern: Br, Metten zahlr., Herbst Fl, —20 St,, Pfarrkirchen zahlr, Beob, Riedelsbach 3, IV. Oberbayeru: Br, Erching zahlr. St., Langenbruck St. Schwaben: Br. Affaltern, auch Herbst u. Winter, Lindau, — 1912. Unterfranken: Br. Amorbach, Aschaffenburg, Bad Kissingen, Burglauer, Neuhaus, Beob. Amorbach 16, IX. 50 St. d., Burglauor 31.1,, 29. XH. d. Mittel- franken: Br. Almoshof, Ansbach, Beerbach, Boxdorf, Brück, Buben- reuth, Buckenhof, Cadolzburg, Dambach, Dehnberg, Dietersdorf, Ebeu- see, Erlangen, Erlenstegen, Eschenau, Etzelsdorf, Fürth, Gebersdorf, Georgensgmünd häuf., Gleißhammer, Großgründlach, Großreuth b. Schw,, Großreuth h, V,, Günthersbühl, Haimendorf, Heroldsberg, Hersbruck, Hilpoltstein, Höfen, Höflas^ Hohenstein, Hüttenbach, Käswasser, Kalch- reuth^ Kleiugrüudlach, Kleinreuth b. Schw., Kleinreuth h. V., Kronach, Leyh, Mauhof, Marienberg, Mögeldorf, Neuhof, Neumühle, Neunhof b. L,, Neuses, Nürnberg, Oberbürg, Oberndorf, Rathaberg, Reichenschwand, fi Gengier: Materialien. I ^ ,, ' L CfGS. Bay. Röckiugeu, Scliöuberg, Schwabacb, Schweiuau, Sieglitzhof, Siramelberg, Simmeisdorf, Simonsbofeu, Tauchersreutb, Teuueulohe, Thou, Triesdorf, Tulluau, Ulseubeini, Utteureutb, Veilbof, Vorra, Weiber, Weibersbof, Weißenburg i.B., Zerzabelsbof, Zirudorf. Oberfraukeu: Br. Behriugers- mlible, Betzensteiu, Diepoldsdorf, Ebermaunstadt, Eckeureutb, Egloff- stein, Forclibeim, Gasseidorf, Gosberg, Gi'äfenberg, Großengsec, Hetzen- dorf, Hetzles, Höcbstädt, Horlacb, Hüll, Igelsdorf, Ittliug, Kemuathen, Kersbacb, Küblenfels, Leupoldstein, Merguers, Mostviel, Neubaus a. P., Ottenberg, Pegnitz, Pretzfeld, Reutb, Roßdorf, Spies, Stierberg, Streit- berg, Tucbersfeld, Weidacb, Wannbacb, Weideusees, Wiesentbau. Beob. Roßdorf 27. X. gr. Fl. d. Oberpfalz: Br. Hagelstadt, Königstein, Lebenbammertbal, Neukircben b. S., Neuraarkt, Prüfeuing, Pruppacb, Regensburg, Weiher. Niederbayern: Br. Achdorf, Edeustetten häuf., Eisenstein spärl., Laudshut, Metten nicht s. häuf., Michaelsbuch häuf., Plattliug, Rabenstein. Oberbayeru: B. Hohenaschau häuf., Moos- burg, München. Beob. Biscbofswiesen 6. X. gr. Fl. S. d. Schwaben: Br. Affaltern nicht seit., Kaufbeuren, Warching. Beob. Affalteru Auf. X. Fl. Fl. Rheinpfalz: Br. Bergzabern. — 1913. Un terfraukeu: Br, Amorbach, Bischofsbeim, Brandtal, Burglaner, Frickenhausen, Groß- langbeim, Hausen^ Hohe Rhön, Kreuzberg, Mellrichstadt, Neuhaus, Neu- stadt a. S., Streutal. Mittelfranken: Br. Altdorf, Altenberg, Ansbach^ Aspertshofen, Baiersdorf, Bernhof, Boxdorf, Breitenlohe, Brück, Buben- reuth, Buckenhof, Cadolzburg, Diepersdorf, Dietershofen, Dollnstein, Eitersdorf, Entenberg, Erlangen, Escheubach, Fürth, Gersdorf, Haimeu- dorf, Hammer, Hedersdorf, Heroldsberg, Hersbruck, Heßbach, Heuch- ling^ Hormersdorf, Käswasser, Kalchreuth, Klingenhof, Kraftshof, Kronach^ Kühnhofen, Lichtenau, Merkendorf, Möhrendorf, Muggenhof, Nürnberg, Oberhaidelbach, Oberndorf, Ottensoos, Pötzling, Raschbach, Riegelsteiu, Rockenbrunn, Sachsen, Schafhof, Schattenhof, Scheerau, Schnaittach, Schwabach, Schwadermühle, Scbweinau, Sirameisdorf, Spardorf, Stein, Steiuensittenbach, Tennenlohe, Thalheim, Triesdorf zahlr., Unterachtal, Unterbürg, Unterhaidelbach, Unterreichenbach, Weiher, Wöltendorf zahlr. Beob. Dehnberg 26. IX. Ober franken: Br. Alterlaugen, Banz s. zahlr., Diepoltsdorf, Dormitz, Ebensfeld, Ebermanustadt, Forchheim, Gasseidorf, Glosberg, Göring, Gräfcuberg, Ilallstadt, Memmelsdorf, Mitwitz, Muggen- dorf, Neukenroth, Neunkirchen a. Br., Piuzberg, Plecb, Poxdorf, Roß- dorf häuf., Staffelstein zahlr., Stadtsteiuach, Streitberg, Uunersdorf zahlr., Wohlmuthshüll. Beob. Hesseiberg 5. X., Jägersburg 12. X., Krausen- bechhofen 5. X., Neuhaus 5. X. Oberpfalz: Br. Berching, Bärtel zahlr., Neunkirchen b. S., Obermaiushof, Plankstetteu , Poppberg, Sulzbacb. Niederbayern: Br. Langenbruck, Mamming, Pfarrkirchen häuf., Zwiesel. Oberbayern: Br. Dachau, Farchant, Feldwies, Garmisch, Haag, München, Murnau, Thalkirchen, Tölz, Traubiug. Schwaben: Br. Affaltern nicht seit., Biberbach, Neuburg a. D. zahlr., Stockheim. Rheiupfalz: Br. Bergzabern, Speyer. — 1914. Unterfranken: Br. Aniorbach, Hausen, Kitzingen, Marktbreit, Ochsenfurt, Segnitz, Sulzfeld, Würzburg. Mittel- -^^^^' ^' Gengier: Materialien. 7 1917 J ^ * fraukeu: Br. Altdorf, Baiersdorf, Bubeureuth, Buckeuhof, Cadolzburg, Dietersheim, Üombühl, Engelthal, Erlangen, Feucht, Fürth, Georgeus- gmüud, Haaghof, Ileufenfeld, Hersbruck, Holzhausen^ Lauf, Neustadt a. A., Nürnberg, Ochenbruck, Schauerheim, Stadeln, Steinbach, Tennen- lohe, Treuchtliugen, Utteureuth, Weiher, Weißeuburg i. B., Wilherms- dorf, Zerzabelshof. Ober franken: Br. Aisch^ Alexandersbad, Banz, Bayreuth, Berneck, Eremitage, Fantasie, Igelsdorf, Klebheim, Krausen- bechhofen, Nankeudorf, Neuhaus, Oesdorf, Pegnitz, Rollwenzelei, Eoß- dorf, Staffelsteiu, Unnersdorf, Weppersdorf, Wunsiedel. Oberpfalz: Br. Berchiiig, Bürtel zahlr. Niederbayern: Br. Metten (beob.: Frißt Schwarzwurzelsamen). Oberbayern: Br. Allach, Andechs, Bockhorn, Dachau, Gmünd, Herrschiug, Ismaning, Mitteuwald, München, Nymphen- burg, Obergries, Pasing, Schleißheim, Weßling. Schwaben: Br. Affaltern, Kaufbeureu , Kimratshofen, Linden. Rheinpfalz: Br. Homburg, Langmeil. 4. Acanthis cannahina cannabina (L.), Bluthänfling. igii. Unterfrauken: Br. Lohr. Mittelfranken: Br. Artels- hofeu, Baiersdorf, Eitersdorf, Erlangen. Beob. Rothenburg o. T. 4. III., Schweinau Herbst d. Ober franken: Br. Mohrhof, Pinzberg, Beob. Buch 1. X. Fl., Gerlas 8. X Fl. Niederbayern: Beob. Pfarrkirchen Winter. Schwaben: Br. Affaltern häuf., fehlt I., IL — 1912. Unter- franken: Br. Hammelburg. Mittel franken: Br. Brück, Eitersdorf, Erlangen, Kraftshof, Lohe, Neumühle, Nürnberg, Triesdorf häuf., Zer- zabelshof. Ober franken: Br. Gasseidorf, Herzogenaurach, Hetzles, Kersbach, Pommer, Poxdorf, Wohlmuthshüll. Oberpfalz: Br. Batz- hausen. Niederbayern: Br. Bayrischhäusl. Schwaben: Br. Affaltern häuf,, auch Winter. Rheinpfalz: Br. Bergzabern. — IQIS- Unter- franken: Br. Bischofsheim, Brendtal, Frickenhausen, Hohe Rhön, Kreuzberg, Mellrichstadt, Neustadt a. S., Streutal. Mittelfranken: Br. Baiersdorf, Boxdorf, Brück, Buckenhof, Eitersdorf, Erlangen 17. I. bis 3. XII. d., Gersdorf, Kraftshof, Kronach, Lobe, Marienberg, Poppen- reuth, Renzenhof, Schallershof, Weikershof. Oberfranken: Br. Bam- berg, Banz, Büchenbach, Göriug, Hausen, Kersbach, Roßdorf, StaflFel- stein, Streitberg. Beob. Gerlas 3. X. d. Niederbayern: Br. Eisenstein. Oberbayern: Br. Allach. Schwaben: Br. Affaltern häuf, im W. Rheinpfalz: Br. Bergzabern. Zunahme: Bergzabern. — 1914. Unter- franken: Br. Amorbach, Marktbreit, Sulzfeld, Veitshöchheim, Würz- burg. Mittelfranken: Br. Baiersdorf, Brück, Bubenreuth, Eitersdorf, Erlangen, Fürth, Linden, Möhrendorf, Neustadt a. A., Nürnberg, Obern- dorf, Unterbürg. Ober franken: Br. Banz, Goldmühl, Hesseiberg, Kirchenlamitz, Marktredwitz, Röhrach, Roßdorf. Ob erpfalz: Br. Buchberg. Oberbayern: Br. Andechs, Erching, Hechendorf, Ismaning, München. Schwaben: Br. Affaltern. Rheinpfalz: Br. Börrstadt, Göllheim, Hochspeyer, Homburg, Schifferstadt. ö Gengier: Materialieu. I ^ ",, " L Ges. Bay. 5. AcnntJiis flavirostris flavivostris (L.), Berghänfliug^). igii. Oberbayeru: Beob. Bischofswicsen Mitte X. im Latten- gebirge. 6. Acanthis linarla linaria (L.), Leiufink, Birkeuzeisig. igii. Mittelfranken: Beob. Kronach 19.1. mehrere Reguitz. — 1913, Mittelfrankeu: Beob. Kraftshof 15, XI., Nürnberg 3. XII. 80 St. Stadtpark. — 1914. Mittelfrankeu: Beob. Erlangen 2., 23. I. u. 15. II. kl. Fl. Fl., Georgensgraimd I., Ncugroßreuth 1. II. 20 St., Nürnberg I., IL, III. Fl. Fl. 7. S2)imiS spinus (L..), Erlenzeisig. 1911. Unt er franken: Beob. Baudenbach, Lohr s. häuf. Mittel- franken: Beob. Artelshofen, Buttendorf zahlr,, Erlangen 16. III., 8. X., Fürth 14. I., 1. II. Oberfranken: Beob. Kersbach 3. XIL Niederbayern: Beob. Langeubruck, Metten häuf., Riedelsbach 3. IV., Schlachtenbach. Schwaben: Beob. Affalteru spärl. 8. X. — 1912. Uuterfranke u: Beob. Aniorbach 16. IV., Aschaffenburg, Burglauer zahlr. W. Mittelfranken: Beob. Dutzendteich 17. XL 100 St., Er- langen 18. I. kl. Fl., Georgensgmünd, Marienberg 17. XL, Morsbrunn 28. IV. 1 P., Nürnberg 27. X. 60 St., 3. XL 2 St., Rittersbach 21. XIL, Röckingen. Oberfranken: Br. Bischofsgrün. Beob. Roßdorf viele. Schwaben: Beob. Affaltern 11., 17. X. Rheinpfalz: Beob. Berg- zabern. — 1913. Uuterfranken: Beob. Burglauer zahlr. 1). Mittel- frankeu: Beob. Dutzeudteich 24. IIL 6 St., Erlangen 18. XII. kl. Fl., Nürnberg 9. IL kl. Fl., 13. IL 20 St., 17. IL ö"?, 3. XIL, Valznerweiher 16.11. lOSt. cf$, Ziegelstein 30. III. kl. Fl. Oberfranken: Beob. Roßdorf 16.x., 18., 28. XII. Fl. Fl. Niederbayern: Br. Laugen- bruck. Schwaben: Beob. Affaltern 7. IL, 15., 27. X., 6. XL, Kim- ratshofen 23. IV. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern häuf. W. — 1914. Mittelfrankeu: Beob. Erlangen 11., 12. L, 22.11., Nürnberg 4. bis 30. III. IP., 10. IV. 20 St. Oberfranken: Br. Bischofsgrün, Gold- mühl, Waldstein. Beob. Gaisfeld 29. XII. 140 St., Roiidorf 1. XL FL Oberbayern: Beob. Andechs, Wallberg 9. V. Niederbayern: Beob. Metten 2. L 100 St. Schwaben: Beob. Affaltern 7., 8. X. gr. Fl. 8. Seriniis eanariiis germanicifs Laubm., Girlitz. 1911. Unter franken: Br. Lohr s. häuf., Miltenberg 18. IV. Mittelfranken: Br. Brück, Erlangen 18. IV,, Hersbruck, Nürnberg 21. IV., Schwabach. Zunahme: Nürnberg. Oberpfalz: Br. Neumarkt (Zunahme). Niederbayern: Br. Bodeumais 19. IV., Grafenan, Langen- ^) Belegstück fehlt. Höchstwahrscheinlich handelt es sich nicht um den Berghänfling, sondern um den Alpenleinfink {Acanthis linaria cabaret [P. L. S. Müll.|), der in den benachbarten Gebirgen (Steinernes Meer, Unters- berg) stellenweise häufig ist. — Red. ^^^^' 1' I Gengier: Materialien. 9 1917 J brück, Pfarrkirchen. Rheinpfalz: Br. Kaltenbach 16. IV. — 1912. ünterfranken: Br. Bad Kissingen, Karlstadt, Würzburg 30. III. Mittelfranken: Behringersdorf, Buckenhof, Ebensee, Erlangen 27. III., Bubenreuth 31. III., Erlenstegen, Fürth, Georgensgmünd spärl., Gleiß- hammer, Grünthal, Herrnhütte, Mögeldorf, Nürnberg 29. III., Rathsberg, Röthenbach b. L., Schafhof^ Schmausenbuck, Schwabach, Stein, Weigels- hof, Zerzabelshof. Oberfranken: Br. Bamberg. Beob. Roßdorf IX. Oberpfalz: Br. Regensburg, Riuuenbruun. Niederbayern: Br. Bodeumais, Eisenstein s. spärl., Grafenau, Zwiesel. Oberbayern: Beob. München 7. IX. Schwaben: Br. Augsburg 15. IV., Göggingen. Rheinpfalz: Br. Bergzabern, Speyer 15. III. — 1913. Ünterfranken: Br. Würzburg 6. IV. Mittelfranken: Br. Ansbach I.V., Behringers- dorf, Dutzendteich, Ebensee, Erlangen 23. III., Erlenstegen 5. III., Fischbach 2. III., Fürth, Grünthal, Hammer, Hersbruck, Lauf, Mögel- dorf, Muggcnhof, Nürnberg 28. III., Pommelsbrunn, Röthenbach b. L., Rückersdorf, Schwabach, Schwaig, Schweinau, Schweinsdorf 24. III., Sieglitzhof, Stein a. R., Utteureuth, Weigelshof, Zerzabelshof, Ziegel- stein. Ober franken: Br. Neunkirchen, Roßdorf. Oberpfalz: Br. Sulzbach. Niederbay eru: Br. Bodenmais 28. IV., Langeubruck. Schwaben: Br, Augsburg, Rheiupfalz: Br. Bergzabern 24. III. — 1914. ünterfranken: Br. Kitzingeu, Mai-ktbreit, Marktsteft, Ochsen- furt, Sulzfeld, Veitshöchheim, Würzburg, Zell. Mittelfranken: Br. Buckenhof, Erlangen 11. III., Erleustegen 9. III., Fröschau, Fürth, Georgensgmüurl, Hersbruck, Lauf, Nürnberg 9. IV., Ochenbruck, Utteu- reuth. Ober franken: Br. Bamberg, Bayreuth, Bug, Kramershof, Roßdorf. Oberbayern: Br. München, Tegernsee. 9. Pyrrhtila pyrrhula pyrrhula (L.), Großer Gimpel. 1914. Mittelfranken: Beob. Erlangen 21.1. kl. Fl, cTj, $ Über- zahl., 23. I. Fl., 1 cT singt. 10. PyrrJitila pyrrhula europaea Vieill. Kleiner Gimpel. 1911. Unterfrauken: Br, Lohr. s. häuf,, Mainbullau, Mittel- franken: Br, Artelshofen, Baudenbach seit., Buttendorf, Erlangen, Schwabach. Beob. Fürth 14. I., 5. II. Vestener W., Nürnberg häuf. Oberpfalz: Br, Neumarkt seit. Beob, Hirschau nicht seit. Nieder- bayern: Br. Pfarrkirchen seit. Beob. Haidemühle häuf,, Metten 7.11., Schachtenbach spärl. Oberbayeru: Br. Langeubruck. Beob, Meilen- berg Herbst s. viele. Sehwaben: Beob. Affaltern häuf. 20. V., 23. VI. je 1 P. (vernichten die Knospen der Johannisbeeren), Biesseuhofen 9. II., 12. IIL, Kaufbeuren 21., 26. XIL Rheinpfalz: Beob. 5.— 15. IIL, 3., 28. VIIL, 25. XIL — 1912. Unterfranken: Br. Aschaffenburg, Bad Kissingen, Weilbach, Beob. Amorbach 1. X. 30 St., W^atterbach 1, III, Mittelfranken: Br. Erlangen, Georgensgmünd, Nürnberg, Schwabach. Beob. Beerbach Winter, Erlenstegeu 26. IIL, Röckiugen Winter, Ulsenheim 1, X. Fl. Fl, 5. X. sehr viele. Oberfranken: -lO Geui'ler: Materialion. I " ' ^^ *= L ^^es. Bay. Br. Behriiigcrsmülile, Ittliug, Leupoldsteiii; Otteuberg, KcipertsgeseD, Trägeuweis. Beob. Roßdorf I. — III. Oberpfalz: Br. Regeusburg. Niedorbayern: Br. Eiseusteiu, Lndwigsthal, Neuwaldhaus, Rachel, Zwicselau^ Zwiesler-Waldliaiis. Oberbayeru: Br. Hoheuascliau. Beob. Ruhpoldiug 27. Vlll. Schwaben: Beob. Affaltern 28. V., 22. VI., 19., 23. VII. u. streichend. Rhein pfalz: Br. Bergzaberu. — 1913. Uu tcrfraukeu : Br. Bnrglauer, Hohe Rhön, Kreuzberg, Lohr. Mittel- frank eu: Br. Dutzendteich, Erlangen, Erlenstegeu, Haidberg, Nürn- berg, Schmausenbuck^ Schwabach, Zerzabelshof. Beob. Eiclistätt 16. III. 2cf 2$, Kraftshof 15. XL 50 St., Mögeldorf 16. II. s. cT- Ober- frankeu: Br. Bamberg, Berneck, Bischofsgrün, Neuukirchen, Roßdorf. Beob. Presseck 25, XI. viele, XII. sehr viele. Ni ed erbay e r u: Br. Arberhütte, Pjisenstein. Oberbayeru: Br. Langeubruck. Beob. Andechs Winter, Ilochkopf 1. VI. 1 P., München 3. IL 1 P., Obergraiuau 7. VIIL, Ruhpolding 10.— 21. VIIL häuf., Tölz 30. III. Schwaben : Beob. Affaltern häuf. I). — 1914- Unterfranken: Br. Würzburg. Beob. Amorbach Winter. Mittelfrauken: Br. Erlangen. Beob. Dutzendteich L, Erleu- stegen IL, Georgensgmünd L, Nürnberg L, IL, III. Oberfranken: Beob. Oberaufseß 13. IV. 1 F., Roßdorf. Oberbayern: Br. Glashütte, Kreuth, München, Wallberg, Wolfratshausen. Beob. Andechs Winter. Schwaben: Beob. Affaltern (Knospenfresser). 11. Loücia curvirostra curvirosfra L., Fichteukreuzschnabel. 1911. Unterfranken: Beob. Lohr 6. VI. Mittelfrauken: Beob. Erlangen 25. VI. 10 St., 28. VL mehrere cTcT, 28. VIIL kl. FL Nieder- bayer u: Beob. Metten D., Schachtenbach spärl. Oberbayern: Beob. Erchiug sehr zahlr., oft Fl. v. 40 — 60 St. (verzehren Blattläuse). Schwaben: Beob. Affaltern seit., 6. VL 20 St., 23. VL kl. Fl., 11. IX. 5 St., Kaufbeureu 20., 21. VL — 1912. Mittelfranken: Beob. Erlangen 30. V. kl. Fl., 13. VI. 8 St. Oberfranken: Beob. Roßdorf V.— IX. Fl. Fl. Niederbayern: Br. Bayrischhäusl, Eisenstein, Regeuhütte. Beob. Neuwaldhaus VII., VIIL Schwaben: Beob. Affaltern 29. IIL, 12. VI. d. — 1913. Oberfranken: Beob. Roßdorf V.— VIIL, IX., X. Niederbayern: Beob. Eisenstein 13. VIIL, Regenhütte 14. VIIL Rheinpfalz: Beob. Bergzabern 1. VII. Fl. — I9I4' Mittelfranken: Beob. Erlangen 21. V. Reichswald. Ober franken: Beob. Roßdorf IIL — X., VIIL bes. viele. Oberbayern: Beob. Andechs X., XII., Köuigsee 30. VII. viele Malerwinkel, Kreuth 9. V. Schwaben: Beob. Affaltern 7. VI. viele, Freihaldeu Mitte VI. viele, Kaufbeureu IX., X. FL Fl. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern Mitte VI. viele. 12. FringiUa coelebs coelehs L., Buchfink. 1911. Unterfrankeu : Br. Baudenbach, Bingert, Burglauer, Dorgeu- dorf, Irtenberg, Lohr, Maiubullau, Schollbrunu. Mittelfrauken: Br. Adlitz, Artelshofen, Atzeisberg, Baiersdorf, Brück, Bubenreuth, Buch, Dachsbach, Eichstätt, Eitersdorf, Erlangen, Fürth, Großgrüudlach, Haag- ■^^^^' ^' Gengier: Materialien. Hl 1917 J liof, Happurg, Hartmanusbof, Heroldsberg, Kleiugründlacli, Krouach, Markt Erlbach, Nürnberg, Rathsberg, Scbauerheim, Schnecken bot", Scbwabacb, Spardorf, Traisböchstätt, Wacbenhofen, Weißenburg i. B. Oberfrauken: Br. Bräuuingsbof, Burk, Decbsendorf, Ebermannstadt, Effoltricb, Forchbeim, Gerlas, Großenseebacb, Hausen, Heßdorf, Hessel- berg, Honings, Mecbelwind, Muggeudorf, Naukendorf, Neunkirchen a. B., Oberlindach, Piuzberg, Poxdorf, Pretzfeld, Sintraanu, Streitberg, Welkeu- bach, Wiukelhof. Oberpfalz: Br. Bachhausen, Hirschau, Neumarkt. N iederbayeru : Br.Kelheim, Metten, Metteubucli, Pfarrkirchen, Schachten- bach, Scheuereck, Oberbayeru: Br, Kreuth, Langeubruck. Schwaben: Br. Affaltern , Buchen berg, Nördlingeu, Rbeinpfalz: Leimen. — 1912. Uu terfraukeu : Br. Amorbacb, Aschaflfenburg, Bad Kissingen, Burg- lauer, Parkhaus Sylvan, Steinach, Watterbach, Würzburg. Mittelfrankeu : Br. Alfalter, Almoshof, Alteufurt, Alte Veste, Ansbach, Atzeisberg, Baiersdorf, Beerbach, Bebringersdorf, Bernlohe, Bislobe, Boxdorf, Brück, Brunn, Bubeureuth, Buch, Buckenhof, Cadolzburg, Dambach, Dehuberg, Dietersdorf, Ebensee, Egersdorf, Eitersdorf, Erlangen, Erleustegeu, Fisch- bach, Fischbrunn, Frauenaurach, Fürth, Gebersdorf, Georgensgmünd, Geras- mühle, Gleißhammer, Großgeschaidt, Großgründlach, Großreuth b. Scbw., Großreuth h, V,, Grüutbal, Günthersbühl, Haimeudorf, Heroldsberg, Herrnhütte, Hersbruck, Heucbliug, Hilpoltstein, Höfen, Hohenstein, Hub, Hütteubach, Huudsmühle, Kalcbreuth, Kleingründlach, Kleinreutb b. V., Kleinseebach, Königsraühle, Kraftshof, Krouach, Lauf, Laufamholz, Lohe, Manhof, Marienberg, Marlofifstein, Mögeldorf, Möbrendorf, Moritzberg, Müblbof, Neuhof, Neumühle, Neunhof b. L., Neuses, Neustadt a. A., Nürnberg, Nuschelberg, Oberbürg, Oberferrieden, Oberndorf, Ocbeubruck, Ondeuberg, Pomraelsbruuu, Poppeureuth, Rathsberg, Reutles, Röckiugeu, Röthenbach b. L,, Röthenbach b. Schw,, Roth, Rückersdorf, St, Jobst, Schafhof, Schallershof, Schmausenbuck , Schnepfenreuth , Schöuberg, Schwaig, Schwarzenbruck, Schweiuau, Sieglitzhof, Simmeiberg, Simmels- dorf, Simonshofen, Spardorf, Speikern, Stadeln, Tauchersreuth, Tenneu- lobe, Thon, Triesdorf, Tiillnau, Utteureuth , Veilhof, Weigelshof, Weihershof, Weißenburg i, B., Wendelstein, Zerzabelsbof, Ziegelstein, Zirndorf. Ober franken: Br. Apfelbach, Baad, Bäreuthal, Bamberg, Betzenstein, Böseubirkig, Broun, Büchenbach, Decbsendorf, Diepoldsdorf, Dormitz, Ebermannstadt, Eckeureutb, Egloffstein, Forchbeim, Gasseidorf, Geiselböhe, Gößweinstein, Gosberg, Gräfenberg, Hausen, Herzogenaurach, Hetzendorf, Hetzles, Höchstädt, Horlach, Hüll, Tgelsdorf, Ittliug, Kappel, Keranatben, Kersbach, Kircbehrenbach, Kolmreuth, Kühlenfels, Leupold- stein , Lützeldorf, Mergners, Neraschenreuth, Neuhaus a. P., Neuu- kirchen a. Br., Oberacbtel, Oberailsfeld, Ottenberg, Ottenhof, Peguitz, Pinzberg, Poramer, Poxdorf, Pretzfeld, Rabeneck, Rabeustein, Reiperts- gesen, Roßdorf, St. Helena, Schoßaritz, Schweintbal, Serlbach, Spieß, Stierberg, Streitberg, Trägeuweis, Tscbini, Tüchersfeld, Untertrubach, Unterzaunsbacb, Weidach, Waiganz, Wannbach, Weidensees, Weidenhüll, Winkelhof, Wiesenthau, Woblrauthsbüll, Wolfsberg. Oberpfalz: Br. 12 Gcn£>;lcr: Materialien. I Ürn. Bay. Bärnhof, Batzbauscu, Hirscbbach, Ilirschlach, Köuigstein, Leheiihammer- tal, Lunkem-eutb, Neidsteiu, Neukircliou b. S., Neutras, Postbauer, Regüusburg, Kotbeubruck, Sackdilling. Nieder bay er n: Er. Acbdorf, Bayriscbbänsl, Brennes, Eisenstein, Eisensteinermühle, Frauenan, Gott- frieding, Gundlkofen, Iliuterstciuliütto, Laudshut, J^iclitentlial, Ludwigs- thal, Metteu, Neuhütte, Neuwaldhaus, Regen. Kegeuhütte, Schwarzental, Spiegelau, Steinbutte, Triefeuried. Oberbayern: Br. Audeclis, Frauen- chiemsee, Fritz am Sand, Fuchsau, Gars, llaßlberg, llobenaschau, Kirch- berg, Kreuth, Laubau, Moosburg, Mühlbauer, München, Keichenhall, Rubpolding, Traunstein. Schwaben: Br. Affaltern, Biberbach. Rhein - pfalz: Br. Bergzabern, — 1913- Un terfr au keu : Br. Amorbacii, Bad Neuhaus, Bischof'sheira, Brandtal, Burgbiuer, Friekenhausen, Hohe Rhön, Kreuzberg, Mellrichstadt, Neustadt a. S., Salzburg, Steiubach, Streutal, Wattenbach. Mittelfranken: Br. Ansbach, Atzeisberg, Baiersdorf, Ballmaunshof, Bebriugersdorf, Bernhot', Birnthon, Boxdorf, Brück, Buben- reuth, Buckcuhof, Cadolzburg, Üambach, Dehnborg, Diepersdorf, Diepolts- dorf, Dollnstein, Doos, Ellen bach, Eitersdorf, EugeUhal, Eutenberg, Erlangen, Erleustegen, Eschenau, Escheubach, Feucht, Fischbacb, Forth, Fuchsmülile, Fürth, Gammersfeld, Gebersdorf, Gerbersdorf, Haimeudorf, Hammer, Iledersdorf, Heiligenmühle, Heufeufeld, Heroldsherg, Hersbruck, Heuchling, Hilpoltstein, Hohenstadt, Hubraersbcrg, Hütteubach, Kalch- reuth, Klingenhof, Kraftshof, Kübuhofen, Lauf, Laufamliolz, Leinburg, Lichtenau, Lochhof, Malmsbach, Manliof, Merkendorf, Mittelbürg, Möhren- dorf, Muggenhof, Netzstall, Neuhof, Neunhof, Netises, Nürnberg, Ober- haidelbach, Oberudorf, Oedenburg, Offenbausen, Otteusoos, Raitersaich, Raschbach, Rathsberg, Reuzeuhof, Rockenbruuu, Rötheubach b. L., RoU- hofeu, Rückersdorf, Sachsen, Schallershof, Schatten hof, Scheerau, Schnaittach, Schwabach, Schwaig, Schweiuau, Sieglitzhof, Simmeisdorf, Spardorf, Stein a. R., Steinach, Steinensitteubach, Teuneulobe, Triesdorf, Unterbürg, Unterfarrubach, Uuterhaidelbach, Uuterreichenbach, Wacben- bofen, Weigelshof, Weiher, Weißenburg i, B., Wellerstadt, Wellheim, Wetzendorf, Wolkersdorf, Ziegelstein. Oberfraukeu: Br. Alterlangen, Banz, Büchenbach, Butteuheim, Doos, Ebermannstadt, Ebing, Eggolsheim, Forchheim, Gassoldorf, Gerlas, Gosberg, Gräfenberg, Ilallstadt, Hirschaid, Igelsdorf, Kersbach, Kleiusendelbacb, Köttensdorf, Kosbach, Kunigunden- ruh, Memmelsdorf, Neuhaus, Neunkirclien a. Br., Peulendorf, Fiuzbcrg, Plech, Pretzfeld, Riegelsteiu, Roßdorf, Rüsselbach, Scheßlitz, Schloßaritz, Spieß, Stafifelstein, Straß-Giech, Streitberg, Strullendorf, Uunersdorf, Untertrubach. Weiseuuohe, Wiesenthau, Wiukelhof, Zapfeudorf. Ober- pfalz: Br. Beilugries, Berchiug, Bürtel, Etzelwang, Hatzenreuth, Kauer- hof, Neidstein, Neunkircheu b, S., Obermainshof, Peilstein, Poppberg, Sulzbach. Nieder bayern: Br. Arber, .\rberbütte. Arbersee, Bäumen- heim, Bayriscbbänsl, Eisen steinermühlo, Grafhütte, Ludwigsthal, Metten, Ncuwaldhaus, Pfarrkirchen, Regenhütto, Steinbutte, Theresienthal, Zwiesel. Oberbayern: Br. Aibling, Allach, Alteuau, Berchtesgadeu, Berggeist, Bockhorn, Brand, Dachau, Eibsee, Farchant; Freilassing, Garraisch, ^^^^' ^' I Gengier: Materialien. 13 1917 J Grafenaschau, Grafing, Großweil, Grüuthal, Gstadt, Haag, Hintersee, Ingolstadt, Königsee, Langeubruck, München, Murnau, Oberammergau, Obergrainau, Oed, Partenkircben, Polin, Prien, Ramsaii, Reichenhall, Rießersee, Ruhpolding, Schlehdorf, Schleißheim, Siegsdorf', Teisendorf, Thalkirchen, Traunstein, Tölz, Wernleiteu, Zwergern. Schwaben: Br. Affaltern, Elleubrunn, Rennertshofen, Seehof, Treidelheim. Rheinpfalz: Br. Bei'gzabern. — 1914- U nter fran keu : Br. Amorbach, Frickenhausen, Kitzingen, Marktbreit, Markt Bibart, Marktsteft, Ochsenfurt, Segnitz, Sulzfeld, Veitshöchheim, Weilbach, Winterhausen, Würzburg, Zell. Mittelfranken: Br. Artelshofen, Aspertshofen, Atzeisberg, Baiersdorf, Birnthou, Bräuningshof, Brück, Bubenreuth, Buckenhof, Cadolzburg, Dietershofen, Ebersbach, Eitersdorf, Engelthal, Erlangen, Feucht, Fisch- bach, Fürth, Gauchsmühle, Haaghof, Henfenfeld, Hersbruck, Hoizhausen, Kirchensittenbach, Kleedorf, Linden, Markt Erlbach, Mögeldorf, Möhren- dorf, Neustadt a. A., Nürnberg, Ocheubruck, Prackenfels, Rathsberg, Rumraelsburg, Rupprechtstegen, Schauerheim, Schuiegling, Sieglitzhof, Siglitzberg, Stadeln, Steiubach, Tenneulohe, Ungelstetten, Unterwald- dachsbach, Uttenreuth, Wilhermsdorf. Ober franken: Br. Aisch, Alexandersbad, Banz, Bayreuth, Berueck, Bischofsgrün, Büchenbach, Butten heim, Decbsendorf, Doos, Effeltrich, Epprechtstein, Eremitage, Fantasie, Gasseidorf, Goldmühl, Greifenstein, Hausen, Hetzles, Hirschaid, Hof, Ilollfeld, Houings, Karches, Kirchenlamitz, Klebheim, Kösseine, Krausenbechhofen, Langenloh, Luisenbiu'g, Marktred witz, Münchberg, Muggendorf, Nankendorf, Neuhaus, Neuhaus b. A., Neumühle b. G., Neunkirchen a. Br., Niederlamitz, Nußhardt, Oberaufseß, Ochsenkopf, Oesdorf, Plankenfels, Poppenwind, Poxdorf, Rabeneck, Röhrenhof, Rötteu- bach, Rollwenzelei, Roßdorf, Schneeberg, Schönhof, Silberhaus, StafPel- steiu, Traindorf, Tröstau, Unnersdorf, Unteraufseß, Unterleinleiter, Veil- broun, Waischenfeld, Waldstein, Wappersdorf, Wolfsfels, Wunsiedel, Zell. Ober pfalz: Br. Buchberg. Nieder bayern: Br. Metten, Pfarr- kirchen, Schwarzenthai. Ober bayern: Br. Andechs, Berchtesgaden, Bernried, Bockhorn, Dachau, Erching, Gauting, Glashütte, Hechendorf, Höllriegelskreuth, Ismauing, Kochel, Königsee, Kreuth, Krünn, Mitten- wald, Nymphenburg, Pasiug, Planegg, Pullach, Salzberg, Schäftlarn, Schönau, Seeshanpt, Tutzing, Uuterföhring, Unterstein, Urfeld, W^allberg, Walchensee, Wallgau, Wolfratshauseu. Schwaben: Br. Affaltern. Rheinpfalz: Br. Bergzabern, Frankenthal, Hochspeyer, Hinterweiden- thal, Schiff'erstadt, Speyer. 13. Fringilla montifringilla L., Bergfink. 1911. Mittel fran keu: Beob. Buttendorf W., Eichstätt W., Er- langen 11. I., Nürnberg W. Niederbayern: Beob. Neuschöuau 5.1V. 1000 St., Riedelsbach o. IV. Fl. Ob er bayern: Beob. Feldraoching 12. IIL Schwaben: Aff'altern 6.I. — 27. III., 16. X.— 1. XII. FL Fl. —2000 St., Kaufbeuren Ende XII. Rheinpfalz: Beob. Bad Dürk- heim 5. IIL, Leimen 1. III. — 1912. Unterfranken : Beob. Parkhaus 14 Gengier: Materialien. fVerh. Orn. ^ L Ges. Bay. Sylvau Auf. III. Mittelfranken: Beob. Erlangen 3. IL einige cJ^cT, 5. II. 1 g, Nürnberg 10. IL, Röckingen, Triesdorf, Ulsenheim 3. X. Oberfranken: Beob. Tschirn 5.III.— 16.IIL 800— 1000 St. Nieder- bayern: Beob. Mainbnrg wenige. Oberbayern: Beob. Audechs 21. II. spärl., Bischofswiesen 22. X. gr. Fl., G Wochen da., Frauonchiem8ee I. viele, Großhesselohe 24. XL 8— 10 000 St. in Fl. d., Hohenaschau. Schwaben: Beob. Affaltern 13.1. 100 St., 22., 29. 1 , 20.11. 150 St., 23. IV. 1 cT, 10. X., 19. X., Döringen G. II. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern 8. X. augek. — IQIS- Mittolf ranken : Beob. Kraftshof 15. XL Oberfraukeu: Beob. Gerlas 3. X. 150 St., 27, X. 100 St., II. XIL 150 St., Roßdorf 28. XIL Fl. N i e d er b a y er n : Beob. Fiusterau 23. III. gr. Fl. FI., 7. IV. gr. Fl. Fl., Pfarrkirchen III. Ober b ayern: Beob. Großhesselohe, Langenbruck 23. XIL, RuhpoldingW. Schwaben: Beob. Affaltern 2. IL, 30. IIL, 7. X., 11. X., 26. XL, Kaiifbeuren 14. IX. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern nur vereinzelt, weil keine Bucheln. — I9I4- Mittelfran keu : Beob. Berolzheim 16. IIL, Brück 28. IL Fl., Erlangen 1. I. kl. Fl., 19. IIL, Erlenstegeu 15. IL, Georgensgmüud L, Mögeldorf 11. L, Nürnberg 6. I. — 15. IIL, Unterbürg 8. 15. IL Nieder bayeru: Beob. Metten 30. I. 4 St., Tann 14. III. Oberbayern: Beob. Ingolstadt 10. I. Fl. Schwaben: Beob. Affaltern 9. L— 19. IIL, 5. X.— 10. XIL Rheinpfalz: Beob. Bergzabern I. 14. MontifrinffiUa nivalis nivalis (L.), Schneefiuk. 1912. Oberbayern: Beob. Bischofswieseu, an der SO-Seite des Untersbergs. Schwaben: Beob. am Gufel 2000 m, au der Höfats, 2200 m Höhe. 15. Petronia petronia petronia (L.), Steinsperling. 1913. Unterfrauken: Br. Salzburg; 8. VI. 10— 12 St.. 25.— 26. VII. 3 — 4 P., 2 Nester besetzt, in einem Flaumjunge, in einem flügge juv. 16. Passer domesticus (lofnesticns (L.), Ilaussperling. 1912. Unterfrankcu: Fehlt am Kreuzberg. 17. Passer niontanns niontaniis (L.), Feldsperling. 1911. Unterfranken: Br. Lohr häuf. Mittelfranken: Br. Artelshofen, Baudenbach, Brück, Eichstätt häuf., Erlangen häuf., Groß- grüudlach, Großhabersdorf häuf., Uuterwalddachsbach. Beob. Dachsbach 3. IX., Nürnberg 13. XL, Rückersdorf 27. IX., Vach. Oberfranken: Br. Honings, Krauseubechhofeu, Neunkirchen a. Br., Streitberg. Ober- pfalz: Br. Bachhauson, Hirschau. N iederbay e ru : Br. Metten häuf. Oberbayeru: Br. Langenbruck. Schwaben: Br. Affaltern häuf., Linden. — 1912. Unter franken : Br. Aschaffenburg. Mittelfrauken: Br. Almoshof, Beerbach, Bebriugersdorf, Brück, Bubeureuth, Buckenhof, Dutzendteich, Ebensce, Eberhardshof, Erlangen, Erlenstogen, Fischbach, -^^^■^' ^'1 Geagler: Materialien. 15 1917 J Frau enaur ach, FUrth, Georgen sgmünd, Gleißhammer, Großreuth b. Schw., Großreuth h. V., Heroldsberg, Käswasser, Kalchreuth, Kleinreuth b. Schw., Kleinreuth h. V., Kraftshof, Laufamholz, Lohe, Marienberg, Mögeldorf, Mühlhof, Neuhof, Neumühle, Neunhof b. L., Nürnberg, Oberbürg, Oedeu- berg, Poppeureuth, Röckingen, Röthenbach b. Schw., Ronhof, Simmel- berg, Simonshofen, Steinacb, TauchersreiUh, Thon, Triesdorf, Wetzeu- dorf, Zerzabelshof, Zirndorf. Beob. Spitalhof 17. III., Ziegelstein 21. IV. Ober franken: Br. Büchenbach, Ebermannstadt, Gosberg, Herzogen- aurach, Hetzles, Kappel, Kemnathen, Kersbach, Peguitz, Pommer, Pox- dorf, Pretzfeld, Reuth, Roßdorf, Wohlrauthshüll. Oberpfalz: Br. Frankenhof, Lunkeureuth, Neudorf, Obertraubliug. Niederbayern: Br. Arber, Bayrischhäusl, Eisenstein, Ludwigsthal, Metten, Neufahrn, Neuhütte, Neuwaldhaus, Radidorf, Regenhütte. Oberbayern: Br. Moosburg. Schwaben: Br. AflPaltern. Rheinpfalz: Br. Bergzabern. — 1913. ünterfr anke n : Br. Amorbach, Bischofsheim, Frickenhausen, Mellrichstadt, Neustadt a. S. Mittel franken: Br. Altenberg, Brauns- bach, Eitersdorf, Erlangen, Fürth, Haimendorf, Hedersdorf, Heroldsberg, Hersbruck, Hubmersberg, Kühnhofen, Leiuburg, Lichtenau, Merkendorf, Oberndorf, Pötzling, Pommelsbrunn, Rathsberg, Renzenhof, Röthen- bach b. L., Simmeisdorf, Spardorf, Stein a. R., Tennenlohe, Triesdorf, Uifenheim, Unterhaidelbach, Wattenbach, Weigelshof, Wetzendorf. Ober- frauken: Br. Alterlangen, Banz, Brand, Forchheim, Gasseidorf, Gräfen- berg, Kersbach, Kosbach, Krausen bechhofen, Poppenwind, Roßdorf, See hof, Unnersdorf. Oberpfalz: Br. Etzelwang. Niederbayern: Br Eisenstein, Metten, Natternberg, Neuhausen, Tann. Oberbayeru: Br Andechs, Laugenbruck, Schleißheira. Schwaben: Br. Aflfaltern, Kauf- beureu. Rheinpfalz: Br, Bergzabern. — 1914. Un terfran ken: Br Marktsteft, Veitshöchheim, Würzburg. Mittelfranken: Br. Baiers dorf. Brück, Bubenreuth, Dintersheim, Erlangen, Erlenstegen, Fürth Hersbruck, Kleinseebach, Linden, Markt Erlbach, Möhrendorf, Nürnberg Oberndorf, Rummelsberg, Schauerheim. Ober franken: Br. Banz Bayreuth, Berneck, Fantasie, Hausen, Hollfeld, Honings, Krausenbech- hofen, Neuhaus, Neunkirchen a. Br., Rabenstein, Roßdorf, Unnersdorf, Unterwimmelbach. Nieder bayern: Br. Pfarrkirchen. Beob. Metten I., II., X. Oberbayern: Br. Allach, Erching, Königsee, Mittenwald, München, Nympheuburg, Tattenhauseu. Schwaben: Br. Affaltern. Rheinpfalz: Br. Albisheim, Enkenbach, Göllheim, Hochspeyer, Lang- meil, Marnheim. 18. Etnheriza calandra calandra L., Grauammer. 1911. Unter franken : Br. Lohr zieral. häuf. Mittelfran ke u : Br. Baiersdorf, Brück 23. III., Bubenreuth, Eichstätt häuf., Eitersdorf, Erlangen, Möhrendorf, Oberndorf. Beob. Dachsbach 3. IX. Ober- franken: Br. Büchenbach, Forchheim, Kersbach, KrauseubechhofeU;, Mohrhof. Nied er bayern: Br. Pfarrkirclien spärl. Schwaben: Beob. Linden. — 1912. Unterfranken: Br. Schollbrunn 24. III. Mittel- 16 Gengier: Materialien. f^f'^'x?"' L Ges. Bay. franken: Br. Berolzheim, Braunsbach, Brück, Bubenreuth, Buekenhof, Dambach häuf., Eitersdorf, Emskirchen, Erlangen 27. III., Großgrüud- lach, Kriegenbrunn, Möhrendorf, NeumUhle 17. II., Neustadt a. A., Schallershof, Sugenheim, Ulsenheim, Wellerstadt, Zirudorf häuf. Ober- franken: Br. Büchenbach, Herzogenaurach, Kersbach 28. III., Poxdorf. Niederbayern: Br. Metten häuf. Oberbayeru: Br. Hohenaschau. Rlieinpfalz: Br. Bergzabern. — IQIS- U n t er frank en : Br. Neu- stadt a. S., Rheiufeld, Stroutal vereinz. ]\[itt el f ran ken : Brück 30. III., Eltcrsdorf, Erlangen, Mögeldorf, Möhrendorf, Neumühle 30. III., Oberu- dorf, Schallershof 30. III., Schnepfenreuth. Oberfranken: Br. Bamberg (Ellerbachtal), Kersbach, Meramelsdorf, Poxdorf 31. III., Koßdorf häuf., Scheßlitz. Rheinpfalz: Br. Speyer 21. III. — 1914. Unterfranken: Br. Fr icken hausen, Marktbreit, Marktsteft, Sulzfeld. Mittelf ranken: Br. Baiersdorf, Brück, Dintersheira, Erlangen 2. IV., Fürth, Kleinsee- bach, Schallershof 2. IV., Schauerheim, Stadeln, Tenueulohe, Wetzen- dorf. Oberfrankeu: Br. Adelsdorf, Büchenbach, Krausenbechhofen, Münchberg, Neuhaus, Poxdorf, Roßdorf, St. Johann, Staffelstein, Unners- dorf, Weppersdorf. Oberbayern: Br. Ismaning. Schwaben: Br. Freihalden, Lauingen. 19. Einheri^a citrinella sylvestris Brehm, Goldammer. Wird aus allen Kreisen Bayerns als Brutvogel, vielfach auch als Standvogel gemeldet. 20. Ilmheriza hortiilana L., Gartenammer. igii. Oberfranken: Beob. Gasseidorf 23.1V. 1 P. Schwaben: Beob. Augsburg 2. u. 5. V. 1 P., Göggiugen 5. V. s. cf , Inningeu 5. V 1 P. — 1912. Mi t telfran ken : Beob. Nürnberg, Frühjahr d. Schwaben: Augsburg 2. V. 2 s. cfcf. — IQIS- Oberfranken: Br. Bamberg. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern. — 1914. Unterfranken: Br. Markt- breit, Segnitz. Oberfranken: Br. Bamberg, Zentbaclihofen. Beob. Egloffstein 21. V. 1 St. Rheinpfalz: Bad Dürkheim, V (Belegstücke; Mus. München). 21. Eiiiheri^a cia via L., Zippammer. 1914. Unter frank e n : Br. Lohr 1 P. (Belegstück fehlt). 22. Emheriza civilis Hrliis L., Zaunammer, igir. Rheinpfalz: Br. Bergzabern. — 1912. Rheinpfalz: Br. Bergzabern 4 — 5 P. — IQIS- Rheinpfalz: Br. Bergzabern 6 — 7 P., 3. III. angek. — 1914. Rhe iupf alz : Br. Bergzabern 7 P. auf d. Nord- seite, einige P. auf d. Südseite. (Belegstück; Coli. Gengier). 23. JE7}iheri^a schoenicliis schoeiiiclus L., Rohrammer. 1911. Unterfrank en : Br. Lohr. Mittelfranken: Br. Erlangen, Schwand. Beob. Fürth 12. III. Regnitz. Oberfrauken: Br. Dechsen- dorf, Hesselberg^ Kersbach, Poppen wind. Nied erbay ern : Br. Pfarr- XIII 191 '^ ' I Gengler: Materialien. j^7 kircheu. Oberbayern: Beob. Feldmocbing 12. u. 19. III. Schwaben: Br. Augsburg. — 1912. Uuterfranken : Br. Aschaffeuburg, Stadt- prozelten. Mittelfrau keu: Br. Erlangen, Mögeldorf, Schallershof, Wellerstadt, Ziegelstein. Oberfranken: Br. Hausen. Beob. Kersbach 18. III., Poxdorf 3. IV. Oberpfalz: Br. Kallmünz. Niederbayern: Beob. Metten 11. IV. 5 8t. Donau. Schwaben: Br. Augsburg, Gög- gingeii. Beob. Affaltern 23. X. $. — 1913. Mi tt elfranken : Br. Baiersdoi'f. Ober franken: Br. Poxdorf. Niederbayern: Br. Pfarr- kirchen. Rheinpfalz: Beob. Bergzabern 11. III. — 1914- Mittel- fi'anken: Br. Baiersdorf. Beob. Eitersdorf 31. III. Ob er franken: Br. Weppersdorf. Beob. Krausenbechhofen 5. IV., Neuhaus 5. IV., Poppeuwind 5. IV., Untergrashof 10. VII. N ieder bayer u : Br. Pfarr- kirchen 29. III. Oberbayern: Beob. Freising 3. IV. viele Isarauon, München lU. IV. viele Isarauen. 24. Flectvophenadc nivalis nivalis (L.), Schneeammer. 1911. Oberfrauken: Beob. Tschirn 5. XI. cT j"v., 15. u. 28. XII. 15 St. — 1912. Oberfranken: Beob. Tschirn 3. I. 50 St. Col u ni h i d a e, die Taul)eii. 1. Coltimba palninbus palnmhus L., Ringeltaube. 1911. Uuterfranken: Br. Amorbach 2. III., Baudenbach, Daschen- dorf 2. III., Garitz 23. II., Gefäll 3. III., Gramschatz 4. III.— 25. IX, Gräfendorf 10. III., Guttenberg 25. III., Hausen 1. IL, Heinrichs- thal 2. III.— 28. X., Hohnhausen 8. III., Irtenberg 6. III., Karlstadt 25. II., Kreuzberg, Laufach 22. IL, Leutershausen 28. IIL, Lohr häuf., MainbuUau 1. IIL, Madenhausen 3. IIL— 5. X., Marktsteinach 8. IIL, Miltenberg 13. IIL, Mellrichstadt 24. IIL, Oberbach 22. IIL— 19. X., Partenstein 3. IIL, Rohrbruun 19. IL, Reckendorf 20. IIL, Schön- derling 4. IIL, Stadtprozelten, Steiuach a. S. 11. III. — 14. XL, Wiesen 1. IIL— 20. X., Wasserlosen 3. IIL— 9. X., WaldaschafF 24. IIL Zu- nahme: Kreuzberg. Mittelfranken: Br. Altdorf 7. III. — 17. X., Alte Veste 8. IIL— 2. X., Artelshofen, Atzeisberg, Baiersdorf, Bauden- bach häuf., Breitenfurt 17. IIL, Colmberg 7. IIL, Dörndorf 6. IIL, Dollnstein 17. IIL, Erlangen, Heideck 7. IIL, Ipsheira 21. IIL, Neun- stetten 7. IIL— 21. XII., Obermässing 20. III. - 11. X., Rothenburg 0. T. 22. IL, Solnhofen 6. IIL Abnahme: Großhabersdorf, Obermässing. Oberfrankeu: Br. Altenhof 5. IIL, Brücklas 10. IIL — 25. IX., Buch a. F. 29. IIL, Buttendorf, Bad Stehen 3. IIL, Effeltrich, Fisch- steiu 25. IL, Fasanerie 2. IIL, Furtliammer 21. IIL, Gleisenau 27. IIL, Häusellohe 20. IIL, Kehlbach 2. IIL, Langeubach 23. IL, Löhlitz 10. IIL— 11. X., Louiseuburg 12. IIL— 17. X., Langenau 24. IIL, Rabeusteiu, Roßdorf 3. IIL— 16. X., Reuth 8. IIL, Räumlas 23. IIL, Strullendorf 28. IL— 13. X., Seibelsdurf 11. III., Wilhelmsthal 18. IIL, Whikelhof 30. IIL— 2G. IX., Zeyern 3. IIL Beob. Joditz 20. VIIL, 2 18 Gengier: Materialieu. f^^^^- ^'■"• j_ Ges. Bay. Zunahme: Roßdorf. Oberpfalz: Br. Beratzhauseu 23, II., Biberbach 7. ni.— 11. X., Etsdorf 7. III., Etzenricht 1. IV., Falkeuberg 1. III., Freudenberg 1. III., Freihöls 7. III., Frankenreuth 18. III., Hammer- treveseu 9. III., Hirschau häuf., Hoheuthan 9. III., Lebenhan 5. III., Münchsgrün 16. III.— 10. XI., Nenmarkt 28. IL, Neuöd 9. IIL bis 11. X., Nittenau 10. HL, Neuhaua a. W. N. 27. IIL- 25. X., Ober- bibrach 27. IIL -12. X., Pirkensee 3. IIL— 2. X., Prunn 5. IIL, Plöß- berg C. IIL, Perlhütte 11. IIL, Pullenried 14. IIL, Rodenzenreutli 30. III, Sackdilling 3. IIL, Seligenporteu 4. IIL, Sinzing 27. IIL, Teublitz 5. IIL, Tirschenreuth 10. IIL, Weiherhammer 7. IIL, Wondreb 9. IIL Abnahme: Etsdorf, Neuhaus a. W. N. Niederbayern: Br. Arnstorf 2. IIL, Dingoltiug 1. IV.— 20. X., Dösingried, Hals 30. IIL— 10. X., Irlbruun 8. IIL, Landshut 21. IL— 2. XL, Patriching 27. HL Ober- bayern: Br. Ammerlaud 11. HL, Andechs 13, IIL, Berg 18. HL, Bad Reicheuhall 26. IIL, Bischofswieseu 30. IIL, Endorf 8. HL— 21, X.. Egmating 28. HL, Freisiug 25. IL, Inzell 20. HL, Langenbruck 15. IIL— 13. IX., Liuderhof 2. IV.— 8. X., Meilenberg 6. IIL, Pürten 22. IIL, Ried 18. IIL, Sauerlach 1. HL, Seeshaupt 16. IIL, Steiu- gaden 20 IIL, Thalhausen 21. II. — 6. X,, Unterammergau 25. HL Nicht beob. Kreuth. Schwaben: Br. Affaltern 6.111,-22. X., Augs- burg 30. HL, Birkach 25. IL, Bergen 9. IIL, Dettenschwang 25. IIL, Echenbrunu 4. HL, Frankenhofen 3. IIL— 31. X., Gabelbach 24 IL, Göggingen 2. IV. — 8, X., Haselbach 9. IIL, Illertissen, Kaufbeuren 23. IL— 24. X., Krumbach 18. IIL— 14. X., Kimratshofen 2. HL, Linden 2. IIL, Lindau 23, IIL, Nördlingen 11. IIL, Oberschönegg 14, IIL, ObergUnzbnrg 23. IIL, Roßhaupten 17. HL, Routin 20. IIL, Staufen 21. IL, Stoflfenried 9. IIL, Sulzschueid 16. HL, Thierhaupten 27. IL— 6. X., Wemdiug 9. IIL, Warchiug 14. IIL— 1. X. Über- wintert: Affalter n. Rheinpfalz: Br. Berg a. Rh. 26. IL— 26. X., Bingert 15, IIL— 26. X., Dernbach 17. IL, Daufenberg 24. IL, Gers- bach 27. IL, Glan-Müuchweiler 27. HL, Grafenthalerhof, Helfersberg 22. IL, Heltersberg 22. IL, Hageubach 28. IL— 30. X., Johanniskreuz 3. IIL, Leiraersheim 23. IL — 4. X., Leimen 9. IIL, Mechterslieim 21. IL, Merzalbeu 1, IIL, Taubensuhl 8. IIL— 15. X., Westheim 28. IL — 1912. Unter franken: Br. Amorbach 11. HL, Aschaffenburg, Aub 2, X., Bischofsheim 28. IL, Boxbrunn 13. HL, üörnbach 19. IL, Garitz 22. IL, Gramschatz 22. IL — 12. X., Gramschatzer Wald 26. IL bis 27. X., Heinrichsthal 29. IL— 10. X., Hohnhausen 1. IIL, Kirchzeil 19. n., Kirchschönbach 6. IIL, Madenhausen 29. IL— 30. IX., Neu- hütten 18. IIL, Neidhof, Oberbach 12, 111,-22. X., Reckendorf 1. IIL, Reichartshausen, Schollbrunn 26. IL, Wiesen 28. IL, Wasserlosen 8, III. bis 17. X., Waldasohaff 12. HL, Würzburg 28. II. Mittel franken : Br. Alte Veste 27. IL— 9. X., Atzelsborg, Breitenfurt 6. HL, Colm- berg 28. 11,-14. IX., Dörndorf 29. IL, Dollnstein 2. HL, Erlangen 26. IIL, Großhabersdorf 9. HL— 12. X., Ipsheim 10. HL, Marieuberg, Mögeldorf, Neuebersb.ach 7. IIL, Pappenhoim 3. HI. — 13. X,, Pomraek- ^^^^' ^' I Gengier: Materialien. 19 1917 J bruun, Röckiugen, Rupprechtstegeu, Solnhofeu 5. III. — 16. X., Schwabach, Triesdorf häuf., Ulseuheim, Vorra, Wellheim 10. III., Wallsdorf, Ziegel- stein. Abnahme: Großhabersdorf. Oberfraukeu: Br. BrUcklas 1. III. bis 12. XII., Eckenreuth, Ficlitelberg 27. II., Fleckl 18. III., Furthammer 16. III.— 16. X., Haid 1. III.— 8. X., Hausen, Heroldsbach, Kehlbach 26. II.— 10. IX., Kosbach 29. II., Kleiutettau 25. III., Löhlitz 26. II. bis 15. IX., Louiseuburg 2. III. — 24. X., Neuhaus, Oberachtel, Eäumles 25. II., Reuth 27. IL, Roßdorf 27. IL— (j. X., Seibelsdorf 29. IL, Scheßlitz 1. III., Streitberg 22. IIL, Tschirn 12. IIL, Beob. Sigritzau 30. VIL 20 St. Zunahme: Roßdorf. Oberpfalz: Br. Beratzhausen 2. IIL— 17. X., Etzenricht 22. IIL, Falkenberg 4. IIL, Freihöls, 7. IIL, Freudenberg 7. IIL, Hammertreveseu 7. IIL, Hessenreuth 9. IIL, Hirsch- bach, Krottensee 18. III., Neuöd 5. IIL— 18. X., Neumarkt Obpf. 6. IIL, Neubau 8. IIL, Neudorf 8. IIL, Neuhaus a. W.N. 27. III. bis 12. X., Oberbibrach 1. IIL, Plößberg 29. IL, Parsberg 6. IIL, Pirkeu- see 7. IIL — 27. X., Pullenried, Rodenzenreuth 12. IL, Sulzbürg 26. IL, Seligenporten 7. IIL— 17. IX., Sinzing 27. IIL— 2. X., Wondreb 11. IIL, Wernersreuth. Abnahme: Pullenried. Niederbayern: Br. Arnstorf 4. IIL, Dingolfing 20. III.— 2. X., Griesbach 5. IIL, Hals 10. IIL, Irlbrunu 23. IL, Landshut 23. IL— 2. X., Metten häuf., Patriching 3. IIL, Uttobrunn häuf., Zwaesler- Waldhaus 29. I. Oberbayern: Br. Andechs 10. IIL, Bischofswiesen, Erletsbach 25. IL, Egmating 4. IIL, Endorf 5. IIL— 19. X., Inzell 26. IIL, Kösching 22. II. bis 27. IX., Laugenbruck 4. IIL, Ried 9. IIL, Ruhpoldiug 31. IIL, Sauer- lach 27. IL, Thalbausen 25. IL, Unterammergau häuf. Beob. Inzell 21. IX. 6 FL FI. NO.—SW. d., Rothenfeld 18. IX. Schwaben: Br. Aeschach 26. IL, Affaltern 7. IIL— 30. IX., Augsburg 27. IL, Hasel- bach 2. IIL, Illertissen 23. IL, Kimratshofen 26. IL, Kaufbeuren 3. IIL— 15. X., Oberreituau 11. IIL— 20. IX., StoflPenried 29. IL bis 18. XL, Sonderdorf 14. IIL, Thierhaupten 28. IIL— 12. IX., Vilgerts- hofen 4. IIL— 13. X., Warcliing 27. IL— 8. X., W>.mding 28. IL bis 20. IX. Beob. Kimratshofen 23. IX. 50 St. d., Weicht 8. IV. Rhein- pfalz: Br. Biugert 1. IIL— 30. IX., Beckenhof 27. IIL, Bergzabern, Daufenberg 2. IIL, Grafenthalerhof 25. IL— 4. X., Homburg 27. IL, Hördt 6. IIL, Heltersberg 15. IIL, Iggelbach 25. IIL, Lemberg 27. IL, Meisertal 9. IIL— 15. XL, Taubensuhl 26. IL Überwintert: Daufen- berg, Homburg. Abnahme: Lemberg. — IQIS- Unter franken: Br. Amorbach 6. IIL, Aub, Bischofsheim 25. IL, Euerdorf 25. IL— 23. X., Guttenberg 23. IL, Heinrichsthal 24. IL— 30. XL, Hohnhausen 7. HL, Hohe Röhn, Madenhausen 6. IIL— 13. X., Mainbullau 10. IIL, Mell- richstadt 20. IIL, Neuhütten 12. IIL, Oberbach 22. L, Prölsdort 9. IIL — 15. X., Reckendorf 4. III., Thüngen 16. IL, Wiesen 9. IL bis 20. X., W^asserlosen 22.11—20. X., Waldaschaff 24. IL Beob.Reueu- thal 26. IX. 4 St. Mittel franken: Br. Alte Veste 12. IIL— 2. X., Ansbach 24. IL, Dörndorf 1. IIL, Colmberg 6. III.— 11. X., Erlangen, Großbabersdorf 7. IIL— 16. X., Hofstetten 20. IL, Heroldsberg, Heuch- 9* FVerh 20 Gengier: Materialien. I Orn. Bav. liug, Ipsheim 3. III., Kraftshof 20. II., Leutershausen 1, III., Neii- ebersbach 11. III.— 2. X., Obermässing 4. III.— 19. X., Pfünz 22.11., Pappenheim 28. II. — 16. VIII., Piischeldorf, Rückersdorf 3. III., Rockeii- bruun, Solnliofen 25. II. — 20. VIII., Simmeisdorf. Beob. Otteusoos 7. IV. 1 St., Thalhüim 21. IX. Oberfrankeu: Br. Brücklas 7. III. bis 8. X., Freusdorf 3. III., Furthammer 2G. III.— 21. X., Gerlas 12. III.— 11. X., Großvicbtach 13. III., Geuser 18. III., Kleiutettau 15. III., Löhlitz 26. II.— 15. IX., Luisen burg 10. III., Nagel 27. III., Plech, Reuth 23. IL, Roßdorf 3. III.— 6. X., Rothenkirchen 10. HL, Räumles 17. IIL, Stehen 27. L, Seßlach 8. IL, Straßdorf 5. HL, Streitborg 7. IIL, Seibelsdorf 11. IIL, Tschirn 13. IIL — 16. X., Winkel- hof 25. IL Beob. Krausenbechhofeu 5. X., Neudorf 1. X. gr. Fl. Fl., Neuhaus 5. X. 1 St., Wiukelhof 3.-14. IV. 150 — 200 St. in Fl. beisammen, Oberpfalz: Br. Flossenbürg 17. IIL, Freihöls 18. IIL, Hessenreuth 16. IIL, Lutzmannsteiu 26. IL— 20. X., Lengenfeld 12. IIL— 14. X,, Neuöd 26. IL— 9. X., Neuhaus a. W. N. 7. IV. bis 5. X., Paulushofen 5. IIL — 23. X., Parsberg 7. IIL, Pressath 11. IIL, Pullenried, Seligenporten 25,11., Sulzbürg 6. IIL, Sinziug 15. III. bis 16. IX,, Rodenzenreuth 10. IL Beob, Poppberg 21, IX. Abnahme: Pullenried. Nieder bayern: Br, Arnstorf 6. IIL — 8, X., Dingolfing 12. IIL — 1, XL, Duschlberg 6. IIL, Ergoldsbach 2. IIL, Hals 6. III. bis 10, IX,, Krumbach 13. III. Oberbayoru: Br. Allach, Andechs, Bischüfswieseu 15. HL, Egmating 4. IIL, Endorf 11. HL— IG. X,, Friedring 12. IL, Hohenzell 14. IL, Igen 14. HL— 15. IX., luzell 16. IIL— 28. X., Langenbruck 3. 111,-19. X., Liuderhof, Reichenhall 24. IV.— 31. X., Ruhpolding, Seeshaupt 5. IIL, Schleißheim 15. IIL, Tölz 27. IIL, Zwergern. Beob. Eudorf: Trinken Solenwasser, Schwaben: Br. Affaltoru 5. HL— 2."». IX., Deiuhausen 7. IL — 27. X., Irlbrunn 21. IL, Kaufbeuren 27. IL — 26. X., Kimratshofen 17. IIL, Obergünz- burg 12. IIL, Sontheim 17. IL, Thierhaupten 27. IL, Warching 11. IL bis 6, XL Beob. Affalteru 18. VIII, 7, St, unter Flug von C, corone. Rheinpfalz: Br. Beckenhof 9. L, Clauseu 14. HL, Dansenberg 4. IL, Dernbach 3. IIL— 14. XIL, Heltersberg 10. IL, Hördt 12, IL, Iggel- bach 8, IL, Joiianniskreuz 5, HL, Lambsbacherhof 8. IL, Leimersheim 27. IL — 3. X., Taubensuhl 2. IL Überwintert: Clauseu. — 1914. Unterfrau ken: Br. Amorbach 27. IL, Aub 25. IL— 23. X., Bischofs- heim 16. IIL, Bütthardt 26, HL, Guttenberg2. IV„ Heinrichsthal 12.111. bis 30. X., Mellrichstadt 24. IIL, Oberbach 3, III.— 24. X., Volkers 11. HL, Wasserlosen 9. IIL— 1. X., Weilbach 8, IIL M ittelf ranken: Br. Dörndorf 11. HL, Haaghof, Holzhausen, Markt Erlbach, Pappen- heim 16. IIL, Schmausenbuck 18. HL, Solnhofen 17, III., Uffenheim 23. IL, Unterwalddachsbach. Beob. Kraftshof IL, Steiubach 21. VI. Oberfranken: Br. Aisch, Altenhof 2. IIL. Brücklas 19. IIL, Frens- dorf 5. IIL — 9. IX., Furthammer 27, IIL— 17. X., Gleisenau 19, IIL, Löhlitz 21. IIL, Nagel 8. III.— 7, X., Neuhaus, Neudorf, Heßdorf 22. IIL, Oberwimmelbach, Roßdorf 6. IIL— 23. X., Röhrach, Seibolds- ^^^^> ^' Gengier: Materialien. 21 1917 J dorf 21. III., Zeyeru 21. III. Beob. Schneeberg 2. IX. 30 St. Ober- pfalz: Br. Freihöls 15. III., Flossenbürg 18. III., Hessenreutb 24. III., Neubans a. W. N. 5. IV. — 15. X., Seligenporteu 7. III., Rodeuzen- veutb 10. II. Niederbayern: Br. Dingolfing 30. III., Duschlbei-g 10. III. — 2. X., Hals 27. III., Metten, Pfarrkirchen. Oberbayern; Br. Andechs 11. III., Bischofswieseu 23. III., Endorf 10. IV.— 12. X., Linderhof 2. IV., VValcheusee 8. IV. Beob. Argeisried 20. VI., Erching 7. VI., Ismaning 7., 27. VI., München 2. V., Planegg 21. V. Schwaben: Br. Affaltern 8. III.— 1. X., Bobing 22. IL— 18. X., Kaufbeuren 9. IIL— 14. X., Kimratshofen 1. IV. Beob. Freihalden 21. XL 1 P. Rheinpfalz: Br. Taubeusuhl 16. IL 2. Coltimba oenas oenas L., Hohltaube. igir. Uuterfraukeu: Br. Dorgendorf 23. III., Gramschatz 4. IIL, Guttcnberg 8. HL, Garitz 11. IIL, Hohnhausen 1. IIL, Höchberg 15. IIL, Irteuberg 7. IIL, Karlstadt 26. IL, Lohr häuf., Madenhausen 28. IL, Rohrbrunn 19. IL, Reckendorf 3. IIL, Schollbruun 4. IIL, Wiesen 4. IIL, Würzburg 9. IIL, Waldaschaflf 19. III. Mittelfranken: Br. Breiteu- furt 6. IIL, Bernlohe 19. IIL, Colmberg 2. IIL, Dörndorf 6. III., üautenwinden 9. III. — 21. IX., Eichstätt seit., Leutershausen 24. IIL, Überdachstetten 14. III. Nicht beob. Erlangen. Oberfranken: Br. Altenhof 3. IIL— 20. X., Bamberg 6. IIL, Brücklas 7. IIL— 5. X., Bad Stehen 29. IIL, Fischstein 9. IIL, Fleckl, Gleisenau 8. IIL, Gerlas 27. IIL— 4. X., Grötschenreuth, Heroldsbach 11. HL, Kosbach 6. IIL, Löhlitz 8. IIL, Neudorf 6. IIL, Roßdorf 5. IIL, Seibelsdorf 23. IIL, Winkelhof 25. IL— 12. X. sehr zahlr. auf 1000 ha Fläche 90—100 P., Zeyern 10. III. Beob. Louisenburg 7. IV. Abnahme: Roßdorf. Ober- pfalz: Br. Biberbach 4. HI., Bachhausen, Flossenburg 23. IIL, Frei- höls 24. IIL, Neuhaus a. W.N., Oberbibrach 23. IIL, Pressath 18. IIL, Siuzing 3. IIL— 16. X., Seligenporteu 8. IIL, Teublitz 5. HL, Wiesau 1. IV., Wondreb 21. IIL Niederbayern: Br. Bischofsreut 15. IIL (nach der Brut verschwinden sie im Juli, kehren September wieder), Freyung 18. III., Hals 11. IIL— 15. VIIL, Krumbach 6. IIL, Ludwigs- thal 18. HL, Oberried 23. IIL, Rabenstein 25. IIL, Scheuereck 9. IIL, Schachtenbach 28. IIL , Stoflfenried 9. III. Nicht beob. Dingolfing. Abnahme: Hals. Oberbayern: Br. Bockhorn 8. IIL, Egmating 21. IIL, Langen brück 14. IIL, Rott a. I. 20. III. Schwaben: Br. Aflfaltern (in Schwarzspechthöhlen), Bergen 8. IIL, Kaufbeuren 8. IIL, Kimrats- hofen 28. IL, Haselbach 8. IIL, Staufen 9. IIL, Wemding. Rhein- pfalz: Br. Berg a. Rh. 6. IIL, Dernbach 23. II., Frankenstein 10. IIL bis 27. VIIL, Hagenbach 13. III. — 25. X., Hahnbrunner Forsthaus, Kaiteubach, Lauterecken 22. IL, Lambsbacherhof 20. IIL, Ludwigs- winkel 23. IL, Taubensuhl 26. IL, Westheim 8. IIL Beob. Leimers- hoim 25. IV, Nicht beob. Bingert. — 1912. Unt er franke n : Br. Amor- bach 18. IIL, Aschaffenburg, Dorgendorf 1. IIL, Gefäll 24. IL, Grara- schatz 27. IL, Gutteuberg 29. IL, Hausen, Hohnhausen 29. IL, Mellrich- 22 GeDgler: Materialien. fVerh. Oru. L Ges. Bay. Stadt 9.111., Madeuhausen 23. IIL, Neuhütten 3. III., Reckendorf 9. III., Schollbrunn 27.11., Waldaschaff 1. IL, Watterbach 5. III. Mittel- franken: Br. Bernlohe 3. III., Breitenfurt 29. IL, Colmberg 21. IL bis 18. IX., üörndorf4. IIL, Großhabersdorf 11. IIL— 23. IX., Herolds- berg, Leutershausen 1. IIL, Röckingen seit., Triesdorf, Ulseuheim, Well- heim 3. IIL, Ziegelstein. Abnahme: Großhabersdorf. Oberfranken: Br. Brücklas 29. IL — 15. IX., Gerlas 5. IIL — 21. IX., Grötschenreuth 15. IIL, Membach, Nagel 13. IIL— 10. X., Oesdorf 26. IL, Roßdorf 6. IIL— 15. IX., Seibelsdorf 29. IL, Streitberg 22. IIL, Stierberg, Winkelhof 27. II Zunahme: Roßdorf, Winkclhof. Oberpfalz: Br. Beratzhausen 2. HL, Freihöls 7. IIL, Hammertrevesen 13. IIL, Neuhaus a.W.N.27. IIL, Pullenried, Sinzing 7. IIL— 6. X., Seligenporten 14. IIL, Tirschenreuth 1. IIL, Wernersreuth 30. IIL, Woudreb 7. III. Abnahme: Neuhaus a. W.N., Pullenried. Nieder bayern : Br. Hals, Rabenstein 27. IL, Scheuereck 2. III. Oberbayern: Br. Egmating 29. IL, Laugeu- bruck 21. IIL Abnahme: Langeubruck. Schwaben: Br. Affaltern 8. IIL, Haselbach 8. IIL, Kaufbeuren 25. IL, Oberstaufen 27. IL, Wemding 11. IIL— 16. IX. Rheinpfalz: Br. Beckenhof 15. HL, Berg- zabern, Hahnbrunner Forsthaus 9. IIL, Lambsbacherhof 8. IIL, Lem- berg, Rumbach 23. IL — 5. X., Taubensuhl 1. III. Abnahme: Lemberg. — 1913. ünterfrauken: Br. Aub 12. IIL, Heinrichsthal 12. IIL, Madenhausen 22. IIL, Mellrichstadt 22. IIL, Kreuzberg (Buchenwald), Neuhütten 5. HI., Reckendorf 15. IIL, Waldaschaff 8. IIL, Würzburg 11. IIL Beob. Watterbach 6. IX. 18 St. Mittelfranken: Br. Colm- berg 25. IL— I.X., Dörndorf 1. IIL, Großhabersdorf 12. IIL— 24. X., Hofstetten 9. HL, Heroldsberg, Neuebersbach 4. IIL, Obermässing, Pfünz 28. IL, Schöubrunu 25. IL, üffenheim. Zunahme: Obermässing. Ober franken: Br. Grötschenreuth 25. IIL, Kosbach 6. IIL, Neudorf 14. IIL, Rotheukirchen 12. IIL, Reuth 13. IIL, Roßdorf 27. IL bis 15. IX., Streitberg 12. IIL, Seibelsdorf 14. IIL, Wiukelhof 23. IL Beob. Tschirn 26. IX. 1 Fl. juv. Zunahme: Roßdorf. Oberpfalz: Br. Frei- höls 13. IIL, Lengenfeld 13. IIL— 10. X., Neuenhammer 16. IIL, Sinzing 3. IIL — 14. IX., Woudreb 5. IIL Niederbayern: Br. Arnstorf 7. IIL, Bodenmais 11. IIL, Finsterau, Hals 13. IIL, Krumbach 13. IIL, Irlbruun 12. IL, Pfarrkirchen spärl., Rabenstein 6. IIL Oberbayern: Br. Egmating 10. IIL, Langenbruck 7. III. Schwaben: Br. Affaltern 16. IIL, Haselbacb 11. IIL, Oberstaufen 25. IL, Kaufbeuren. Rhein- pfalz: Br. Dernbach, Hahnbrunner Forsthaus, Lambsbacherhof 2. IIL, Taubensuhl 8,111. Beob. Leimersheim VIII. bis Ende IX. gr. Fl. Fl. — 1914. Unterfranken: ßr. Guttenberg 24. IL, Höchberg 28. IL, Hohn- hausen 23.IL, Mellrichstadt 21. IIL, Oberbach 11, III— 29. IX., Volkers I. IIL Mittel franken: Br. Döndorf 11. IIL, Kalchreuth 10. IIL bis 5. XL , Neuebersbach 25. IL , Pappenheim 9. IIL, Wellheim 2. IIL Oberfrauken: Br. Gerlas 19. IIL, Gleisenau 9. IIL, Kosbach 25.11., Löhlitz 12. IIL, Roßdorf 25. IL— 5. X., Seibelsdorf 30. IIL, Tscbirn II. IIL Oberpfalz: Br. Seligenporten 24, IIL, Woudreb 10. IIL ' ^' j Gengier: Materialien. 23 Niederbayern: Br. Hals 23. III., Tauu. Oberbayeru: Beob. Isma- ning 27. VI. Schwaben: Br. Affalteru 14. III., Freihalden 2. III., Kaufbeureu 27. II. — 5. XI., Kiraratshofen 1. IV. Rheinpfalz: Br. Beckenhof 26. II. 3. Streptopelia turtiir turttir (L.), Turteltaube. igil. Unterfranken: Br. Euerdorf 17. V., Schollbrunu 4. V., Schweinfurt, Wiesen 1. V. Oberpfalz: Br. Hirschau seit. Ober- bayeru: Br. Langeubruck. Schwaben: Br. Kempten. Rheinpfalz: Br. Dernbach 2. V., Biugert 1. V., Hagenbach 29. IV., Mechtersheim 20. IV. — 1912. Unterfranken: Br. Aschaffenburg, Partenstein, Reichartshausen 13. V., Schollbrunn 24. IV. Obe rfranken: Als Br. neu augesiedelt Winkelhof, Oberpfalz: Br. Pullenried 2 P., Regens- burg häuf. Schwaben: Br, Uuteregg 28. V. Beob. Baisweil 12, X. Rheinpfalz: Br. Bergzabern häuf. — IQIS- Unterfranken: Br. Amorsbrunn, Wiesen 2. V. Mittelfranken: Br, Obermässing. Ober- franken: Br. Bad Stehen 2. VI. Beob, Roßdorf 20, IX, 2 St, Ober- bayern: Beob. Langenbruck d, Rheinpfalz: Br. Bergzabern. — 1914. Oberfranken: Beob. Roßdorf 24. IX. 2 St. Oberbayeru: 28. IV. 24 Laubmann: Beiträge zur Avifauua des Elbsoes. I ^* ' ^"" |_ Ges. Bay. Beiträge zur Avifauna des Eibsees bei Aitrang im Algäu. Von A. Laubmann (München). Beim Durchblättern älterer Tagebuchnotizen fand ich eine so große Anzahl von Aufzeichnungen ornithologischen Inhalts über die Gegend am Eibsee bei Aitrang im Algäu, daß ich glaube mit Recht annehmen zu können, eine Zusammenfassung all dieser Notizen in einer kleineu Abhandlung über die Avifauna genannten Gebietes dürfte nicht gänzlich des allgemeinen Interesses entbehren. Ich mache zunächst'einige kurze Angaben über die geographi- schen Verhältnisse des in Frage stehenden Geländes. Ungefähr auf halber Strecke der Bahnlinie München — Lindau in der Mitte zwischen den Stationen Kaufbeuren und Kempten liegt der statt- liche Marktflecken Aitrang, von dem aus der Eibsee, oder wie er hier in der Gegend auch genannt wird, Aitranger See, in einer schwachen halben Stunde zu erreichen ist. Nach der Durchquerung des Ortes wendet sich die Straße nach Süden und führt ungefähr 20 Minuten lang zwischen saftigen Wiesen und wogenden Korn- feldern hindurch bis an den Fuß einer mäßig hohen bewaldeten Anhöhe, nach deren Ersteigung sich vor dem Blicke des Wanderers die blinkende Fläche des Sees ausdehnt, in der sich die hohen Häupter der ca. 40 km weiter südlich liegenden Algäuer Alpen spiegeln. Von dieser Stelle aus kann man das ganze Beobachtungs- gebiet gut überblicken. Von Osten und Südosten treten mit Fichten, Tannen, einzelnen Föhren, Buchen und Eichen bestandene Höhen- züge bis an den See heran, der hier vom teilweise kiesigen Ufer aus sich nicht allzu rasch vertieft. Im Südwesten und Westen aber geht der See allmählich in Sumpf- und Moorgelände über. Man könnte auch ebenso richtig behaupten, es wachse das Moor- land auf dieser Seite in den See hinein. Denn tatsächlich ist es hier schwer, das Ende des einen oder den Beginn des andern genau anzugeben. Denn was dem schauenden Auge noch als Moorgelände gelten kann, das erweist sich dem tastenden Fuß als schwimmendes Land, das als ungefähr meterdicke _ Schicht dem hier 3 — 10 m tiefen See aufgelagert ist. Und dieser Übergang vom Land zum Wasser wird dadurch noch täuschender, daß einzelne Birken und niedere Knickföhren dies schwimmende Land bis an den Wasserrand hin bewachsen. Man kann aber, wenn man die ^'-^^> '' \ Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 95 1917 J aufängliche Scheu vor dem schwankenden Grund verloren hat und wenn man die nötige Vorsicht nicht außer acht läßt, am Rande des Wassers rings um den See gehen; doch ist dies nur zur Hoch- sommerzeit, in den trockensten Monaten des Jahres möglich. Sonst aber und namentlich im Frühling nach der Schneeschmelze bildet der See eine große, hellschimmernde Wasserfläche, die dann das ganze, im Sommer so köstlich blühende und duftende Seemoos überschwemmt hat. Auf dieser Ostseite ist demgemäß der Boden des Sees auch stark verschlammt und versumpft und selbst mit sehr langen Ruderstangen läßt sich nur selten fester Grund er- reichen. Schilfwälder und weithin mit weißen und gelben See- rosen überdeckte Wasserflächen bilden hier den Übergang vom freien Wasser zum schwimmenden Land und dieses wiederum geht dann ganz allmählich in festes Gelände über, auf dem Birken und Krüppelföhren sich angesiedelt haben und kümmerlich ihr Leben fristen. Als Zwischenglied zwischen dem eben beschriebenen Moosgelände und der Waldzone können die alten schon lange außer Betrieb stehenden Torfstiche betrachtet werden, die schon lange Zeit brach liegen und mit ihren Dickungen aus Föhren, Weiden und Erlen und mit ihren stillen, heimlichen Wassertümpeln einen herrlichen Unterschlupf für die Kleinvogelwelt bilden. Alles in allem ist das ganze Gelände so recht ein Gebiet, wie es uns Hermann Löns in seinen zahlreichen Erzählungen so trefflich zu schildern gewußt hat. Der eigentliche See mag eine ungefähre Längenausdehnung von 1 km haben, an seiner breitesten Stelle mißt er ca. 700 m, eine Wasserfläche, die im Frühjahr- oder Herbststurra schon einen recht imposanten Eindruck machen kann, wenn sich die schäumen- den Kämme der Wellen überstürzen und die ächzenden und stöhnenden Tannen ringsum ihr rauschendes Lied singen. Durchströmt wird der See von dem Eibbach, der sich aus vereinzelten Moosgräben und Quellbächen sammelt und nach seinem Austritt aus dem See nach kurzem Lauf in die Kirnach einmündet, die ihre Wasser durch die AVertach mit dem Flußgebiet des Lech vereinigt. Außerdem speisen den See noch eine Anzahl größerer oder kleinerer unterirdisch einmündender Quellen. Die Tempe- ratur des Wassers ist in den Sommermonaten eine ziemlich hohe, das moorige Wasser ist sehr weich und angenehm zum Baden. Im Winter gefriert der See vollkommen zu — man kann dann ruhig über das Eis gehen oder mit Holzschlitten fahren^) — und infolge der verhältnismäßig ziemlich hohen Lage, — ca. 740 m über dem Meeresspiegel, — herrscheu bis weit in das Frühjahr hinein sehr niedrige Temperaturen vor. So waren Schneestürme im April und Mai nichts seltenes und selbst im Juni mußte noch ») In strengen Wintern ist der See auch mit Pferdefuhrwerk zu befahren. 26 Laubnianu : Beiträge zur Avifauua des Eibsees. 1 ^ " ^ |_ Ges. Bay. mit solchen Wetterstürzen gerechnet werden. Daß solche Witte- rungsverhältnisse natürlich auch bis zu einem gewissen Grade die Vogelwelt beeinflussen, ist klar und leicht einzusehen. So war im allgemeinen die Brutperiode bei den meisten Arten um einige Wochen hinter der Brutzeit der gleichen Art in wärmeren Lagen zurück. Wir haben also hier auf einem verhältnismäßig kleinen Raum eine große Anzahl der verschiedenartigsten Geländeformationen und auch noch andere Faktoren vereinigt, die dem ornithologischeu Bild der Landschaft ihr Gepräge verleihen. Gestaltet sich der See mit seinen Schilfwäldern und unterschlupfreichen Ufern als ein Tummelplatz für Enten oder sonstiges Wassergeflügel, das hier durch den Fischreichtum des Sees hinreichende Nahrung findet, so treffen wir in dem nassen Moosgebiet vor allem die Bekassine in größerer Zahl an. Das trockene Moorgelände bewohnt neben dem ewigiammernden Kiebitz der große Brachvogel in einigen Paaren. In den alten Torfstichen tummelt sich die große Schar der Kleinvogelwelt und Meisen, Spechte und Rabenkrähen leiten uns hinüber zur Hochwaldzone, wo von der höchsten Tanne die Drossel ihr herrliches Lied in den Morgen- und Abendstunden er- schallen läßt. Und da wo die Waldwiese sich wieder hinunter- zieht zum See, wo einzelne Birken stehen und der Wachholder grünt, da ertönt im ersten Frühjahr das Minnelied des Birk- hahnes. Gegen das Dorf hinaus aber, dort wo das Kulturland sich auszudehnen beginnt, jubelt die Lerche im Blau des Himmels und bewohnt der Star die ihm von Menschenhand an Stadel und Heu- schober angebrachten Nistkästen. In dem folgenden systematischen Teile konnte ich im ganzen 91 Arten als von mir beobachtet anführen. Natürlich kann und will diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen; denn einmal war ich immer nur kurze Zeit, meist nur einen, höchstens einige Tage hintereinander im Gebiet anwesend, und dann galt mein Aufenthalt meist anderen als ornithologischeu Zwecken. Immerhin ergab sich ein ziemlich lückenloses Bild über die Avifauua dieses Waldseegebietes, das mit wenig Ausnahmen und Verschiebungen im ganzen voralpinen Bayern wohl das gleiche sein dürfte. Was letzten Endes noch die Nomenklatur betrifft, die in der vorliegenden Arbeit zur Anwendung kam, so möchte ich betonen, daß ich wie früher so auch hier auf dem Standpunkt peinlichster Durchführung des Prioritätsgesetzes stehe und im übrigen ver- weise ich auf den von der Ornith. Gesellschaft in Bayern heraus- gegebenen „Nomenciator der Vögel Bayerns"^), der alles weitere Wissenswerte über dies Kapitel enthält. 1) C. E. Hellmayr und A. Laubmaun, Nomenciator der Vögel Bayerns. Im Auftrage der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern herausgegeben von C. E. Hellmayr. München. 1916. 8". 68 pp. ' ' I Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 27 1917 J Systematischer Teil. 1. Corvus corone corone L. — Rabenkrähe. Wie wohl überall so gehört auch am Eibsee die Rabenkrähe zu den gewöhnlichsten Erscheinungen. In der Hochwaldregion fand ich auch hin und wieder ein Nest. Besonders häufig ist der „Rabe", wie die Rabenkrähe bei uns schlechtweg genannt wird, im Seemoos zu sehen gewesen, wo er im Verein mit anderen Ge- nossen sehr eifrig auf der Suche nach den Gelegen der im Moos brütenden Vogelarten war. Und dabei war es von hohem Interesse, einer solchen Gesellschaft zuzusehen und zu beobachten, welche Mittel in Anwendung gebracht wurden, um die brütenden Vögel zum Verlassen des Nestes und damit zur Preisgabe der Eier zu^ veranlassen. Manchmal konnte ich diese Allesfresser in des Wortes weitester Bedeutung auch beobachten, wie sie sich abmühten, die kleinen, nach Überschwemmungen in den Moostümpeln zurück- gebliebenen Jungfischchen zu erhaschen. Auch die vom Fischer zum Trocknen aufgehängten Fischreusen werden von den Raben- krähen eifrigst nach Fischresten oder den darin hängengeblie- benen Laichschnüren gefangener Fische — besonders die Birsch- linge setzen ihren Laich in Massen in den Reusenab — ab- gesucht. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf ein Moment aufmerksam machen, dem ich gerade am Eibsee zu often Malen begegnet bin. Es handelt sich um das Vorkommen von Vögeln in Fischreusen. Daß in die im AVasser an den Ufern aufge- stellten Reusen und Netze gelegentlich Enten und andere Tauch- vögel gelangen, um dann auf jämmerliche Weise zu ersticken, dürfte schon allgemein bekannt sein. Aber auch eine große An- zahl von Kleinvögeln, die die zum Trocknen aufgestellten Reusen nach Nahrung absuchen, schlüpfen bei dieser Beschäftigung eben- falls durch die Öff'nungen in das Innere, können sich aus dem Ge- fängnis nicht mehr befreien und kommen dann jammervoll ums Leben. In seiner Arbeit „Vögel in Fischnetzen" gibt H. Krohn^) als Grund für das häufige Vorkommen von insektenfressenden Kleinvögeln folgendes an: ,,Die Netze strömten widerliche Dünste aus, da der niedrige Wasserstand ein sauberes Auswaschen des Grabenschlammes nicht zugelassen hatte und Pflanzenteile, sowie Schnecken und andere Wassertiere, die in den Maschen leicht hängen bleiben, durch Sonnenbrand schnell in Verwesung über- gegangen waren. Diese Rückstände hatten sofort ein ganzes Fliegenheer herbeigelockt, dem wiederum die genannten Kleinvögel gefolgt waren. Beim Umschwirren der Reusen waren sie in deren Inneres geraten, wo sie sich zutode flatterten." Mir wurde vom Fischer eine ganze Anzahl Arten namhaft gemacht, die schon in 1) Vgl. Ornith. Monatsschrift 41, 1916 p. 185—188. Og Laubiuaun : Beiträge zur Avifauna des Eibsees. i "' L Ges. Bay. den Reusen auf diese Weise gefunden worden sind. Ich selbst fand außer Bachstelzen und Rohi-ammeni gelegeutlicli auch Stare und einmal Reste eines Zaunkönigs, meist jüngere Exemplare, die entweder schon tot oder doch im Zustand völliger Ermattung waren. Von größeren Vögeln sind nicht selten Enten oder Taucher, und einiiial nach Aussage des Fischers Franz Anton Martin eine Rohrdommel auf diese Weise erbeutet worden. Ich habe dies Exemplar in der Wohnung des Fischers in Aitrang in ausgestopftem Zustand selbst gesehen. Merkwürdigerweise wurden weder von mir noch von dem genannten Fischer jemals Rabenkrähen in den Reusen gefunden, obwohl gerade diese Vögel zu den eifrigsten Reusenabsuchern gerechnet werden müssen. Im Winter halten sich die Rabenkrähen mehr in der Nähe der Ortschaft auf, um von dem Überfluß des Bauernhofes zu profi- tieren. Auch erinnere ich mich noch, nach einem überaus starken Hagelschlag im Juni 1911 Rabenkrähen von den Hagelkörnern erschlagen gefunden zu haben. Die Nebelkrähe habe ich auch in sehr strengen Wintern nicht beobachten können; ebensowenig kam mir der Kolkrabe, Corvus corax corax L., zu Gesicht, obwohl diese Art an anderen Orten ziemlich weit in die voralpine Region hinein vorkommt. 2. Corvus frugUegiis fmnUegus L. — Saatkrähe. Die Saatkrähe kam im Gebiet weit seltener zur Beobachtung als die Rabenkrähe. Als Brutvogel habe ich sie überhaupt nicht angetroffen. Dagegen befindet sich eine ziemlich ausgedehnte Brut- kolonie in einem Tannenhochholz in der Nähe von Buchloe in Schwaben. Die auf den den Wald umgebenden Feldern nach Nahrung suchenden Vögel zeigen dem aufmerksamen Beobachter ganz von selbst den Platz der Kolonie durch das ewige Hin- und Wiederfliegen an, namentlich in der Zeit, in welcher sich die aus- gekrochenen Jungen noch im Neste befinden. Durch diesen Um- stand kann man den Platz der Kolonie auch schon vom Eisen- bahnzug aus ziemlich sicher erkennen. Derselbe liegt zwischen den Stationen Buchloe und Beckstetten in Richtung Lindau rechter Hand der Bahnlinie. 3. Coloeiis 7nouednla spermoJotfiis (Vieill.). — Dohle. Die Dohle brütet in einigen Paaren auf dem Kirchturme von Aitrang, besucht von hier aus die Felder rings um das Dorf und kommt bei ihren Streifereien gelegentlich, wenn auch nicht häufig, an den Eibsee. Anscheinend sagt ihr der moorige Charakter des Geländes weniger zu. Am Eibbach dagegen, sowie an der die Aitranger Fluren durchrinnenden Kirnach ist die Dohle nicht selten anzutreffen. Es ist ein besonders hübscher Anblick, von der eingangs erwähnten Anhöhe aus, von der man auch einen ' ' I Laubmann: Beiträge zur Avifanna des Eibsees. 29 1917 J vollkommen freien Rückblick auf die ganze Ortschaft hat, die Dohlen bei ihren Flugklinsten und Spielen um den Kirchturm be- obachten zu können. 4. JHca pica iHca (L.). — Elster. Die Elster ist im Gebiet keineswegs so häufig wie etwa am Starnberger See, wo sie zu den häufigeren Erscheinungen zu zählen ist. Im Mai 1910 fand ich in einem Fichtenstangenholz ein Nest mit fünf Eiern. Als ich nach Verlauf einer Woche wieder an die Stelle kam und nach dem Nest sehen wollte, lagen die Eier bis auf zwei Stück zerschlagen am Boden. Die zwei im Nest zurück- gebliebenen erwiesen sich bei der Untersuchung als schon ziemlich weit bebrütet. Aus dem Zustand des Nestes zu schließen, war das Gelege jedenfalls einem Eichhörnchen zum Opfer gefallen. Wie ich schon bemerkt habe, ist die E^lster von allen Rabenvögeln relativ am seltensten im Gebiet. Hie und da traf ich sie noch in den Dickungen der alten Dorfstiche an oder in der Nähe der Ort- schaft in den Weiden- und Erlenbüschen an den Ufern der Kirnach, namentlich zur Winterszeit. 5. Garrnliis glandariiis glandarius (L.). — Eichelhäher. Weit häufiger als die vorgenannte Art ist der Eichelhäher. Er ist sowohl Brutvogel als auch Strichvogel im Beobachtungs- gelände. Besonders auffallend bemerkbar macht er sich im Herbst, wenn er in kleinen Schwärmen vereint mit lautem Geschrei das Revier durchstreift. Von anderen Rabenvögeln käme für unser Gebiet noch der Tannenhäher, Nucifraga caryocaiactes caryocatactes (L.), in Frage. Merkwürdigerweise habe ich ihn jedoch nicht ein einziges Mal kon- statieren können, obwohl diese Art in dem ca. 20 km nördlicher liegenden, also weiter vom Gebirge entfernten Kaufbeuren im Herbst zur Haselnußreife fast regelmäßig erscheint. Auch von dem gelegentlichen Auftreten der langschnäbeligen Form aus Sibirien, Nucifraga caryocatactes macrorhynchos Brehm, ist mir nichts be- kannt geworden. Ich glaube aber nicht fehl zu gehen, wenn ich den dickschnäbeligen Tannenhäher, der ja schon in den Vorbergen zur Brut schreitet, zu den Arten zähle, die bei einer intensiveren Beobachtung im Gebiet, als es mir möglich war, für das Elbsee- gelände als gelegentlicher Gast noch nachgewiesen werden dürften. 6. Sturnns vulgaris vtdgaris L. — Star. Wie wohl überall in unserem Heimatlande, so gehört auch hier der Star zu den gewöhnlichen Erscheinungen. In dem einen Jahr zahlreicher als in andei-en, brütet er mit großer Vorliebe in den vielen Nistkästen, die von der Landbevölkerung für ihn an den Stadeln und Heuschobern angebracht werden. Im Herbst nächtigt er in großen Scharen in den Rohrdickichten des See- 30 Laubmann : Beiträge zur Avifauna des Eibsees. I ^®™' ^™- L Ges. Bay. mooses. Einzelne Stücke konnte ich in Aitrang den ganzen Winter liindurcli beobachten. Doch dürfte es sich bei diesen Exemplaren wohl eher um Zuwanderer aus weiter nördlich gelegenen Brut- orten handeln, als um solche, die in Aitrang selbst brüten oder erbrütet wurden. An warmen Tagen Ende Januar oder zu An- fang Februar konnte man im Orte schon allenthalben singende Stare beobachten. 7. Oriolus oriolns orioliis (L.). — Pirol. Den Pirol hörte und sah ich regelmäßig in den Frühjahrs- monaten, meist im Mai, in einigen Exemplaren. Ob er aber im Gebiet auch zur Brut schreitet, ist mir nicht möglich anzugeben. Für sehr wahrscheinlich halte ich es aber kaum, da dem an lichte Buchen- und Eichenwaldungen gewohnten Vogel das durch die vorherrschenden Fichtenwaldungen verdüsterte Gelände schwerlich zusagen dürfte. 8. Chloris cJiloris chlori8 (L.). — Grünfink. Dieser Fink, der in den Anlagen und Gärten Münchens zu den weitaus gemeinsten Vogelarten zu rechnen ist, ist im Aitranger Gebiet bei weitem nicht so häufig anzutreffen. Man findet ihn fast nur in den Gartenanlagen bei den Bauernanwesen, weiter draußen in den Waldungen begegnet man ihm beinahe gar nicht. Höchstens in den Herbstmonaten streicht er weiter umher und kommt dann auch bis an die Ufer des Sees. 9. CaiHluelis cardtielis cavdtielis (L.). — Distelfink. Ungleich häufiger als die vorige Art ist der Distelfink oder Stieglitz. Ich konnte manchmal, namentlich zur Zeit der Reife der Walddistel ganze Schwärme dieser bunten Vögelchen auf den Baumschlägen beobachten, wo jede einzelne Distel nach Samen abgesucht wurde. Brütend habe ich diese Art im Gelände am See nicht gefunden. In den Bauernobstgärten nicht seltener Brutvogel. 10. Spinus spiniis (L.). — Zeisig. Der Zeisig gehört zu den häufigen Erscheinungen. Er schreitet im Beobachtungsgebiet wohl auch zur Brut. In den Früh- jahrsmonaten waren die Zeisige in den Fichtenwaldungen ziemlich zahlreich. Im Herbst waren sie mit den Stieglitzschwärmen ver- gesellschaftet und ebenso wie diese häufig auf den Distelfeldern alter Baumschläge anzutreffen. Während des Zuges im Frühjahr konnte ich an zwei aufeinander folgenden Tagen den Zug über den See sehr schön beobachten. Es flog immer ein Vogel hinter dem anderen mit lautem Lockruf über den See. Alle halbe bis ganze Minute kam einer geflogen, um dann im nahen Tannen- dickicht zu verschwinden. Die Zugrichtung ging von West nach Ost. ' ' I Laubraann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 3i 1917 J 11. Pyrrhula pyrrhtila europaea Vieill. — Gimpel. Während ich den Gimpel im Gebiet um den Maisinger See') bei Pöcking als häufigen Brutvogel konstatieren konnte, der für die genannte Gegend mit zu den charakteristischen Erscheinungen zu zählen ist, muß der Gimpel im Aitranger Gebiet als selten an- geführt werden. In den Sommermonaten kam er mir überhaupt nicht zu Gesicht, hören konnte ich ihn nur dann und wann und nur im Winter habe ich ihn hie und da in einzelnen P^xemplaren be- obachten können. 12. Fringilla coelehs coelehs L. — Buchfink. Der Buchfink ist einer der gemeinsten Brutvögel, den man sowohl draußen im Fichtenhochwald als auch in den Obstgärten des Dorfes überall sehen und hören kann. Ich erinnere mich eines schönen Vorfrühlingstages im Monat Februai-, an dem neben dem Trillern der Feldlerchen und dem Jubilieren der Stare auch das helle Schmettern des Buchfinken zu hören war. Nester fand ich zu wiederholten Malen sowohl auf alten Apfel- oder Birnbäumen in nächster Nähe des Dorfes als auch draußen im Wald auf Weiß- dorngesträuch. Eine beliebte Nahrung bietet sich dem Buchfinken und all seinen Verwandten in den Samenbüscheln der Ulmen, die auch von den Eichhörnchen gerne genommen werden. 13. JPasser domesticus doinesticus (L.). — Haussperling. Der Hausspatz ist in seinem Vorkommen so sehr an den Menschen gebunden, daß er am häufigsten nur im Orte selbst ge- troffen wird. Im Herbst findet man ihn auch in großen Scharen auf den abgeernteten Feldern beim Auflesen verlorener Ähren. Am Eibsee selbst habe ich ihn nur ganz selten angetroffen und dann immer nur in der unmittelbaren Nähe der Seehütte, also wieder in der Nähe menschlicher Siedelung. 14. Passer niontanus montanus (L.). — Feldsperling. Im Gegensatz zu der vorigen Art ist der Feldsperling im Dorfe nur selten zu beobachten gewesen. Meist fand ich ihn in der Umgebung der Heustadel und Strohschober, wo er auch häufig die für den Star bestimmten Nistkästchen als Wiege für seine zahlreiche Nachkommenschaft einrichtete, 15. Eniherixa citrinella sylvestris Brehm. — Goldammer, Der Goldammer ist in zahlreichen Paaren vertreten. Besonders häufig findet er sich in den zerstreut liegenden Feldgehölzen, in den Gebüschen, die sich den Moosgräben entlang hinziehen oder auch in den alten ehemaligen Torfstichen. Sein Nest habe ich zu wiederholten Malen gefunden und' zwar sowohl auf dem Boden ') Vgl. Verb. Ornitb. Gesellscbaft Bayern XU, 4, 1916, p. 245. 32 Laubmanu: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. I ^^ ' ™* L Ges. Bay. selbst unter niederen Büschen oder hinter großen Grasboscheu, am Rande von Gräben, oder auch ca. 1 m über dem Boden auf einem niederen Tannenbäumchen mitten in einer Schonung. Das einfache und doch so überaus stimmungsvolle Liedchen paßt so gut zu der einsamen, weltversunkenen Melancholie des Moorgeländes, daß ich es nicht missen möchte und oftmals lieber gehört habe als das schönste Lied der Singdrossel. 16. Emberiza schoenivitis scJioenicHfs L. — Rohrammer. Im Juni 1910 fand ich ein totes, wohl in einer Fischreuse zugrunde gegangenes Exemplar dieser Art in der Schiffhütte am Eibsee. Der Rohrammer ist nicht gerade häufig, immerhin brütet er aber in einigen Paaren zwischen den Moorkufen in den Schilf- feldern in der Umgebung der Schiffhütte wie auch im Seemoos. Doch ist er am Eibsee bei weitem nicht so häufig wie z. B. am Maisinger See, wo der Rohrammer wohl zu den gemeinsten Brut- vögeln gerechnet werden kann. 17. Galeridn cristata cristata (L.). — Haubenlerche. Von dem Brutvorkommen der Haubenlerche im Beobachtungs- gebiet ist mir nichts bekannt geworden. Zahlreich triftet man diese Art lediglich in den Wintermonaten, wo sie auf den Straßen der Ortschaft gemeinsam mit den Sperlingen nach Nahrung sucht. Mit Frühjahrsbeginn sind sie dann meist verschwunden. 18. Alauda arvensis arvensis L. — Feldlerche. Die Feldlerche gehört zu den gemeinen Brutvögeln des Ge- bietes und ist zugleich Charaktervogel in der Zone des Kultur- landes. In den mehr bewaldeten Lagen und in den moorigen Strichen des Beobachtungsgebietes fehlt sie gänzlich. Man hört an schönen, warmen Tagen im Februar schon ihr Lied. Am 23. April 1909 fand ich in einem Saatfeld ein Gelege mit drei Eiern, also war das Weibchen noch mitten im Legen. Noch im Oktober habe ich Lerchen singen hören. 19. AntJitis trivialis trivialis (L.). — Baumpieper. Von den Piepern kam am Eibsee nur diese eine Art zur Be- obachtung; diese aber allerdings in verhältnismäßig häufiger Zahl. An schönen Abenden konnte man in den Tannenschonungen in den Frühjahrsmonaten überall sein Liedchen hören und durch seinen charakteristischen Balzflug machte sich der Vogel selbst leicht kenntlich. Der Baumpieper läßt sein Liedchen ziemlich lang in den Sommer hinein hören. Im Beobachtungsgebiet ist der Baum- pieper Brutvogel; sein Nest habe ich aber trotz eifrigen Suchens an allen geeignet erscheinenden Plätzen wie Waldschläge, oder Wegränder, nicht finden können. ' ' I Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 33 20. Motacilla alba alba L. — Weiße Bachstelze. Die weiße Bachstelze war Mitbewohnerin unserer Schiffhütte am Eibsee. Dort konnte ich sie jedes Jahr beim Brüten beob- achten. Das Nest stand unter den Dachbalken an einer vom Boden aus nicht zu überblickenden Stelle. Ein anderes Pärchen, dessen Nest ich jedoch nicht auffinden konnte, ließ sich regelmäßig am Steg über den Eibbach sehen, ein drittes fand ich an der Schneide- mühle am Zusammenfluß des Eibbaches und der Kirnach und zahl- reiche Exemplare endlich beobachtete ich an der Kirnach selbst. In den Herbstmonaten ließ sich auch ein gewisser Zug dieser Bach- stelzenart in west-östlicher Richtung über den See hin wahrnehmen. 21. Motacilla cinerea, cinerea Tunst. — Gebirgsbachstelze. Bei weitem nicht so oft wie die weiße Bachstelze kam die Gebirgsbachstelze zur Beobachtung. Am See selbst habe ich diese Art nicht ein einziges mal finden können. Ich begegnete ihr in einigen Exemplaren nur an der Kirnach. Wahrscheinlich haben die Vögelchen hier an den überhängenden Ufern auch gebrütet. Die Gebirgsbachstelze scheint kleinere, raschfließende Bäche und Flüsse ruhigen Seen und Teichen entschieden vorzuziehen. Die Schafstelze oder gelbe Bachstelze, Motacilla flava flava L., habe ich nicht beobachtet, trotzdem das Seemoos mit seinen feuchten Wiesen das passende Gelände für diese Art darstellen dürfte. 22. Certhia familiaris niacrodactyla Brehm. — Wald- baumläufer. Baumläufer kamen mir nicht selten zu Gesicht, wenn ich am Rande eines Fichtenhochholzes auf den Rehbock wartete. Da konnte ich mich oft lange Zeit an ihrem munteren Treiben ergötzen und ihnen bei der gar emsig betriebenen Nahrungssuche zusehen. 23. CerfJiia hrachydactyla brachydactyla Brehm. — Gartenbaumläufer. Diese Art traf ich mit Sicherheit nur einmal an und zwar in einem Pärchen an der großen, wohl einige Jahrhunderte alten Dorf- linde in Aitrang, wo die Vögelchen sich in einer durch Blitzschlag entstandenen Rindenklüftung ihr Nest eingerichtet hatten. Sonst halte ich es in den meisten Fällen kaum für möglich, die Art- zugehörigkeit des Baumläufers lediglich nach Beobachtungen mit dem bloßen Auge oder auch durch das Fernglas sicher bestimmen zu wollen. Die Vögelchen sind so klein, dabei so behend, daß es meiner Ansicht nach gar nicht möglich ist, die strukturellen Unter- schiede in Krallenbildung oder Färbung erkennen zu können. Da- her sind alle Angaben über das Vorkommen der einen oder andern Form ohne Belegexemplare mit einer gewissen Vorsicht und Be- schränkung aufzunehmen. Einige Anhaltspunkte in der Bestim- mung der beiden Arten geben ja die Plätze der Beobachtung, da [\^Gro Orii (les. Bay. mau den Waldbauraläufer wohl meist im Hochwald, den Garten- baumläufer dagegen mehr in Obstgärten oder in Alleen antrifft. Doch können auch dabei manchmal Verwechslungen vorkommen. 24. Sitta euro2)(tea caesia Wolf. — Kleiber. Die Spechtmeise gehört zu den ßrutvögeln des Gebietes. Sie ist verhältnismäßig häufig in den Obstgärten des Dorfes, wo sie sehr gern in den dort aufgehängten Meisenkästen zur Brut schreitet. Seltener fand ich den Kleiber in den Fichten Waldungen am See. 25. JParus major major L. — Kohlmeise. Von allen Meisen ist diese Art am häufigsten vertreten. Sie brütet zahlreich im Gebiet und findet sich sowohl in den Bauern- gärten der Ortschaft als auch draußen im Walde an allen ihr nur einigermaßen zusagenden Stellen. 26. Parus caertileus caeruJens L. — Blaumeise. Etwas weniger häufig wie die vorhergebende Art, kommt die Blaumeise immerhin noch zahlreich zur Beobachtung. Wie alle Meisen, so tritt auch die Blaumeise im Winter viel auffälliger in Erscheinung, was neben der winterlichen Stille in der Natur auch darin seinen Grund hat, daß in den genannten Monaten gerade die Meisen sich in Schwärmen zusammenfinden, und in ganzen Scharen das Gebiet durchstreifen, wobei ihre glockenhellen Lock- rufe schon von weitem hörbar sind. 27. Partis ater ater L. — Tannenmeise. Neben der Kohlmeise wohl die häufigste Meise in den Tannen- waldungen, die nur deshalb nicht so oft bemerkt wird, weil sie sich meist in den Wipfeln der höchsten Tannen umhertreibt. Die Tannenmeise beteiligt sich meinen Wahrnehmungen nach am wenigsten an den winterlichen Streifereien. Brutvogel im ganzen Beobachtungsgebiet. 28. Partis cristattis fuitratus Brehm. — Haubenmeise. Die Haubenmeise ließ sich von allen Meisenarten am seltensten beobachten, obwohl das Gebiet auch ihren Ansprüchen gerecht werden dürfte. In den Wintermonaten sah ich diese Art in den Meisenschwärmen manchmal zahlreicher vertreten als die Tannen- meise. 29. Parus paltistris coninitmis Baldenst. — Nonnenmeise. Die glanzköpfige Sumpfmeise gehört zu den häufigeren Brut- vögeln, die als Aufenthaltsort die alten Torfstiche mit ihren ge- heimnisvollen Dickungen zu lieben scheint. Nirgends habe ich diese Art häufiger gefunden als im sogen. „Alten Moos", einem weitausgedehnten alten, nicht mehr im Betrieb stehenden Torf- stich am Nordende des Sees. Mit den schwarzköpfigen Sumpf- l ' I Laubmann: Beitrage zur Avifauna des Eibsees. 35 raeisen verhält es sich ebenso wie mit den Baumläufern. Man kann die Artzugehörigkeit des einzelnen Individuums meist erst dann einwandfrei feststellen, wenn man den Vogel in der Hand hat. Auf Entfernungen hin einen Glanzkopf von der mattköpfigen Art unterscheiden zu wollen, halte ich schlechterdings für un- möglich. Ob die mattköpfige Sumpfmeise, wohl Parus atricapülus sub- montanus Kleinschm. und Tschusi ^), im Gebiet vorkommt, entzieht sich meiner Beobachtung. Farns atricapülus submo7ita?ius wurde von Kleinschmidt und Tschusi nach Exemplaren von Gmunden in Oberösterreich beschrieben als Form, deren Verbreitungsgebiet zwischen den Gebieten von Pai'us atricapülus salicarius Brehm'-^) und Parus atricapillus monta?ius Baldenstein^) in der Mitte liegt. Nachdem nach Angabe beider Autoren Stücke aus Oberbayern und aus der Umgebung von München zu der Form submontanus gehören, so müssen ohne Zweifel auch allenfallsige Exemplare aus der Um- gebung des Eibseegebietes dazu gerechnet werden. Und daß die Mattkoptmeise im Beobachtungsgebiet überhaupt auftritt, daran zweifle ich ebensowenig, wie ich andererseits fest davon überzeugt bin, Mattkopfmeisen unter meinen Beobachtungen bei den Glanz- kopfsumpfmeisen gebucht zu haben. 30, Aeffithalos caiidciHis enrojjaeiis (Herm.). — Schwanzmeise. Brutvogel im Gebiet. Die Schwanzmeisen machen den größten Bestandteil der winterlichen Meiseoschwärme aus. Man trifft sie sowohl im Tannenhochholz als auch in den Dickungen der alten Torfstiche ziemlich häufig. 31. Megultis regulus regtiliis (L.) — Wintergoldhähnchen. Das gelbköpfige oder Wintergoldhähnchen gehört zu den häufigen Erscheinungen, die man das ganze Jahr hindurch an allen geeigneten Stellen beobachten kann. Besonders zahlreich war das Goldhähnchen in einem Fichtenstangenholz auf dem westlichen Seeufer. Hier konnte man diese kleinen Federbällchen fast regel- mäßig in ihrem lustigen Tun und Treiben beobachten. Ob das Sommergoldhähnchen oder wie Kleinschmidt es nennt, das Augenstrichgoldhähnchen im Eibseegebiet vorkommt, kann ich mit Sicherheit nicht angeben. Anzunehmen ist es aber sehr wohl; doch ist es ohne Belegexemplar kaum möglich, nur mit dem Fern- glas beide Arten auseinander zu halten. Nach den Angaben Voigts (Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen, 1913 p. 88 — 91) sollen sich beide Arten in ihrem Liedchen unterscheiden lassen. Und zwar sollen bei dem Lied des Sommergoldhähnchens die ') Falco 1913, No. 2, p. 33. 2) Brehm, Handb. Naturg. Vög. Deutschi. 1831 p. 465: Thüringen. ") Bälden stein. Neue Alpina TI, 1827 p. 31: Graubünden. 3* 36 Laubmaon: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. I , ' [_ Ges. Bay. Hebungen, die das* Liedchen des gelbköpfigen Goldhähnchens so lustig machen, fehlen. Wer ein gutes, musikalisches Gehör hat, der mag sich wohl darnach richten können. Für den gewöhnlichen Sterblichen bleibt es wohl am sichersten, Belegexemplare beider Arten sich zu verschaöen. In den Wintermonaten schließt sich das gelbköpfige Hähnchen häufig den verschiedenen Meisen an, und dann kann man zu dieser Zeit oft einen ganzen Vogelzug unter Anführung des großen Bunt- spechtes, das Waldrevier durchstreifen sehen. 32. Laniifs collurio coUurio L. — Rotrückiger Würger. Nach den von mir gemachten Beobachtungen wird die Sippe der Würger in unserem Gebiet nur von dem rotrückigen Würger oder Neuntöter vertreten; eine andere Art als diese habe ich all die Jahre hindurch niemals zu Gesicht bekommen. Auch Lanius collurio collurio L. ist durchaus nicht häufig. So kenne ich in dem ganzen Beobachtungsgebiet nur eine einzige Stelle, an der ich diesem Würger mehrmals begegnet bin. Es war dies im „Alten Moos", einem schon seit langen Jahren außer Betrieb gesetzten Torfstich, einem Gelände, das mit seinem dichten Gebüsch, seinen heimlichen Moostümpeln und seiner ungestörten Ruhe so recht dem Bedürfnis dieser Vogelart entsprochen haben mag. Von der sonst allenthalben in dem Gebiet am See sehr zahlreich herumstreichen- den Dorfjugend wurde das „Alte Moos" wegen der dort etwas zahlreicher als sonst auftretenden Kreuzottern fast durchweg ge- mieden. An besagtem Platze habe ich den Würger zu wieder- holten Malen angetroffen und auch hie und da einmal den weib- lichen Vogel mit dem Fernglas beobachten können. An anderen Orten, wie z. B. in den Moosgegenden in der Umgebung von München ist der rotrückige Würger lange nicht so selten. An Dornen autgespießte Insekten oder sonstige Nahrungsreste habe ich niemals finden können. 33. Bombycilla (jarvultis (ßarruHis (L.). — Seidenschwanz. Diesen nordischen Wintergast habe ich im Gebiet zwar nicht selbst angetroffen, doch sah ich bei dem seinerzeitigen Besitzer des Sees, dem Ökonomen Martin in Aitrang ein ausgestopftes Exemplar, das im Winter 1909 aus einem Schwärm von ca. 20 Vögeln herausgeschossen worden war. Nach Aussage des glücklichen Schützen sind die Vögel auf einer alten Weide am Eibbach ge- sessen, gar nicht scheu gewesen und auf den Schuß hin in den nahen Tannenhochwald geflogen. Am andern Tage waren sie verschwunden. 34. Pkylfoscojnis collyhita eoJlyhita (Vieill.) — Weiden- laubvogel. Von allen Laubvogelarten am häufigsten ist der Weidenlaub- vogel, dessen harmloses Liedchen man vom ersten Frühjahr au ^ ' ' J Laubmann: Beiträge zur Avifauna den Eibsees. 37 bis hoch in den Sommer hinein fast zu jeder Tageszeit vernehmen konnte. Der Weidenlaubvogel, der dem Fitislaubvogel zum Ver- wechseln ähnlich sieht, unterscheidet sich von demselben meist durch seine dunklen Beine. Ein noch sichereres Unterscheidungs- merkmal besteht in den sechs außen verengten Schwingenfahnen des Weidenlaubvogels gegenüber den fünf Verengungen beim Fitis. Der Weidenlaubvogel ist Brutvogel im Gebiet. 35. Phylloscoinis trochilus trochiltis (L,). — Fitislaubvogel. Diese Art ist lange nicht so häufig wie die vorige. Doch hört man allenthalben ihr an den Finkenschlag erinnerndes Liedchen. Dagegen erinnere ich mich nicht, den Berglaubvogel, Phyllos- copus honelli bonelli (Vieill.), im Gebiet gehört zu haben. Und doch wäre das Vorkommen dieser Art auch zur Brutzeit sehr wahr- scheinlich, da er von Füssen und Oberstdorf bereits als Brutvogel bekannt ist. 36. Sylvia hippolais liippolais (L.). — Gartengrasmücke. Die Gartengrasmücke ist meinen Aufzeichnungen nach Brut- vogel im Gebiet. Doch ist sie bei weitem nicht so häufig wie die folgende Art. 37. Sylvia atricapilla atricapilla (L.)- — Mönchsgrasmücke. Häufiger Brutvogel. Ich fand am 29. April 1910 bereits ein Nest mit zwei Eiern. Das Schwarzplättchen bevorzugt als Aufent- haltsort die Dickungen in den alten Torfstichen, so z. B. das „Alte Moos". Weniger häufig ist sie in den Tannenwaldungen. 38. Ttit'dus x>ilaris L. — Wachholderdrossel. Im Frühjahr und Herbst auf dem Durchzug in den Auwaldungen und Torfstichen um den Eibsee in großen, lautlärmenden Schwärmen zu beobachten. Da ich einzelne Paare den ganzen Sommer über beobachten konnte, so halte ich ein Brüten dieser Drossel im Ge- biet für sehr wahrscheinlich. 39. Turdiis mtisicus L, Weindrossel. Meinen Aufzeichnungen nach beobachtete ich im „Alten Moos" am 5. April 1910 einen kleinen Flug von ca. 15 Stück dieser Art. Die Weindrossel kommt bei uns nur auf dem Zug durch. Ein Brüten in unserem Gebiet konnte bis heute noch nicht nachgewiesen werden. 40. Turdtis philomelos philomelos Brehm. — Singdrossel. Von allen Drosseln ist die Singdrossel im Gebiet am häufigsten ; man kann ihr herrliches Lied schon in den letzten Februartagen, wenn das Wetter nicht gar zu schlimm ist, hören. Natürlich handelt es sich bei solch früh angekommenen Exemplaren noch nicht um die Brutvögel, sondern um Durcbzügler, deren Brut- 38 Laubniann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. I ^ '^ L Cres. Bay. gebiete in weiter nördlich gelegenen Gegenden zu suchen sind. Im Beobachtungsgebiet ist die Singdrossel sogar zahlreicher ver- treten als die Amsel. 41. Planest iciis ^neriila inernla (L.). — Amsel. Wie ich schon bei der Besprechung der Singdrossel angeführt habe, kommt die Amsel im Gebiet weniger häufig vor als diese. Im Gebiet noch ganz Waldvogel, brütet sie im Tannenhochwald in einzelnen Paaren. So oft ich an schönen Frühjahr- und Sommer- abenden Gelegenheit hatte, im Beobachtungsgebiet dem Amsellied zu lauschen, hatte ich immer den Eindruck, als sei das Lied der Amsel in der Waldeinsamkeit am weltvergessenen See noch viel, viel stimmungsvoller, geraütansprechender als im Gewirr der lär- menden Großstadt. 42. Phoenictirus phoenicurus phoenictiriis (L.). — Gartenrotschwanz. Ein Pärchen nistete alljährlich unter dem Dach der Seehütte. Mau sieht die munteren Vögelchen fast überall im Gebiet, nur hat es den Anschein, als zögen sie mehr oifenes Gelände dem ge- schlossenen Tannenhochwald vor. 43. Phoenicurus oehruros gibraltariensis (Gm.) — Hausrotschwanz. Wie die vorige Art, so gehört auch der Hausrotschwanz zu den häufigen Brutvögeln; nur findet sich die letztere Art zahl- reicher in der unmittelbaren Umgebung der Ortschaft als draußen im Wald- und Seegebiet. 44. Erithacus rtibectiJa riibectila (L.) — Rotkehlchen. Wie wohl überall bei uns, kommt das Rotkehlchen auch im Gebiet um den Eibsee in überaus großer Anzahl vor. Und zwar fand ich es häufiger in den alten Torfstichen und in den Birken- und Erlendickungeu mit ihren verborgenen Wassertümpeln, weniger zahlreich im geschlossenen Tannenwald. 45. Troglodytea troglodytes tvoglodytes (L.). — Zaunkönig. Auch diese Art gehört zu den häufigen Brutvögeln. Ich fand ein altes, nicht mehr bewohntes Nest im Gebälk des Steges über den unteren Eibbach. Besonders häufig war der kleine Zwerg im Buschwerk am Eibsee oder in den alten, großen Reisighaufen, die am Seeufer angeschwemmt worden waren. Auch in den dichten Knickföhrenbüschen in den alten Torfstichen war der Zaunkönig regelmäßig zu sehen oder doch wenigstens war sein lautes zerr, zerr zu hören. Einmal besuchte mich ein solches Federbällchen in einem aus Tannen- und Föhrenzweigen zusammengestellten Schirm während der Spielhahnbalz. XIII 1917 ■ ' I Laubraanu: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 89 46. Cincliis cinclus nieridionalis Brehm. — Wasseramsel. Die Wasseramsel — es handelt sich in unserem Gebiet bereits um die Form meridio)ialis — ist nicht häufig, aber auch nicht gerade selten. Am See selbst trifft man sie niemals, sondern nur hie und da am unteren Eibbache, da wo der Bachgrund kiesig und steinig zu werden anfängt, oder noch häufiger an der Kirn ach. Hier habe ich sie auch in den Wintermonaten beobachten können. Sicherlich schreitet die Wasseramsel hier auch zur Brut. Nest habe ich jedoch keines auffinden können. Die Wasseramsel gehört meiner Ansicht nach zu den Vogelarten, die gemeinhin für viel seltener gehalten werden^ als sie tatsächlich sind. Nur dadurch, daß sie durch ihre Lebensweise weniger auffallend wirken, ent- gehen sie mehr dem Beobachter und werden meist nur durch irgend einen Zufall entdeckt. Dem Kundigen verrät sie sich viel öfter durch ihr auch im Winter zum Vortrag gebrachtes Liedchen oder durch ihren Lock- und Angstruf, der etwa wie das zerr des Zaunkönigs klingt, nur etwas weniger scharf abgetönt. 47. Hirundo rustica rustica L. — Hausschwalbe. Die Haus- oder Stallschwalbe findet sich naturgemäß nur in der Ortschaft als Brutvogel; sie kommt aber gelegentlich ihrer Nahrungsflüge gar nicht selten bis an den Eibsee. 48. Delichon iirhica urhica (L.) — Mehlschwalbe. Auch die Mehlschwalbe brütet, wenn auch viel weniger zahl- reich, in xiitrang. Auch sie erscheint nur ganz zufällig am Eibsee. 49. Micropus apxis aptis (L.). — Mauersegler. Der Mauersegler, der in einigen Paaren am Kirchturm von Aitrang brütet, kommt gelegentlich seiner weithin unternommenen Nahrungsflüge auch in das Eibseegebiet. Im August konnte ich diese Art öfter in kleineren Schwärmen über dem See beobachten. Anscheinend handelte es sich hierbei um Exemplare, die auf dem Durchzug waren. 50. JJpupa epops epops L. — Wiedehopf. Dem Wiedehopf bin ich am Eibsee nur ein einziges Mal be- gegnet. Als ich am 7. Juni 1910 von Aitrang her an den See kam und mich der Seehütte näherte, gewahrte ich auf einer ziem- lich feuchten Wiese einen größeren, gelbbräunlichen Vogel, der mir in seinem ganzen Benehmen fremd vorkam. Durch das Fern- glas betrachtet, erwies sich derselbe als ein Wiedehopf. Als ich mein Gewehr mit leichtem Schrot versehen wollte, wurde der Vogel auf mich aufmerksam und flog auf eine alte, sehr hohe Tanne; ich versuchte noch rasch den Schuß, hatte aber leider keinen Erfolg dabei. Seither habe ich nie mehr Exemplare dieser Art im Gebiet gesehen, obwohl nach Aussage von Ortsangesessenen 40 Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 1 L Ges. Bay. Wiedehopfe auch brütend angetroffen worden sind. Meiner Ansicht nach dürfte das ganze (jrelände dem AViedehopf kaum besonders zusagen; höchstens eine ringsum von Wäldern eiugeschlossene, nicht allzu große Jungviehalpe käme als Hauptnahrungsplatz in Frage. 51. Alceäo atthis ispida L. — Eisvogel. Dieses Juwel unserer Avifauna, auf das ich immer ganz be- sonders geachtet habe, konnte ich am Aitranger See kein einziges Mal beobachten. Dagegen traf ich den Eisvogel in einigen Exem- plaren an der Kirnach und einmal auch am unteren Lauf des Eib- baches vor dessen Einmündung in die Kirnach, ungefähr in der gleichen Region, in der ich auch die Wasseramsel getroffen habe. Daß der Eisvogel trotz des bedeutenden Fischreichtums am Eib- see nicht angetroffen wurde, hängt wohl damit zusammen, daß weit und breit sich keine passenden Brutplätze für unseren Vogel finden. Die von mir beobachteten Exemplare mögen wohl aus- nahmslos auf dem Strich gewesen sein. An anderen Orten, wie z. B. an der Wei'tach bei Kaufbeuren, gehört er keineswegs zu den seltenen Erscheinungen. Allerdings bietet ihm das Gelände hier auch in ungleich größerem Maße Gelegenheit zur Anlage hoch- wassergeschützter Niströhren. 52. Ficus viridis 2>^'netoru}n (Brehm). — Grünspecht. Der Grünspecht gehört zu unseren häufigen Spechtarten. Be- sonders oft konnte ich ihn vom Spielhahnschirm aus beobachten, wenn er sich auf den Mooswiesen mit dem Ausrauben von Ameisen- haufen beschäftigte. Schon in den ersten Frühlingsmonaten, manch- mal schon zu Ende Februar, hört man seinen weithin schallenden Ruf durch den Wald klingen und noch im Spätsommer belebt er mit seiner klangvollen Stimme das Gelände. Den Grauspecht, Picus canus canus Gm., der sich durch seine Stimme schon vom Grünspecht unterscheiden läßt — beim Grau- specht fallen die Tonreihen nach unten ab, während sie im Rufe des Grünspechtes die gleiche Höhe einhalten — , habe ich im Be- obachtungsgebiet nicht angetroften. 53. Dryohates major j)i'*^^torii'ni (Brehm). — Großer Buntspecht. Der große Buntspecht ist gar nicht selten im Gebiet, nament- lich im Tannenhochwald trifft man ihn häufig an. So fand ich in dem sogen. „Gemeindeholz", einem Stangenholzbestand nordwest- lich vom See, in einer alten Föhre zwei Bruthöhlen übereinander, von denen die untere, ca. 3 m über dem Boden, bewohnt war. Ich habe oft die alten und jungen Vögel am Stamme beobachtet. Ich wurde auf den Nistplatz gelegentlich der Bockpirsche dadurch aufmerksam, daß der alte Vogel laut kreischend vor mir her von ' ' I Laubmaun: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 4[ 1917 J Ast zu Ast flog und mich auf diese Weise bis zum Nistbaum selbst führte, obwohl doch gerade das Gegenteil in seiner Absicht ge- legen haben dürfte. Auch spätere Besuche am Nest verliefen fast nie ohne diese sonderbare Art der Begrüßung, Ebenso verfolgte mich der Vogel auch, wenn ich den Nistplatz wieder verließ. Kam ich einmal an den Nistbaum heran, ohne in der oben angegebenen Art und Weise von den alten V^ögeln empfangen worden zu sein, dann befanden sich beide mit den Jungen entweder in der Nest- höhle oder sie waren auf Nahrungssuche aus, was sich in kurzer Zeit konstatieren ließ, indem sie nach einigen Minuten meist mit Futter angeflogen kamen. 54. Dryohates 'minor hovtorwm (Brehm). — Zwergspecht. Den Zwergspecht habe ich in dem Gelände um den See nicht wahrgenommen; dagegen begegnete ich ihm zu wiederholten Malen in den Obstgärten der Bauernhöfe. 55. Dryocopiis rtiartius martitis (L.). — Schwarzspecht. Wenn auch nicht gerade häufig, so ist der Schwarzspecht doch keineswegs zu den seltenen Arten zu rechnen. Als Brutvogel konnte ich ihn in dem engeren Beobachtungsgebiet zwar nicht fest- stellen, doch schreitet er in den umliegenden größeren zusammen- hängenden Waldungen ohne Zweifel zur Brut. Jedenfalls ist der Schwarzspecht bei uns im südlichen Bayern keineswegs die seltene Erscheinung, für die er gemeiniglich angesehen wird. 56. Ciictilus camoriis canorus L. — Kuckuck. Der Kuckuck gehört zu den häufigen Erscheinungen, d. h., man hört ihn viel öfter als man ihn zu Gesicht bekommt. Doch ist es nicht allzu schwer, namentlich in den ersten Frühjahrs- monaten, bevor die Paarungszeit und die Zeit der Eiablage be- gonnen hat, ihn bei seinem Umherstreifen zu beobachten. Wie am Maisinger See^), so habe ich ihn auch hier sehr oft in der Nähe der Rohrwaldungen gesehen und auch aus dem Schilf Rufe gehört, die ich dem Kuckucksweibchen zuschreiben möchte^). Es war ein Trillern ähnlich dem des Zwergtauchers, Podiceps rufi- collis ruficollis (Fall.), doch am Ende nicht abfallend, sondern die Lautreihe nach aufwärts gebogen. In der Zeit der geschlechtlichen Erregung ruft der Kuckuck an Stelle des zweisilbigen kük-kük auch öfters in dreisilbiger Anordnung, wobei der Ton auf der zweiten Silbe ruht: kük-kük-kiik. Eier habe ich noch nicht ge- ') Vgl. Verh. Ornith. Gesellsch. Bayern 12, 1916 p. 252.' ") Für die Eiablage kann hier eigentlich nur das Nest des Rohramraers in Betracht kommen, da ich die vom Kuckuck sonst so bevorzugten Rohrsänger am Eibsee merkwürdigerweise überhaupt nicht angetroffen habe. 42 Laubmann: Beiträge zur Avifauua des Eibsees. | \f ' '"' ^ies. Bav. rve fanden, obwolil ich alle von mir getroffenen Singvogelnester gerade nach dieser Richtung hin genau durchsucht hatte. 57. Asio ofus otus (L.). — Waldohreule. Die Waldohreule ist Brutvogel im Beobachtungsgebiet und an Tndividuenzahl auch ungleich häufiger als die Sunipfohreule. Nament- lich abends nach P^inbruch der Dämmerung konnte man diese Eulen häufig an den Waldrändern beim Mäusefang beobachten. 58. Asio flaiHmeiis ßainrneus (Pontopp.). — Sumpfohreule. Wie ich schon bei der vorigen Art hervorgehoben habe, ist die Sumpfohreule bei weitem seltener. Doch gehört auch sie zu den Brutvögeln des Gebietes. Ich fand im Frühjahr 1910 im See- moos, durch eine niedrige Knickföhre gedeckt, ein Nest mit zwei Eiern. Zahlreicher tritt diese Art in den Spätherbstmonaten auf, wo sie dann bei Gelegenheit der Fasanenjagd in den Mooswiesen häufig aufgegangen wird. Bei diesen Exemplaren handelt es sich aber keineswegs um einheimische Stücke, sondern vielmehr um Durchzügler aus weiter nördlich gelegenen Brutbezirken ^). 59. Falco S'ubbuteo siibbuteo L. — Baumfalke. Diese Art führe ich lediglich nach einem Exemplar an, das ich in Aitrang in Privatbesitz ausgestopft gesehen habe, und das augeblich am Eibsee erlegt worden sein soll. 60. Falco tinnunculiis tinminctilus L. — Turmfalke. Wie fast überall, so kommt auch im Eibseegelände der Turm- falke gelegentlich vor. Horst habe ich keinen gefunden, doch sollen laut Angabe von angrenzenden Jagdherrn in der weiteren Umgebung des Beobachtungsgebietes drei Horste bekannt ge- worden sein. 61. Buteo buteo buteo (L.). — Mäusebussard. Der Bussard brütet am Eibsee in zwei Paaren, doch kommen gelegentlich noch andere Exemplare aus der Nachbarschaft in das Gflände, sodaß zeitenweise 6 — 8 Stück in den Wolken über dem See kreisend beobachtet werden konnten. 62. Astur gentilis f/entilis (L.). — Habicht. Der Habicht ist keine sehr häufige Erscheinung. Ich habe ihn nur einige Male angetroffen, als Brutvogel habe ich ihn am Eibsee nie konstatieren können. Am 8. Oktober 1910 beobachtete ich einen Habicht, wie er von ca. 10 Rabenkrähen verfolgt, über den See und das Seemoos hinwegflog. ') Steinkauz, Waldkauz und Schleiereule, welch letztere auf dem Kirchturm von Aitrang gebrütet haben soll, sind mir persönlich nie zu Gesicht gekommen. Doch wurden Stein- und Waldkauz in nächster Nähe meines Beobachtungs- gebietes bei der Station Günzach als Brutvögel angetroffen und glaube ich auch, sie für das Gelände am Eibsee sicher noch als Brutvögel feststellen zu können. ' ' i Laubmann: Beiträere zur Avifauna des Eibsees. 43 1917 J 63. Accipiter nisus nisiis (L.). — Sperber. Im Gegensatz zu der vorigen Art gehört der Sperber zu den Brutvögeln des Seegebietes. Auf einer alleinstehenden, hohen Tanne war einige Jahre hintereinander ein Horst, in dem die Sperber ihre Jungen großzogen. Meist waren es zwei bis drei. In einem Jahre fand ich die Reste von zwei Eiern am Fuße der Tanne zerschlagen, es befanden sich aber zu gleicher Zeit noch zwei Junge im Nest. Wenn flügge Junge im Nest waren, konnte man die alten Vögel jeden Tag bei der Fütterung beobachten. Besonders gern machten die alten Vögel zu dieser Zeit auf die im Röhricht hausenden Kleinvögel Jagd. 64. Ciconia ciconia ciconia (L.). — Weißer Storch. In früheren Jahren brüteten die Störche auf dem Dach der Kirche zu Aitrang. Ich selbst habe sie jedoch brütend nicht mehr angetrolfen. Die Störche kamen aber in jedem Frühjahr auf dem Zuge durch den Ort, besuchten wohl auch das Kirchendach, trieben sich ein bis mehrere Tage in der Gegend herum, ohne sich aber zum Bleiben entschließen zu können. Einmal traf ich auch einen Storch in den feuchten Wiesen am Seemoos an und konnte ihn bei der Nahrungssuche längere Zeit beobachten. Auch in Kaufbeuren war der Storch eine lange Reihe von Jahren hindurch Brutvogel, Hier stand das Nest auf einem nicht mehr benützten Kamin auf dem Dache des ehemaligen Rathauses. Als aber der Kamin infolge Baufälligkeit abgebrochen werden mußte, nahmen die Störche in dem kommenden Jahre das ihnen als Neststütze gebotene Rad nicht mehr an, sondern verschwanden ganz aus der Gegend. Ein weiteres, noch heute im Gebrauch stehendes Nest befindet sich in dem schon mehrfach erwähnten Orte Buchloe auf einem hohen, die ganze Ortschaft überragenden Dache. 65. Ardea cinerea cinerea L. — Fischreiher. Der Fischreiher gehört im Eibseegebiet nur zu den gelegent- lichen Gästen. Er erscheint jedes Jahr in den E'rühjahr- und Herbstmonaten in einigen Exemplaren am See. So konnte ich ein- mal sechs Stück zu gleicher Zeit beobachten. Meist trieben, sich die Reiher im Seemoos herum, wo sie an den in den kleinen Über- schwemmungstümpeln zurückgebliebenen Fischchen willkommene Nahrung fanden. Abends bäumten sie meist auf einer einzeln- stehenden hohen Fichte auf. Dabei waren sie aber furchtbar scheu, so daß es mir nie gelang bis auf Schußweite heranzukommen. Es ist eigentlich schade, daß die Fischreiher aus unserem Gebiet immer mehr verschwinden; denn der Vogel paßt so herr- lich in das einsame, weltverlorene Sumpfgelände. Ein herrlicher Anblick war es zum Beispiel, wenn ein Reiher mit seinen schweren, 44 LaubmaiMi: Beiträge zur Avifauna des Ell^sees. 1 ^ ' ^^' |_ Ges. Bay. langsamen, aber doch fördernden F^lügelscbläj^en im Glanz der Abendsonne über den See flog, nm den Schlafplatz aufzusuchen. Mir ist im südlichen Bayern als einziger Brutplatz eine Kolonie bekannt, die sich in dem kgl. (iehege beim Aumeister unweit München befindet. Hier genießen die Vögel genügend Schutz, um alljährlich ihre Brut hochzubringen. Vor etwa 30—40 Jahren soll sich eine andere Kolonie im sogen. „Rieder-Lohe", einem Hocbwald an der Wertach bei Kauf- beuren befunden haben. Heute ist davon aber nichts mehr zu sehen und auch der Fischreiher selbst gehört in genanntem Ge- lände zu den seltensten Erscheinungen. 66. Botaiirtis stellaris stellnris (L.). — Rohrdommel, Auch die Rohrdommel gehört zu den gelegentlichen Erschei- nungen am Eibsee. Ich selbst habe sie jedoch weder gesehen noch gehört, glaube auch nicht, daß sie im Gebiet zur Brut schreitet, da hierzu der Rohrwald zu wenig umfangreich sein dürfte. In Aitrang sah ich bei dem Fischer Franz Anton Martin ein ausgestopftes Exemplar, das sich in einer Fischreuse gefangen hatte; es war noch lebend gefunden worden, einige Zeit am Leben erhalten, dann jedoch, offenbar an Nahrungsmangel eingegangen. Die Zwergrohrdommel, Ixohrychus minutus (L.), soll eben- falls schon am Eibsee vorgekommen sein; doch fehlen hierüber leider weitere Anhaltspunkte. 67. Cygnus spec. — Schwan. Über den Schwan finde ich in meinen Aufzeichnungen nur diese eine Notiz: „Am 3. Januar 1910 in Aitrang drei Exemplare ziemlich hoch ziehen gesehen. Flugrichtung: Süd-West-Nord-Ost." Ob es sich hier um den Höckerschwan, Cijgmis olor (Gm.) oder um Cygmis cijfjnus (L.), den Singschwan handelt, kann nicht an- gegeben werden. 68. Anas x*latyrhynchos platyrhynchos L. — Wildente. Die Wildente gehört zu den ganz gewöhnlichen Brutvögeln. Sie nistet sowohl im Seemoos, w^ie auch abseits vom Wasser, in den ehemaligen Torfstichen. Zur Winterszeit findet sie sich in große Schwärme vereint an den kleinen, offenen Wasserstellen des Eibbaches ein. Manchmal bedeckten Scharen bis zu hundert und mehr Stück den See. Dabei war es aber kaum möglich, auf Schuß- nähe an die Enten heranzukommen. 69 Nettion crecca cvvrvn (L.). — Krickente. Neben der Wildente kommt die Krickente noch als Brutvogel im Seegebiet vor, ist aber bei weitem nicht so zahlreich vertreten wie jene. '_ ' j Laubinann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 45 70. Nyrova ferina ferina (L.). — Tafelente. Die Tafelente habe ich ein einziges Mal am Eibsee gefunden und zwar im März 1911 in einigen Exemplaren. Sonst konnte ich diese Tauchente nie beobachten. Die damals konstatierten Stücke befanden sich auf dem Zuge und wurden späterhin am See nicht mehr gesehen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich eine von mir in Verh. Ornith. Gesellschaft in Bayern 12, 1916 p. 256 geraachte Bemerkung: „Wie ich aus den in unseren Materialien zur bayerischen Ornithologie niedergelegten Notizen entnehmen kann, wurde die Tafelente meist in den Monaten Januar bis März und dann wieder im Spätherbst bei uns beobachtet. Nachweise darüber, daß sie auch zur Brut schreite, konnte ich nicht finden. Um so interessanter mag das Brutvorkommen der Tafelente am Maisinger See sein" Vi, dahin richtigstellen, daß ich mit dem Satze: „Nachweise darüber, daß sie auch zur Brut schreite, konnte ich nicht finden", nicht das Brutvorkommen der Tafelente in Bayern überhaupt, sondern ledig- lich im südlichen Bayern in der näheren Umgebung des seiner- zeitigen Beobachtungsgebietes gemeint habe. Es ist mir selbst- verständlich nicht unbekannt, daß die Tafelente im nördlichen Bayern an verschiedenen Plätzen als Brutvogel vorgekommen ist und noch heute vorkommt. Vgl. Parrot, Jaeckel und andere a. a. 0. Übrigens habe ich auch heuei" wieder die Tafelente brütend am Maisinger See angetroffen. 71. Podiceps cristcttus eristatus (L.). — Haubentaucher. Den Haubentaucher habe ich am Eibsee nur ein einziges Mal angetroffen und zwar im Sommer 1910 in zwei Exemplaren. Eines Morgens sah ich beim Absuchen des Sees die beiden auffallenden Vögel mitten im freien Wasser. Ich machte sogleich den Kahn los, um am Uferrand mich langsam den beiden Tauchern zu nähern. Bald hatten mich die Vögel entdeckt und suchten nun vor mir das bergende Schilf zu erreichen. Da ich ihnen zuvorkam, machten sie wieder kehrt und schwammen tauchend wieder gegen die Mitte des Sees zu. Ich trieb sie auf diese Weise wohl zwei Stunden lang vor mir her, ohne auf Schußnähe herankommen zu können. Endlich hoben sich beide Vögel schwerfällig in die Luft um schließ- lich mit auffallender Schnelligkeit nach Südosten zu verschwinden. Vermutlich ließen sie sich auf einem anderen der vielen in der Nähe befindlichen Seen oder Teiche wieder nieder. Am Eibsee habe ich Haubentaucher später niemals mehr beobachtet. 72. Podiceps ruficollis rnficollis (Pall.). — Zwergsteißfuß. In den dichten Rohrwaldungen des Sees oder in den Dickungen von Wasserr osen und Binsen im unteren oder oberen Eibbach war ') Laub mann, Ornithologische Beobachtungen aus dem Gebiet des Mai- singer Sees; Verh. Ornith. Gesellsch. Bayern, Bd. 12, 191G p. 242— 261. 46 Laubraann : Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 1 • ^ • L Ges. Bay. der kleine Taucher gar nicht selten. Weniger häufig sah man ihn auf dem freien Wasser des Sees selbst. Im Frühjahr belebt er durch seine trillernden Rufe das Gelände in eigentümlicher Weise. Der Zwergtaucher bleibt auch die kalte Jahreszeit über im Ge- lände; er hält sich dann aber mehr an den eisfreien Bächen und Flüssen auf. So habe ich ihn häufig an der Kirnach und im unteren Laufe des Eibbaches getroften. Auch an der Wertach ist er um diese Zeit gar nicht selten. 73. Pluvialis aiyricarins (L.), — Goldregenpfeifer. Dem Goldregenpfeifer bin ich im Frühjahr und in den Herbst- monaten regelmäßig im Seemoos begegnet. Meist waren es ziem- lich große Schwärme, die sich auf dem Zuge hier herumtrieben. 74. Vanelliis vanellus (L.). — Kiebitz. Im Seemoos, da wo das Moor in Wiesen übergeht, ist der Haupt- tummelplatz für die drei bis vier Paare Kiebitze, die jedes Jahr im Eibseegebiet zur Brut schreiten. Die Kiebitze waren fast die ersten Ankömmlinge im Frühjahr, sie kamen meist noch vor den Lerchen, um die Mitte Februar an. War dann das Wetter noch- mals recht schlecht und kalt, dann hatten die schmucken Gesellen oft noch recht schlechte Tage. Es mußte aber schon sehr kalt werden und andauernd schneien, um sie zu veranlassen, nochmals fortzuziehen. Meist begannen sie schon ziemlich frühzeitig mit dem Brüten. Die Kiebitze gehörten am Eibsee zu den Yogelarten, denen die Rabenkrähen am meisten zusetzen. Man konnte sie daher oft beobachten, wie sie schaukelnden Fluges mit jämmer- lichem Geschrei die Krähen über den ganzen See hin verfolgten. Nach der Brutzeit, etwa Mitte bis Ende Juni schon, waren die Kiebitze mit einem Male verschwunden. 75. Pavoncella inignax (L.). — Kampfläufer. Der Kampfläufer gehört nicht zu den Brutvögeln, doch trifft man ihn jeden Herbst in großen Scharen an. Dabei handelt es sich um Exemplare, die sich auf dem Zuge befinden. Merkwürdiger- weise erwiesen sich alle am See oder in der näheren oder weiteren Umgebung desselben erlegten Stücke als junge Männchen. Ob beim Kampfläufer die Geschlechter getrennt ziehen? 76. Totamis totanus totamis (L.). — Rotschenkel. Den Rotschenkel fand ich in einem Pärchen brütend. Die Vögel brüteten in einer Mooswiese in der Nähe eines Entenschirmes am Ausfluß des Eibbaches aus dem See. Schon von weitem konnte man die hübschen Gestalten bemerken, wenn sie beim Anflug zum Nest regelmäßig auf dem Gerüst des Schirmes aufbäumten und erst vorsichtig Umschau hielten, bevor sie sich dem Nest näherten. Viel zahlreicher als am Eibsee habe ich den Rotschenkel auf den '^ ' I Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 1917 47 großen oberbayerischen Mooren angetroffen. So ist er im Ascli- heimer Moos, unweit München, ein gar nicht seltener ßrutvogel. 77. Tringa ocvophiis ocrojyJius L. — Waldwasserläufer. Der Waldwasserläufer wurde in einem einzigen Exemplar angetroffen, das im Herbst zur Bekassinenjagd am Eibsee erlegt wurde. Gleich den Bekassinen stand der Vogel im seichten Wasser zwischen Sumpfgrasbüscheln und Röhricht erst kurz vor dem Hund auf. Es war dies das einzige Exemplar, das angetroffen wurde. Den Bruchwasserläufer, Totanus glareola (L.), habe ich merk- würdigerweise nie beobachten können. 78. Kuwienius arqtiata arquata (L.). — Brachvogel. Der große Brachvogel, dieser herrliche Charaktervogel unserer Mooslandschaften, brütet am Eibsee in zwei bis drei Paaren. Um das für gewöhnlich im Röhrricht verborgen lebende Sumpfgeflügel besser beobachten zu können, hatte ich mir am Rande eines großen Schilffeldes mit Ausblick auf das Wasser sowie auf eine von Schilf umschlossene Moorwiese aus Binsen und Rohr einen Unter- schlupf gebaut, von dem aus ich oft dem Treiben des Brachvogels zugesehen habe. Unter anderem konnte ich auch einmal dem Be- gattungsakt zusehen, wobei es komisch anmutete, wie relativ un- beholfen der Vogel durch seine langen Beine erscheint. An hellen Mondnächten konnte man den melancholischen Flötenruf fast die ganze Nacht hindurch hören. Wenn man den Vögeln, die sonst außerordentlich scheu und vorsichtig waren, zur Brutzeit oder namentlich zu der Zeit, in der die Jungen schon ausgekrochen waren, nahe kam, dann vergaßen sie alle Scheu und stießen auf Mensch oder Hund mit der größten Heftigkeit und unter lautem Geschrei herab. Ähnlich war es auch, wenn der Fuchs seine Raubzüge gelegentlich bis ins Moos auszudehnen ver- suchte. Dann hatten ihn bald die immer wachsamen Krähen und Kiebitze entdeckt und dann gelang es oftmals den vereinten Kräften der Vogelwelt, den gemeinsamen Feind aus dem Brutrevier zu vertreiben. 79. Gallinago gallinayo gallinago (L.). — Bekassine. Auch die Bekassine brütet auf den Mooswiesen und zwischen den Schilfboschen des Seemooses. Doch hält sich die Zahl der Brutpaare immer in sehr bescheidenen Grenzen. Viel zahlreicher erscheint die Bekassine dagegen im Herbst, wenn der Zug beginnt. Dann liegen sie zu Hunderten im Röhricht, um nach einigen Tagen plötzlich alle zu verschwinden. Dann kommen eines Tages wieder neue Scharen, bis endlich der Zug seinem Ende zuneigt und nur noch ganz vereinzelt ein Stück zu sehen ist. 48 Laubmanu : Beiträge zur Avifauua des Eibsees. 1 V®^^- ö*""- L Ges. Bay. 80. Scoloj}ao(i vustieola rusticola L. *) — Waldschnepfe. Die Waldschnepfe habe ich brütend nicht angetroffen. Doch erscheint sie regelmäßig auf dem Frühjahrszug- in unserem Gebiet. Ihre Brutgebiete scheinen noch weiter südlich höher in den Vor- bergen zu liegen. Im Herbst habe ich sie fast nie angetroffen. 81. Larns vuHbiindus L. — Lachmöve. Die Lachmöve habe ich während meiner ganzen Beobachtungs- zeit nur zweimal wahrgenommen. Einmal traf ich im Juli ein Exem- plar am See, das andere Mal im Mai drei Stücke. Auf diese beiden Fälle beschränkt sich nach meinen Beobachtungen das Vorkommen dieses an anderen Seen Südbayerns so häufigen Vogels. Gebrütet hat die Lachmöve auch in früheren Jahren noch niemals am Eibsee. 82. Creoc er ex (L.). — Wachtelkönig. Der Wachtelkönig ist ein Bewohner der weit ausgedehnten Moorwiesen an jenen Stellen, wo sie in trockenes Gelände über- gehen. Hier kann man ihn immer in einigen Exemplaren schnarren hören. Doch möchte ich bemerken, daß ich ihn nicht jedes Jahr beobachten konnte. Manchmal fehlte er gänzlich. Das Jahr darauf war er dann wieder zahlreicher vertreten. 83. Hallus aquaticus aquaticAis L. — Wasserralle. Der Wasserralle, deren Leben sich eigentlich fast immer im dichten Röhricht abspielt, bin ich nur selten begegnet. Verhältnis mäßig oft habe ich sie von meinem Beobachtungsschirm aus gesehen. Sonst kam sie eigentlich nur bei der Durchstreifung des Seemooses bei Gelegenheit der Bekassinenjagd zur Beobachtung. Sicherlich gehört sie zu den Brutvögeln des Gebietes. 84. Gallimdct chloropus chloropiis (L.). — Grünfüßiges Teichhuhn. Auch das grünfüßige Teichhuhn gehört zu den Arten, die im Verhältnis zu ihrem Vorkommen relativ selten zur Beobachtung kamen. Das Teichhuhn brütet im Röhricht des Seemooses in einigen Paaren. Am öftesten kam es mir dann zu Gesicht, wenn ich im Kahn in das Schilfdickicht fuhr und mich bis Einbruch der Dunkelheit dortselbst ruhig verhielt. Beim Beginn der Dämmerung verließ dann das Teichhuhn das schützende Röhricht, um sich auf den Blanken des Sees zu tummeln. ^) Harter t beschrieb die Waldschnepfe von den Liu-kiu Inseln als eigene Form unter dem Namen Scolopux rusticola mira (vgl. Bull. B. O. C. 3G, 1910 p. tJ4), woraus sieh die oben angewandte ternüre Benennung erklärt. ' ' I Laubmann: Beiträge zur Avifauna des Eibsees. 49 85. Fulica atra atra L. — Bläßhuhn. Bei der gleichen Gelegenheit traf man auch mit dem Bläß- huhn zusammen. Das Bläßhuhn war noch seltener als das grün- füßige Teichhuhu. Brütend habe ich diese Art niemals getroffen. 86. Columha palwmhxis pcdiimbus L. — Ringeltaube. Häufiger Brutvogel. Ich fand einmal in einem Fichtenstaugen- holz ein Nest in H()he von 2,50 m. Dasselbe bestand aus einigen locker übereinander geschichteten Ästchen, die mit Moos und Streu bedeckt waren. Das ganze Nest stand auf einer Art Gabel. Eier enthielt es keine. 87. Colunihci oenas oenas L. — Hohltaube. Die Hohltaube brütet auch am Eibsee, ist aber in ihrem Vor- kommen viel beschränkter. Sie scheint die Laubholzbestände den Tannenwaldungen vorzuziehen. Ihr gleichmäßiger Riih-Ruh- Euh-Ri\f hat mit dem Gurren der Ringeltaube gar nichts gemein 88. Perdix perdioc pevdix (L.). — Rebhuhn. Auf den Feldern der Kulturzone kommt auch das Rebhuhn in einigen Ketten vor, ohne besondere Bedeutung zu gewinnen. Im „Alten Moos", dem schon mehrfach besprochenen alten Torfstich, war auch immer ein Flug von acht bis zehn Hühnern anzutreffen. Die Rebhühner bevorzugten diesen Platz wohl wegen seiner besonderen Ungestörtheit. 89. Cottimix eoturnix cotumix (L.). — Wachtel. Die Wachtel traf ich nicht jedes Jahr an. Zuweilen brütete sie in zwei oder mehr Paaren, das andere Jahr fehlte sie voll- kommen im Gelände. In den moosigen Wiesen um den See kam sie überhaupt nicht vor, sondern war nur in der Kulturzone um die Ortschaft Aitrang anzutreffen. 90. Tetrao nrognllns urogallus L. — Auerhuhn. Das Auerhuhn gehört im Elbseegelände nicht zu den Brut- vögeln. Sein Brutgebiet beginnt erst weiter südlich in den Vor- bergen. Doch kommen gelegentlich auch am See Exemplare vor, die aus irgendwelchen Gründen aus ihrem Bratbezirk ver- strichen sind. So ist es keine Seltenheit, Auerhennen gelegentlich der Spielhahnbalz am Balzplatz des kleinen Hahnes anzutreffen. Auerhähne kommen seltner als die Hennen zur Beobachtung. Rackelwild wurde noch niemals angetroffen. 91. Lyrurus tetrix juniperorxi'in (Brehm). — Birkhuhn. Häufiger Bi'utvogel im Gelände. Das Birkhuhn kommt ver- hältnismäßig sehr zahlreich vor und brütet auch auf den Mooren rings um den See in ziemlicher Anzahl. Im Winter trifft man es truppweise auf den Birken des Seemooses, wo es sich an den Birkenkeimen gütlich tut. Im Frühjahre zur Balzzeit konnte man auf den Balzplätzen ein bis sechs Hahnen versammelt finden. 50 Stresemann: Beobachtungen über die Höhe des Seglerfluges. 1 • ^^'O- |_ Ges. Bay. Beobachtungen über die Höhe des Seglerfluges, Von Erwin Stresemann. Verläßliche Angaben über die Höhe, welche die Vögel während des Zuges innehalten oder bei gelegentlichen Flugspielen erreichen, sind auf Grund von Erdbeobachtungen nur dann zu erwarten, wenn die Flughöhe sich unter 100 m hält oder diese Grenze nicht wesent- lich übersteigt. Im andern Fall ist der am Boden befindliche Beobachter, falls er den Vogel überhaupt noch wahrzunehmen imstande ist, ganz auf vage Schätzung angewiesen und wird, wie V. Lucanus an den Gätke'schen Hypothesen über die Höhe des Vogelzuges nachgewiesen hat, meist geneigt sein, den vertikalen Abstand bedeutend zu hoch zu veranschlagen. Versuche, welche v. Lucanus mit Hilfe einer Luftschiffer- abteilung in der Weise angestellt hat, daß in Flugsteliung ausge- stopfte Vögel an einer 10 m langen Schnur mit einem Fesselballon hochgelassen wurden, haben ergeben, daß einem übernormalen un- bewaffneten Auge bereits in 200 m eine Drossel nur noch als Punkt erscht^int, daß ihm in 250 m ein Leinfink, in 300 m eine Drossel verschwindet; als Sichtbarkeitsgrenze des Sperbers wurde 850 m, als die der Saatkrähe 1000 m festgestellt^). Wir sind daher auf die gelegentlichen Beobachtungen der Luftschiffer angewiesen, wenn es sich darum handelt, zuverlässige Daten über die von den Vögeln aus verschiedenem Anlaß einge- nommenen größeren Höhen zu erhalten. Das auf diese Weise bisher gewonnene Material muß noch dürftig genannt werden. v. Lucanus hat es 1912 wie folgt zusammengestellt: „Nach Aussage der Luftschiffer ist auf den Ballonfahrten die Grenze des Vogelflugs im allgemeinen in einer Höhe von 400 m überschritten. Über 1000 m sind nur ganz selten Vögel angetroffen worden, einmal eine Lerche in 1900 m Höhe, ein an- deres Mal ein großer Raubvogel, anscheinend ein Adler, den Hergesell aus 3000 m Höhe unterhalb des Ballons dem Gebirge zufliegen sah. Letzterer Fall ist zugleich die größte Höhe, in der bisher ein Vogel von den Luftschiffern festgestellt wurde. F. V. Lucanus, Journ. f. Ornith 1911, p. 524—526; idem. Über die Höhe des Vogelzuges auf Grund aeronautischer Experimente. Sitzungsber. Ges. Naturf. Freunde Berlin 1912, p. 333—345. XIII, 1917 ' I Stresemann: Beobachtungen über die Höhe des Seglerfluges. 5i Nach Süring ist die größte Höhe, in der auf 100 wissen- schaftlichen Fahrten Vögel gesehen wurden, 1400 Meter, und zwar handelt es sich um einen Flug Krähen" ^). Meine im April 1916 erfolgte Abkommandierung zu einer Feld- Luftschitfer- Abteilung im Westen begrüßte ich mit der Erwartung, hierdurch zu mannigfachen Beobachtuugen über die Höhe des Vogelflugs Gelegenheit zu finden. Diese Hotfnungen erfüllten sich jedoch bis heute, im Zeiträume eines Viertel- jahres, nur in sehr bescheidenem Umfange. Die Schuld daran messe ich in erster Linie dem Umstand zu, daß die Erschei- nung des Fesselballons auf die meisten Vögel schreckhaft wirkt oder sie doch wenigstens (wie z. B. die in dieser Gegend häufigen Mäusebussarde) veranlaßt, sich bei ihren Flugspielen in weiter Entfernung davon zu halten. Über den Eindruck, den der Ballon auf die am Boden lebenden Vögel macht, notierte ich mir unterm 21. Juni: „Im allgemeinen kümmern sich die Vögel nicht um den aufsteigenden Ballon. Doch bemerkte ich, daß vor einigen Tagen, als letzterer nach vieltägiger Pause plötzlich rasch hoch- gelassen wurde und im böigen Winde hin- und herfuhr, die im Umkreis sitzenden Grasmücken und Hausrötel sogleich ängstlich zu warnen begannen und sich sehr erregt im dichtesten Gebüsch verbargen." In Höhen über 200 m bin ich bisher nur dem Mauersegler [Micropus apus apus (L.)) begegnet. Ich gebe meine Tagebuch- aufzeichnung wieder: „21. 6. Ein klarer Tag. Gegen 12 Uhr mittags, während ich mit dem Ballon in 840 m Höhe stehe, erblicke ich etwa 100 m seitlich unter mir (also in + 750 m Höhe über dem Boden) zwei Mauersegler, die anscheinend Insekten jagen. Windstärke in dieser Zone 4 — 6 ms." „25. 6. Windstille, klarer Himmel. Gegen 10 Uhr vorm. bemerke ich beim Einholen, als der Ballon sich noch in 560 m Höhe befindet, einen Mauersegler etwa 50 m über dem Ballon." Zu diesen Angaben ist ergänzend zu bemerken, daß sich der Aufstiegsplatz in flachwelligeni, bewaldetem Gelände befindet. Zweimal konnte ich also Mauersegler in Höhen zwischen 600 und 750 m feststellen. Da die Sichtbarkeitsgrenze der um etwas größeren Drossel bei 300 m liegt, ergibt sich, daß die Vögel vom Boden aus ohne Benutzung eines Fernglases nicht hätten bemerkt werden können. Eine befriedigende Antwort auf die Frage, was die Segler veranlaßt, gelegentlich so bedeutende Höhen außerhalb der Zug- zeit aufzusuchen, ist schwer zu geben. Obwohl sie sich dort län- •) Vgl. auch: v. Lucanus, Die Höhe des Vogelzuges auf Grund aeronau- tischer Beobachtungen; Joum. f. Ornitb. 1902, p. 1. 4* 52 Stresemaun : Beobachtungen über die Höhe des ßegleifluges. 1 ^^ " ^"' |_ Ges. Bay. gere Zeit, im ruhigen Segelflng große Kreise beschreibend und dann und wann mit tiefem Flügelschlag rudernd, aufzuhalten schienen und sich schließlich meiner Beobachtung nur durch Weg- fliegen in horizontaler Richtung entzogen, bin ich doch nicht zu der Anuahme geneigt, daß sie dort oben nach Insekten suchten. Durch vertikale Luftströmungen mögen zwar vielfach Insekten in sehr bedeutende Höhen emporgeführt werden, aber eine Jagd auf diese Irrlinge dürfte für einen Segler wenig lohnend sein. Meine Ansicht ist vielmehr, daß es sich um eine spielerische Flugleistung handelt (analog dem Kreisen des Mäusebussards in erstaunlichen Höhen), die mit der Nalirungssuche in keinerlei Zusammenhang steht. ' ' j Stechow: Omithologische Beobachtungea aus Bad Nauheim. 191' Ornithologische Beobachtungen aus Bad Nauheim. Von Dr. E. Stechow (Müuchen). Im Spätherbst 1913 uud wiederum von Anfaug April bis Mitte Mai 1914 weilte ich längere Zeit, jedesmal fast sechs Wochen, in Bad Nauheim am Taunus, beide Male also während der Haupt- vogelzugzeit. Schon in den ersten Tagen meines Aufenthaltes, sowohl im Herbst wie in der Brutzeit des Frühjahrs, bemerkte ich, daß hier eine erstaunliche Artenzahl nicht nur als Durchzügler vorüberkommen, sondern auch ständige Brutvögel sind. Ohne die zweifelhaften Arten wie Rotkopf würger und Uferschwalbe, deren Vorkommen von anderer Seite angegeben wird, erreichen die Beobachtungen die stattliche Zahl von SSBrutvögeln auf einem Areal, das nicht viel größer als 1 Quadratkilometer ist! Es ist von Interesse, den Ursachen nachzugehen, durch welche hier ein so reiches Vogelleben zur Entfaltung gelangt. Offenbar ist es nur die außerordentlich mannigfaltige Gestaltung der Land- schaft, die das möglich macht. Nauheim liegt, wie bekannt, am Ostabhang des Taunus, am Fuße des „die Höhe" genannten Bergrückens. Wir haben hier die Ebene mit ihren Kornfeldern und Wiesen, den Abhang mit seinen ausgedehnten Obstgärten und Parkanlagen und die Bergeshöhe mit ihren weiten Laub-, Nadel- und gemischten Wäldern, mit zalilreichen eingesprengten Scho- nungen wie auch alten Überständern. Vor allem aber ist es der Park mit seinen schönen Gruppen, alten Bäumen, Büschen und Rasenflächen, wie auch seinen ausgedehnten Neuanlagen, der, ganz abgesehen von der Mannigfaltigkeit der Landschaft, wie jeder Park in sich selbst so viel Abwechslung enthält, daß die ver- schiedensten Arten hier Nahrungsmöglichkeiten und Nistgelegen- heiten finden. Man wird überhaupt ganz allgemein die Beobachtung machen, daß große Parke wegen der Vielgestaltigkeit ihrer Vege- tation immer weit mehr Arten beherbergen als eine eintönige Feldlandschaft, ein gleichmäßiger Wald, ein weites Wiesengelände oder irgendein anderes Gebiet, dessen Flora auf weite Strecken hin keine Abwechslung aufweist. Ein ornithologisch interessantes Gebiet ist auch der jenseits der Bahn gelegene „Goldsteinpark", der im Wesentlichen aus einem großen Dorndickicht, einer Anpflanzung verschiedener Dornsträucher, 54 Stechow: Oruithologische Beobachtuugen aus Bad Nauheim. 1 Verh. Oru. Ges. Bay. besteht, die das Reisig für die Nauheimer Salinen liefern. Er bildet, wegen des vorzüglichen Schutzes vor allem Raubzeug, den Lieblingsaufenthalt verschiedener Vogelarten, besonders der Dorn- grasmücke, des Rotrückigen Würgers, sowie der Nachtigall. Auch das für jedes Gebiet, in dem eine zahlreiche Fauna vor- kommen soll, unentbehrliche Wasser fehlt in Nauheim nicht, und zwar in stehender wie in fließender Form. Ein großer Teich mit zwei Inseln, auf denen zahlreiche Vögel (unter anderen der Eis- vogel) nisten und auf denen sie durch den Menschen nie gestört werden, bildet eine Zierde des Parkes. Daneben fließt die Usa in raschem Laufe vorbei, oberhalb des Ortes von Schilf eingefaßt, der ein beliebter Aufenthalt der Rohrsänger ist, im Orte selbst mehrfach durch Wehre gestaut, so daß kleine Wasserfälle entstehen, an denen man Gebirgsbachstelze, Eisvogel u. a. antriff't. Eine Ruine fehlt auch nicht, so daß die in altem Gemäuer nistenden Arten. Dohlen und Eulen, ebenfalls Nistgelegenheit finden, während Turmfalken drüben in dem neuen Wasserturm im Goldstein- park horsten. Auch die großen alten Bäume des Parkes mit zahl- losen alten Spechthöhlen geben den Höhlenbrütern reichliche Wohnung. Sind schon die natürlichen Bedingungen besonders günstig, so ist auch von selten der Parkverwaltung, die einem staatlichen Forstbeamten untersteht, ein Übriges geschehen, um die Nist- gelegenheiten noch künstlich zu vermehren : über lOÜO der bekannten Berlepsch'schen Nisthöhlen sind im Park und im Wald aufgehängt worden ; ebenso werden durch zahlreiche Futterplätze und Tränken viele Vögel bereits im Winter angelockt, die sich dann auch während der Brutzeit dort aufhalten. Bei der in den letzten Jahren erfolgten beträchtlichen Vergrößerung der Parkanlagen ist ferner absichtlich darauf Bedacht genommen, möglichst solche Bäume und Beerensträucher anzupflanzen, die im Winter eine willkommene Nahrung bieten, wie Eheresche, Holunder u. a. Viele Zugvögel werden hierdurch im Spätherbst zum Rasten veranlaßt und gelangen so zur Beobachtung, die sonst unbemerkt darüber hinweg geflogen wären. Noch einen großen Vorteil für oruithologische Beobachtungen genießt Nauheim : es liegt an einer Vogelzugstraße oder wenigstens an der verbindenden Brücke zweier wichtiger Straßen, nämlich der Verbindung zwischen der Weserstraße und der Rhein-Rhone- straße, welch letztere bekanntlich die wichtigste Mitteleuropas ist. Der Zug folgt ja im allgemeinen den Flußläufen. Da nun die Weser das deutsche Mittelgebiige nicht durchbricht, wie der Rhein es tut, so können die Vögel beim Herbstzuge der Weser nur bis zu ihrem Oberlauf folgen, müssen dann nach Südwesten abbiegen und erreichen im Maingebiet die Rhein-Rhonestraße. Der etwa 60 km im Durchmesser haltende Gebirgsstock des Vogelsberges xin 19 If 1 1 ' ' j Stechou-: ürnithologische Beobachtungeo aus Bad Nauheim. 55 wird hierbei südöstlich über Fulda, oder nordwestlich durch die fruchtbare Wetterau umflogen, und hier, an der Pforte zwischen Taunus und Vogelsberg, liegt eben Nauheim. Schon seit alter Zeit ist der besondere Vogelreichtum dieser ganzen Berglandschaft bekannt und berühmt gewesen und hat diesem Gebiet den Namen „Vogelsberg" eingetragen. Ich gehe nun zur Besprechung der einzelnen Arten über. Von Drosseln wurde die Amsel {Planesticus merula merula (L.)), die Singdrossel [Tur das phüomelos philo melos Br.), beide in sehr großer Individuenzahl, selten ferner die Misteldrossel {Turdus viscivorus viscivorus L.) und die Wachholderdro ssel [Turdus pilaris L.) beobachtet. Obwohl die Amsel außerordentlich zahlreich auftritt, sind Fälle von Nestraub an kleineren Singvöüfeln nach langjährigen Beobachtungen des Forstverwalters, des seither leider in den Karpathenkämpfen gefallenen Forstassessors Richard K ern, hier nie bemerkt worden. Das ist beachtenswert, denn bei dem großen Vogelreichtum müßte es hier eher und öfter beobachtet werden als an anderen Orten. Dagegen soll die Amsel die Nachti- gall verdrängt haben, die früher im alten Park zahlreich vorkam, sich jetzt aber nach den amselarmen Dorndickichten des „Gold- steinparkes" zurückgezogen hat und auch dort nicht mehr häufig ist. Eine solche V'erdrängung der Nachtigall durch die Amsel wäre wohl möglich; durch diese Angaben allein scheint sie mir aber noch nicht bewiesen: bei dem Rückgang der Nachtigall können auch noch andere Ursachen mitgewirkt haben. — Ganz besonders bemerkenswert ist das Vorkommen der Wachholderdrossel {Tiir- dus pilaris L.) als Brutvogel in den Wäldern des Taunus. Schon Walter erwähnt sie 1887 als Brutvogel aus dem Vogelsberg. Diese Brutstätten im Taunus gehören wohl zu den westlichsten regelmäßigen Brutorten und sind weiteren Beobachtungen sehr zu empfehlen. Wenig nördlich von Nauheim, an der Straße nach Wetzlar, wurde der Graue Steinschmätzer {Oenantlie oenanthe grisea (Br.)), auf den Wiesen der Braunkehlige Wiesenschmätzer {Saxicola rubetra ruhetra (L.)) beobachtet. Von der Nachtigall [Luscinia megarhynchos megarhynchos (Br.)) war schon die Rede ; mir will es scheinen, daß an ihrem Verschwinden oder Rückgang der Mensch mehr schuld ist als die Amsel. Rotkehlchen {Erithacus ruhecula rubecula{h.)) sind sehr zahlreich und erfüllen den alten Park mit ihrem zarten Gesang, der besonders in der Stille der Abenddämmerung lange und feierlich ertönt. Gartenrotschwanz [Phoenicurus phoeni- cums phoenicurus (L.)) und Hausrotschwanz ( Phoenicurus ochruros gibraltariensis (Gm.)) sind ebenfalls zahlreich; besonders der erstere nistet an vielen Stellen im Park. Der Hausrotschwanz ist an den Gebäuden und Schuppen überall zu finden. 56 Stechovv: Ornithologische Boobachtuugen aus Bad Nauheim, j f* "„ ^'^* |_ Ges. Bay. Auch die Hecken braun eile {Primella modidaris ^nodularis (L.)) ist Brutvogel. Alle vier Grasmückeuarteu [Sylvia atricapilla atricainlla (L.), S. hippolais hippolais (L.), S. communis communis Lath., S. curruca curruca (L.)) finden sich allenthalben als Brutvögel, am häufigsten wohl die Mönchsgrasmücke in den Bäumen des alteu Parkes. Auch der Gartenspötter {Hypolais icterina (Vieill.)), dessen Ankunft am 6. Mai festgestellt wurde, ist nicht selten. Sehr häufig sind die Laubvögel, der Weidenlaubvogel [Fhyllo- scopus colhjbita collybita (Vieill.)) wohl der häufigste, nicht viel seltener der Fitis (Phylloscopus trochilus trochilus (L.)), den man aus allen Hecken und Büschen, besonders in den Neuen Anlagen, hören kann; aber auch der sonst nicht alltägliche Waldlaub- vogel {Phylloscopus sihikitrix sihilatrix (Bechst.)), der vom 25. April an oft gesehen und gehört wurde, findet sich häufiger, als man ihn sonst auzutreffen pflegt, im Laub-Hochwald, dem sog. Frauen wald, und zwar nicht an den Rändern, sondern mehr im Innern, wo sich in der Stille des Waldes die charakteristische Stimme leicht bemerkbar macht. Von Rohrsängern sind Drossel-, Teich -, Schilf- und Sumpf- rohrsänger {Äcrocephalus arundiyiaceus arundinacens (L.), A. stre- perus strepenis (Vieill.), A. schoenobaoius (L.), A. palustris (Bechst.)) als Brutvögel vorhanden; der Teichrohrsänger wurde am 20. April zum ersten Male bemerkt, war aber vermutlich schon einige Tage vorher da. Der Zaunkönig {Trogloclytes troylodytes troglodytes (L.)) ist zahlreich, besonders in den an Unterholz reichen aufwärts führenden Schluchten, dem sog. „Donnersgraben"; auch waren sie ständig in unmittelbarster Nähe der Usa zu treften, z. T. an den belebtesten Stellen. Von Meisen und Verwandten wurden das Gemeine Gold- hähnchen [Regulus regulus regulus (L.)), Kohlmeise {Parus major major \j.)^ Blaumeise {P caerulciis caeruleiis h.), Taunen- meise (P. ater ater L.), Sumpf meise {P. iMlustris communis Bald.), Haubenmeise [P. cristatus mitratus Br.) und Schwan z- meise {Aegithalos caudatus europaeus (Herm.)) beobachtet, alle zahlreich, besonders Kohl-, Blau- und Sumpfmeise, auch das Gold- hähnchen; von der Schwanzmeise weit überwiegend Exemplare mit dunklen Augenstreifen. Das Vorkommen der Weiden meise (P. atricapillus rhenanus Kleinschm.) konnte mit Sicherheit nicht festgestellt werden. Der Kleiber {Sitta europaea caesia Wolfj ist wie überall häutig, auch der Baumläufer [Certhia sp.); jedoch konnte von diesem letzteren nicht festgestellt werden, welche Form. Alle drei Bachstelzen [MotaciUa alba alba L., M. cinerea cinerea Tunst., M flava flava L.) wurden vielfach brütend beobachtet. Bemerkenswert ist, daß die Gebirgsbachstelze, die sonst nicht eben häufig und ziemlich menschenscheu ist, hier an mehreren belebten Äill, 1, I Stechow: Ornithologische Beobachtungen aus Bad Nauheim. 57 Stelleu brütete, so an dem oberen Wehr, ferner sogar in einem Lorbeer im Haupt-Restaurant nahe bei der Musik, wo jeden Tag ein dichtes Menschengedränge war! Der Baumpieper {Anthus trivialis trivicdis (L.)) ist sehr häufig: sein charakteristisches Lied hörte man besonders an den Waldrändern bei den Neuen Anlagen in halber Berghöhe, aber auch unten an der Usa in unmittel- barer Nähe der Villeu. Der Wiesen piep er [Anthus prateiisis (L.)) kommt vor, ist aber als Brutvogel sehr selten. Die Feldlerche {Alauda arvensis arvensis L.) ist sehr häufig, weniger die Haubenlerche [Galerida cristata cristata (L.)). Ein interessauter Brutvogel ist die Heidelerche {Lullula arborea arborea (L.)), die weit entfernt vom Ort an einsamen Schonungen im Walde oben als Brutvogel vorkommt, was wegen ihrer Seltenheit recht bemerkenswert ist. Die Grauammer {Emberixa calcmdra calandra h.) ist selten, die Goldammer (Efnberixa citrmella sylvestris Br.) sehr häufig, die Rohrammer [Emberixa schoeniclus sehoeniclus h.) sehr selten und nur wenige Male in den nicht ausgedehnten Rohrbeständeu beobachtet, die sich längs der Usa hinziehen. Der Buchfink {Frmgilla coelebs coelebs L.) ist sehr häufig und überall im Park seit vielen Jahren halb zahm; der Blut- hänfling (Acanthis cannabina cminnbina (L.)) zahlreich, sein hübscher Gesang mit Vorliebe von Fichtengipfeln aus vorgetragen; der Girlitz {Seri?ius canarius germanicus Laubm.) nicht selten, gewöhnlich auf Telegraphendrähten sitzend beobachtet; der Zeisig {Spinus spinus (L.)) besonders im Herbst in großen Flügen auf den Erlen, die die Ufer der Usa auf weite Strecken einsäumen; der Stieglitz {Carduelis carduelis carduelis ih.)) und der Grün- ling (Chloris chloris chloris (L.)) nicht selten; der Kernbeißer [Coccothr allstes coccothr allstes coccothraiistes (L.)) in den Obstgärten und Anlagen; Haus- und Feldsperling (Passer domesticus do- mesticus (L.) und P. montanus montanns (L.)) reichlich vertreten; die kleinere Form des Dompfaffen {Pyrrhula pyrrhula europaea Vieill.) nicht selten. [Von älteren Autoren wird das Vorkommen des Steinsperlings {Peironia petronia ptetronia (L.)) in dieser Gegend behauptet (s. Naumann-Hennicke Bd. III p. 378—379). Ich habe von ihm weder selbst etwas gesehen, noch von anderer Seite etwas gehört. Da Muschelkalkfelsen, au die sein Vorkommen gebunden scheint, in dieser ganzen Gegend vollständig fehlen, so möchte ich mit Be- stimmtheit annehmen, daß es sich bei diesen alten Angaben um eine Verwechslung mit einem anderen Vogel handelt.] Der Star (Sturmis vulgaris vulgaris L.) ist zahlreich; beachtenswert ist, daß er hier nicht nur wie sonst in Nisthöhlen, sondern in großer Zahl in den natürlichen Spechthöhlen sowohl im Park wie im Hochwald brütend angetroffen wird, im Park 58 Stechow: Ornithologische Beobachtungen aus Bad JSauheim. 1 ^ " ' |_ Ges. Bay. besonders in alten Weiden. Der Pirol [Oriolus oriolus oriolus (L.)) ist nicht selten. Von Corviden sind Eichelhäher {Garrulus ()landarius gla?i- darius (L.)) und Rabenkrähe {Corvns corone corone L.) im Walde überall zu finden; die Dohle {Coloens monedula spermologus (Vieill.j) nistet in der Ruine, einem alten Wasserturm im Park. Von Würgerarten ist der Neun tot er [Lantus collurio collurio L.) zahlreich, besonders in den Dorndickichten des Goldsteinparks, der Große Raub würg er (L. exciibitor exeubitor L.) selten. Auch der Rot köpf (L. Senator Senator L.) soll vorkommen, was nicht unwahrscheinlich ist, da er an verschiedenen Punkten des nahen Maintales auftritt; ich selbst habe ihn nicht gesellen, ihn daher auch nicht in die oben genannte Zahl von 88 Arten mit eingerechnet. Von Fliegenschnäppern ist der Grane (Muscicajm flcedula ficedula (L.)) nicht selten; ich sah ihn zuerst am 25. April. Der sonst nicht überall vorkommende Trauerfliegenschnäpper [31. hypo- leiicahypoleuca (Pall.) ' ist sehr häufig. Seine Ankunft wurde in allen Einzelheiten in der Frühe des 20. April beobachtet. Am vorher- gehenden Abend w^ar noch nicht einer zu sehen oder zu hören. In der Morgendämmerung des 20. April um 4 Uhr, 1 Stunde vor Sonnenaufgang, hörte man plötzlich überall ihre charakteristische Stimme, ihr lautes „tatü-tatü-tatü", und erkannte die unruhigen Vögelchen, die sich allenthalben im Gezweig und besonders vor den Nisthöhlen in aufgeregter Weise herumtrieben. Ihre Unruhe war außerordentlich; man merkte sofort, daß sie noch nicht heimisch waren. Ihre Menge war sehr groß, sie waren an diesem einen Morgen vollkommen dominierend in der Vogelwelt. Schon am nächsten Tage war ihre Zahl beträchtlich geringer; immerhin blieb etwa jede 5. Nisthöhle von ihnen besetzt. Wären sie am Abend des 19. schon da gewesen, selbst nur in geringer Zahl, so wären sie durch ihre Stimme unmöglich verborgen geblieben. Sie müssen also in derselben Nacht angekommen sein und ihren Zug in der Nacht zurückgelegt haben. — Nach Angaben der Forst- verwaltung ist auch der Zwergfliegenschnäpper [Erythrosterna parva parva (Bechst.)) in den Buchenw^aldungen wiederholt in der Brutzeit beobachtet worden, so daß sein Vorkommen als Brutvogel als gesichert gelten darf, ein sehr interessanter Fundort dieses sonst mehr östlichen Vogels. Von Schwalben sind sowohl Haus- als Rauchschwalbe {Delichon urbica urbica (L.) und Hirnndo rustica rustica L.) Brut- vögel. Die erste Rauchschwalbe sah ich am 12. April. Auch die Uferschwalbe [Biparia riparia riparia (L.)) ist gelegentlich über dem großen Teich beobachtet worden; doch befindet sich keine Uferschwalbenkolonie in der näheren Umgebung von Nauheim. Der Mauersegler {Microjms apus apus (L.)) ist gemein; der erste erschien am 29. April. Die Nachtschwalbe [Caprimulgus ' ' I Stechow: Oruithologische Beobaclitungen aus Bad Nauheim. 59 europaeus europaeus L.) findet sich oben etwas abseits von dem verkehrsreichen Park, mehr nach den Wäldern zu. Der Steinkauz [Carine noctua noctua (8cop.)) ist Brutvo^el, ebenso der Waldkauz {Strix aluco aliico L.). Einen Waldkauz- horst mitten im Park unmittelbar an der Usa konnte ich längere Zeit beobachten. Er befand sich in dem Astloch einer alten starken Weide etwa 10 Meter über dem Boden und enthielt drei Junge. Das 1. erschien am 25. April außerhalb der Höhle, das 2. am 29., das 3. am 30. Sie schrieen tagsüber viel; die Alte kam aber erst in der Abenddämmerung zum Füttern; ich entdeckte sie tagsüber in den Kronen der Nachbarbäume schlafend und stets in der Nähe des Horstes, nicht mehr als 50 Meter von ihm entfernt. Den Eisvogel [Alcedo atthis ispida L.) konnte man täglich au dem großen Teich beobachten, wo er seit vielen Jahren auf der einen Insel gebrütet hat ; ebenso an verschiedenen Stellen der Usa, wo er, besonders an den Wehren, seiner Jagd oblag. Der Teich ent- hält eine große Zahl kleiner Fische, die für den Angelsport dort eingesetzt worden sind, so daß ihm hier der Tisch reich gedeckt ist. Der Wiedehopf [Upupa epops epops L.) ist, wie überall in Deutschland, recht selten geworden, ist aber immer noch Brut- vogei in abgelegenen Teilen des Waldes, besonders in der Nähe eines einsamen moorigen Teiches, hier vielleicht mehr wegen der Einsamkeit als wegen der moorigen Beschaffenheit der Gegend. Der Ki^ckuck (Cuculus canorus canorus L.) ist zahlreich; seine Ankunft erfolgte am 20. April. Von unseren einheimischen Spechten vermißte ich bei meinen Beobachtungen nur den Schwarzspecht. Den Großen Buntspecht [Dryobates major pmetorum (Br.)) sah ich wiederholt an seinen Baumhöhlen im Laubwald auf dem „Johannisberg", ebenso den Mittelspecht (Dryobates meclius medius (L.)). Der Kleinspecht {Dryobates minor hortorum (Br.)) hatte seine Höhlen in alten Weiden unten am Ufer des Teiches unmittelbar am Hauptweg. Recht häufig war der Grünspecht [Picus viridis pinetorum (Br.)), doch fehlte auch der Grauspecht [Picus canus canns Gm.) nicht, beide Arten leicht an der Stimme unterscheidbar, indem das Lachen des Grauspechtes eine Cadenz der Tonfolge darstellt, das des Grün- spechtes dagegen nicht. Der zahlreichste von allen Piciden aber war der Wendehals {Jynx torquilla torquilla L.), der viele Nist- höhlen bewohnte, teilweise unmittelbar an den belebtesten Wegen bei den Badehäusern. Ich muß hier auf einen besonderen Irrtum hinweisen, der sich in fast allen Werken findet (z. B. auch bei Friderich, Naturgesch. der deutschen Vögel, 5. Aufl. p. 338, 1905) der Wendehals soll nämlich erst Ende April, ,.nicht leicht vor dem 20. April", bei uns eintreffen. Nach meinen langjährigen Beobachtungen aber kommt er weit früher, nämlich schon Ende März oder in den ersten Apriltagen. In Nauheim BO Stechow: üriiitliulogischc Beobachtungen aus Bucl Nauheim. I p d " war er am 12. April, dem Tage meiner Ankunft, allenthalben, hatte seine Nisthöhlen längst bezogen und sich häuslich einge- richtet, und machte an diesem Datum durchaus nicht den unsteten Eindruck, als ob er erst eben angelangt wäre, wie ich ihn bei dem gerade angekommenen Trauerfliegeuschnäpper so gut beob- achten konnte. Hier in Nauheim war er sicherlich schon in den ersten Apriltagen da. Ebenso habe ich ihn früher im Eibtal, in der Nähe von Dresden, wo er nicht selten ist, bereits Ende ^lärz beobachtet, offenbar am Tage seines Kommens: voll Unrast untersuchte er da alle Baumhühlen, beson- ders Spechthöhlen, in einem großen, sehr alten Nußbaum und ver- sch wan d dann wieder. Seine Ankunft in Deutschland d ü r f e n wir also durchschnittlich um den 1. April, und nicht erst auf Ende April ansetzen. Daß bei einem so reichen Vogelleben wie in Nauheim auch die Raubvögel nicht fehlen, ist selbstverständlich. Der Sperber {Accipitcr >iisus nisus [L.)) war oft zu beobachten; besonders gern jagte er in den Dorndickichten des Goldsteinparkes; mit der größten Gewandtheit stieß er durch das Gestrüpp, oft kaum einen Meter an einer sitzenden oder gehenden Person vorbei. Mäuse- bussard {Biiteo buteo biiteo (L.)) und Turmfalk {Falco Hnmui- chIus thiwoieidus L.) sah man mehr auf den umliegenden Feldern, wo sie der Mäusejagd oblagen. Der Bussard horstete oben im Wald, der Turmfalk an dem neuen Wasserturm im Goldsteinpark. Beide waren in zahlreichen Exemplaren zu sehen, wohl herbeigelockt durch die damals gerade auf den Feldern herrschende Mäuseplage. Von Tauben ist die Ringeltaube {Columba palumhus pa- lumbiis L.) häufig. Es kommen aber auch Hohl taube {Columba oenas ocnas L.) und Turteltaube [Streptopelia turtnr turtiir (L.)) als Brutvögel vor. Beides ist bemerkenswert, da die Hohltaube in Deutschland selten geworden ist, während die südliche Turtel- taube überhaupt nur an wenigen Stellen bei uns brütet. Von Feldhühnern finden sich Rebhuhn {Ferdix perdix perdix (L.)), Jagdfasan {Phasianus colchiciis colchicus h.) und Riugfasan (Phasianus colchicus var. torquatus). Beobachtungen über Sumpf- und Wasservögel wurden nicht gemacht. Sicher ließe sich die Zahl der in Nauheim vorkommenden Vögel noch sehr erheblich vermehren, besonders wenn man alle die Durchzügler und Wintervögel noch mit aufnehmen wollte. Hier handelte es sich nur um die Brutvögel. Es ist aber auch schon aus dem Gesagten unschwer zu erkennen, daß sich eine ungewöhnlich reiche Fauna hier auf engem Räume zusammenfindet und daß dieses wohl mit der abwechslungsvollen Bodengestaltung in ursächlichem Zusammenhange steht. Älll, 1, I Hnffmami; Omitholoffisches ans Pfronten. fii 1917 _| "-^ Ornithologisches ans Pfronten. Von Prof. T)r. B. Hoffmann (Dvesdon). Da Pfronten nicht zu den Orten geliört, in denen ständige Beobachter ihre Aufmerksamkeit der Vog-elwelt widmen, so darf ich vielleicht nachstehend einige Beobachtung-en mitteilen, die ich während eines kurzen Erholungsaufenthalts Mitte Juli bis Mitte August 1916 in Pfronten gemacht habe^). Zwar können meine Angaben keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, aber schon die eine sehr interessante Feststellung, die ich am Schlüsse meiner Arbeit bringen werde, dürfte die Veröffentlichung des Aufsatzes rechtfertigen. Pfronten, das eigentlich aus 13 mehr oder weniger vonein- ander entfernten Dörfern besteht, liegt im Algäu am Fuße der Alpen — „ad frontes Alpium", wie es schon 750 genannt wird — , im Mittel 870 m hoch, da wo die von Westen kommende Vils sich mit der kleinen, von Norden kommenden Faulen Ach vereinigt. Die Vils tritt dann ins Gebirge mit südlicher Kichtung ein, be- schreibt einen Bogen und ergießt sich ostwärts fließend in den Lech, der bald darauf bei Füssen das Gebirge wieder verläßt. Es werden auf diese Weise ein paar Vorberge rückwärts umflossen und vom Hauptmassiv getrennt: der bei Pfronten gelegene 1276 m hohe Falkenstein und der Höhenrücken des Salober, der sich nach Füssen zu erstreckt. Die einzelnen Dörfer sind durchsetzt von kleinen Gemüse- und Obstgärten und in weitem Umkreis umgeben von fetten, mit viel Bärenklaustauden geschmückten Wiesen, zwischen die sich nur vereinzelte kleine Felder einschieben. Hier und da finden wir Hecken und Gebüsche, stärker entwickeltes Strauchwerk an der Vils entlang, an der sich auch die sogen, oberen und unteren Weidachanlagen hinziehen; die Lücken zwischen dem Durcheinander von Sträuchern und Bäumen füllen hier Hecken von Brombeeren, Himbeeren, wilden Rosen u. s. w. aus, oder es schießen hochsteng- liche Kräuter, vor allem verschiedene Arten von Disteln, Dolden- gewächsen — darunter die so überaus starke und hohe Brustwurz *) In dem Aufsatz „Materialien zur bayerischen Ornithologie VIII", in den Verhandlungen der Ornith. Gesellsch. in Bayern, Bd. XII, sind 842 bayerische Orte genannt, aus denen Notizen über die im Aufsatz behandelten Arten ein- gegangen sind, aber Pfronten fehlt darunter. 1 Vcrli Orn HO Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. I ^ *t^ ' ^^"■^ L ^^^- "^y- [Angelica silrestris L.) — und Eisenhut empor, denen sich an lichteren Stellen vielfach die Stränze [Astrantia) zugesellt. Auf geschlossenen, vorwiegend hochstämmigen und gemischten Wald stoßen wir erst an den Hängen der Berge. Nur in den Torfmooren stehen, wenn auch mehr oder weniger zerstreut, einzelne Bäume oder Baumgruppen (Birken, Erlen, Tannen u. s. w\). Die Be- herrscherinnen der ganzen Umgegend von Pfronten bleiben aber die Wiesen. Nach dieser kurzen Schilderung der Landschaft w^oUen wir zur Vogelwelt übergehen. In den Dörfern sind natürlich die Schwalben noch stark vertreten, wennschon ihre Abnahme den Bewohnern aufgefallen ist. Die Mehlschwalben übertreffen an Zahl die Rauchschwalben. Turmschwalben habe ich nur 3—4 gezählt. Am 23, Juli kreisten sie noch abends V^ö Uhr über Pfronten-Berg, am andern Tag waren sie verschwunden; ich habe in den folgenden Wochen keine einzige wieder zu Gesicht be- kommen^). In den Gärten, an den Bahnböschungen u. s. w. stieß ich vor allem auf Stieglitze, die sich durch ihre bunte Färbung, ihr munteres, oft aber recht unruhiges Wesen und durch den herr- lichen, zu Zeiten ununterbrochenen Gesang sehr bemerkbar machten. Sie räumten unter den Distelköpfen tüchtig auf. Es dauerte nicht lange, bis ein großer Kopf ausgefressen war. Zahlreiche Junge wurden von den Alten J o-efüttert, sie riefen meist ^. t ' ' i p • *'•*;; i:;! oder b' a u , züved züvedved zvidvid zvidvidvid welche Rufe auch übergingen in zviedvidvid oder zwietwied und ähnliche. Relativ häufig waren ferner die Grauen Fliegenschnäpper. Ein Paar nistete z. B. auf einem etwas vorspringenden Balken unter dem Dache an der Giebelseite eines Hauses. Seltener, als ich erwartet hatte, waren dagegen Hänflinge und Buchfinken, Es hängt dies vielleicht mit der selir großen Zahl der oft weit ^) Ich darf hier vielleicht über den Abzug der Turmschwalben im Jahre 1915 aus Hindelang berichten, das ja auch im Algüu, nicht sehr weit von Pfronten gelegen ist. Am 23. Juli war ich auf dem nahen Oberjoch, als von Westen ein schweres Unwetter heraufzog. Gegen 5 Uhr erschienen von Hinde- lang her die wenigen Turmschwalben des Tals. Sie blieben in beträchtlicher Höhe über dem Oberjoch; ich war begierig zu sehen, wohin sie sich im Hinblick auf das immer näher kommende Unwetter wenden würden. Da tauchten von andern Seiten noch weitere Schwärme auf, so daß die Zahl der Individuen bald auf ungefähr 40 — 50 anstieg. Das Kreisen dauerte fort. Schon zuckten die ersten Blitze auf und schwere Wassermassen gingen in großer Nähe nieder. Da — nach ungefähr 20 Minuten — zog der Schwärm ab; aber nicht direkt süd- wärts übers Gebirge, sondern er wandte sich ost-süd-östlich ins Hochtal, das über Schrattwald ins Lechtal führt, dem die Schwalben wahrscheinlich strom- aufwärts gefolgt sind. Vom 24. Juli an Inn ich keiner Turmschwalbe mehr begegnet. XIII 191 '_ ' j Hoffmaiin: Ürnithologisches aus Pfronfon. ßg herum wildernden Katzen zusammen. Eines Tages erzählte man mir in der ßäslemühle, wo ich oft verkehrte, daß eine Katze in zwei Tagen drei Vögel herbeigebracht habe : Eine Amsel, eine Kohl- meise und einen Vogel unbekannter Art ; ich selbst mußte mit an- sehen, wie eine Katze eine Rauchschwalbe zerfleischte. Daß der Star in jener Gegend nicht fehlte, schien mir selbstverständlich; das bewiesen auch die zahlreichen Nistkästen auf den Bäumen und an den Häusern, Und doch habe ich während meines ganzen Aufenthalts in Pfronten keinen einzigen ytar gesehen. Auf ver- schiedenseitiges Anfragen erfuhr ich, daß die Stare in der Regel in großen Mengen und dabei so zeitig ankommen, daß viele von ihnen zugrunde gehen. Sie ziehen in Pfronten die erste Brut auf und verschwinden dann. Niemand wußte natürlich wohin? — Auch das „warum" war ein Rätsel. Im Herbst kommen die Stare scharenweise zurück, allerdings nur, um sich zur v/eiten Reise zu rüsten. Vielleicht liegt die Ursache des Abwanderns der Stare darin, daß während der Sommerzeit in dortiger Gegend die Er- nährung, insbesondere der Jungen zweiter Brut, sehr in Frage ge- stellt wird. Das Gras auf den zum Teil sehr fruchtbaren Wiesen wird sehr hoch und dicht ; außerdem ist es stark mit krautartigen Pflanzen, vor allem mit dem schon genannten Bärenklau [Heracleiim Sphondylium L.) gemischt, dessen sehr verästelte Stengel und Blütenstände das Zu- und Abfliegen der Stare sehr erschweren; noch schwerer wird ihnen, bis zum Erdboden zu gelangen, dem sie doch mit Vorliebe ihre Nahrung entnehmen. Dazu kommt, daß die Wiesen erst Ende Juli und in der ersten Hälfte des August gemäht werden. Deshalb suchen möglicherweise die Stare während dieser ganzen Zeit Stätten mit günstigeren Ernährungsmöglich- keiten auf. Nur vereinzelt traf ich die Grünlinge, die damals ebenso ihre Jungen groß zogen, wie die überaus häufigen Hausrot- schwänzchen. Diese hatten nicht nur in den Schuppen und Scheunen und an den Häusern der Menschen ihre Nester gebaut, sondern vor allem auch in den Heustadeln auf den Wiesen der Berglehnen. Von allen Seiten tönte mir ihr Warnruf fiedeck oder fidsekdsek u. s. w. entgegen. Die Jungen riefen, so lange sie noch klein waren, sehr zart ds(i)rs, ds(i)rs, später vernahm ich von ihnen schon fidsk oder firzk. Durch die Hausrötel wird unser Blick hinaus auf die weiten Wiesenflächen gelenkt. Hier spielte natürlich das Braunkehlchen, das vom Volke „ Feldspatz ^ genannt wird, die Hauptrolle. Aller- orts stieß ich auf Alte und Junge. Die letzteren ließen sehr weiche b{i)rs b(i)rs hören, 24 indes die Alten mit ^ru— rl^iij^^i W-\? -^'— lockten. djöb dzek. . PVerh Orii (54. Hoffmaun: Ornithologisehos ans Pfronten. I |_ Ges. Bay. Auf den Feldern stiegen noch vereinzelte Fei die rohen singend empor, wälirend ^^ ein paar ^^'achteln ihr überall gleiches und doch fezzf •-*-*-'? — =i g_g^g -l=z u. s. w. an- iinmer wieder gern ge- Tr~iS' ^ Ö" u> stimmten, hürtes ^ Pikwiwik ^ Daß derUokhimmer in den Feldgehölzen und ;;n den Land- straßen nicht fehlte, bedarf eigentli(;h keiner Erwähnung-; ich konnte wiech'r einmal feststellen, daß das einfache Liedchen manchmal in recht verschiedener Höhenlage gesungen wird. Auch etwas suX/tbf t. 'v' -^'-^ ^^^ "- r^ ^^c r<^i,i fTfffT -^- von uur m Hachsen ver- r-resane: des bold- i i '. i ' i p , .. , ,^ , , • A^.,^.\+. ^-^^'" horten Goldammern ammers wieder mit: i , riefen. In der Uuigegend von Pfronten hatten ^* 1 die Goldammerliedchen oft die von Stadler ver- r f r. !* r r cJ zeichnete Gestalt. Andere Goldammern ließen nur die Tonkette in ziemlich stark ansteigender Weise hörtm, was Stadler auch im Maintal beobachtet hat; hier bei uns in Sachsen kommt das verhältnismäßig selten vor. Neben dem Goldammer war in den Hecken der rotrückige Würger sehr häufig. Während die Alten meist täk . . warnten, bettelten die Jungen sehr kläglich dsie, dsäh, dsiähd. Zu meiner Freude hörte ich auch einmal ein altes Männchen sehr schön singen. Es saß inmitten der Jungen auf einem Strauch und musizierte diesen etwas vor. Die Stimme war nicht sehr kräftig, aber tonschön; das lautliche Element trat mehr zurück. Bestimmte Motive w^aren kaum zu erkennen; der Gesang ging fast immer lückenlos weiter, auf und ab, im Plauderton ohne Zeichen irgendwelcher Erregung. Leider stand ich dem Sänger so nahe, daß ich nicht w^agte, behufs Aufzeichnung des Gesangs mein P)Uch hervorzunehmen; und aus dem Gedächtnis noch etwas zu Papier zu bringen, war um so schwere]-, als ich während der kurzen Zeit wenige]- die Einzelheiten als das Ganze ins Ohr gefaßt hatte. Zwischen den zerstreut stehenden Bäumen und Sträuchern der Torfmoore trieben sich Elstern herum und ein paar Rudel von Krammets vögeln mit zahlreichen Jungen. In einem Schwann, auf den ich bei meiner Rückkehr vom Kögel-Weiher stieß, be- obachtete ich ungefähr 15 junge Vögel. Ich erwähne dies, weil das Brüten der Krammetsvögel in Bayern recht vereinzelt zu er- folgen scheint*). ') Siehe Jäckcl, „Die Vögel Baj'erns" p. 17^) inid Laubmaun, ..Ornith. Beobachtungen aus dem Gebiete des Maisinger Sees'- in den Verhandlungen der Ornith. Gesellsch. in Bayern, Bd. XII p. 200, wo von der Wacholderdrossel be- merkt wird, daß, sie als ßrutvogel nicht anzuführen ist ['furdus ijilaris brütet an zahlreichen Örtlichkeiten in Oberbayern, Schwaben etc. — Red.] ' ' I Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. 65 Im Torfmoor bei Pfronten hörte ich auch einmal einen großen Buntspecht. Ich hatte ihn kaum mit dem Fernglas entdeckt, da schoß ein Sperber, der sich hier oft herumtrieb, auf ihn los. Unter lauten Flügelschlägen entspann sich ein kurzes Gefecht, aus dem der Buntspecht mit heiler Haut davon kam. Der Sperber mußte wieder abstreichen, nachdem der Buntspecht unter sehr auf- geregten Rufen das Weite gesucht und gefunden hatte. Ein anderer größerer Vogel, den ich mehrmals im Torfstich antraf, war der Eichelhäher, der im weiteren Umkreis von Pfronten recht vereinzelt vertreten war. Am Rande des Torflagers vernahm ich kurz nach meiner Ankunft noch ein paarmal den Gesang eines Baumpiepers. Sperlinge sind mir natürlich vielfach in den Weg gekommen; immer aber waren es Haussperlinge. Die sonst in Baj^ern so häufigen Feldsperlinge scheinen bei Pfronten zu fehlen. Treten wir nun an die dichteren Gebüsche, die reihenweise nicht selten Feld- oder Gemarkungsgrenzen bilden, so begegnen wir vor allem der Dorn-, der Zaun- und der Gartengra- smücke ^). Sehr häufig ist von ihnen das Müllerchen oder das Weißkehlchen. Auch die Gartengrasmücke ist verbreitet. Ich habe sie noch einmal sehr kräftig und mehrere Male schwächer singen hören. Sie ist wohl der beliebteste Sänger jener Gegend und führt dort den etwas plebejischen Namen „ Zeilspatz "^j. In größeren Gebüschen — mehr außerhalb der Ortschaften — traf ich ein paar Amseln. Noch seltner scheint hier die Zippe zu sein; ich habe auf meinen vielen Wanderungen im Laufe von fünf Wochen nur zwei Stück zu sehen bekommen. Ein recht gemeiner Vogel ist dagegen die Rabenkrähe, die man überall truppweise antrifft. Doch nächtigen die kleinen Scharen gemeinsam — so viel ich feststellen konnte — in einem kleinen Walde bei Zell, nordöstlich von Pfronten. Jeden Abend kamen Scharen von 20 — 50 Stück aus den verschiedensten Rich- tungen, sogar weit aus den Bergen heraus, um jener Stätte zu- zusteuern. Von Einheimischen wurde mir versichert, daß die Zahl der Rabenkrähen seit Kriegsbeginn sehr zugenommen habe(?). Im Buschwerk, das sich an den Bächen entlang zieht, sowie in andern lockern Gehölzen waren die bekannteren Arten der Meisen, die Kohl-, Tannen-, Sumpf-, Blau- und Hauben- meise vertreten, letztere jedoch nur dort, wo es nicht an ein paar Nadelbäumen fehlte. Dazu gesellten sich noch eine Weiden - ^) Betreffs dieser Silbentrennung sei bemerkt, daß der deutsche Gattungs- name zusammenhängt mit grau (die Hauptfarbe der betr. Vögel) und mit smiegen bezw. schmiegen. Die in Rede stehenden Arten tragen den Vorderkörper etwas gesenkt und „schmiegen" sich auf diese Weise gleichsam den Asten und Zweigen an. Hiernach ist es ganz sinnlos, das Wort wie bisher mit Schluß-s zu schreiben, bezw. Gras-mücke abzuteilen, -) Man nennt die linienhaft verlaufenden Strauchanpfianz.ungen ..Zeilen", [Vcrli OrD und zahlreiche Schwanzraeiseii. Erstere ließ vorwiegend ihr sisidsah-dsahd hören. Die dsahd liegen verhältnismäßig sehr tief, so daß dies auch vom Laien leicht bemerkt wird ; sehr oft ist der zuge- hörige Ton gl, einmal habe ich sogar e^ aufgeschrieben. Die Schwanzmeisen streiften wie gewöhnlich in größeren Schwärmen umher, ich zählte 12 bis 25 Stück in den einzelnen Verbänden. Alle waren völlig weißköpfig. Fortwährend drangen aus ihrer Mitte die reizenden zarten 2*^" -Rnle. „ ^* Ode,- '* 0-t oder ^z:iriz;zizi=i=|=: die ^=L,^-^=fii t^ ^ ,^r,\^ai'a inz L_ — _, — 1 — _,> — ! — üolien ^ dsirrr dsüüü . . . dsisisi Im Tale der Dürren Ach kam mir einmal die durch ihren braunen Oberkopf aus- gezeichnete Alpen- meise^) zu Gesicht. Sie war in großer '^ . '""^j^^^j. hören, und verschwand. Eile, ließ ein paarmal "" " ' ^ In lichten gemischten Be- i6._,_ selten lag der ständen trieben sich ebenso wie Htt?^zzi?^=i= Ton tiefer, nur in den Bergwäldern die Dom- W^^EzS^-E ^^ S^'^'^' verein- pfaffen in großer Zahl herum; ^. .., ,...,.., ' zelten Fällen • . 1 .. .^ • 1 -1 liub hubhub , , • \ \ meist horte ich von ihnen habe ich hg ge- hört. Dagegen war oft ein zartes r beigemischt, das dem Ruf einen etwas harten Klang gab: hrüb, hrüb u. s. w. Mit besonderer Vorliebe hingen sich die Dompfaften an die hohen Stengel der Stränzen, die natürlich unter der schweren Last bis auf den Erd- boden niedergedrückt wurden. Die reifenden Blütenköpfe dieser Pflanze schienen Lieblingskost der Dompfaffen zu sein. In einem kleinen Wäldchen scheuchte ich gegen Mitte August ein Pirol Weibchen auf; sonst habe ich von dieser Art nichts be- merkt. Großes Interesse meinerseits nahm eine Familie von Erlenzeisigen in Anspruch, die nach den ersten Augusttagen täglich eine größere Baumgruppe vor meinem Zimmer besuchte, um dort über die Früchte einiger Birken herzufallen. Der kleine Schwärm zählte acht junge Vögel, deren ^^ ^ Rufe mich um so mehr fesselten, als sie n,» ---^--^^ - sicherlich den Anstoß zur Benennung der A:~^— :^zgi± ^— J^gzi ganzen Gattung gegeben haben: Außeror- (m -i^*-—^ — -g ^*~7— dentlich häufig und lebhaft riefen die Jungen "^ ziä-vij ^7 ' ') Die echte Alpenmeise, Parus atricapillus montnnus Balclenst. ist für Bayern noch nicht nachgewiesen. Im bayrischen Bergland ifommt nach unserer heutigen Kenntnis überhaupt nur ein Vertreter der Weidennieise, nämlich P. a. sxibmoutanus Tschusi und Klschra. vor. — Red. xm 19 ' ' I Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. ß^ im Übereifer sogar zäsig, manclinial auch die ziä oder die vij allein. Der Zusammenhang- mit „Zeisig" ist so klar, daß es keines Wortes weiter bedarf. Die Alten waren dagegen sehr still und warnten in der Regel nur ein paarmal mit sehr kurzen viddi oder vüsi, oder ließen ganz leise Lautgruppen hören, die mehr Geräusche statt deutliche Silben und Töne waren und deshalb nicht sicher erfaßt werden konnten. Und nun gehen wir einmal an die Gewässer. An den kleinen Rinnsalen und Bächlein, welche die Wiesen durclirieseln und über letzteren selbst beobachten wir verschiedene Familien der Weißen Bachstelze, während an , welcher Ruf der den eigentlichen Gebirgs- ^^i*.* ^ • ^ ^» äußeren Form bächen ein paar vereinzelte **^^5 ^1 nach dem des Gebirgsstelzen hausen. ^^^ ^ ^ "^j^ Waldbaumläufers Eine solche rief mit Vorliebe ' recht ähnlich sieht, von dem er sich aber sofort durch den härteren und lauteren Anschlag der einzelnen Töne sowie durch das langsamere Tempo unterscheidet. An den rauschenden Bächen in den Waldtälern, aber ebenso an den oftneren Mühlgraben und Wehren stoßen wir oft auf AVasseramseln. An einer Stelle der Dürren Ach glaube ich einen Eisvogel kurz vor seinem Verschwinden erkannt zu haben, doch versehe ich diese Angabe selbst mit einem kleinen Fragezeichen. An derselben Stelle erfreute mich ein paar Tage lang gleich anfangs ein Sumpfrohr Sänger mit seinem herrlichen Gesang, den er besonders in der Mittagszeit, in der die warmen Sonnenstrahlen auch seine Brust durchglühen mochten, anzustimmen pflegte. Sehr schön brachte er auf- und absteigende Perltouren zu Gehör; auch andere Motive aus fast reinen Pfeiftönen kehrten immer wieder. Den Seen und Weihern habe ich natürlich ebenfalls Besuche abgestattet. Recht dürftig sah es am Kögel- Weiher ausM; ich konnte nur ein paar Bläßhühner entdecken und hörte, als ich schon im Weggehen war, einen über das Wasser hinstreichenden Vogel tjitititi rufen. Wahrscheinlich war es ein Flußuferläufer. Aus dem nahen Wald kamen ein paar Ringeltauben ans Wasser zur Tränke, sonst sah ich hier nur noch Rabenkrähen und Elstern. Am Zeller Weiher traten zu den Bläßhühnern eine kleine Zahl Stockenten. Es wird eben hier wie dort von Berechtigten und Unberechtigten zu viel weggeknallt ohne Ansehen der Art und ohne Ansehen von Alter und Geschlecht. In Sachsen ist's übrigens ebenso, und besonders jetzt im Kriege wird unter mehr oder weniger nichtigen Vorwänden unter der Vogelwelt in einer Weise ') Er liegt ungefähr l^o Wegstunden nördlich von Pfronten; der Zeller Weiher ist an der Westseite der Kuine Hohenfreyberg gelegen, während sich der Weißensee am Nordfuße des Salober breit hinzieht. 66 Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. I " |_ Ges. Bay. aufgeräumt — ich denke da u. a. auch an manche Drosselarten — , daß es wohl lange dauern wird, ehe die Lücken wieder aufge- füllt sein werden. Etwas ergebnisreicher war ein Ausflug an den Weißensee, an dessen flachem Nordufer viel Schilf steht. Neben Bläßen, Stock- enten und einem Flußüberläufer sah ich hier vier Familien von Haubentauchern. Während die Alten ihre tiefen Rufe nur ganz vereinzelt einmal hören ließen, schrien die Jungen in viel höherer Lage fast unaufhörlich wij . . . ., wejwij ., wiibibibib, wä- wiwij u. ähnl.; an anderer Stelle ließ sich ein Teichrohrsänger hören. Damit wären eigentlich die Wasservögel im Gebiet von Pfronten schon erledigt; nur eines Fischreihers muß ich noch gedenken, der eines Morgens ungefähr 4—5 Meter über dem Erd- boden von Norden nach Süden an der Dürren Ach entlang über die Wiesen hinstrich, am Eingang ins Gebirge einen kurzen Halt machte und dann wieder rückwärts flog. Wo er beheimatet war. konnte ich nicht feststellen. In den verschiedenen Waldgebieten warnten Zaunkönige mit ihrem zickzirrizick, und die Jungen antworteten mit hohen siesd oder gar schon mit trrrrr. Rotkehlchen, an Zahl recht gering, vom Volke „Rotkropf" genannt, warnten in ähnlicher Weise, aber die Jungen riefen leise und sehr hoch z(i), manchmal mit d oder b am Ende. Der ^g u. s.w., aber nicht Schwarzspecht stimmte :Qz — — [-71— — — iz mehr die ab- alle seine drei Rufe an, ^^t?=t^3^J^^ steigende Ton- der Grünspecht da- *^ ^ . kette. Gold- gegen rief schon seine S^S^g igagag hähnchen lock- ten mit hohen zarten zizizi oder sisisrie jg u. s. w., blieben mir aber so fern, daß ich -^ — ^-l-^-x-^-«--?-^— die Art (oder die Arten?) nicht sicher fe— b?:i^i;<=^i^=^ P— bestimmen konnte. In kleinen Scharen auf- u--u tretende Kreuzschnäbel meldeten sich mit Ji • • • Eichelhäher schrien ihr heiseres chrähk u. s. w., Kleiber über- stürzten sich förmlich mit ihren tüttütt-, tüttüttütt-Rufen. Ganz still verhielten sich die Ringeltauben. Die Baumläufer schienen nach den verschiedenen Lockrufen, die ich zu hören bekam, in beiden Arten vertreten zu sein. Über die Wipfel der Bäume aber zogen Turmfalken, Habichte und Bussarde dahin. Von letzterem hörte ich einmal, daß er seinen Ruf nicht nur über eine Quarte, sondern über eine Septime herabzog (d — e). An anderer Stelle vernahm ich von einem größeren Raubvogel Die Art konnte ich aus den hohen Lüften _^ 16^^— .,-^-~-^_ leider wegen des dich- fast ganz reine, laute ^ Ejz^— "^ pz^=^=; ten Gezweigs über mir Pfeiftöne, wie sie ein ^ Erz — nicht erkennen. Am Mensch pfeift: Fuße der Berglehnen ' ' I Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. 69 stieß ich mehrmals auf Tannen häher. Einen traf ich am Erd- boden an. Er rief ein paar Überraschungstöne zik, zäk, zäk mit wechselnder Zusammenstellung-, ging aber gleich darauf, eiligst ab- fliegend, in die brrrk-Rufe über. E^ür das Auge sind die Tannen- häher bekanntlich sehr leicht an dem weißen Band kenntlich, das über den schwarzen vSchwanz kurz vor seinem Ende wegzieht. Neben all diesen Vögeln lenkten verschiedene Laub vögel immer wieder meine Aufmerksamkeit durch ihren Gesang auf sich. Noch recht rege war vor allem der Weidenlaubvogel, der in seinen gewöhnlichen Gesang sehr oft die grt-grt-Strophe einflocht. Seltner hörte und sah ich den Fitislaubvogel, der mit den Tönen schon recht sparsam umging. Vom Waldschwirrvogel habe ich nirgends etwas gemerkt. Er scheint durch den Berglaubvogel ersetzt zu werden, den ich verhältnismäßig häufig antraf; aber schon Ende Juli ließ sein Singen sehr nach. Meist sah ich ihn an unteren Berglehnen, die mit gemischten, nicht lückenlos zusammenstehenden Bäumen und Sträuchern bedeckt waren. Man erkennt ihn ja leicht an der nicht gelblichen, 24^..-- -^ wobei die einzelnen sondern licht-grauweißen -g-— — ^- — ^-~— ^- Töne — insbeson- Unterseite des Körpers fc~^~^"^~L^^S^ dere aber der erste und am Gesang. Ge- *^ t^iviTT'^^ . — etwas hart an- wöhnlich vernahm ich wi i i . . . . . geschlagen wurden. Manchmal klang ein leises j mit, oder das Liedchen lautete über- haupt tjijijijiji. Am meisten erinnerte mich das Liedchen an das Ende des Waldschwirrvogelliedes, nur ist es etwas lockerer als dieses. An die Haubenmeise, wie A. Voigt angiebt, habe ich beim Verhören der Berglaubsänger nie gedacht. Sehr charakteristisch und sehr häufig fast ununterbrochen zu vernehmen ist der Lockruf. Er ist meist zweisilbig und zweitönig und klingt im allgemeinen oder doijb ; zuweilen dehnt er sich aus zu dojib oder düijib. Das d tritt sehr deutlich hervor und wird manch- mal sogar etwas hervorgestoßen. Seltner habe ich am Anfang ein h vernommen. Auf dem Salober ließ einmal ein Berglaubsänger eine Reihe von dsjed hören, langsamer und etwas gebundener als den gewöhnlichen Gesang, mit dem sie übrigens, oft in ver- kürzter Form abwechselte ^). Die Jungen jener Familie hingen an die dojib-Rufe, die etwas heiser klangen, die Silbe viss, einfach ') Vgl. Schelcher, „Ornith. Ausflüge in die Umgebung von Freiburg (i. ßr.) und in die Süd-Vogesen" in Bd. XII dieser Zeitschrift, wo der Verfasser sagt: „Einmal hörte ich ein ^T singen, das auf die sibilator-ähnliche Strophe eine Reihe von etwa acht gleichen Tönen folgen ließ, doch nicht so schmetternd, in tieferer Tonlage und langsamerem Tempo." 70 Hoffraann: Ornithologisches aus Pfronten. j ^^ ' *"' oder verdoppelt an. Andere stimmliche Äußerungen habe ich während meines Aufenthalts in Pfronten von den Berglaubvögeln nicht vernommen. Als echter Waldvogel begegnete mir auch jt^ier die ]M ö n c h s g r a s m ü c k e. Ich traf ein cT oberhalb der Fallmühle im Tal der Dürren Ach, ein paar mit Jungen in den unteren, waldartigen Weidachanlagen, ein cT am Falkenstein und schließlich ein cT in Hohenschwangau, das ich hier nur wegen der nach- stehenden Bemerkungen erwähne. Es ist mir nämlich schon früher aufgefallen und diesmal wieder bestätigt worden, daß Plattmönche im Alpengebiet in der Regel etwas anders singen als nördlichere Vertreter. Zuerst fiel mir dies vor mehreren Jahren ^q in Versam, auf der Südseite des Flimser Berg- sturzgebiets auf. Hier hörte ich mehrmals früh- morgens einen Vogel, der nach kurzer melodischer ~ •. -1 • . Einleitung mit einem recht kräftigen, tonvollen ^ ® • '^ abschloß. Ich konnte an den A^ogel nicht heran, um ihn zu bestimmen, und versah deshalb die Niederschrift mit einem Fragezeichen. Bei späteren Alpenreisen kam ich dahinter, daß solche Liedschlüsse von Plattmönchen her- ^ß oder mit etwas ganz rühren, die bei uns -a— |#. #_, — Ähnlichem. Wie schon ihren Gesang doch ^-[^ =u^9— angedeutet, sangen die meist abschließen mit W-^^^^ — Plattmönche aus dem Pfrontner Gebiet bezw. von Hohenschwangau in der zuerst ange- führten Weise. Von den jungen Plattmönchen vernahm ich mehr- mals dsielek oder dschielek, manchmal unter Hinzufügung von tak ., tak . . . Von den umliegenden Bergen ist für mich der Falkenstein ornithologisch am bedeutungsvollsten gewesen, brachte er mir doch eine äußerst frohe Überraschung. Es gibt in Bayern wohl über 20 Falkensteine, ein Beweis, wie stark sie früher von Falken be- setzt gewesen sein mögen. Der in Rede stehende Falkenstein liegt ostseits in einem Bogen des Vilstales. Von Norden bezw. von Nordwesten her steigt er allmählich an, so daß die Straße, die König Ludwig II. bis zum Gipfel hat bauen lassen, diesen von Nordwesten her leicht in ein paar Kehren erreicht. Von Süden erhebt sich der Falkenstein steil empor. Besonders die oberste Kalk- steinkuppe zeigt den Steilabfall nach Süden in auffälligster Weise. Nach Osten schließt sich an den Falkenstein, nur wenig abgesetzt, der Salober an, auf dessen Kamme die von Süden heraufkommende deutsch-österreichische Grenze verläuft, so daß der Falkenstein nicht weit von dieser entfernt ist. Als ich den Berg zum ersten Male besuchte, wanderte ich die erwähnte Straße hinauf und zu- rück, so daß ich die Steilseite des Berges nur wenig zu Gesicht bekam; ich fand bei dieser Gelegenheit am Gipfel nur den Wasser- pieper, der sich mit seinen recht hart angeschlagenen, in der Tonhöhe nur wenig schwankenden W^arnrufen — einmal zählte ich '^ ' I Hoffraann: Ornithologisches aus Pfronten. 71 in der Minute 70 solcher fast metronomartig sich folgender Rufe — sehr bemerkbar machte. Bei einem zweiten Besuch des Falkensteins schlug ich beim Abstieg den auf der Südseite steil abwärts führenden und beim Bahnhof Pfronten-Steinach auf die Talsohle der Vils mündenden Pfad ein. Hier kommt man unmittelbar an der Steilwand des Gipfels vorüber. Sie ist stark zerfressen und weist einen nahezu lotrecht verlaufenden tiefen, vorn breiten Einschnitt auf, in dem man ein Muttergottesbild aufgestellt hat und der den Namen Lourdes- Grotte führt. Ich war nur wenige Schritte abwärts gestiegen und hatte mich der Grotte genähert, da sah ich plötzlich über die steilen Berg- wiesen, über die Bäume hin, dann wieder um die Kalksteinklippen herum oder draußen in freieren Luftregionen Vögel fliegen von schwalbenähnlicher Gestalt, am meisten noch an Uferschwalben er- innernd, aber größer. Die Farbe war vorwiegend bräunlichgrau. Die Flügel waren stark zugespitzt wie bei den Turmseglern, und auch etwas sichelartig gekrümmt. Mit großer Geschwindigkeit jagten die Vögel hier und dorthin, schössen sogar ein paarmal nahe über meinem Haupte dahin, führten allerhand Steil-, Sturz- und Schwebeflüge aus, schon glaubte ich sie sicher bestimmt zu haben — — dann noch ein Blick nach ihnen durchs Zeißglas — und selbst der leiseste Zweifel war geschwunden, es waren Felsen- schwalben [Riparia rupestris (Scop.)), die bisher in Deutschland noch nicht sicher nachgewiesen waren. Jäckel spricht (1. c. Seite 209) von einem „einzigen Exem- plar", aus der Oberpfalz, das aber „schon stark von Fäulnis er- griffen" war, als es 1812 in die Hände eines Kenners kam. Dieses Exemplar konnte auch ein verirrtes oder verschlagenes Tier ge- wesen sein. Nach Versicherungen eines Vogelfängers soll die Felsenschwalbe in der Nähe vonEichstädt „vor langen Jahren" in zwei oder drei Paaren gebrütet haben; das ist alles, was vom Vorkommen der Felsenschwalbe in Deutschland bekannt war. Reichenow läßt deshalb in seinem Buche „Die Kennzeichen der Vögel Deutsch- lands", wiewohl er darin u. a. auch die Gäste mit aufführt, die Felsenschwalbe ganz weg, und in seinem Werke „Die Vögel" (1914), II. Band, Seite 244 nennt er als die Gebiete, vfoPtyorioprogne rupeshis (Scop.) vorkommt, nur Südeuropa, Nordafrika u. s. w. Durch meine Beobachtungen am Falkenstein bei Pfronten ist sie nun sicher für Deutschland nachgewiesen, vor allem auch als Brut- vogel. Es mochten ungefähr 10—12 Stück sein, die dort die Felsen umflogen und dabei so oft meinen Blicken entschwanden, daß ich die Zahl nicht genauer festzustellen vermochte. Sehr bald er- kannte ich die Jungen, teils an der Färbung, teils an der Stimme, teils daran, daß sie oft und lange Zeit auf. irgendeinem vor- springenden Punkte der Steilwand ausruhten. Äußerst schwer war r R die Beobachtung der fliegenden Vögel diirclis Glas, da man ihnen nie folgen konnte; ich mußte es sogar bald gänzlich aufgeben. Vielleicht aber darf ich trotzdem noch etwas von meinen Fest- stellungen hier mitteilen, wenn sie auch teilweise nur zur Be- stätigung von Bekanntem dienen. Die Färbung der alten Vögel erwies sich oben als bräunlich- grau, unterseits vorn als weißgrau, das nach hinten zu einen zarten gelbbräunlichen Anflug erkennen ließ ; dieser ging weiter rückwärts in einen bräunlichen Ton über. Dei- Schwanz war am dunkelsten. Um so mehr hob sich hier die Reihe auffallend großer ovaler weißer Flecke ab, welche die Innenfahnen mit Ausnahme derjenigen der mittelsten zwei Federn schmückten. Ich habe die Flecke nur bei gespreiztem Schwänze gesehen, nicht aber bei geschlossenem. Der Schwanz erschien mir nur schwach ausgeschnitten. Die Flügel überragten ihn, aber nicht um 2,5 cm, wie Naumann angibt, sondern allem Anschein nach nur um etwa 1,6 cm. Die Flügel erschienen von unten gesehen recht hell; um so mehr setzten sich davon die dunklen unteren Flügeldeckfedern ab. Weitere Angaben über das Äußere der Felsenschwalbe habe ich schon oben gemacht. Nun noch etwas zur Stimme unseres Vogels. Wie bei der Ufer- und der Turmschwalbe waren auch hier die lautlichen Äußerungen mehr oder weniger einfacher Art. Oft verhielten sich die Felsen- schwalben — meine diesbezüglichen Beobachtungen habe ich am 4. August bei schönem, wenn auch windigem Wetter ge- macht — lange Zeit schweigsam. Am meisten vernahm ich ver- hältnismäßig einfache, aber recht tonstarke Rufe. Sie klangen lautlich wie dsji, dsjie oder dsjie; letztere Form war sehr häufig: 24^^^ 24^^ — tf— Bei etwas tieferer Lage des Rufes schrieb A^ ' ^y— - , — — • ich auf: \)^ A.ii;7~* dsjie usjiu, was noch schöner klang. Daneben verzeichnete ich noch dj(i)rrrr, bj(i)rrr, djrrrrdjrrrr, die r sehr zart. In 24- besonderen Fällen aber kam es zu einer Steigerung der tonlichen Aussprache. So wurde der erste Ruf deutlich zwei-, ^ ...,.,... , ., .^ .... drei- oder gar viersilbig: ^^^ ^''^''^' ds.dsidsj.e Ferner hörte ich noch, z. B. bei gegenseitigem Jagen: ^— •-•— •-•-Jts-S^^*^"^^^^=*-»— 5-5— dji . . . djük jiersik sisijesid Die Jungen riefen d(s)Tg, dsje, dsji(g) oder dsji(rk). — - ^ — XIII 1917 ' ' I Hoffmann: Ornithologisches aus Pfronten. 73 Das ist alles, was ich im Laufe mehieier Stunden aus der Kehle der Felsenschwalben vernommen habe. Ein Nest habe ich leider nicht zu sehen bekommen; jedenfalls befanden sich solche in der großen Felsspalte, wohin sich die Jungen noch oft zurück- zogen. Sie war aber derartig zerklüftet und mit Gesteinswülsten und Vertiefungen, ja sogar mit kleinen Höhlungen versehen, daß die Nester leicht verborgen blieben. Die Tiefe meines Stand- punktes erhöhte natürlich die Schwierigkeit des Auffindens eines Nestes der Felsenschwalbe. Ein nochmaliger Besuch des Falken- steins und seiner interessanten Bewohner wurde leider durch die Ungunst der Witterung unmöglich gemacht. Zum Schlüsse möchte ich dem Wunsche und der Hoöhung Ausdruck geben, daß die vielleicht im Entstehen begriifene Dauer- kolonie von Felsenschwalben — die einzige auf deutschem Boden — erhalten bleiben möge und daß nicht Raritätensammler und Vogelfänger ihr sehr rasch wieder den Garaus machen. 74 Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1910. [Verh. Üru. |_ Ges. Bay. Vom Zug der Mauersegler (Micropus apus apus [L.]) im Maintal 1916. Von H. Stadler (Lulir). Turmschwalben brüten in und bei Lohr an vielen Stellen, In der Stadt selbst etwa 30 Paare in Mauerlüchern eines alten Waclit- turms und des Kircliturms der katholisclien Pfarrkirche, einige in dem Spitzdach dieser Kirche; ein oder zwei Paare in Fensternischen des obersten Stockwerks vom Gasthaus Luitpold ; fünf Paare hinter volutenartigen AVandvorsprüngen der steinernen Mainbrücke, auf deren Südseite. In den benachbarten Ortschaften brüten sie verschiedentlich. Mainabwärts unter dem Turmdach der Kirche von PÜochsbach (4 — 6 Paare), in Neustadt in den beiden Türmen der alten roma- nischen Kirche, in Rothenfels und Bergrothenfels in Türmen und altem Gemäuer der Burg (2 — 3 Paare), in Hafenlohr etwa 20 Paare. Mainaufwärts in Steinbach im Hutten'schen Schloß, in Langen- prozelten und in Gemünden auf Türmen. Im Spessart: im Dorf Partenstein einige im Turm der katholischen Kirche, ferner mehrere Paare mitten in der großen Mehlschwalbenkolonie des dortigen Eisenbahnviadukts, auf der Nordseite; in Neuhütten, Rothenbuch, Weibersbrunn, Heinrichstal in den Kirchtürmen ; östlich von Rothen- buch in alten Eichen der Abteilung Seepfad, mitten im Hoch- wald. Auf der Fränkischen Hochebene (im „Frankenland") in Wiesenfeld und in Waldzell. In der Vorderrhön in Gräfen- dorf 1 — 2 Paare unter dem Dach des Bahnhofsgebäudes. Die Gesamtzahl der ßrutvögel unseres Gebiets wird 130 Paare kaum übersteigen. Die Zahl der durchziehenden Segler ist Legion. Wenn jemand Neigung und Zeit hätte, während der Zugsperiode den ganzen Tag unterwegs zu sein, so würde er Tausende und Aber- tausende mit dem Auge erkennen, Zehntausende in unerreichbaren Höhen rufend mit dem Ohr feststellen können. Eine derartige Vollständigkeit zu erreichen, war uns nicht möglich; wir können nur Ausschnitte geben.. Trotzdem bietet unser Beobachtungs- material einen guten Überblick über das Kommen und Gehen dieser merkwürdigen Tiere. Professor Ries hat in Bamberg wie XIII, 1, Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 75 seit einem Jahrzehnt auch 1916 den Vogelzug wieder beobachtet und mir seine lehrreichen Ergebnisse freundlichst zur Verfügung gestellt. Von den regelmäßigen allerersten Durchzüglern um Mitte April — dem Vortrab — wurde hier in Lohr 1916 nichts beob- achtet. Hier tauchten die ersten Seglertrupps am 21. IV. auf. An diesem Tag, gegen 7 Uhr abends, trafen größere Partien auf dem Turm der Pfarrkirche ein. Am Morgen des 22. hatte sich ihre Zahl sichtlich vermehrt; sie umflogen nun auch den Wacht- turm und lärmten durch das ganze Städtchen. Im Lauf des Tags aber wurden um die Türme nur mehr einzelne gesehen. In den nächsten Tagen wurde es dann wieder ziemlich still von Mauer- schwalben. Am 23. IV. trieben sich einige wenige am Wachtturm und zwei über der oberen Stadt (früh ^2^ Uhr) umher und nur für kurze Zeit. Auch am 24. und 25. IV. erschienen nur vereinzelte. Am 25. IV. zeigten sich die ersten im Dorf Pflochsbach. Aber am Morgen des 27. IV. ertönte wieder vielstimmiges Geschrei über der ganzen Stadt: die Brutvögel waren ange- kommen! Vermutlich waren immer noch durchziehende reichlich darunter, und die andern waren nicht unsere Brutvögel alle; kleinere Schübe werden noch nachträglich einpassiert sein. Die ungeheure Beweglichkeit dieses fliegenden Volks macht es zur Unmöglichkeit, ihren genauen Census aufzustellen. Um 10 oder 20 mehr oder weniger verzählt sich da auch ein gewissenhafter Beobachter. Jedenfalls tummelten sich vom 26. und 27. IV. ab Segler zu jeder Stunde des Tags über der Stadt, um die Türme, hier hoch in der Luft, dort die Gassen in Dächerhöhe durcheilend, und erfüllten mit ihrem fröhlich-aufdringlichen Schrillen die sonst so ruhigen Straßen des Städtchens. In Bamberg wurden die ersten durchziehenden Segler am 21. und 23. IV. 1916 gesehen; die Ansiedelung begann dort 26. und 27. IV. und schien am 28. IV. beendet zu sein. In der dritten Aprildekade hat Eies auch auf der schwäbischen Hoch- ebene den Seglerzug beobachtet. „Etwa vom 21. IV. an bis zum 28. IV.% schreibt Ries, „hörte ich den Schrei der durchziehenden Segler, wenn ich einsam über die Felder ging, sehr oft am Tag, manchmal alle Viertelstunde, ohne die Vögel zu sehen. Sie zogen offenbar hoch, und nur hie und da scheint einer tiefer herunter- gegangen zu sein. Dieser Durchzug wird von den Beobachtern leider ganz ignoriert, weil sie ihn nicht kennen. Ich hörte dann und sah am 28. IV. abends zahlreiche in Memmingen um die Türme kreisen. Auch in Türkheim sah ich am 23. IV. einen toten Mauersegler liegen." In Gräfendorf wurden die ersten Segler gesehen am 28. IV. von Förster Brock. [Verh Oru Ges. Bay. Den ganzen Mai liindmeli fiogen und sclirion unsere Seglei- in Lolir um ihre beiden Wobntürme wie immer. Die Regen- und Kälteperiode, die mit dem 25. Mai einsetzte, vermochte sie nicht zu beirren. Immer trieben 50—60 Paare über der Stadt ihr AVesen mit dem hitzigen Ungestüm ihrer Rasse. Am 26. :Mai zogen am Main bei Pflochsbach 1 6 Stück durch, flußaufwärts (nach Norden) streichend. Wir schrieben Juni, aber das naßkalte Wetter hielt an. Der Barometer stand unausgesetzt tief, die Temperatur ging bis auf 10" herunter, es regnete Tag für Tag, — es war eine Zeit, die uns auf dem Lande in guter Erinnerung bleiben wird: drei Wochen Regen im Mai und Juni — was soll aus der Ernte werden! Eine Mißernte jetzt, in der Zeit dei- Absperrung aller Zufuhr durch den Feind — das bedeutete unsere Vernichtung. Noch immer flogen die Mauerschwalben. Am 6. VI. abwechselnd Regen und Sonne. Durchschnittliche Tageswärme lA^. Am 7. VI. regnet es den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch, wie im April, auch am Vormittag des 8. VI. Noch war es untertags leidlich warm, aber die Nächte begannen nun kühl zu werden. 9. VI.: vormittags strömender Regen, dann wieder Sonne. Nun begannen auch die Tage kalt zu werden. Erst am 9. VI. zeigte sich die erste Reaktion der Segler auf Regen und Kälte: zwar für Lohr sind unsere Beob- achtungen gerade vom 6. — S.Juni zufällig nicht genügend genau; aber in Bamberg, dessen Vogelzug eine beinahe lächerliche Über- einstimmung der Daten und gleichzeitigen Vorkommen mit dem Zug unsres Maintals zeigt, beobachtete Ries: „Vom 6. — 8. VI. waren die Segler dort schon sehr vereinzelt. 9. und 10. VI. zogen Segler deutlich durch, in großen Scharen, mit Mehlschwalben zu- sammen auf dem Wasser der Regnitz Futter suchend; an den gewohnten Plätzen zeigte sich nichts." Auch über Lohr ging der Rückzug. Am 9. VI. hatte sich an dem einen der Seglertürme hier die Zahl der Mauerschwalben auf einmal vermehrt. Junge konnten es nicht sein: es war also fremder Zuzug eingetroffen — durchziehend hielten sie, nach der Gewohnheit der Art, um einen Seglerturm kurze Rast. 10. VI. Die Nacht war kalt, der Himmel bedeckt; früh ist es kalt und neblig — ein trüber, häßlicher Oktobertag. Von 10 Uhr ab regnet es in Strömen, stundenlang. — Der Barometer steigt langsam von 48 auf 53; Lufttemperatur -[-14". Verhalten der Segler: Am Main, wo bisher nur einzelne Segler (Brutvögel) jagten, treibt sich, genau wie auf der Regnitz bei Bamberg, auf einmal eine Schar von 50 Stück umher! 11. VI. (Pfingstsonntag). Abwechselnd Regenschauer und Sonne — wie an einem Apriltag. Der Barometer steigt auf 56, ^^^^' ^' I Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 77 1917 J o 6 die Temperatur vorübergehend bis auf 20" C. Nicht ein Segler in der Stadt. In Bamberg beobachtet Ries am 11. VI.: früh 6 Uhr^) zogen zwei kolossale Scharen von Seglern durch — sie kreisten stumm eine Weile hoch in der Luft und eilten dann weiter in SW.- Richtung! 12. VI. Früh ist es kalt, der Himmel bedeckt. Nachmittags wärmer. Der Luftdruck sinkt. 13. VI. Es regnet nahezu während des ganzen Tags, gegen Abend hört der Regen auf, aber es ist nun naßkalt (10° C.) und windig (TF.-Wind). 50 Segler am Main, 2 km unterhalb Lohr, früh von 6 — 10 Uhr; abends ^2^ Uhr sind dort höchstens noch 5, etwas oberhalb nochmals 2 Stück. — Am Wachtturm werden nachmittags insgesamt 5 Segler gesehen, statt der sonstigen 50 — 60! Also einzelne Brutvögel sind zurückgeblieben; die Hauptmenge der Segler ist abgezogen; fremde ziehen weiterhin durch, den freien Main zu vorübergehendem Aufenthalt benutzend. 14. VI. Die Nacht zu heute war kühl; es regnet immerzu — den ganzen Tag hindurch abwechselnd Regen und Sonne wie im April. Abends aufklärend, aber kalt. Der Barometer ist gestern auf 46 zurückgegangen. Tagestemperatur 10". Am Main ziehen nachmittags einige 20 Segler durch. Am Wachtturm sind, bei genauer Beobachtung während des ganzen Tags, 2 Segler zu be- obachten. Nachmittags V26 Uhr einige über den Mainwiesen; abends 8^2 Uhr, in beginnender Dämmerung, segeln noch 2 Paare über den südlichen Gärten dei- Stadt auf und ab, wie große Fleder- mäuse lautlos der Insektenjagd obliegend. Bamberg 12. — 14. VI. : sehr selten zeigte sich ein Segler. 15. VI. Tagsüber kalt; Regen, nichts als Regen; morgens erst NNO., dann NW. -|-10° C. Luftdruck steigt an, von 46 auf 50. Über der Stadt fliegen 3 Stück ; auf den Mainwiesen öst- lich Lohr jagen 5 oder 6, an einer anderen Stelle daneben 3; 2 km unterhalb 2 oder 3 ; ein sehr matter Segler wird im Wacht- turm aufgelesen. Mittags ^1^12 Uhr: 20 — 25 Segler fliegen auf einmal um den Wachtturm; sie schwärmen dort etwa V4 Stunde lang hin und her, dann ziehen sie weiter, genau nach SW. Am Main 10 Segler. Abends ist am Wachtturm, um den sonst Dutzende schreiend tollten, nicht einer zu sehen; an der Spitze des Kirch- turmdaches fliegt an zwei verschiedenen Stellen je einer ein. 16. VI. Früh starker NW., abwechselnd Sonne und Bewöl- kung, kalt. Nachmittags warm, wolkenlos, windstill. Der Abend und die Nacht sind kühl. 2 Segler über dem Buchenberg am Nachmittag. *) Alle Stundenzahlen sind solche „mitteleuropäischer", nicht „sommer- licher" Zeit. Ges. Bay. Untertags konnte ich selbst nicht 1 Stück an den Türmen von Lohr beobachten; der Tunnwächter, der eigens auf Segler achtete, sah jedoch einzehie umherfliegen. Abends 8 Uhr: 10 segeln um den Wachtturm, aber keiner fliegt in eins der vielen Brut- löcher. Ein direktes Fortziehen wurde nicht beobachtet. 17. VI. Früh neblig und kalt. Dann Sonne, warm und wind- still den ganzen Tag; der Barometer steigt bis 56. Früh 8 Uhr 10 Segler am Wachtturm; .i über der Stadt. — Mittags 12 Uhr: 20—30 Segler schreien um den Turm der Pfarrkirche, einige 10—15 umschwärmen den Wachtturm, zahlreiche fliegen in die Mauer- löcher ein. — Nachmittag: Beständig schreien Segler über der Stadt, wie früher. Abends 7—8 Uhr: Mindestens 30 Segler am Wachtturm, sich jagend und einfliegend in die Mauerlöcher. Noch abends 9^^ Uhr (alter Zeit), in heller Sternennacht, segeln 2 schrillend über meinem Haus. Also: Die Segler sind zurückgekehrt — wahrscheinlich voll- zählig. Vom 17. ab bleibt das Wetter warm, der Barometer geht nochmals zurück bis zum 19. VI., dann steigt er und bleibt, mit einigen Schwankungen, hoch; seitdem wimmelt es wieder von Seglern über der Stadt. Der Turmwächter berichtet: „17., 18. und 19. VI.: „Nur wenige fliegen (gemeint ist jedenfalls untertags oder gerade zur Zeit der kurzen Beobachtung!!). Auch am 20. VI. untertags nichts, aber am Abend des 20. VI. waren es auf einmal 50 — 60 Stück, und seitdem sind es so viele geblieben." Bamberg (Ries): ,,üie früheren Massen von Seglern sind erst wieder seit 25. VI. da." Diese Beobachttmgen entrollen uns also für den Seglerztig vom April bis Juni folgendes merkwürdige Bild: Die Brutvögel kamen 1916 etwas vor dem normalen Terminan. Das Wetter war bis 24. V. im ganzen warm und sonnig. Vom 25. V. ab setzte eine Regenperiode ein; das Wetter wurde immer schlechter und hielt so an bis zum 16. VI.; am 16. VI. hörte das Regnen auf, vom 17. ab wurde das Wetter warm und blieb so. Die Segler antworteten auf den Wettersturz ziemlich prompt. Zwar hielt sie in Lohr während der ersten Regentage die Liebe zu den Jungen noch fest; aber in Bamberg verschwanden fast alle bereits am 6. VI. Vom 9. VI. ab beginnt dann die allgemeine Flucht nach dem Süden und Westen. Zuerst wandern die nörd- lichen und nordöstlichen Scharen zurück. Am 11. VI. ziehen un- geheure Flüge über Bamberg durch; etwa von diesem Tag ab er- faßt auch unsere heimischen Brutvögel die allgemeine Panik. Auf einmal sind Stadt und Dörfer leer; nur einzelne Vögel halten durch, auch den schlimmsten Entbehrungen Trotz bietend. Der XIII, 1, Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 79 Rückzug dauert fort bis 16. VI. einschließlich. Am 17. VI. treffen im Lauf des Vormittags unsere Brutvögel, wenigstens eine große Zahl von ihnen, wieder ein, und bald lärmt wieder tagaus tagein das alte Heer um seine Wohntürme! Es scheint jedoch, daß Nachzügler immer noch am Brutort bei uns wieder eintreffen. In Bamberg sind sie wirklich zahlreich, so massenhaft wie vorher, erst wieder ab 25. VI. Man hat mir entgegengehalten, daß während des Regens die Segler sich einfach in ihren Nistlöchern verschlüpft hätten und dadurch unsichtbar geworden seien. Dieser Einwand beweist nur, wie irrig manche Anschauungen auch der Ornithologen von Fach über den Vogelzug sind. Wenn die hiesigen Brutvögel sich ver- krochen haben — warum fliegen dann einzelne Brutvögel dennoch immerzu umher ? Warum blieben die hiesigen Brutsegler, fein ver- steckt, in ihren Wohntürmen hier — aber am freien Main, V2 Stunde vom Nest entfernt, tummelten sich während zweier Stunden 50 Segler ? Diese 50 Stück waren V2 Tag später nicht mehr dort. Zu gleicher Zeit flogen an den Wohntürmen 1 oder 2 — die sich nicht nur nicht verkrochen in ihren Mauerlöchern, sondern sie gradezu ängstlich mieden. Einige andere jedoch flogen in ihrem Wohn- turm aus und ein. Wie soll man diese Widersprüche lösen außer mit der Annahme eines überstürzten, von widrigen Umständen diktierten Rückzugs? Wir haben aber auch den Zug direkt beobachtet: So am 15. VI.: Einige 20 erscheinen plötzlich an dem vorher völlig vereinsamten Wachtturm, V* Stunde später ziehen sie nach SW. — und kommen nicht wieder! DerTurmbleibtleerund stumm wie zuvor! Nein: Die Segler zogen vorübergehend ab! Das unerträgliche Wetter veranlaßte sie zu einem vorzeitigen Rückzug; damit nicht der ganze Stamm zugrunde gehe, leitete sie ein weiser Instinkt, lieber die Brut im Stich zu lassen und sich selbst, die fortpflanzungsfähigen Tiere, ihrem Volk zu erhalten. Hunderttausende mögen so im Juni aus ihren nörd- lichen und östlichen Wohngebieten nach Süden und Westen zu- rückgewandert sein. Die später einsetzende Besserung von Barometerstand, Luft- wärme und -trockenheit ließ die Segler wieder umkehren — so bald, daß sie bei uns ihre Nestjungen wohl größtenteils noch lebend angetroften haben dürften und weiter füttern konnten. Die freilich erst 2 Wochen danach zurückgekommen sind — deren Brut war inzwischen verhungert. Aber in der Natur ist es so wie es in der hohen Politik zur Zeit schwerster Gefahr wenigstens sein müßte: wo es sich um Sein oder Nichtsein handelt, muß etwas gewagt werden. Es ist auch nicht das erste Mal, daß dieser Rückzug beob- achtet wurde! Ries hat das scharenweise Zurückeilen der Mauer- 80 Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 191G. 1 r r segier in Bamberg beobachtet mitten in der Einzugszeit — wenn Ende April plötzlich schlechtes Wetter einsetzte, zogen auf einmal Massen von Seglern durch nach SW.l In diesen Verhandlungen Bd. X, 1909. p. 51—58 und p. 78—84 schildert Ries anschaulich den Hinzug und zeitweiligen Rückzug der Segler (und Schwalben) während der Frühjahrswandernng. Während des End dritteis Juni und der ersten Dekade des Juli nun fliegen und schreien die hier brütenden Segler tagaus tagein ; auch die umliegenden Dörfer beleben sie mit ihrem rasen- den Getümmel. Gleichzeitig aber geht der zweite Hinzug (ost- und nordwärts) weiter: am Main, wo Brutvögel nur vereinzelt jagen und in den vergangenen 2 Wochen überhaupt kaum gesehen wurden, erscheinen ganze Gesellschaften. 19. VI.: 20 Segler ober- halb Rodenbach; 15 Stück zwischen Neustadt und Rodenbach. 20. VI.: Etwa 40 Stück oberhalb Neustadt; etwa 30 oberhalb Rodenbach. 21. VI.: Etwa 50 Segler oberhalb Neustadt; etwa 50 Stück oberhalb Rodenbach. 22. VI.: Gräfendorf: 5 Uhr abends tollen 18 Segler, in zwei Gesellschaften von 3 und 15 Stück, schrillend, einander hitzig ver- folgend, über dem Tal der Fränkischen Saale. Um ^2^ Ubr abends sind sie noch immer da. Am 23. VI. eilen mehrere über dem Bahnhof von Gräfendorf hin und her; 1 oder 2 segeln ebendort über dem Wiesental. Das sind jedenfalls die wenigen Brutvögel hier (1 oder 2 Paare); die gestrigen waren durchziehende Tiere auf dem Hinzug — vielleicht weit östlich oder nördlich wohnende. 23. VI.: So viele am Wachtturm schreien — über dem Main ist nicht einer zu beobachten. 24. VI.: Abends ^Iß Uhr. Um den Wachtturm segeln und flattern lärmend vielleicht 100 Mauerschwalben, einzelne flattern auffällig; ihre Flügel sind breiter als die der anderen: junge Vögel sind ausgeflogen. 25. VI. morgens: Um die Türme der Stadt tummeln sich je 50—60 Segler, darunter einzelne Junge, die sich sehr auffällig in der Nähe der Türme halten. 26. VI.: Früh Regen, warm. Nachmittag aufklärendes Wetter, leicht kühl. Zahlreiche Segler um den Turm, aber nicht so viele wie an den letzten Tagen; keine Jungen zu sehen. 26. VI.— 3. VII: An den Türmen und über der ganzen Stadt lärmen die einheimischen Segler; sausen durch die engen Gassen mit Geschrei; stundenweise am Brutort selbst nur einzeln; die Hauptmasse ist auf der Insektenjagd verstreut über das Gebiet. Es ist immer dieselbe große Schar. 29. VI., auf einer Streife durch die Reste der Spessart- urwälder des Böhmigbergs östlich von Rothenbuch (Abteilung See- XIII 191 ' ' I Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 8t pfad): viele Segler treiben sich über und zwischen den 400jährigen Eichen umher — Brutvögel in diesen altehrwürdigen Beständen. — Einige 10—20 im Dorf Rothenbuch (Brutvögel). 2. VII.: Brutvögel in Neuhütten beobachtet. Über Lohr ist das Geschrei toller denn je — entweder sind zum zweitenmal hin- ziehende Segler durchgekommen und verweilen hier einen Tag, oder es sind die Jungen der heimischen Brut, die den Chor verstärken. 3. VIL: Einige 40 tummeln sich zeitweilig über der Stadt. Der Schwärm der über der Stadt tollenden Segler ist sichtlich kleiner geworden und bleibt so bis zur endgültigen Abreise! Ist eine Partie bereits abgezogen? 7. VII., früh 10 Uhr: Um den Wachtturm fliegen einige 30 Stück schrillend und gellend. Auffallend ist heute: Zahlreiche braune Segler hängen sich an den Eingang zweier Nistlöcher auf der Westseite des Turmes, ruhen hier einige Augenblicke; dann lassen sie sich fallen — man hat den Eindruck, ein geschlossener Fallschirm entfalte sich, und sie fliegen wieder. Ein einziges Mal schlüpft eine Mauerschw^albe in eins der Löcher hinein. Diese Segler sind braun, jedoch in der Gestalt von den andern nicht zu unterscheiden. Es sind junge Vögel, die Flugübungen abhalten, noch unsicher sind und schneller ermüden. 8. und 10. VIL: Viele schrillen über Lohr; kleine und größere Gesellschaften und einzelne immerzu über der Stadt und um die Türme, vom Morgen bis in tiefe Dämmerung hinein. 11. VIL: Den ganzen Tag volKühren Seglerscharen einen heillosen Lärm über der Stadt und um den Wachtturm ; noch nie- mals waren sie so toll in den verflossenen Wochen. Abends toben einige 30 um den Wachtturm; man hört sie auf V2 Stunde Wegs schon schreien. — Die Frau des Turmwächters beobachtet kleine Seglergesellschaften, an denen ihr auffiel, daß sie nicht often segelten, sondern in geordneten Zügen flogen. — Partenstein: Etwa 30 Stück schwirren an der Nordwand des großen Viadukts, fliegen dicht an den massenhaften Mehlschwalbennestern entlang, setzen sich häufig auf ein bestimmtes Schwalbennest oder auf eine Leiste unterhalb der Nester, besonders gern auf ein Nest neben dem Ostschenkel des westlichen Viaduktbogens ; sie verweilen an den Nestern nur 1 — 2 Sekunden; niemals fliegen sie ein in ein Nest: es sind die jungen Vögel, die hier in ausgesiedelten Schwalben- nestern erbrütet worden waren. 12. VIL: Vormittags segeln um den Wachtturm kleine Par- tien von Mauerschwalben. Von Mittag ab, bis in den Abend hinein, herrscht beängstigende Stille: nirgends ertönt ein Schrei, nirgends segelt eine der großen Schwalben; jedoch zeigen sich vorübergehend 4—5 Stück am Wachtturm. Abends V28 Uhr bis in die tiefe Dämmerung hinein lärmen wieder zahlreiche Mauer- segler über der Stadt. 6 [Verh ürn r "p / 13. VII.: Den ganzen Tag über ist niclit ein Segler zu sehen oder zu hören über der Stadt oder an den Türmen. Erst spät abends (9 Uhr) schrillen einige über der oberen Stadt. Auch in den folgenden Tagen bleiben die bisherigen Scharen von Seglern verschwunden — die Brutvögel sind also in der Nacht zum 12. Juli abgezogen; was vom 12. Juli ab noch erscheint, ist alles Durchzug. 14. VII. Mih 8 Uhr. 2 oder 3 schrillen über der oberen Stadt: „sehen kann ich sie nicht; wo die Schreie ertönen, sind nur Rauch- schwalben, die heute ungemein hoch fliegen." Es sind aber doch Segler: Junge, die viel flattern, sehr wenig segeln und beständig den Schwanz spreiten. — Nachmittags : Immerzu hoch in der Luft einzelne Seglerschreie. Abends 6— '/2Ö Uhr: Das Schreien der Segler nimmt zu. Über der Stadt fliegen auf und ab, um den Wacht- und Kirchturm als Wendepunkt, 36—40 Segler. Ein ein- ziges Mal fliegen 2, einander verfolgend, in der Höhe der Dach- haube des Wachtturms; sonst halten sie sich alle ungewöhnlich hoch, in IV2- 2mal Turmhöhe; Trüppchen von 6—8—10 Stück halten zusammen; eine andere größere Schar von wechselnd 20—25—30 Stück hält ebenfalls zusammen und fliegt, bald eng zusammengedrängt, bald weit auseinander gezogen, hoch über der Stadt von IF. nach 0. und wieder zurück. — Alle diese Vögel flattern wie Hausschwalben und spreizen den Schwanz wie diese: segelnd sieht man nur selten eins der Tiere. Also wie am Morgen: Junge Turmschwalben auf dem Durchzug. Der 15. VII. ist ein glänzender Beobachtungstag für Segler- zug. Früh Sonne und Abkühlung, nachmittags warm, bei mäßigem Westwind hie und da Strichregen, zunehmende Bewölkung, schließ- lich abends schwerlastende Gewitterstimmung. Es herrscht große Stille. Vormittags rufen einige kurze Zeit über der oberen Stadt; sonst ist über dem Ort den ganzen Tag alles stumm. Nach- mittags 5V2 Uhr: 9 km unterhalb Lohr (mainabwärts), südöstlich von Erlach, erscheinen über dem Buschwald der Abteilung Farrn- schlag 9 — 10 Segler, in lockerem Verband; sie fliegen niedrig (in 10— 15 m Höhe); segelnd und flatterndrücken sie langsam genau ostwärts, über den Bergwald des Westrands der Fränkischen Hochebene; nach 2 Minuten sind sie über dem Wald im Osten verschwunden, Sie sind völlig stumm. — Abends 6 Uhr: Bei Neustadt (gegenüber von Erlach) fliegen 5 oder 6 Segler in Turm- hohe auf und ab ; sie scheinen jedoch die Türme der dort stehen- den romanischen Kirche zu meiden. 72'^^ V28 Uhr: den Main aufwärts fahrend begegne ich 6 Seglern, die niedrig, in 10 m Höhe und tiefer, über dem Main fliegen; dicht hinter ihnen (nördlich) ein zweiter Flug von 9 Stück, Sie rücken langsam südwärts, dem Lauf des Flusses folgend; hie und da ertönt ein Schrei. — Hinter diesen erscheinen in der nächsten V2 Stunde weitere 8—9 Trupps XIII, 1, I Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 83 von je 10 — 15 Stück; alle ziehen langsam, tief fliegend, main- abwärts nach Süden. Wir erleben also an diesem Tage das seltene Schauspiel, daß eine Schar Segler noch auf dem Hinzug begriffen ist: ohne Rück- sicht auf den Verlauf von Fluß oder Gebirgszügen in genau öst- licher Richtung streichend; und daß kleine Scharen anderer Segler auf dem Rückzug im Maintal südwärts wandern; ein merkwürdiger Zu- fall, solche sich kreuzende Züge derselben Vogelart, beide in kleinen Trupps und tief ziehend, fast zur gleichen Stunde zu beobachten! 16. VII.: Über dem Wachtturm kreuzen in bedeutender Höhe etwa 20—30 Segler auf und ab, lange Zeit. Dann verschwinden sie westwärts. 17. VII.: Den ganzen Tag über rührt sich nichts. Abends 7V2— 8V2 Uhr: Segler schrillen über der Stadt. Etwa 10 Stück fliegen, sehr hoch, zuweilen sich in 2 Abteilungen trennend, über der oberen Stadt auf und nieder; sie meiden den Wachtturm. Das Wetter ist früh trüb, von Mittag ab sonnig und warm; leichter Westwind. 18. VII.: Morgens 7—8 Uhr, bei hellem warmem Wetter — nur der Himmel ist leicht bedeckt — schrillt eine Anzahl Segler über der oberen Stadt, in der gewöhnlichen Höhe sich tummelnd, zuweilen bis auf die Häuser herabgehend und die Gassen durch- eilend. — Früh ^2^ — 9 Uhr: 30—40 Stück kreisen schreiend um den Wachtturm. Ihre Zahl nimmt dann ab; um IOV4 Uhr sinds noch einige 15 Vögel, die sich öfters an der Turmwand nieder- lassen. Mittags und nachmittags: Noch immer schreien einige über der oberen Stadt. Abends 8 Uhr: Zahlreiche Segler lärmen um den Wachtturm und über der oberen Stadt. Bergrothenfels West: 5 Uhr abends eilen 3 Segler reißenden Flugs nordostwärts, über geschlossnem Buchen- und Eichenwald streichend. 7 Uhr abends: 20 Segler überfliegen dieselbe Stelle nordwärts; sie halten sich sehr hoch. 19. VII.: Es ist sonnig und warm. Nachmittags leichte Be- wölkung. Früh 7 Uhr segeln 8 — 10 Stück um den Wachtturm. Gleich darauf sind sie verschwunden. Den ganzen Tag über kein Segler mehr bis ^jß Uhr abends. Auf einmal schrillen 20 — 25 Stück um den Wachtturm. Um 8 Uhr hat sich ihre Anzahl bereits ver- mindert. Um 97^ Uhr fliegen Segler, weit verstreut, um die Türme von Lohr und die Stadt aufwärts 2 -j- 2 -]- 2 -|- 2 hinter- einander. Sie fliegen zumeist in etwa 2mal Wachtturmhöhe — jedenfalls so hoch, daß sie sich vom Hintergrund des grau be- wölkten Abendhimmels nur schlecht abheben. Jedoch kommen sie nicht so selten auch tiefer herab. ^29 Uhr abends: Einige schrillen über und unter der Mainbrücke. 20. VII.: Sonne, leicht kühl, windstill. Von früh 7 Uhr bis gegen Mittag schreien beständig einige Segler über der Stadt. Von V27— 9Uhr segeln etwa 20 um den Wachtturm ; zuerst 20 in einem einzigen Flug, später verteilen sie sich in kleine Trupps. Um 8i Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916. 1 J^^ ' "'" ° ° 1^ Qes. Bay. 9 Uhr sind sie dort verschwunden. Über der oberen Stadt ver- weilen sie noch bis Mittag-. Also vermutlich langsamer Zug west- wärts. — Bergrothenfels : 1 Segler nordwärts fliegend. 21. VII.: Strahlende Sonne, früh leichter Westwind, nach- mittags windstill. B^rüh 6V2— 9 Uhr schrillen einige über der oberen Stadt. Dann höre ich keine mehr. Auch um den Wacht- turm wurden den ganzen Tag keine beobachtet. 22. VII.: Früh dichter Nebel, der von 7 Uhr ab in schönen großen Wolken heruntergeht. Dann Sonne, heiß. Früh G'/iUhr: Ein einzelner Segler ruft im dichten Nebel an der Mainbrücke. Einige früh 8 und 10 Uhr um den Wachtturm. Mittags 11^4 Uhr: Um den Wachtturm ist alles stumm. Aber 10 Minuten später schreien dort erst 2 oder 3, dann viele; sie fliegen tief, bis herunter zwischen die benachbarten Gassen, und jagen sich unter gellendem Geschrei. Gleich drauf schreien sie über dem Frauenkloster, 100 m nördlich; dann wieder in der Gegend des Wachtturms. Ich seh sie nun aber nicht mehr — sie halten sich jetzt offenbar sehr hoch, es waren mehr als 50 Stück. — Bergrothenfels: Etwa 60 Segler fliegen hoch in der Luft auf und ab, meist zu zweien, in lockerem Verband. Dann eilen sie weiter, in kleinen Gruppen von 3 — 5 Stück, in der Richtung NO. 23. VII. : Sonnig und warm; windstill. Früh 8 — 10 Uhr: einige schreien über der oberen Stadt, ^/^ll Uhr: mehrere um den Wachtturm, nur kurze Zeit. Abends 6 — ^j^l Uhr: Etwa 15—20 über der oberen Stadt. Abends 7 Uhr: 1 oder 2 um den Turm. Der Turm Wächter beobachtet untertags einen Schwärm von 30—60 Stück, die den Turm umkreisen. 24. VII.: Vormittags warm und windstill, vorübergehende Be- wölkung. Früh 7—8 Uhr: Nichts. 8V2 Uhr: 2 oder 3 schrillen um den Turm. 10 V* Uhr: 3 -|- 2 fliegen schreiend um die Kirche im Dorf Neuhütten. — Nachmittags kräftiger Nordwind; warm bleibend. Der Turmwächter beobachtet einen Schwärm von 50 — 60 Stück; sie setzten sich viel, wohl ermüdet von der Reise, an die Mauerlöcher des Turmes. Abends wieder sonnig und klar. Abends V.8 Uhr: 15— 20 Segler um den Wachtturm; um ^jß Uhr sind nur noch wenige dort. 25./ 26. VII.: Das Wetter ist heiß und windstill. Von Seglern nichts beobachtet, 27. VII.: Heiß, sonnig, windstill. Einmal über der Mitte der Stadt Seglerschreie. 28. VIL: Heiß, sonnig. Abends ^Iß Uhr schrillt einer über dem Dorf Sendelbach (östlich gegenüber von Lohr). Bei Berg- rothenfels erscheint für einige Augenblicke eine Schar Segler, außerordentlich hoch fliegend. 29. VIL: Früh Nebel. Dann Sonne und heiß. Nachmittags drohende Gewitter. Dann wieder schön; Ostwind. Früh ^/^lO Uhr: ' 'I .Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 1916, 85 3 Segler fliegen dicht über den Dächern der Grabengasse in Lohr, einer schrillt, 30, VII.: Sonne und heiß. Gegen Abend ruft 1 oder 2, nur Imal, über der oberen Stadt. 2, Vin.: Früh Nebel. Dann sonnig und heiß. Untertags 2mal Schreie von Seglern über der Stadt. 3. VIII. : Sonne, heiß, fast windstill. Abends Va^ Uhr: 10— 15 Stück fliegen um den Wachtturm; gleich darauf sind sie verschwunden. Das Wetter blieb die folgenden Tage gleichmäßig sonnig und heiß. Mauersegler wurden von da ab hier zunächst nicht mehr beobachtet. In Waldzell flogen vom 15.— 24. Juli täglich 3 — 4 Turm- schwalben um die Kirche — vermutlich Brutvögel (der Beob- achter — Wehner — weilte erst vom 15. VII. ab in diesem Dorf). Nach dem 2. August wurden sie nicht mehr gesehen. — In Gräfen- dorf brütete ein einziges Paar Segler im Bahnhof gebäude. Die Familie (1 Paar mit angeblich 4 Jungen) wurde dort letztmals angetroffen am 23. VII. Am 28. VII. wurde in Gräfendorf noch- mal ein einzelner Segler gesehen (Mitteilung von Gustav Brock). In Ochsenfurt wurde der letzte Segler beobachtet von Gucken- berger am 28. VII. Aus Bamberg berichtet Ries: „Im Aischtal sah ich am 9. VII. in Willersdorf die einheimischen Segler die Kirche umfliegen. Als ich am 16. VII. wieder hinaus kam, war alles leer. — In Bam- berg selbst notierte ich den Abzug der Segler für die Nacht vom 13. auf den 14. VII., hatte aber auch schon ein paar Tage vor- dem gezweifelt, ob nicht der Abzug erfolgt sei. Unumstößlich sicher ist jedenfalls, daß alle nach der Nacht zum 14. VII. beob- achteten Segler nur Durchzügler waren. Sie erscheinen immer erst im Lauf des Vormittags gegen 6—7 Uhr, zuweilen auch später noch und fliegen dann in kleinen dicken Ballen manchmal. Wenn Sie darauf achten, hören Sie tagsüber hie und da Schreie von solchen Seglern, die gerade durch die Landschaft huschen. Oft hört man nur den Schrei und sieht sie gar nicht; gegen Abend erscheinen sie dann zahlreicher am Durchzug." Im Enddrittel August kamen in Lohr nochmals Segler durch. 22. VIII., abends 6V2 — "^ Ubr (es ist sonnig, im ganzen kühl, mäßiger Westwind): einige 20 Segler fliegen stumm, etwa in Turm- höhe, über der Haltestelle Lohr. 23. VIIL: Es ist ziemlich kühl, Sonne. Abends 6— '/JUhr: Über dem Rechtenbacher Tal westlich von Lohr, in Höhe der ersten Walkmühle dort, tummeln sich etwa 20 Segler, stumm von S. nach N. und wieder zurück kreisend. 26. VIIL: Warm, Westwind, abwechselnd Gewitterregen und Sonne. x\bends TVa Uhr huschen einige 10 über die Stadt, west- wärts steuernd. Sie sind nur einen Augenblick in der Nähe des Wachtturms sichtbar. 86 Stadler: Vom Zug der Mauersegler im Maintal 191ü. rVerh. Orn. L Ges. Bay. Ries hat im August den Seglerzug in Bayrisch-Schwaben weiter beobachtet. Seine Feststelhmgen bilden eine willkommene Ergänzung der hiesigen Beobachtungen. Schwaben liegt südsüdöst- lich von unserem Gebiet. Viele der Vögel, die dort gesehen oder gehört wurden, sind gewiß auf ihrer Wanderung nach Süden unser Maintal hinabgezogen. Ries schrieb mir unterm 18. VIII.: „Am 31. VII. sah ich in Augsburg noch einen Schwärm Segler am Lech durchziehen, gegen Süden (nur ganz kurze Zeit), etwa 4 Uhr nachmittags ; am 4. VIII. ein paarmal vormittags zwischen 8 — 9 Uhr den schrillen Schrei der Mauersegler gehört bei Dillingen an der Donau, am 7. VIII. vormittags 8 Uhr bei hellem, sonnigem, wolken- losem Himmel im Günztal. In meiner Heimat Zaiertshofen die scharfen Schreie der Segler ein paar Augenblicke lang gehört; 1 Stück sah ich reißend schnell nachkommen in NS.- (genau süd- licher Richtung), x^m 17. VIII. habe ich bei Türkheim wieder den Schrei gehört (vormittags); übrigens habe ich diesen Termin: 18. VIII. bei Pfronten (am Fuß der Algäuer Alpen) etwa 1911 oder 1912 auch beobachtet, bei Bernried am Starnberger See 1912 (14. VIII.)." - Unterm 31. August: „Am 15. VIII. wurde bei Schamhaupten unfern Riedenburg (Altmühltal) noch ein Apus ver- unglückt aufgefunden, der frühestens am 14. VIII. verendet sein konnte, denn er war noch ganz frisch." Auch diese für die gewöhnliche Auffassung späten Daten sind aber noch keineswegs die wirklich letzten. Am 8. IX., 7^4 Uhr abends, eilen 10 Segler über die Stadt nach Westen — sie flitzen förmlicch durch das Gesichtsfeld, so stürmisch ist ihr Flug. Am 9. IX., früh zwischen 6—7 Uhr, kreisen 4 Stück längere Zeit über dem Fischertor in Lohr bis in die Nähe des Wachtturms. Sie sind völlig stumm. In jedem Jahr lesen wir gelegentliche Angaben in den Fach- zeitschriften, daß einzelne Mauersegler noch Ende September, ja noch im Oktober beobachtet worden sind bei uns. Diese vor- schriftswidrige Verschiebung findet eine Erklärung in unserer auf p. 82 und 84 mitgeteilten Beobachtung: daß noch in der zweiten Hälfte des Juli Segler ostwärts und nordwärts zogen. An- genommen, das Brutgeschäft des Seglers beansprucht eine Zeit von 5 — 6 Wochen — dann werden diese Spätlinge auf ihrem Rück- zug in Deutschland nicht vor Mitte oder Ende September wieder erscheinen. Es müßte eine lohnende Aufgabe tiergeographischer Forschung sein, festzustellen, wo die Brutbezirke dieser so spät ziehenden Segler liegen — und überhaupt Verteilung und Brutzeiten dieser Art in ihrem europäischen Wohngebiet zu studieren, das von Südspanien bis Drontheim, von England bis tief ins Innere Ruß- lands reicht. ' ' I Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. 87 1917 Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. Eine kritische Würdigung. Von C. E. Hellmayr. 1. A List of British Birds compiled by a Committee of the British Ornithologists' Union. Secoud and revised Edition. London. 1915. 8». XXII + 430pp. Die revidierte Neuauflage der im Jahre 1883 erschienenen offiziellen Liste der Britischen Vögel präsentiert sich in ganz neuem Gewände und stellt eine den Anforderungen moderner Wissenschaft durchaus entsprechende, vortreffliche Leistung dar. Mit besonderer Freude ist zu konstatieren, daß der mit der Abfassung des Werkes betraute Ausschuß den konservativen Standpunkt, der so lange ein störendes Hindernis für die Einigung in der Nomenklaturfrage bildete, verlassen und sich den Grundsätzen der Internationalen Nomen klaturregeln hinsichtlich des Ausgangspunktes der Wissenschaft liehen Literatur (Linne's Systema Naturae, ed. 10, 1758), der An nähme von Tautonymen und der ternären Benennung für die sogen „Subspecies" angeschlossen hat. Als Ergebnis dieser fortschritt liehen Wandlung können wir eine weitgehende Übereinstimmung mit der Nomenklatur der American Check -List, der von Hartert, Witherby u. a. verfaßten „Handlist" und unseres Verzeichnisses der bayrischen Vögel feststellen. Was man noch vor wenigen Jahren nicht zu hoffen gewagt hätte, ist also eine Tatsache ge- worden, die umso größere Beachtung verdient, als die verschie- denen Bearbeiter unabhängig von einander durch Befolgung der Intern. Nomenklaturregeln in den wesentlichsten Punkten zu den- selben Resultaten gelangten. Dieses erfreuliche Zusammenfinden wird nicht verfehlen, jener kleinen Zahl ornithologischer Systema- tiker, die der Herrschaft der Willkür das Wort reden, eine ernste Enttäuschung zu bereiten. Aus der Einleitung erfahren wir, daß im ganzen 475 Vogel- formen für die britischen Inseln nachgewiesen sind. Sie verteilen sich auf die einzelnen Kategorien wie folgt: 188 Brutvögel, 46 Winter- gaste. 30 Durchzügler, 61 gelegentliche Besucher, 149 seltene Gäste, 1 (Alca impennis, Riesenalk) ausgestorben. Den Hauptteil des stattlichen Bandes nimmt das Verzeichnis der britischen Vögel ein. 88 Hellmavr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. 1 ^ ' |_ Ges. Bay. geordnet nach dem von Sharpe in der „Handlist of Birds" ange- wandten System, jedoch in umgrekehrter (absteigender) Folge. Die Einteilung ist ebenso übersichtlich wie praktisch. Auf die Überschriften der höheren Gruppen (Subklasse, Ordnung, Familie) folgt der Gattungsname mit Hinweis auf die Originalbeschreibung und Angabe der Genotype. In der Synonymie der einzelnen Spezies und Subspezies ist gleichfalls die Originalbeschreibung, unter An- führung der terra typica, zitiert, außerdem sind Hinweise auf die alte B.O. U.List und einige gebräuchliche Handbücher beigefügt. Verbreitung sowie Art und Weise des Vorkommens auf den briti- schen Inseln und auf dem Kontinent sind kurz, aber erschöpfend dargestellt; die verwandten Formen, die in Nachbargebieten leben, sind nur vorübergehend erwähnt. Appendix I behandelt in ganz gleicher Weise jene Arten, deren Vorkommen auf den Inseln nicht zweifelsfrei belegt ist. Von besonderer Wichtigkeit ist Appendix III (p. 356 — 401), in welchem die Veränderungen gegenüber der in der ersten Ausgabe von 1883 angewandten Nomenklatur begründet, und die Genotypen der einzelnen Gattungen gemäß dem auf dem Zoologenkongreß in Boston 1907 beschlossenen Verfahren (§ 30 der Intern. N.-Regeln) ermittelt sind. Dieses Kapitel stellt eine gediegene, von großer Sachkenntnis und Gewissenhaftigkeit zeugende Arbeit dar. Nur in wenigen Fällen, z. B. Ampelis, Tringa, Charadriua^ haben wir Veranlassung, von den Schlußfolgerungen der Verfasser abzuweichen, die sich hier augenscheinlich von opportunistischen Gesichtspunkten leiten ließen. Nicht gutheißen können wir die binäre Benennung der sogen, „typischen" Subspezies (Nominatform) im Gegensatz zu den später abgespaltenen Formen, die durchweg ternär bezeichnet sind. Als augenscheinliches Zugeständnis an widerstrebende Ele- mente unter den englischen Ornithologen finden wir in Appendix II (p. 355) eine Liste von 13 „Nomina Conservanda" : neun Spezies- und vier Genusnamen, die ohne Rücksicht auf die Intern. N.-Regeln, nach dem auct. plur. Prinzip gewählt sind. Nach dem Beschluß des 9. Intern. Zool. -Kongresses in Monaco (1913) ist nur die Intern. Nomenklaturkommission berechtigt, in Ausnahmefällen die Auf- hebung des Prioritätsgesetzes zu bewilligen. Weder Gesellschaften noch Einzelpersonen sind befugt, auf eigene Rechnung vorzugehen. Es ist für jeden Einsichtigen klar, daß wir sonst mit einer Fülle verschiedener Listen von „Nomina conservanda" beglückt würden, was zu unausdenkbarem Chaos führen müßte. Infolgedessen ist jedes derartige eigenmächtige Vorgehen entschieden zu verwerfen. Im vorliegenden Falle ist schwer zu verstehen, nach welchen Ge- sichtspunkten die Auswahl der „Nomina conservanda" getroffen wurde. So wollen die Verf. der B.O. U.List die Gattungsnamen Äccentor (statt Prunella), Nyctala (für den Rauhfußkauz), Grus (statt Megalornis) und Oestrelata (statt Pterodroma) im bisherigen '^ ' 1 Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. Sinne beibehalten wissen; andererseits haben sie gegen die Be- griffsveränderung von Saxicola (für die Wiesenschmätzer) nichts einzuwenden. Die Namen Sterna tschegrava und Motacilla pleschcmka werden verworfen, weil Lepechin in seiner Abhandluug die binäre Nomen- klatur nicht strenge durchgeführt habe. Der Einwand läßt sich unseres Erachtens nicht aufrechterhalten, schon wegen der Kon- sequenz, die sich aus dieser Anschauung für die zahlreichen von Lesson im Traite d' Ornithologie vorgeschlagenen Namen ergäbe. Im übrigen verdient die technische Behandlung nomenklatorischer Fragen alles Lob und kann für derartige Studien als Vorbild dienen. 2. Reichenow, A. und E. Hesse, Neue Namenliste der Vögel Deutschlands. In: Journ. f. Ornith. 64, Nr. 3, Juli 1916, p. 325—371; 1. c. Nr. 4, Okt. 1916, p. 611—612. Die Schrift, welche eine Namenliste der (415) für Deutsch- land nachgewiesenen Vogelarten enthält, geht von der — wie wir oben gesehen haben — hinfälligen Annahme aus, daß eine einheit- liche Nomenklatur der Tierformen durch Befolgung der Intern. N.-Regeln nicht erreicht werden könne. Deshalb fordern die Verf. nichts Geringeres als das Aufgeben jeglicher Gesetze und Vor- schriften ^). Die bereits bei Besprechung der B. 0. U. List als un- zulässig gerügte Aufstellung von sogen. „Nomina Conservanda" ist in der Arbeit in großem Stil betrieben. Glücklicherweise steht nicht zu befürchten, daß das schlimme Beispiel zahlreiche Gefolg- schaft findet, da wohl kaum mehr als ein halbes Dutzend Faunisten, sicher aber kein einziger Systematiker unter den deutschen Ornitho- logen die einzigartige Nomenklatur annehmen dürfte. Nomenklato- rische Untersuchungen erfordern ein hohes Maß von Sorgfalt und vollständige Beherrschung der einschlägigen Literatur. Leider treffen beide Voraussetzungen bei der uns beschäftigenden Arbeit nicht zu. Obwohl die Verf. ihren Behauptungen eine sehr be- stimmte Form zu geben pflegen, enthält die Schrift zahlreiche Irr- tümer und Flüchtigkeiten, die nicht unwiderlegt bleiben dürfen. Eine Eigenart der Veröffentlichung ist das vollständige Fehlen von Fundorten bei den Zitaten der Originalbeschreibung. Biblio- graphische Nachweise für die Gattungsnamen suchen wir darin ebenso vergeblich wie die so überaus wichtigen Angaben über die Genotypen und die zu ihrer Ermittlung angewendete Methode. Wir wollen die strittigen Punkte der Reihe nach durchgehen, was ') Ihr Hauptargunieut ist die augenblickliche Zerrissenheit Europas. Es bedarf wohl nicht der ausdrücklichen Betonung, daß die beständigem Wechsel unterworfene Gruppierung der Staaten auf der politischen Schaubühne nicht als Auegangspunkt für Abmachungen zwecks internationaler Verständigung in Wissenschaf thchen Fragen dienen kann. [Ve G erh. Oru. es. Bay. unseren Lesern, die sicli im Besitze des „Nomenciators" befinden, willkommen sein wird, da nicht jedermann über die literarischen Hilfsmittel verfügt, um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Nr. 7, 8, 9^). — Augenscheinlich nach Stejneger (Proc. U.S. Mus. 5, p. 42) nennen Reichenow und Hesse die Seetaucher Urina- tor. Gemäß den neuen Bestimmungen für die Festsetzung der Genotypen (§ 30) ist dieser Name durch Colymhiis Linne 1758 zu ersetzen, da Gray 1855 als Genotype G. ardicus, eine der ursprüng- lich in der Gattung enthaltenen Arten gewählt hatte. Siehe „Nomen- clator" p. 50. Nr. 10 — 14. — Der Gattungsname Colymhus für die Steiß- füße ist durch Podiceps Lath. 1787 zu ersetzen. Auch in diesem Falle haben die Verf. die aus dem neuen § 30 der Intern. N.-Regeln sich ergebende Konsequenz übersehen. Siehe „Nomenciator" p. 50. Nr. 14. — Statt CoUjmbiis imjrimns muß es heißen Podiceps ruficollis (Fall.). Die Einwendungen gegen die Gültigkeit der von Pallas im Anhang zu Vroeg's Catalogue eingeführten Namen können nicht anerkannt werden. Oort's Argumente sind bereits von Stone (Auk 29, 1912, p. 205— 208) so schlagend entkräftet worden, daß wir seinen Ausführungen nichts hinzuzufügen haben ^). Nr. 37. Gelochelidon nilotica. Wie im „Nomenciator" p. 29, Note 1) ausgeführt ist, weist die Beschreibung bei Gmelin verschiedene Widersprüche auf, welche verbieten, den Namen auf die Lachseeschwalbe zu beziehen. Des- halb ist die nächstjüngere Bezeichnung S. anglica Mont. vorzuziehen. Nr. 38. Sterna caspia. Gegen die Zulässigkeit des im „Nomenciator" (p. 35) ange- nommenen Speziesnamen tschegj-ava ist von den amerikanischen Ornithologen geltend gemacht worden, daß Lepechin die binäre Nomenklatur nicht strenge durchgeführt hätte. Obwohl dies zu- trifft, sehen wir keinen Grund, jene Lepechin'schen Namen, die binär gebildet sind^ abzulehnen ; andernfalls müßten auch die zahl- reichen Namen aus Lesson's Traite d'Ornithologie, worin die latei- nische Benennung nicht konsequent befolgt ist, verworfen werden. Sorgfältige Einsichtnahme in den 14. Band der „Novi Commentarii" lehrt uns ferner, daß Reichenow's Zweifel betreffend die Schreib- weise des Wortes tschegrava unbegründet sind. Das ü steht zweifellos an Stelle eines v, wie aus anderen in derselben Ab- handlung vorkommenden Worten (niüea, aüis etc.) klar erhellt. ^) Die Zahlen beziehen eich auf die fortlaufende Nummer der „Namen- liste". *) Vgl. auch C. B. Grant (Ibis, 1915, p. 263—264), der mit Recht her- vorhebt, daß man im Falle der Verwerfung der Pallas'schen Namen auch Lichteu- stein's Verkaufskatalog (Cat. rer. nat. rariss. 1793) und H. Lichtenstein's „Preis- verzeichnisse'' außer acht lassen müßte. ' ' I Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. Ol Nr. 39. Sterna cantiaca Gm. 1789. Natürlich muß dieser Name dem älteren St. sandvicensis Lath. 1787 weichen. Nr. 42. Sterna macrura Naum. 1819. Es ist natürlich völlig gleichgültig, welchen deutschen Trivialnamen die Art führt. Der Vorwand für die Beibehaltung der Naumann'schen Bezeichnung an Stelle des viel älteren Namens S. paradisaea Brunn. 1764 ist somit hinfällig. Nr. 44. Hydrochelidon hybrida Pall. Statt H. Uucopareia Temm. 1820 gebraucht, weil Pallas' Zoo- graphia Rosso-Asiatica angeblich 1811 erschienen sei, eine Behaup- tung, für die der Beweis noch aussteht. Selbst wenn Lichtensteiu ein Exemplar des Werkes lange vor dessen Ausgabe zur Verfügung hatte (cfr. Orn. Monatsber. 1916, p. 41), so ist damit noch nicht gesagt, daß das Buch damals wirklich veröffentlicht, d. h. im Buch- handel erhältlich war. Nr. 70. Anas boschas L. 1758, p. 127. Der im „Nomenciator" p.23 angenommene Name A.platyrhynchos L. 1758, p. 125 hat Seitenpriorität und ist daher an Stelle des obigen zu gebrauchen. Nr. 78. Casarca casarca (L.) 1768. Der Einwand gegen Pallas' Namen in Vroeg's Catalogue kann nicht als gültig anerkannt werden (siehe unter Nr. 14). Der Rost- ente kommt daher die ältere Bezeichnung A. ferruginea Pall. 1764 zu, wie im „Nomenciator" (p. 34) angegeben ist, wo aus Versehen die Seitenzahl (p. 5) weggelassen wurde. Nr. 96—102. Die Vereinigung der Gattungen Eudromias, Charadrius und Pluvialis erscheint nicht zweckmäßig. Außerdem sind brauchbare strukturelle Merkmale für ihre Abgrenzung vorhanden. Nr. 101. Charadrius dubius Scop. Die paläarktische Form des Flußregenpfeifers ist wegen kleineren, schwächeren Schnabels als C. dubius curonicus Gm, zu sondern. Siehe „Nomenciator-' p. 26. Nr. 109. Calidris arenaria (L.) 1766 ist durch den älteren Namen Calidris alba (Pall.) 1764 zu ersetzen, da die Verwerfung der Pallas'schen Bezeichnungen nicht statthaft ist (siehe unter Nr. 14). Nr. 110. Limicola platyrincha (Temm.) 1815. Die Verf. haben übersehen, daß der Sumpfläufer schon 1763 von Pontoppidan als Scolopax falcinellus beschrieben worden ist, welchem Namen das Zeitvorrecht zukommt. 92 Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. p^'^ r '" Nr. 111. Trinya canutus L. Die generische Sonderung des isländischen Strandläufers als Canutus ist durchaus gerechtfertigt. Nr. 112-117. vSelbst wenn die Trennung der Gattungen Pelid)ia, Pisohia und Arqiiatella nicht befürwortet wird, kann der Gattungsname Tringa unter keinen Umständen für die Strandläufer verwendet werden. Nach Gutachten 16 der Intern. Nomenklaturkommission ist durch Tautonomie Tringa ocrophns, der Waldwasserläufer, die Genotype von Tringa (siehe „Nomenciator" p. 52), wozu Helodromas Synonym wird. Eine eigenmächtige Übertragung auf eine andere Arten- gruppe, wie es Apstein und Reichenow wollen, ist nach den gelten- den Nomenklaturregeln unstatthaft. Nr. 118. Tringoides hypoleucos (L.). Der Gattungsname Tri?igoides Bouaparte^) muß dem viel älteren Actitis lUiger 1811, Genotype: Tringa Hypoleucos Linn. (siehe „Nomenciator" p. 52) weichen. Die Verf. der „Namenliste" haben augenscheinlich übersehen^ daß die zwei Namen gleich- bedeutend sind. Nr. 121. Totanus maculatus (Tunst.) 1771. Zu ersetzen durch Totanuß enjihropus (Pall.) 1764 aus dem unter Nr. 14 angegebenen Grunde. Ebensowenig ist die in der List of Brit. Birds befürwortete Beibehaltung des Namens T fuscus (Linn.) 1766 nee 1758 zulässig. Nr. 124. Totanus ochropus L. Die generische Trennung des Waldwasserläufers und seines nearktischen Verwandten T. macularia L. ist durchaus gerecht- fertigt. Unter Nr. 112—117 ist ausgeführt, daß dieser Gruppe der Genusname Tringa zukommt. Die Änderung des Wortes ocrophus in ochropus beruht auf der willkürlichen Hypothese eines Druckfehlers und ist daher unstatthaft. Nr. 139. Grus grus (L.). Wie im „Nomenciator" p. 54 ausgeführt ist, wurde der Gattungs- name Grus von Pallas 1766 für den Trompetervogel aufgestellt und kann deshalb für den Kranich keine Verwendung finden. Die Aufhebung des Prioritätsgesetzes in einzelnen Fällen steht nur der Intern. Nomenklaturkommission, nicht aber jedem beliebigen Schriftsteller zu. 1) Saggio distrib. met. Auim. Vertebr. 1831, p. 58 (uoni, uov. für „Actitis Boie", Isis, 1822, 1, p. 560; Type durch Monotypie: Actitis hypokucus =. Tringa Hypoleucos Linn.) XIII 19] '_ ' I Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. 93 Nr. 142 — 144. Ortygometra, Die Behauptung, daß Ortygometra und Porxana gleichaltrig sind, entspringt ungenügender Kenntnis der Literatur. Die „Ana- lyse d'une nouv. Ornith.", worin Porxana aufgestellt wurde, er- schien bekanntlich im April 1816, wogegen Leach's Syst. Cata- logue, in w^elchem das Genus Ortygometra eingeführt ist, nach der „30. August 1816" datierten Vorrede frühestens im September ver- öffentlicht wurde. Porxana gebührt daher nach den Regeln der Vorrang; der Name ist überdies heute allgemein in Gebrauch. Nr. 151. Phoenicopterus roseus Pall. „1811". Es ist nicht erwiesen, daß die ,,Zoographia Rosso-Asiatica" vor dem Jahre 1827 publiziert worden ist (siehe unter Nr. 44). Daher ist der im „Nomenciator" gewählte Name P. antiquorum Brehm 1824 bis auf weiteres vorzuziehen. Nr. 154. Ardetta minuta (L.). Die Verwerfung des älteren Genusnamens Ixoh-ychus Billb. 1828, der überdies heute allgemeine Annahme gefunden hat, ent- behrt jeder Begründung und ist gemäß den Intern. N.-Regeln un- zulässig. Nr. 158, 159. Herodias alba (L.) und H. garzetta (L.) Verf. sagen : ^Egretta alba in der , Handlist' zu verwerfen, weil der Gattungsname Herodias älter als Egretta ist". Diese Behaup- tung beruht auf einem unerklärlichen Irrtum. Wie aus dem „Nomenciator" p. 47 zu ersehen, ^w.vA% Herodias von Boie 1822, Egretta aber von Forster bereits 1817 begründet. Überdies er- scheint die generische Trennung des Silber- und Seidenreihers an- gebracht. Nr. 166. LyrurtLs tetrix (L.). Die deutschen Birkhühner sind von der skandinavischen Form verschieden und als L. tetrix juniperm^um (Brehm) zu trennen, wie aus dem „Nomenciator" (p. 33) ersichtlich ist^). Nr. 172. Ttirtur turtur (L.). Der in der Namenliste gewählte Gattungsname kann für die Turteltaube keine Verwendung finden, da er bereits 1783 von Boddaert in anderem Sinne gebraucht wurde. Siehe „Nomenciator" p. 54, Fußnote 2. Nr. 173. Vultur monaehus (L.). Der Gattungsname Vidtur ist ganz irrtümlich für den Mönchs- geier beibehalten. Da die Art bei der Aufstellung der Gattung Vultur in derselben nicht enthalten war, kann sie nach der Fassung ') Cfr. Lönnberg, Orn. Monatsber. 12, 1904, p. 105—106. [Vcrli Oru Ges. Bay. des neuen § 30 dei- Tntern. N.-Reg'eln als Genotype nicht in Frage kommen, was von den Verfassern der „Namenliste" übersehen worden ist. Der Mönchsgeier hat daher die Bezeichnung Aegypms zu tragen, wie im „Nomenciator'' (p. 46) dargelegt ist. Nr. 179. Astur palmnbarius (L.) Syst. Nat. 10, 1758, p. 91. Zu ersetzen durch A. gentilis (L.), 1. c. p. 89, welcher Name Seitenpriorität besitzt. tJber die Hiehergehörigkeit des Falco qentilis kann nicht der geringste Zweifel herrschen, wie Lönnberg (Journ. f. Orn. 54, 1906, p. 528) ausgeführt hat. Nr. 190. Aquila maculata (Gm.) 1788. Wie im „Nomenciator" (p. 19, Fußnote) nachgewiesen wurde, ist Falco maculatus Gmelin durch Tuustall präokkupiert. Der früheste verfügbare Speziesname für den Schelladler ist Aquila clanga Fall. 1827. Nr. 203. Falco regulus Fall. 1773. Dieser Name muß dem älteren -P^. aesalon Tunst. 1771 weichen. Reichenow und Hesse haben übersehen, daß gemäß Gutachten 38 der Intern. Nomenklaturkommission diejenigen der Tunstall'schen Speziesbezeichuungen, die in binärer Form gebraucht und durch die Hinweise auf Pennant oder Brisson identifizierbar sind, nomen- klatorische Gültigkeit besitzen. Durch diesen Entscheid wird auch Kleinschmidt's ^) Einwurf, der mit den ,,Opinions-' gleichfalls nicht vertraut zu sein scheint, hinfällig. Nr. 211—213. Für Lapplandskauz, Uraleule und Waldkauz steht in der „Namenliste" fälschlich Syriiium Sav. 1809. Dieser Name ist zu- gunsten von Strix Linn. 1758 zu verwerfen. Reichenow's Ver- such, letzteren Gattungsnamen auf die Schleiereule zu deuten, be- ruht auf einer irrtümlichen Auslegung der Intern. N.-Regeln (siehe „Nomenciator" p. 45, Fußnote 1). Nr. 216, 217. Die Namen Aeyolius Kaup und Athene Boie betrachten wir als präokkupiert durch Aegolia Billb., bezw. Athena Hübner. Wir befinden uns mit dieser Anschauung in Übereinstimmung mit dem Nomenklaturausschuß der American Ornithologists' Union. Nr. 219. In der „Namenliste" steht für die Schleiereule fälschlich Strix. Der richtige Name ist Tyto (siehe „Noraenclator" p. 45). Vgl. auch unter Nr. 211—213. ') Berajah : Falco Peregrinus, p. 5, 45. '^ ' I Hellmayr: Drei Beiträge zur Nomenklatur der Vögel Europas. 95 Nr. 224-230. Verf. brechen für die Beibehaltung- des Namens Dendocopos Koch neben" Bendrocopus Vieill. eine Lanze. Da indessen sämt- liche ornithologische Systematiker der Welt diese Namen für gleich- lautend erachten und die Buntspechte Dryobates nennen, kann diesem Vorschlag nicht stattgegeben werden, Nr. 235. Alcedo ispida L. Der richtige Name unseres Eisvogels lautet Alcedo atthis ispida L., wie Laubmann (Verhandl. Orn. Ges. Bav. 12, Heft 4, Mai 1916, p. 238—241) dargelegt hat. Nr. 240, 241. Der älteste Name für die Segler ist Micropus Wolf 1810, wie im Nomenciator (p. 42) angegeben ist. ßeichenow und Hesse wählen Cypsclus Illiger 1811, in der irrigen Annahme, daß jedem beliebigen Autor das Recht zustehe, das Prioritätsgesetz aufzu- heben. Dieser unzulässige Standpunkt ist zurückzuweisen. Übrigens müßten die Verf. der „Namenliste" nach Analogie von Dendro- copos die Segler Aims nennen, da Apstein's Behauptung bezüglich des Vorkommens dieses Namens in generischem Sinne bei Schäffer (1764) sich als unzutreffend erwies. Nr. 247. Miiscicapa atricapilla L. 1766. Zu ersetzen durch M. %j9oZez er . um. L Cles. Bay. mit Amj)elio}t cinclus (Tsch.) hingewiesen hatte. Einen hr)chst überflüssigen Beitrag zur Synonymie lieferte endlich Reichenow durch Schaifung des Gattungsnamens Ampekia^) für die uns be- schäftigende Art. Leider muß auch der Speziesname dieses charakteristischen Vogels eine Änderung erfahren, da Ampelis ciucta Tschudi durch Ampelis cincla KuhP) 1820 präokknpiert ist. Die älteste ver- fügbare Bezeichnung ist C. tschudii Gray. Wir geben nachstehend die Synonymie dieses Schmuckvogels, der somit zu heißen hat: Anipelioides tschudii (Gray). Ampelis cincta (nee KuhP)) Tschudi, Archiv f. Naturg. 9, I, p. 385 (1843. — „in sylvis Pangoae', Peru; descr. orig. 5); idem, Faun Peru., Aves, 1846, p. 136 (Montanas des mittleren Peru). Cotinga Tschudii Gray, Genera Birds I, p. 279 (Dec. 1846. — nom. nov. pro Ampelis cincta Tschudi). A}npelio(n) cinctiis Sclater, P. Z. S. Lond. 23, 1855, p. 152 pl. CIV (fig.cf jr., $) (Bogota); idem, P. Z. S. 28, 1860, p. 67 (Palla- tanga, W.-Ecuador); idem, 1. c. p. 89 (Nanegal, W.-Ecuador); idem, Cat. Coli. Amer. Birds 1862, p. 255 (Pallatanga, Bogota); Sclater & Salvin, P. Z. S. 1879, p. 520 (Frontino, Antioquia) ; Taczanowski, Ornith. Perou II, 1884, p. 380 (descr. spec. typ. ex Peruvia et specim. ex Ecuador et Bogota in coli. Sclater); Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. 14, 1888, p. 375 (monogr.); Goodfellow & Hamilton, Ibis, 1901, p. 714 (Santo Domingo, * W.-Ecuador); Menegaux, Miss. Serv. geogr. mes. d'un Are Merid. Equ., 9, 1911, p. B64(Gualea, W.-Ecuador; descr.?). A7n2)elioides flavitorques Verreaux, Nouv. Arch. Mus. III, Bull., p. 5 pl. II flg. 1 (1867. — descr. cf ad., „Rio Napo", Ecuador; type in Mus. Paris). Hab. — Peru: Pangoa (Tschudi); W.-Ecuador: Pallatanga, Nanegal, Santo Domingo, Intac, Gualea; Colombia (Bogotä-coll.; Frontino, Antioquia). Obs. — A. tschudii ist verhältnismäßig häufig in W.-Ecuador, woher wir ein halbes Dutzend Exemplare in verschiedenen Museen untersucht haben. T. K. Salmon erbeutete ihn in Antioquia (Fron- tino) und auch in Bogota-Sammlungen findet man die Art nicht gerade selten. Zwei cfcT aus Bogota unterscheiden sich von denen aus W.-Ecuador lediglich durch etwas längere Flügel (101 bis 102 statt 96— 98 mm) und mit Ausnahme der äußersten Spitze ganz hornweißlichen Unterschnabel. Der Oberkopf ist glänzend schwarz wie bei Stücken aus Gualea und S*" Domingo. Das von ') Ampeleia Reichenow, .Tourn. f. Ornith. 61, 1913, p. 555 (Type: Ampe- Hon cinctum (Tsch.)). *) Ampelis cincta Kiihl, Buff. et Daubent. Fig. Av. colorat. Nom. System, p. 4 (1820. ~ ex Daubenton, Tl. enl. 188: „Cotinga du Brasil"). ^ ' j Hellmayr: Sechs neue neotropische Vögel. \\\ Sclater (1. c. pl. CIV) abgebildete Individuum mit gelber Flecken- reilie längs der Sclieitelmitte war jedenfalls ein nicht völlig aus- gefärbter Vogel. Ein mir vorliegendes junges cf aus Bogota zeigt in der Tat die Federn des Oberkopfes düster olivgrün, jede mit einem schmalen, an der Spitze tropfenförmig erweiterten, beider- seits schwärzlich eingefaßten, blaßgelben Schaftstreifen oder Längs- fleck geziert; ferner tragen die großen Oberflügeldecken einen schwarzen Subapical- und einen hellgelben Spitzenfleck, während sie im Alterskleide — wenigstens auf der sichtbaren Partie der Außenfahne — einfarbig gelblicholivgrün gefärbt sind. Verreaux's Fundortsangabe „Rio Napo" bedarf der Bestätigung, da Ä. tschudii sonst nur auf der Westseite der Anden in Ecuador angetroifen worden ist. In Peru wurde der Vogel seit Tschudi's Zeiten nicht mehr gefunden, obwohl die Avifauna dieses Landes dank den Forschungen der polnischen Reisenden relativ gut bekannt ge- worden ist. Taczanowski's ausführliche Beschreibung des im Neu- chäteler Museum aufbewahrten Typus von A. cinda (C. tschudii) entspricht sehr gut den $$ aus Ecuador, immerhin erscheint die sorgfältige Nachprüfung des Tschudi'schen Originals geboten. Philydor ocJirogaster n. sp, Philydor subfulvus (nee Sclater) Sclater & Salvin, Proc. Zool. Soc. Lond. 1873, p. 185(Cosnipata, S.O. -Peru); Taczanowski, Ornith. P6rou II, 1884, p. 152 (part.: Cosnipata); Sclater, Cat. Birds Brit. Mus. 15, 1890, p. 101 (part.: descr. et spec. ex Cosni- pata); Berlepsch & Stolzmann, Proc. Zool. Soc. Lond. 1896, p. 375 (La (Gloria, Chanchamayo, Z.-Peru); iidem, Ornis, 13, II, Sept. 1906, p. 114 (Huaynapata, S.O.-Peru). cf ad. — Oberkopf und Vorderrücken düster oliv, leicht bräun- lich getönt, die Federn des ersteren mit verloschenen, hellen Schaft- strichen; Mittel- und Hinterrücken lebhafter, mehr röstlichbraun; Bürzel und Oberschwanzdecken gleich dem Schwänze tief rostrot. Flügeldecken, Tertiären und Außenfahne der Schwingen hell röstlichbraun, Schulterrand entschieden zimtrostbraun, Innenfahne der Schwingen matt schwärzlich ; Afterflügelfedern und Handdecken dunkelbraun, außen zimtbraun gesäumt. Zügel rahmgelblich, mit kurzen, dunklen Federspitzen; ein scharf abgesetzter, bis ans Ende der Ohrdecken reichender, breiter Superciliarstreif lebhaft ocker- rostgelb; Ohrgegend düster oliv, mit rahmfarbigen Schaftstreifen; Wangen, Bartgegend, Halsseiten und Kehle ockerrostgelb; übrige Unterseite etwas matter, auf den Weichen und Unterschwanz- decken in einen ockerbräunlichen Ton übergehend; Achselfedern und Unterflügeldecken lebhaft orangerostgelb ; breiter Innensaum der Schwingen hell rostfarbig. Oberschnabel dunkel hornbraun, Unterschnabel gelbweiß, an den Schneiden blaß hornbraun. AI. 95; caud. 77: rostr. 17^2 mm. 1J2 Hellmayr: Sechs neue neotropische Vögel. i ' °* I_ Ges. Bay. § ad. — In allen Verhältnissen viel kleiner ; die Färbung matter, namentlich das Rostrot des Bürzels weniger ausgedehnt und etwas bräunlich vermischt. Type im Zoologischen Museum, München: Nr. 11.1107 (/ ad. Chanciiamayo, Prov. Juniu, Zentral-Pern, alt. 1200 m, August 1909. C. 0. Schunke coli. Hah. — Die heißen Bergwälder im zentralen und südöstlichen Peru (La Gloria, Chanchamayo, Junin; Cosnipata, Huaynapata, Marcapata) und nordwestlichen Bolivia (Songo). Obs. — Diese gut gekennzeichnete Philifdor-kvi steht dem bekannten P. enjtUrocercus (Pelz.) ^), der mir in zwölf Exemplaren aus x\mazonien und Französisch Guiana vorliegt, am nächsten, unterscheidet sich jedoch leicht durch viel lebhafteren, ockergelben (statt ralimfarbigen oder weißlichen) Superciliarstreifen, vorwiegend ockerröstliche Kopf- und Halsseiten, lebhaft ockerröstlichgelbe (statt schmutzig oder graulich rahmweiße) Unterseite, viel intensiver orangerostgelbe Achselfedern, Unterflügeldecken und Schwingen- innensäume, endlich durch viel mehr röstlichbraune Flügel. Sie war den Ornithologen bereits seit langer Zeit bekannt, aber stets mit P. suhfulvus Sei. identifiziert und von Sclater unter diesem Namen im „Catalogue of Birds" gut beschrieben w^orden. P. suh- fulvus Scl.^), auf einen von Fräser bei Gualaquiza in 0. -Ecuador gesammelten jungen Vogel in schlechtem Erhaltungszustande be- gründet, wurde ursprünglich ganz richtig gekennzeichnet. Erst später verwiesen Sclater & Salvin (1. c. 1873, p. 185) einen von Whitely bei Cosnipata im südöstlichen Peru erbeuteten Vogel mit rostrotem Bürzel zu derselben Art, worin ihnen alle Autoren ge- folgt sind. Das Studium einer Serie aus O.-Ecuador in den Museen von Tring und Turin läßt indessen nicht den geringsten Zweifel bestehen, daß der Typus von P suhfulvus lediglich ein junger Vogel des bekannten P. ruficaudatus (Lafr. & Orb.)^) ist, während die hier als P. ochrogaster getrennten Vögel aus Peru spezifisch durchaus verschieden sind. P. ruficaudatus, der in Amazonien weit verbreitet ist, fehlt jegliches Rostrot auf Bürzel und Ober- schwanzdecken, nur ganz junge Stücke zeigen bisweilen an den letzteren schmale rostrote Säume. Von P. ochrogaster liegen mir außer dem Typus ein junges cT aus Chanchamayo, ein Pärchen aus Cuzco, Marcapata, und ein un- reifes cT aus Songo, W.-Bolivia, die drei letzteren aus der Samm- lung Berlepsch, zur Untersuchung vor. Ferner habe ich das Stück ^) Annhates erythrocercus Pelzeln, Sitzungsber. Akad. VViss. Wien, math.- natitrw. Kl., 34, p. 105 (1859.— „Brasilia", sc. ßarra do Rio Negro [=MaBäos], N.-Brazil). -) Proc. Zool. Soc. Lond. 1861, p. 377 (1861. — Gualaquiza, O.-Ecuador). ^) Andbatus ruficaudatus Lafresnaye & d'Orbigny, Syn. Av. II in : Mag. Zool. cl. TI, p. 15 (1838. — Yuracares, rep. Bolivianaj. ' ' I Hellmayr: Sechs neue neotropische Vögel. li3 aus Cosnipata im British Museum verglichen. Bis auf gering- fügige Abweichungen, die sich aus dem verschiedenen Alters- stadium erklären, stimmen die sechs Vögel gut miteinander über- ein. Das Jugendkleid kennzeichnet sich durch breiteren Brauen- streifen, intensivere Färbung aller ockergelben Teile des Gefieders und ausgesprochen röstlichbraunen Rücken, entspricht also durch- aus den bezüglichen Verhältnissen bei den verwandten Arten. P. ochrogaster ist möglicherweise der westliche Vertreter des P. erythrocercus, mit dem er die Proportionen und den allgemeinen Färbungstj'^pus teilt. Inwieweit diese Vermutung zutrifft, läßt sicli heute mit Sicherheit nicht beantworten, da wir über die Grenzen der Verbreitungsgebiete der zwei Arten zu unvollkommen unterrichtet sind. Siptornis berlepschi n. sp. cf ad. — Oberkopf und Rücken düster erdbraun, auf dem Scheitel in einen leicht röstlichen, auf der Stirn in einen matteren, mehr graubraunen Ton übergehend; Bürzel und Oberschwanzdecken, scharf abgesetzt gegen die Rückenfärbung, lebhaft zimtrot, die längsten Deckfedern an der Innenfahne rußschwärzlich gesäumt. Kleine Oberflügeldecken röstlich erdbraun; mittlere und große Flügeldecken dunkelbraun, mit ziemlich breiten, mattröstlichbraunen Säumen; Schwingen matt schwärzlichbrauu, die fünf äußeren Hand- schwingen an der Außenfahne ganz schmal fahlbräunlich gerandet; die übrigen Hand- und die Armschwingen (mit Ausnahme der Tertiären) an der Basis der Außenfahne lebhaft rostrotbraun gefärbt, wodurch ein großer, rotbrauner Spiegelfleck auf dem Flügel entsteht, auch die Endhälfte der Außenfahne breit röstlich- braun gesäumt; Tertiären schwarzbraun, ringsum deutlich röstlich- braun eingefaßt. Die zwei äußersten Schwanzfedernpaare einfarbig hell zimtrot; das dritte Paar (von außen gerechnet) zeigt die ganze Außenfahne sowie die Basis und einen keilförmigen Spitzenfleck der Innenfahne zimtrot, die mittlere Partie der letzteren schwärz- lich; das nächstfolgende Paar schwarz, nur ein mehr oder minder entwickelter, an der Wurzel die ganze Fahnenbreite einnehmen- der Saum längs der Außenfahne zimtrotbraun; die zwei mittelsten Steuerfedernpaare ganz schwarz. Zügel und ein schmaler bis oberhalb dem Auge fortgesetzter Streif rahmweiß, die E'ederspitzen, namentlich vor dem Auge schwärzlich ; ein breiter Postocularstreif trüb aschgrau; Ohrgegend schwärzlichbraun, einen deutlichen dunklen Fleck bildend; Halsseiten aschbraungrau; Backen- und Bartgegend rahmweiß, mit feinen, dunklen Federsäumchen. Unter- seite rahmweiß; kein andersfarbiger Kehlfleck; auf der Mitte der Vorderkehle findet sich an der Basis einiger Federn gerade noch ein schwacher, gelbröstlicher Schein angedeutet, wogegen die schwarze Wurzel der sich ventralwärts anschließenden Federn der Unter- 8 1J4 Hellmayr: i^echs neue neotropische Viigel. I ^^ ' "^' |_ Ges. Bay. kehle ein wenig tlurclischimmert; Weichen und Unterschwanz- decken gelbbraun. Achselfedern und Unterflügeldecken fahlrost- rot, schmaler Innensaura der Schwingen fahlrostfarbig. Ober- schnabel dunkel hornbraun, untere Mandibel blaßgelb mit horn- brauner Spitze. AI. 69-691/2; caud. 70-74; rostr. Wj^—lb^l^mm. Type im Zoologischen Museum, München: Nr. 16.583 cf ad. Chicani, N. Bolivia, September 6, 1893. Gustav Garlepp coli. Nr. 155. Hab. — N. Bolivia, Dept. La Paz: Chicani, am Ostabhang der Kordillere, im Quellgebiet des Rio Beni. Obs. — Diese neue Siptornis, von welcher mir außer dem Typus drei weitere alte cfcf von der gleichen Lokalität aus dem Mus. H. von Berlepsch vorliegen, gehört in die Gruppe vou S. d'or- bignyi (Reichb.) M und 8. arequipae (Sei. & Salv.)^), hat aber viel kräftigeren, dickeren Schnabel und weicht von beiden außer- dem durch den Mangel des zimt- oder orangerostroten Kehlflecks, die gleichmäßig zimtrote Färbung der zwei äußeren Steuerfedern- paare, weniger Rotbraun auf der Schulter und durch wesentlich blassere, hellgelbbraune (statt zimtbraune) Weichen und Unter- schwanzdecken ab. Weitere Kennzeichen gegenüber S. d' orhignyi, aus Central Bolivia, sind die düsterer braune Oberseite, die ge- ringere Entwicklung der rotbraunen Säume auf Flügeldecken und Tertiären, endlich die mehr weißliche, weniger rahmgelblich über- ') Bathmidura D' Orbignyi Keichenbach, Handb. spec. Oruith., Sittinae, p. 163 (1853. — Dom. uov. pro SynaUaxis humicola (nee Kittlitz) d'Orbigny, Voyage, Ois., p. 245 pl. 17 fig. 2: type ex Palca, prov. Ayupaya, C. Bolivia; cfr. M^negaux & Hellmayr, M^m. Soc. Hist. Nat. Autun 19, 19Ü6, p. 79). Reichenbach hat die Art aus Autopsie gar nicht gekannt (sie fehlt einer freundlichen Mitteilung Dr. Jacobi's zufolge auch heute noch dem Dres- dener Museum) , sondern entwarf seine Diagnose lediglich nach d' Orbigny's Beschreibung und Abbildung. Außer einer 6'. humicola Kittl. ex Valparaiso be- sitzt das Pariser Museum, wie wir a. a. O. mitgeteilt haben, zwei Exemplare: einen Balg aus Cochabamba, der vermutlich zu S. arequipae gehört, und einen montierten alten Vogel aus Palca, Ayupaya. d' Orbigny's Beschreibung könnte sich hinsichtlich der Bchwanzzeichnung ebenso gut auf das eine wie auf das andere Stück beziehen, allein die von ihm erwähnten breiten, rotbraunen Säume auf den Oberflügeldecken und Tertiären und der rotbraune Kehlfleck kommen nur dem Palca- Vogel zu, der zudem sicher als Vorlage der Tafel gedient hatte, die Reichenbach in erster Linie B. d'orhignyi benannte. Von den übrigen in der ,Voyage' namhaft gemachten Fundorten sind keine Belegstücke vorhanden. In Corrientes (Argentina) kommt die Art überhaupt nicht vor. Die Angabe be- ruht ohne Zweifel auf einer Verwechslung mit S. baeri Berl. oder S. sordida flaviyulariti (Gould), welche d'Orbigny dort beobachtet haben mag und in den später bei Palca etc. gesammelten Individuen wieder zu erkennen glaubte. Unter diesen Umständen fixierten wir Falca, C. Bolivia, als terra typica von B. d'or- hignyi. -) SynaUaxis arequipae Sclater & Salvin, Proc. Zool. Boc. Lond. 1869, p. 417 (18G9. — „in vicin. urbis Arequipae, Peruv. occid."). ' ' I Hellmayr: Sechs neue neotiopische Vögel. 115 laufene Uuterseite. Von S. areqidpae unterscheidet sie vor allem der Besitz eines ausgedehnten, lebhaft rostrotbraunen Flecks an der Wurzel der Arm- und inneren Handschwingen sowie die zirat- rote Färbung der Außenfahne und des Spitzenteils der Innenfahne des drittäußersten Steuerfedernpaares, welches bei S. arequipae ein- farbig schwarz erscheint. Letztere Art ist auch größer, hat ins- besondere merklich längeren Schwanz. Über die Verbreitung von 8. herlepschi wissen wir nur, daß der verstorbene Reisende Gustav Garlepp im September 1893 vier alte cTcT bei Chicani, in N. Bolivia, am östlichen Abhang der Anden- kette im Quellgebiet des Rio Beni gesammelt hat. S. arequipae (Sei. & Salv.) bewohnt die Küstenkordillere von S.W. Peru (Arequipa) und N.W. Bolivia (Sajama). Ihr Hauptmerk- mal gegenüber S. d' orbicpiyi und 8. herlepschi besteht in dem völligen Mangel des rotbraunen Flügelspiegels, indem die Schwingen bis an die Wurzel hinab gleichmäßig schwärzlich gefärbt sind und nur die innersten Armschwingen einen schmalen, fahlerdbraunen Saum erkennen lassen. Auch die großen Flügeldecken sind ganz schwärzlichbraun, bis auf einen feinen, blaßbräunlichen Außen- rand. Die Schwanzzeichnung ist ebenfalls verschieden: das äußerste Steuerfedernpaar ganz oder teilweise zimtrot ; das nächstfolgende nur auf der Außenfahne und höchstens noch au der äußersten Wurzel der Innenfahne zimtrot, sonst schwarz; die übrigen Steuer- federn einfarbig schwarz. Die ganze Kehlmitte ist eingenommen von einem großen, lebhaft orangerostroten Fleck, dessen Federn seidenartig glänzende, weiße Spitzen tragen. Ich habe mehrere alte cTcT aus Sajama in den Museen Berlepsch und München unter- sucht, die sehr gut der Originalbeschreibung von 8. arequipae ent- sprechen. Obwohl ich noch keine Gelegenheit hatte, sie mit den Typen im British Museum zu vergleichen, zweifle ich schon aus geographischen Erwägungen nicht an ihrer Identität. Weniger gewiß bin ich, ob auch die Bewohner der Westseite der Cor- dillera Real (La Paz) und der Gegend von Cochabamba hieher zu rechnen sind, da mir nur einige weibliche, bezw. jüngere Vögel in stark abgetragenem Kleide vorliegen. Auch ihnen fehlt der rotbraune Spiegelfleck auf dem Flügel, sie sind aber kleiner und diiferieren etwas in der Färbung. Weiteres Material, vor allem von alten cfcT, ist zur endgültigen Klärung ihrer systematischen Stellung erforderlich ^). 8. (Torhignyi d'orbignyi (Reichb.) bewohnt das Hochland von Zentral- Bolivia (Palca, "Chuquisaca, Valle Grande) und verbreitet sich südwärts bis Jujuy, N.W. Argentina. Vier alte d^cT aus Jujuy ') Was die neuerdings beschriebene Siptornis orbignii neglecta Cory (Field Mus. Nat. Hist, Publ. 190, Aug. 1916, p. 340: Macate, Dept. Ancachs, W.Peru) wohl sein möchte, vermag ich angesichts der unklaren Kennzeichnung nicht zu sagen. Vermutlich handelt es sich um eine ganz verschiedene Art! 8* 116 Hellraavr: Sechs neue neotropische Vögel. I ^^ '..^ L Ges. Bay. (Tilcara, Jacoraita) vermag ich nicht von den Bolivianern zn unterscheiden, wobei allerdings zu bemerken ist, daß der Tj-pus aus Palca das einzige, vollständig ausgefärbte, bolivianische Stück ist, das mir vorlag. Charakteristisch für diese Form sind die vorwiegend zimtrotbraun gefärbten Oberflügeldecken und Tertiär- schwingen. Die Armschwingen sind an der Basishälfte lebhaft zimtrotbraun, wodurch ein großer Flügelspiegel entsteht; die Kehle trägt wie bei S. arequipae einen scharf abgesetzten, ausgedehnten orangerostroten Fleck. Der Schwanz ist folgendermaßen gefärbt: äußerstes Steuerfedernpaar auf Außenfjihne und Wurzel der Innen- fahne zimtrot, Rest schwärzlich; nächstes Paar nur an der Wurzel der Innen- und den zwei basalen Dritteln der Außenfahne rot- braun; die drei nächsten Paare nur an der von den Unterschwanz- decken verborgenen Basis rotbraun, sonst schwarz; mittleres Paar ganz schwarz. Wie weit sich das Verbreitungsgebiet dieser Form südwärts in Argentinien erstreckt, läßt sich vorläufig nicht feststellen , da sie wiederholt mit 8. haeri Berl. und anderen Arten verwechselt worden ist. Keinesfalls kann ich mich jedoch mit der Auffassung P. L. Sclater's einverstanden erklären, der Synallaxis crassirostris Leybold ^) als Synonym zu 8. d'orbigniji stellt. Ein von Bur- meister 2) bei Mendoza gesammeltes $ ad, des Hallenser Museums unterscheidet sich von acht 8. cVorUgnyi aus Bolivia und Jujny durch einfarbig zimtrostbraunes äußerstes Steuerfedernpaar, weitere Ausdehnung dieser Färbung auf den zwei folgenden Paaren, und dadurch, daß das Zimtrot auf die Oberschwanzdecken beschränkt und nicht auch über den Bürzel ausgedehnt ist. Sonst gleicht der Vogel seinem nördlichen Verwandten, mit dem er namentlich den Besitz des Kehlflecks und des rotbraunen Flügelspiegels teilt. Auf Grund der erwähnten Abweichung möchte ich — wenigstens vorläufig — die Mendoza- Vögel als besondere Form, 8. cVorbiymji crassirostris (Leyb.) ansprechen. Ihre geographische Verbreitung darzulegen, bleibt weiteren Forschungen anheimgestellt. Jedenfalls unterliegt es nicht dem geringsten Zweifel, daß die von G. Garlepp bei Chicani in N. Bolivia gesammelte 8iptornis- Art von den bisher beschriebenen durchaus verschieden ist, wenn auch bei Vertiefung unserer Kenntnis alle in den vorhergehenden Zeilen besprochenen Formen sich möglicherweise als Angehörige eines Formenkreises ausweisen möchten. Ich widme sie dem ') Synallaxis crassirostris (Landbeck MS.) Leybold, Journ. f. Oraith. 13, p. 401 (Nov. 1865. — „halbwegs vou den Häusern von Melocoton gegen den Fluß Tunuyan", Prov. Mendoza). *) Synallaxis humicola (errorel) Burmeister, Journ. f. Ornith. 8, 18G0, p. 250 (Mendoza); idem, Reise La PI. Staat. II, 1861, p. 468 (Mendoza). —Der gleichfalls genannte Fundort „Parana" bezieht sich wahrscheinlich auf S. sordida Üavigularis (Gould). Das Halle Museum besitzt kein Exemplar aus Parana. ' ' I Hellmayr: Sechs neue neotropißche Vogel. 117 Meister nnter den deutschen Ornithologen Graf Hans von Ber- lepsch, meinem unvergeßliclien Lehrer und Freunde. GrallivrU'ula nana olivascens n. subsp. Ädidt. — Ähnlich Grallaricula nana nana (Lafr.) ^), aus Co- lombia und West- Venezuela (Anden von Merida), aber mit kürzeren Flügeln und schmälerem dünneren Schnabel. Der Rücken, die Oberflügeldecken und Außensäume der Schwingen sind sehr viel matter und blasser, hellgrünlich oliv, und entbehren völlig des ausgesprochen braunen oder röstlichbraunen Tones, der bei der typischen Form vorherrscht; das Grau des Oberkopfes ist heller, was indessen nur beim Vergleich von Serien auffällt. cTd'ad. — al. 68—71; caud. 33—38; rostr. 14— 15 mm. $$ ad. - al. 67—70; caud 34—36; rostr. I3V2— 14 mm. Ty2)e im Zoologischen Museum, München: Nr. 15.1700 cf ad. Galipan, Cerro del Avila, alt. 2000 m, N. Venezuela, Dezember 15, 1913. S. M. Klages coli. Nr. 2191. Hab. — Nord- Venezuela, Dept. Federal: Cerro del xAvila, Süd- hänge des Berges in Höhen von 6000—6500 engl. Fuß. Obs. — Schon vor zehn Jahren fand ich unter den von Lev- raud in der Gebirgskette von Caracas gesammelten Vögeln des Pariser Museums ein ausgefärbtes Exemplar, dessen abweichendes Aussehen mir sofort auffiel. Aber erst vor Kurzem erhielt ich durch S. M. Klages ein Dutzend schöner Bälge, alle an den Süd- abhängen des Avila, eines Berggipfels in der Nachbarschaft der Silla von Caracas, zwischen Oktober 1913 und Januar 1914 ge- sammelt, welche die Beständigkeit der Form der nordvenezuelani- schen Küstengebirge dartun und ihre Abtrennung rechtfertigen. In der Allgemeinfärbung schließt sich O. nana olivascens an die typische Form an, unterscheidet sich aber unschwer durch ganz andere, hell olivgrünliche (statt warm olivbraune oder röstlich- braune) Oberseite, kürzere Flügel und schwächeren Schnabel. Die individuelle Variation bewegt sich bei beiden Formen ungefähr innerhalb denselben Grenzen. Die Intensität des Ockerrostgelb auf der Unterseite entspricht dem Durchschnitt der Serie aus den Anden von Merida; der weiße Gurgelfleck ist bald deutlich aus- geprägt, bald kaum vorhanden; ähnliche Schwankungen zeigen die Entwicklung der schwärzlichen Säume an den Federn der Vorderbrust; die Ausdehnung der weißen Bauchmitte wechselt ebenfalls bei verschiedenen Individuen. Das Schiefergrau des Scheitels und Nackens ist in der Regel lichter als bei G. n. nana, wenn auch einzelne Stücke hierin nicht immer zu unterscheiden sind. Zügel, Wangen-, Bartgegend und Kehle sind auf intensiv 1) Grallaria nana Lafresnaye, Rev. Zool. 5, p.334 (1842. — „in Colombiä'S sc. San ta-F^-de- Bogota). [|<5 Hellmayr: Sechs neue neotropische Vögel. I ^^ • '-'in- L Ges. Bay. ockergelbem Grunde reichlicli schwärzlich gespi'enkelt oder ge- fleckt. Alte Vögel besitzen schwärzlichen Oberschnabel, während die untere Mandibel hornweißlich, nur an den Schneiderändern und der Spitze dunkelbraun gefärbt ist. Ein junger Vogel, teilweise noch im flaumigen Nestkleid, hat gleich einer jungen G. n. nana aus Merida ganz wachsgelben Unterschnabel, w^eicht aber von letzterer schon durch die Rücken- färbung ab. Zwischen alten Vögeln männlichen und weiblichen Geschlechts besteht bei G. n. olivascens ebensowenig Unterschied wie bei ihren Verwandten. G. nana nana (Lafr.) scheint in ihrer Verbreitung auf die nördlichen Teile Colombias und die angrenzenden Gebirgsgegenden des westlichen Venezuela beschränkt zu sein. Ich untersuchte drei Bogota-Bälge und zehn Exemplare aus den Anden von Merida (El Escorial, El Valle, Culata). Zwei der Bogota-Stücke sind auf- fallend dunkel, das dritte stimmt aber durchaus mit der Merida- serie überein, die übrigens in der Färbung der Ober- und Unter- seite einigermaßen variiert. Vorläufig möchte ich daher die colom- bischen und west-venezuelanischen Vögel vereinigen, zumal die sogenannten Bogotä-Bälge ohnedies keine vollwertigen Studien- objekte abgeben. Eine dritte Form dieser Gruppe ist G. nana cumanensis Hart.^), aus den Anden von Bermudez, N.O.Venezuela. Sie unter- scheidet sich von ihren Verwandten durch viel dunklere, mehr zimtrote Färbung auf Zügel, Backen, Kehle, Vorderbrust und Seiten, weitere Ausdehnung der weißen Zone auf der Bauchmitte, vollständigen Mangel der schwärzlichen Sprenkelung an Backen und Kehle, viel größeren und schärfer abgesetzten, reinweißen Gurgelfleck, kürzeren Schwanz und breiteren Schnabel. Der Rücken und die Oberflügeldecken sind ausgesprochen olivenbraun, genau wie bei G. nana nana, aus Merida. Ich untersuchte ein Pärchen aus Los Palmales, darunter den Typus, und ein $ aus Rincon de S. Antonio, gesammelt von Caracciolo, im Tring Museum. Die Verbreitung der drei Formen ist somit wie folgt: a) Grallaricula nana nana (Lafr.). Östliche Andenkette von Colombia (Bogota)'^) ostwärts bis zu den Anden von M6rida (El Escorial, Valle, Culata) in West-Venezuela. ') Grallaricula cumanensis Hartert, Bull. B. O. C. 11, p. 37 (1900. -Los Palmales and Rincon de S. Antonio, Andes of Cumana, State Bermudez, N. E. Venezuela). ^) Vermutlich gehören auch die von Sclater&Balvin (P. Z. S. Lond. 1879, p. 527) aus Santa Elena, Antioquia, aufgeführten Exemplare dazu. ^ ' I Hellmayr: Sechs neue neotropische Vögel. \[\} h) Grallaricula nana olivascens Hellm. N, Venezuela, Dept. Federal: Südhänge des Cerro del Avila, unweit Caracas, in Höhen von ca. 1800 — 2000 m. c) Orallaricula nana cumanensis Hart. N.O. Venezuela, Staat Bermudez: Andenkette von Cumana (Los Palmales, Rincon de S. Antonio)^). Maße der untersuchten Exemplare: Dreialte Vögel (ohne Geschlechtsangabe), Bogota, {0. nana al. caud. rostr. nana) 69, 72, 72; 36, 36, 37; 13 V2, 14, 14 mm. Sechs alte cTcf, An- den von Merida {0. 71. nana) . . .70,71,72(ter),75; 35, 36 (bis), 37, 38, 39; ISVa— 14 mm. Sechs alte cTcT, Cerro del Avila, N. Vene- zuela {G. n. oli- vascens) 68(bis),68V2(bis), 33, 34 (bis), 69,71; 36(bis),37,38; 14— 15 mm. Ein altes cT, Los Pal- males , Bermudez, N.O. Venezuela (ö. n. cumanensis). Type 68; 31; 15 mm. Zwei alte $$, Anden von Merida [O. n. nana) 69, 72; 33, 34; 13^4, 14 mm. Vier alte 5$, Cerro del kV\\di.{G.n. oli- vascens) 67, 70(ter);34(bis),36(bis); 13V2-14mm. Zwei alte $$, Bermu- dez, N.O.Venezuela {G. n. cumanensis) 64, 67; 28, 28; 15 mm. *) Balvin (Ibis, 1885, p. 430) erwähnt ein von H. Whitely am Kukenam- gebirge, Brit. Guiana, in einer Höhe von 1660 m erbeutetes Weibchen s. n. G. nana. Ohne Nachuntersuchung läßt sich nicht feststellen, welcher Form dieser Vogel angehört. Möglicherweise handelt es sich um G. n. cumanensis oder um eine besondere, noch unbeschriebene Lokalrasse, keinesfalls aber um G. n. nana. 120 Boetticher: Entgegnuug. fVerh. Oni. L Ges. Bay. Entgegnung. In seiner Arbeit über die Formen von Corvus coronoides^) nnterziebt Stresemann meine Untersuchungen über den Zusammen- hang zwischen Klima und Körpergröße der homöothermen Tiere'^) einer ungewöhnlich scharfen Kritik. Er wirft ihr Mangel an Sachkenntnis, Vertiefung und Kritik der Literatur vor und fordert so eine Entgegnung heraus. Dem aufmerksamen Leser meiner Schriften konnte es nicht entgehen, daß eine ihrer Hauptaufgaben darin bestand, möglichst viele und namentlich durch die Angaben namhafter Forscher, — wenn auch unbewußt und ungewollt, — in der Literatur bereits bekannt gewordene Beispiele für die Richtigkeit der Bergmann'schen Theorie zusammenzustellen. Eine bis ins Kleinste durchgeführte Nach- prüfung dieser aus der ernsten Fachliteratur stammenden Angaben konnte nicht zur Aufgabe der Arbeit gemacht werden. Trotzdem wurden diese, soweit möglich, nachgeprüft, besonders in zweifel- haften und auch in wenig deutlichen Fällen. Und zAvar geschah es selbstverständlich in der Weise, daß möglichst viele Exem- plare herangezogen und die Extrem- sowie Durchschnittsmaße in Rechnung gebracht wurden. Die einzelneu gefundenen Werte alle anzuführen, verbot der Umfang der Schrift von selbst! Ich will dahingestellt sein lassen, ob ich auf die Maximal- und Minimal- maße nicht noch mehr Gewicht hätte legen sollen als auf die Mittelwerte. Jedenfalls aber bin ich mir nicht bewußt, hierbei irgendwelche Tatsachen tendenziös gefärbt zu haben, wie es mir Stresemann vorwirft. Ferner finde ich bei Stresemann den Vorwurf, daß ich mich nicht auf ein engbegrenztes Gebiet beschränkt habe. Gewiß hätte ich mich in diesem Falle mehr „vertiefen" können, hätte die Maße aller zugänglichen Stücke genau angeben, die klima- tischen Verhältnisse ihrer Wohngebiete genau beschreiben können. Aber es wäre mir wohl schwerlich gelungen, die Gesetzmäßigkeit der Erscheinung dem „skeptischen Fachmann" überzeugend vor Augen zu führen! Ich hätte nur zeigen können, daß ein bestimmtes Gebiet ein kälteres Klima hat und größere Tierforraen birgt als ^) Verhandl. Ornith. Ges. Bayern, Bd. XII, Heft 4, 1916, p. 277—304. 2) Zool. Jahrbücher, Abt. f. Systematik, Bd. 40, 1915, p. 1—56. XIII 191 '^ ' I \ Boetticher: Entgegoung. j^21 ein anderes. Das kann aber auch ganz zufällig so zusammen- treffen. Daß aber wirklich ein innerer Zusammenhang zwischen dem Klima und der Größe warmblütiger Tiere besteht und daß die fragliche Erscheinung eine allgemein vorkommende, wenn auch oft durch andere ersetzte oder verdeckte funktionelle Anpassung an das Klima darstellt, das konnte ich nur durch Heranziehen von- Beispielen aus möglichst vielen, verschiedenen Ordnungen der beiden Tierklassen und aus möglichst vielen, verschiedenen geo- graphischen Gebieten erreichen. Natürlich konnte ich nicht alle Arten mit genauen Maßen bringen, das würde den Rahmen der Arbeit überschritten haben. Aber auch hierbei haben mir tendenziöse Entstellungen völlig fern gelegen. — Mit meiner Meßmethode ist Stresemann ganz und gar nicht zufrieden. Ich stimme mit ihm darin überein and habe es in meiner größeren Schrift ausdrücklich hervorgehoben, daß man im vorliegenden F'all eigentlich nur die Gewichte heranziehen dürfte, und zwar die Gewichte der in völlig normalem Futterzu- stand befindlichen Tiere minus Magen- und Darminhalt. Ein noch besseres Bild würde die Herausrechnuug des Körpervolumens (aus- gedrückt in Kubikzentimetern) oder der Körperoberfläche (ausge- drückt in Quadratzentimetern) der ebenfalls im normalen Futter- zustand befindlichen und ganz kahl gerupften Vögel bieten. Aber all' das ist, wie auch Stresemann zugibt, einfach aus dem Grunde unmöglich, weil unsere Sammlungen nur Bälge besitzen! Ich nahm meine Zuflucht zur „absoluten Körperlänge", obwohl ich sehr wohl wußte, daß das nicht einwandfrei ist, was ich eben- falls ausdrücklich betont habe. Aber schließlich ist das Schrumpf- und Dehnungsvermögen auch der elastischen Vogelhaut begrenzt. Stark deformierten Vögeln sieht es auch der Anfänger bald an, und diese wurden, wie ebenfalls ausdrücklich be- tont, ganz außer acht gelassen. Die anderen an den Bälgen gefundeneu Maße wurden alle nur in Verbindung mit den in der Literatur gefundenen, in der Regel am Vogel im Fleisch ge- wonnenen Maßen verwandt. Mithin wurden die Fehlerquellen auf ein Minimum reduziert. Auch Stresemanns Methode ist nicht einwandfrei. Er gibt selber zu, daß die Flügellänge und die Körpergröße bei ver- schiedenen Formen nicht in demselben Verhältnis zueinander stehen. Man kann nicht immer sagen, daß der mehr langflügelige Vogel auch der größere ist. Die Länge der Flügel kann ja auch eine klimatische Anpassung sein, z. B. an starke Winde, wie auch andrerseits die Verkümmerung der Flügel eine Anpassung an starken Windreichtum sein kann, wie bei vielen insularen und alpinen Insektenformen. Aber sie sagt uns nichts darüber, ob die Größe des Körpers in irgendeinem Zusammenhang mit den Tem- peraturverhältnissen des Wohngebietes steht, — Daß bei der 1 09 Boetticher: Entgeguung. — Schriftenschan. 1 • ^r . L CtBS. Bay. Gruppe des Corvus coronoides und den anderen Formen, welche Stresemann hierzu rechnet, überall die Körpergröße und die Flügel- länge in demselben Verhältnis stehen, ist re-iner Zufall. Aller- dings ein sehr erfreulicher Zufall, denn er ermöglichte es, daß Stresemann mit seiner Meßmethode an dieser Gruppe die Berg- mann'sche Theorie einwandfrei bestätigen konnte. Und das ist für mich trotz der harten Stresemann'schen Kritik doch eine schöne Genugtuung. Denn die vornehmste Aufgabe meiner Schriften war die, dazu beizutragen, um die Bei'gmann'sche Theorie vor dem ungerechten Schicksal völliger Vergessenheit zu bewahren und andere Forscher, besonders die durch hervorragende Sach- kenntnisse ausgezeichneten Spezialisten anzuregen, die von mir an- gedeuteten Beispiele nachzuprüfen, zu vervollkommnen und neue hinzuzufügen. Hans von Boetticher. Schriftenschau ^). E. Hesse, Zur Ornis der Mark Brandenburg; Jouru. für Ornith. 64, 1916, p. 605—611. Die vorliegende Arbeit bildet den Abschluß einer Keihe von Abhandlungen des als Erforscher der Vogelwelt der Marie Brandenburg rühmlichst belcanuteu Verfassers. Durch die am 1. Juli 1916 erfolgte Übersiedelung Hesse's nach Leipzig haben die mit so unermüdlichem Eifer durchgeführten, aber auch durch schöne Erfolge belohnten Exkursionen in die an Seen, Sümpfen und Mooren so überaus reiche nähere und weitere Umgebung Berlins vorerst leider ein Ende ge- funden, und es bleibt nur zu hoffen, daß Hesse sich nunmehr mit der gleichen Liebe und Freude der Durchforschung der Avifauna seines neuen Wohnsitzes widmen möge. Die Abhandlung bringt lediglich einige kurze Ergänzungen zu früheren Arbeiten über den gleichen Gegenstand. So finden wir hier eine genaue Zu- sammenstellung aller von Hesse entdeckten Brutplätze des Colymbus nigricans Scop.-). Die Blaurake, Coracias garrulus L., kann erfreulicherweise noch immer zu den Brutvögeln gerechnet werden. Auch Museieapa parva Bechst. '), der Zwergfliegenschnäpper, ist in den großen Wald beständen nicht seltener Brutvogel, und überall da zu finden, wo die Rotbuche in dichterem Bestände auftritt. Am 28. Mai 1916 gelang es Hesse, im „Forst Chorin" den Flußschwirl, Locustelln fluviatilis Wolf, für das Gebiet erstmals nachzuweisen. Damit ist nun für die Mark Brandenburg der Nachweis des Vorkommens aller drei deutschen Schwirlarten, nämlich Nachtigallschwirl, Locustella luscinioides (Savi), Heu- schreckensänger, Locuntella naevia naevia (Bodd.), und endlich Flußschwirl, Locustella ßuviatilis (Wolf), einwandfrei erbracht. Es ist dies wohl einer der *) Verfasser von Aufsätzen in weniger verbreiteten Zeitschriften werden um Einsendung von Sonderabdrücken zwecks Besprechung in dieser Eubrik ersucht. ^) = Fodiceps ruficoUis ruficollis (Fall.). ') = Erythrosterna parva parva (Bechst.). ^ill'1'1 Schriftenechau. 12-^ 1917 J schönsten Erfolge, der Hesse während seiner langen Beobachtungszeit be- schieden war. Schließlich sei noch der Anregung des Autors zu einer systematisch durch- geführten zoologischen Landeserforschung gedacht, die sich ähnlich wie die geo- logische Landesuntersuehung über das ganze Deutsche Reich erstrecken sollte. Es wäre dies wohl der einzige Weg, eine wissenschaftlich auch wirklich verwert- bare Grundlage für die zoologische Erforschung unseres Vaterlandes zu schaffen. Doch kostet ein so weitausgedehntes Unternehmen leider Geld, sehr viel Geld, und ob für einen solchen idealen Zweck die nächste Zukunft das notwendige Geld anzuwenden geneigt ist, erscheint mir zum mindesten als äußerst zweifel- haft. Wir werden wohl auch in Zukunft bei der Erforschung unseres Landes auf die Kräfte Einzelner angewiesen sein, vielleicht sogar in noch größerem Maße als bisher, und gerade darum gebührt E. Hesse für seine mustergültigen Leistungen bei der ornithologischen Erschließung der Mark Brandenburg unser wärmster, aufrichtigster Dank. — A. L. R. Hey der, Ornis Saxonica. Ein Beitrag zur Kenntnis der Vogel weit des Königreichs Sachsen; Journ für Ornith. 64, 1916, p. 165—228; p. 277-324; p. 429-488. Die mit äußerster Sorgfalt und Sachkenntnis zusammengestellte Abhand- lung gliedert sich in folgende drei Abschnitte : I. Die geschichtliche Entwicklung der Vogelkunde im Königreich Sachsen. IL Die ornithologische Literatur des Königreichs Sachsen. IIL Die geographische Verbreitung der Vögel im König- reich Sachsen. Daran schließt sich noch ein Schlußwort und ein Nachtrag von der Hand H. Mayhoff's über „eine genauere Prüfung der Brutbelege des Wald- wasserläufers". Der Verfasser greift bis auf das Jahr 1800 zurück und konnte als erstes für die Ornis des Königreichs Sachsen in Betracht kommende Werk Chr. Ludwig's „Initia Faunae Saxonicae" aus dem Jahre 1810/11 ermitteln. Das den zweiten Teil der Arbeit bildende Literaturverzeichnis umfaßt mit 415 Nummern den Zeitraum von 1800—1915. Es enthält das gesamte dem Autor bekannt gewordene Schrifttum, soweit es positive Angaben über die Vogelwelt des Königreichs enthält und in Zeitschriften und Werken wissenschaftlicher Tendenz zu finden ist. Fast alle angeführten Arbeiten wurden vom Autor persönlich eingesehen. Der dritte, bei weitem umfangreichste Abschnitt befaßt sich mit der geo- graphischen Verbreitung der Vögel im Königreich Sachsen. Nach einer kurzen Betrachtung über die geographisch-geologischen Verhältnisse des erforschten Ge- bietes und nach einem kurzen Hinweis auf die in der Arbeit angewandte Nomen- klatur — der Autor wählte als Grundlage Reichenow's „Kennzeichen der Vögel Deutschlands" aus dem Jahre 1902! — beginnt der Verfasser schließlich mit der Aufzählung aller bis heute im Königreich Sachsen beobachteten Vogelarten. Wie wir dem Schlußwort des Verfassers entnehmen können, kamen im ganzen 302 Arten zur Beobachtung, was dem im Jahre 1892 erschienenen „Verzeichnis der bis jetzt im Königreich Sachsen beobachteten Vögel" von Meyer und Helm gegenüber ein Mehr von 25 Spezies und Subspezies bedeutet. Von den ge- nannten 302 Arten können 142 als regelmäßige Brutvögel betrachtet werden, 18 sind nur unregelmäßige Brüter, weitere 10 haben früher im Gebiet gebrütet, können aber heute nicht mehr als solche in Rechnung gestellt werden; es sind dies: Graugans, Waldstorch, Fischreiher, Steinadler, Fischadler, Milan, Gabel- weihe, Uhu, Kolkrabe und Steinrötel. Besonders erwähnt mag hier noch die vom Autor veranstaltete Umfrage nach dem Brutvorkomraen des Auerwildes in den im Gebirge liegenden Staatsforstrevieren werden, als deren Resultat sich die Tatsache ergab, daß gegenwärtig das Auerhuhn noch in einem großen Teil der höheren Gebirgslagen vorkommt, wenn auch eine Abwanderung in die entlegeneren Gebirgsteile unverkennbar wahrzunehmen ist. Nach der Anschauung des Autors ist der zoogeographische Charakter des Ge-. bietes ein rein zentraleuropäischer, dem sogar jener leise Einschlag östlicher Ele- 12 i Schriftenschau. fVerh. Orn. L<"^es. Bay. mente fehlt, wie ihu das Nachbargebiet von Preußisch-Schlesien schon aufzu- weisen hat. Schließlich mag noch dem Vorkommen von Alpenringamsel und Tannenhäher in den Waldgebirgen als noch vorhandenen Spuren einer „Relikten- Ornis" Erwähnung getan werden. — A. L. A. Ries, Die Vögel Bambergs und seinei* Umgebung; 22. und 23. Bericht der Naturforschenden Gesellschaft Bamberg, 1915, p 331—426. Die Arbeit des als Lokalfaunisten rühmlichst bekannten Verfassers bedeutet einen äußerst wertvollen Beitrag zur Ornithologie unseres engeren Vaterlandes. Der Verfasser, als gewissenhafter und sorgfältiger Beobachter bewährt, schildert an der Hand seiner sich über den zehnjährigen Zeitraum von 1903 — 1914 er- streckenden Beobachtungen den derzeitigen Vogelbestand der Bamberger Land- schaft nach Vorkommen, Lebensweise und Zug der in Betracht kommenden Arten, zu dem Zwecke, „dem Einheimischen einen verlässigen Wegweiser für jede Jahreszeit durch den reichen Vogelbestand des Gebietes zu bieten". Als im Bamberger Gebiet vorkommend werden 202 Arten aufgeführt. Von interessanteren Brutvögeln seien hier besonders angeführt: Passer petronius (L.) der Steinsperling; Lanius minor Gm., der schwarzstirnige Würger; Lanma neuator L., rotköpfiger Würger; Muscicapa parva parva Bechst., der Zwerg- fliegenschnäpper („soll noch in einigen Paaren in den Buchenwäldern um Ebrach brüten"); Bubo hubo bubo {h.),\ih.xi; Glaucidium passerinum, {\..), der Sperlings- kauz (?). Von seltener vorkommenden Arten seien noch erwähnt: Panurus hi- armicus (L.); Chrysomitris citrinella (L); ^^Passerina'^^ nivalis (L ); Merops apiaster L. ; Nyctea nyctea (L.) ; Surnia ulula (L.); SyrrJtaptes paradoxus (Pallas); Phoenicopterus roseusTaW.; Pelecanus onoer otalus h.; Uria lornvia (h.). Es sei mir erlaubt, hier auf einen Irrtum aufmerksam zu machen, der dem Verfasser unterlaufen ist. Ries ist der Ansicht, in der Bamberger Landschaft kämen zwei Formen der Schwanzmeisen vor, nämlich die rein weißköpfige Form, Aegithalos caudatus caudatiis (L.) und die am Kopf mehr oder minder schwarz- gestreifte Forui Aegithalos caudatus europaeus (Herrn.). Nach den Beobachtungen des Verfassers sollen sich auch beide Formen untereinander paaren. In Wirk- lichkeit handelt es sich hierbei aber nicht um Repräsentanten zweier verschiedener Formen, sondern um Angehörige einer und derselben Form, nämlich Aegithalos caudatus europaeus (Herrn.). Dabei laufen rein weißköpfige und streifenköpfige Individuen nebeneinander her, wie zwei Phasen — ähnlich der roten und grauen Form beim Waldkauz — unabhängig von Alter und Geschlecht. Daß die bei uns vorkommenden weißköpfigen Exemplare tatsächlich nicht mit Aegithalos caudatus caudatus (L.) aus dem Norden und Osten zusammenfallen, läßt sich einwandfrei durch einen Vergleich einheimischer Stücke mit solchen aus Schweden feststellen. So rein silberweiße Köpfe wie bei den nordischen Exemplaren kommen bei unsern Schwanzmeisen niemals vor. Auch die häufig vertretene Ansicht, Aegithalos caudatus roseus (Blyth) käme bei uns gelegentlich vor, ist irrtüm- lich, denn diese Form ist lediglich auf die britischen Inseln') beschränkt. Die bei uns vorkommenden Schwanzmeisen, sowohl rein weißköpfige Individuen wie auch solche mit schwarzen Streifen an den Kopfseiten, sind alles Angehörige einer und derselben Form, nämlich von Aegithalos caudatus europaeus (Herm.). — A. L. ') Möglicherweise gehören die Bewohner des westlichen Frankreich auch dazu. In den nordöstlichen Departements, z. B. in der Woevre, lebt aber schon A. caudatus europaeus (Herrn.), wie eine Serie im Münchener Museum aus- weist. — Red. Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern Band XIII Heft 2 Inhalt: Seite Erwin Stresemann, Über gemischte Vogelschwärme 127 H. Stadler und C. Schmitt, Die Rufe der Mauersegler 152 Erwin Gebiiardt, Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914 158 Erwin Stresemann, Die Verwendbarkeit des Entfernungsmessers zur Ermitte- lung der Flughöhe 171 Janusz von Domaniewsl-nla-Artei\ in jeder in geschlossenem Zuge den Wald durchstreifenden Vogelgesell- schaft getroffen habe." Lange zuvor hat der bekannte Reisende Bates derartige Wahrnehmungen im Waldgebiet am oberen Amazonas mit folgen- den anschaulichen Worten geschildert^): „Wer als Neuling die Wälder am oberen Amazonas betritt, wird sich zunächst über die geringe Vogelzahl verwundern Es geschah häufig, daß ich auf einem Streifzug durch die üppigsten und abwechslungsreichsten Teile der Wälder während des ganzen Tages nicht einem einzigen Vogel begegnete. Gleichw^ohl ist das Gebiet von vielen hundert Arten bewohnt, von welchen in Wirk- lichkeit viele überaus häufig und einige durch ihr prächtiges Ge- fieder auffällig sind. Der Grund ihrer scheinbaren Seltenheit ist in der Eintönigkeit und Dichtigkeit des ungeheuren Urwaldes zu suchen, der ihren Aufenthaltsort bildet. Die Vögel dieses Ge- *) H. W. Bates, The Naturalist on the River Amazons. (London 18615) II, p. 333—336. XIII 2 "I '_ ' I tStresemann : über gemischte Vogelschwäinie. j[35 bietes leben gesellig-, wenigstens zu der Jahreszeit, wo sie am bequemsten gefunden werden; aber die fruclitfressenden Arten kann man nur antreffen, wenn gewisse wildwachsende Früchte reif sind, und den genauen Standort dieser Bäume zu kennen er- for) C. M. F. Swynnerton, Mixed Bhd-parties; Ibis 1915, p. 352. XITI 2 1 *' ' I Stresemaun: Über gemischte Vogelschwärme. 137 Das Phänomen wird sich zweifellos für alle Waldgebiete der Erde nachweisen lassen. Zusammensetzung der Vogelgesellschaften in Wäl- dern. — Während im offenen Gelänile die Vogelgesellschaften meist nur aus wenigen Arten bestehen, zufolge dem auf weite Strecken einförmigen Pflanzenwuchs, finden sich in den Waldungen und der angrenzenden Buschvegetation ihrer weit mehr zusammen. Dort sind es die Körnerfresser, hier dagegen die Insektenfresser, welche den Hauptanteil dazu liefern. Im holarktischen Faun enge biet zählen zu den Seh warm- vögeln die meisten Pariden, Reguliden, Sittiden und Certhiiden, sowie ein Teil der Sylviiden u. a. Die Spechte der Gattung Dryohates können nur bedingt zu ihnen gerechnet werden. Einer der artenreichsten Schwärme, die ich bisher in Mittel- europa aufzeichnete, ist der auf p. 132 geschilderte gewesen. Unter ihm fand ich 10 Spezies, nämlich von Pariden: Kohlmeise, Blaumeise, Nonnenmeise, Weidenmeise, Schwanzmeise; von Certhi- iden: Gartenbaumläufer; von Sylviiden: Fitislaubsänger, Weiden- laubsänger, Schwarzplättchen; von Timeliiden: Heckenbraunelle. Die unendlich mannigfaltigeren Tropenwälder beherbergen in ihrem grünen Däramer weit mehr gesellige Arten. An der Zu- sammensetzung der umherstreichenden Scharen sind im Ama- zonas-Gebiethauptsächlich Formicariiden {Myrmotherula, Thomno- pMhis, Thamiiomanes u. a. Gattungen), sowie Dendrocolaptiden neben einzelnen Vertretern anderer Familien {Tanagridae, Trochi- lidae, Capito7iidae, Picidae) beteiligt. Die Mitglieder der durch den ostafrikanischen Busch ziehenden Gesellschaften hat Swynnerton (1. c.) namhaft gemacht; Muscicapiden, Pycnonotiden und Laniiden stellen dazu einen erheblichen Prozentsatz. Im indoaustralischen Archipel sind es vorwiegend Muscicapiden, Laniiden, Sylviiden, Zosteropiden und Meliphagiden neben einzelnen Arten der Pycnonotiden, Campophagideh, Dicruriden, Dicaeiden, Pariden, Sittiden, Timeliiden u. a. In gebirgigen Gegenden ist natürlich für jede Höhenstufe eine gewisse Zusammensetzung der Gesellschaften bezeichnend. Am artenreichsten werden diese in mittlei-en Lagen sein, also dort, wo Gebirgsvögel und solche der Tiefebene sich gelegentlich zu- sammenfinden. So konnte ich unter den Schwärmen der Hoch- ebene von Manusela (Mittel-Seran) in 800 m bis zu 15 Arten ver- einigt finden, und zwar: CaTiipoiJhagidae: Edolisoma ceraniense (Bp.); Pycnonotidae: Criniger ri'/7Zw^5 Hombr. & Jacq.; Mifsci- rapidae: Erythromyias burnensis ceramensis Graut, Myiagra galeata seranensis Stres., Monarcha trivirgatus 7iigrimentum Gray, Rhipidura dedemi v. Gort, Rhipidura rufiventris cinerea Wall.; Laniidae: Pachyeephala griseonofa Gray, Parhyrcphala pecto- j 38 Streseniann : Über gciiiischto Vogclschwärmc. rVeih. Olli. L Ges. Bay. ralis nlfurorum Stres. ; SiflriUlae: Pht/Uoscop/is (jiulinnctfii rera- mcnsis (Grant) : ZosferopkJae: Oreosferops ^talkcri (Grant), Zosterops stalkeri Gi'aiit; Dlcaeifhie : Dicaeum vidneratuiii. Wall.; IHcruriclne: Dicrunis hotteutoüiis luaiiiunetcti Stres.; Ploceiclae: Krythrura trichroa pinaiae 'i>ivQ'$,. Die meisten Indi- viduBD gehörten hierbei den beiden Blnpidura-kvinw und den Zosteropiden an. Im Küstengebiet sind auf Seran wie auch auf anderen Inseln die Schwärme nicht nur weit individuenärmei-, sondern auch arteu- ärmer; in der höheren Gebirgsregion nimmt der Individuenreich- tum gegenüber den Mittellagen vielfach noch zu, während die Artenzahl geringer wird, bis wir in der höchsten Zone fast ganz monotone Schwärme finden (so auf Seran solche von FkfjUoscopiis (jiuUaiiettii ceramensis (Grant) oder von Oreosierops piiiaiae Stres.). Bei der folgenden Übersicht, in der die geselligen Arten nach Familien angeordnet sind, fuße ich im wesentlichen auf eigenen Erfahrungen und beschränke mich daher mit geringen Ausnahmen auf die Ornis Europas und des indoanstralischen Gebietes. Varldiie» Alle Arten der Gattung Parus scheinen in ge- mischten Gesellschaften gefunden zu werden; nicht nnr die im holarktischen Gebiet (Europa, Asien bis zum Himalaya, Nord- amerika) lebenden, sondern auch die ins Bereich der Tropen vor- geschobenen. Lehrreich ist folgendes Beispiel: Parus major dnereus Vieill., eine unserer Kohlmeise in Zeichnung, Wesen und Stimme sehr ähnliche Form, verbreitet sich von der Waldgrenze im Himalaya über Hinterindien und die Gebii'gs- und Küstenwälder der Sundainseln bis Sumba, reicht also von der Grenze des ewigen Schnees bis in den äquatorischen Tropenwald. Ihr Gebaren ist überall das Gleiche. Stoliczka^) traf sie am NW.-Himalaya sehr häufig zwischen 1300 und 4000 m (4000 and 12000 feet), in großer Zahl während der Morgenstunden umherstreifend, meist vergesell- schaftet mit Gryptolopha xantkoschistoSj Muscicapida superciliaris, Sitta himalayensis und anderen Arten. Auf Bali, wo sie die ein- zige Meisenart und von der Küste bis hinauf zu 2200 m häufig ist, lebt sie gerade so gesellig; man findet sie dort in Scharen, vermischt mit Campophagiden: Pericrocotus flamnieus exsul Wall., Muscicapiden : Muscicapida }7ielanoleuca ivestermanni Sharpe, Cidici- capa ceylonensis (Swains.), Gryptolopha gramndceps (Verr.); Lani- iden : Hemipus obscurus (Horsf.); Sylviiden: Phylloscopiis trin'r- gatus Strickl. ; Zosteropiden : Zosterops pcdpehrosa neglecta Seeb., Oreosterops javardca elongata Stres. ; Dicruriden : Dicriirus cine- raceus (Horsf.) und Dicrurus ater longus Bp. Ebenso leben die meisten anderen Gattungen dieser Familie gesellig [Aegühalos, Remixa u. a.). ') F. Stoliczka, Ornithological Observation s in the Hutley valley, NW.- Himalaya; Journal. Asiat. Soc. Bengal II, No. 1, 1868, p. 52. XIII 2 ~\ ' ' I Streseniann: Über gemischte Vogelschwärrae. 139 Uli j liegiilidae: Sehr gesellig wie die Meisen. Certhlklae, Sittidae : Gesellig mit Ausnahme der am Gestein kletternden Arten {TicJwdronia, Sitta neumayer). Die niedliche Spechtmeise Poecilositta axiirea (Less.) fand ich im Tal des Lobo Tamong (Gebirge von Perak) in Gesellschaft von Musci- capula melanoleuca westermanni Sharps {Muscicapidae)^ Phyller- gates cucullatus (Temm.) {Timeliidae), Aethopyga ivrmji Sharpe {Nectariniidae) und anderen Arten. Laniidae: Die waldbewohnenden Würger der Tropen ge- sellen sich fast sämtlich anderen Insektenfressern bei. Dies gilt von der speziesreichen Gattung Pachycephala^ von Hemipus und vielen afrikanischen Genera. 3lHScieapidae : Sehr viele tropische und subtropische Fliegenschnäpper-Gattungen beteiligen sich an den Mischschwärmen. Es würde zu weit führen, auch nur die wesentlichsten aufzuführen. Die Vogelgesellschaften des indonesischen Küsten waldes kann man vielfach als Muscicapidensch wärme bezeichnen. Gewisse Ausnahmen sind bemerkenswert: so ist die an das Vorhandensein von Wasser- flächen (Küste, Flüsse, Seen) gebundene Rhipidura tricolor wohl die einzige Art ihrer Gattung, die ungesellig ist. Sylviidae: Unter den europäisch-asiatischen Vertretern der Familie werden die das Gestrüpp bewohnenden Grasmücken (Sylvia) wohl nicht allzu häufig unter Vogelgesellschaften be- troffen^). Dagegen schließen sich den Schwärmen außerhalb der Brutzeit einige waldbewohnende Arten regelmäßig an, so die Mehrzahl der Laubsänger [Phylloscopus). Von Juli bis September kann man das in unseren Breiten beim Weidenlaubsänger [Ph. coUybita) und Fitislaubsänger [Ph. trochiliis) beobachten. In den gleichen Monaten sucht auch der Berglaubsänger [Ph. bonelli) die Gesellschaft von Meisen 2). Am Baikalsee sah Dybowski Ph. proregidiis (Fall.) mit Scharen von Meisen umherziehen. Wenn der im nördlichen Asien beheimatete Ph. horealis (Blas.) im Spät- herbst auf den Inseln des malayischen Archipels in kleinen Trupps eintrifft, um dort im Küstenwald den Winter zu verbringen, so mischt er sich alsbald unter die Schwärme tropischer Waldvögel. Alle mir bekannt gewordenen tropischen Arten dieser Gattung (Ph. trivirgatus Strickl., Ph. ceramensis (Grant), Ph. everetti. (Hart.)) suchen in demselben Maße die Geselligkeit. Timeliidae: Diese recht künstliche Familie ist im west- lichen Teil des indoaustralischeu Gebietes mit vielen waldbewolinen- den Gattungen und Arten vertreten, von denen ein Teil gesellig ist. In den mittleren Gebirgslagen Peraks (so am Lobo Tamong, *) Vergl. den oben, p. 132, für Sylvia atricapilla erwähnten Fall. O. v. Wettstein traf auch Sylvia curruca zuweilen unter dem Gefolge der Meisen an. ^) V. Wettstein, Die Ornis des Gschnitztales bei Steiuach; Orn. Jahrb. 23, 1912, p. 183. 140 StresemaiDi: Über gomissclite Vogelschwüinie. 1 ^^ ' L ('CS. Bay. lOOU ni) kann man geradezu von Timeliideusch wärmen sprechen, denn einige Arten der E'aniilie, insbesondere Alcippc peraccitsis Sliarpe und Siva sordidior Sliarpe, überwiegen in den Gesell- schaften oft erheblich. Ganz ähnlichen Gesellschaften begegnet man offenbar im südlichen China, denn Rickett und La Touche^) fanden in den großen Wäldern der Provinz Fokien Liotlirix lutea zusammen mit Stachyridopsis i'uficeps^ Alcippe b?-im7iea und Trocha- lopteron cinereiceps. Sie erwähnen ferner, daß man dort Alcippe hueti meist in Gesellschaft anderer kleiner Vögel trefte, wie Stachyridopsis ruficeps und PomatorJdiuis strididus. Doch scheinen die meisten Gattungen das ganze Jahr über einzeln oder in kleinen ungemischten Verbänden zu leben, meist im Gebüsch und niederen Gestrüpp verborgen. Pycnoiiotidae : Die meisten Arten, welche die indoaustra- lische Region bevölkern, leben im offenen Buschland oder lichten Wald und bilden dort monotone oder nur aus Pycnonotiden be- stehende Trupps. Im üppigen Urwald sind nur relativ wenige Arten zu Hause, so diejenigen der Gattung Chloropsis, die man unter Vogelgesellschaften finden kann. Auf den Molukken dringen die Criniger-FoYme.n sehr häufig bis tief in das dichte Waldland ein und mischen sich dann stets unter Vogelschwärme. Cmnpophaifulae. Von Stachelbürzlern wird man die Edoliso) HCl- Arten meist unter Vogelschwärmen zu suchen haben. Die entzückenden Pericrocotus-Formen pflegen sich zu vielköpfigen Trupps zusammenzuscharen, denen sehr häufig andere Vögel Ge- folgschaft leisten, wie etwa unsere Waldsänger den Schwanz- meisen. Oraucalus und Lalage gesellen sich nur zu ihresgleichen. Dicriiridae. Die Drongos, welche ihre Streifzüge bis ins Waldinnere ausdehnen oder dort heimisch sind, heften sich ge- wöhnlich den Vogelgesellschaften an und fallen dann sogleich durch ihre alle Genossen überragende Größe auf. Die Lebensweise der indoaustralischen und der afrikanischen Drongos stimmt in diesem Punkte überein. Zoster opidae: Alle Arten, besonders aber die kleinen der Gattung Zostcrops, stehen an Geselligkeit unseren Meisen nicht nach. 3Ieliphagi(lf(e: Von den großen Arten [Philenioii n. a.) ab- gesehen, welche solitär oder im Farailienverband leben, trifft man die Honigfresser außerhalb der Brutzeit meist in vielköpfigen Schwärmen an, die sich nicht selten den Muscicapidengesellschaften anschließen. Nectariniidae: Die waldbewohnenden Gattungen {Arach- nothtra, Äethopijga u. a.) werden vielfach vom Strom der Vogel- gesellschaften mitgerissen. ') C. B. Rickett aiid .T. I). de La Touche, Additional Observations on tlie Birds of the Provmce of Fohkien; Ibis 1897, p. 600—607. XIII 2 I '^ ' I Streseraaun : Über gemischte Vogelschwärme. 141 Ploceiflac: Mau begegnet den Webern fast ausschließlich im offeueu Grasland. Das erste Exemplar von Krijihnim tricliroa pinaiae Stres. schoß ich jedoch von eiuem Baum mitten im Ur- wald des Zentralgebirgshanges herab, als ich wahllos einen der unzähligen im Zweiggewirr beschäftigten kleinen Vögel uneist Zosteropiden und Muscicapiden) aufs Korn genommen hatte. JPlridae: Die kleineren waldbewohuenden Spechte sieht man bei uns (im Winter) wie im indonesischen Faunengebiet und in Südamerika vielfach von vielerlei kleinen Vögeln begleitet. Be- zeichnend scheint dabei zu sein, was Naumann bei der Besprechung von Bryohates medius sagt: „Sonderbar ist, daß Meisen, Goldhähn- chen, Kleiber und Baumläufer eine solche Anhänglichkeit verraten, daß im Winter selten ein Mittelspecht allein und ohne mehrere von diesen Vögeln im Gefolge zu haben herumstreicht; sie ziehen ihm nach, obgleich ihm an ihrer Gesellschaft nichts zu liegen scheint.-' Besondere biologische Wahrnehmungen. — Die Misch- schwärme des Waldgeländes macheu sich in den ersten Morgen- stunden am meisten bemerkbar, zumal kurz nach Sonnenaufgang. Dann sind sie nicht nur am beweglichsten, sondern auch am lärmendsten. Nach der Mittagsstunde, vornehmlich bei großer Hitze oder trübem Wetter, versinken die Individuen in einen Zu- stand matter Trägheit, und man kann dann zuweilen mitten durch den Schwärm hindurchwandern, ohne ihn recht zu bemerken. P]rst gegen den Eintritt der Abenddämmerung hin wird die Gesellschaft wieder aktiver. Vögel, die von anderen getrennt leben, sind ganz den gleichen Schwankungen ihrer Lebhaftigkeit innerhalb des Tages unterworfen; indessen redet diese Tatsache erst dann eine eindringliche Sprache, wenn die Vögel in bunter Menge auftreten. Den Vogelgesellschaften strömen die geselligen Arten sofort nach Beendigung des Brutgeschäftes zu. Vielfach warten sie nicht einmal die Zeit ab, bis ihr Nachwuchs selbständig zu fressen ge- lernt hat. Man kann dann ganz junge Vögelchen unter den Schwärmen sehen, die ihre liebe Not haben, mitzukommen, und denen die Eltern noch geschäftig Futter zutragen, dabei jedoch stets besorgt, den Anschluß an die große Masse nicht zu verlieren. Diese Arten lernen also von frühester Jugend an, sich in die Vogelgesellschaften einzufügen. Eine gegenseitige Verständigung der miteinander umherziehen- den Individuen verschiedener Arten erfolgt vornehmlich durch die oft sehi- leisen, in kurzen Pausen geäußerten Verständigungs- laute, welche den engen Zusammenhalt des Haufens sichern sollen und keine besondere Gemütserregung ausdrücken. Sie sind bei Arten, die sich im System nahe stehen, vielfach annähernd die gleichen. So erfordert es einige Erfahrung, um einen Unter- i42 Stresemann : Über genaischte Vogelschwärme. 1 ^^ ' L Ges. Bay. schied in dem leisen, dünnen s'it der beiden Goldhäbichen, der Blaumeise, Kohlmeise, Tannenmeise, des Kleibers und Waldbaum- läufers herauszuhören. Bleiben diese Laute einmal ohne x\ntwort, so wird der vereinsamte Vogel seinen lauteren Signalruf er- tönen lassen, der oft auch bei Individuen anderer Arten einen entsprechenden Ruf auslöst und dem Versprengten den Weg weist. Hiervon ist in vielen Fällen zu unterscheiden der Lockruf, auf den meist nur Vögel der gleichen Art reagieren. Warn- und Schrecklaute werden von allen Angeliörigen eines Schwarmes sofort richtig aufgefaßt. Es gilt für die meisten Arten, daß ein Teil ihrer Gesangs- periode in die Zeit fällt, zu welcher sie gesellig leben, und der Lärm, den die Gesellschaften ausführen, erinnert daher oft, zumal in den Tropen, an ein übendes und stimmendes Orchester. Man wird bemerken, daß die Gesellschaften sehr häufig aus einer losen Zusamraenfügung mehrerer monotoner Schwärme be- stehen, die sich bei einem geringfügigen Anlaß wieder von ein- ander trennen können. Die gegenseitige Zuneigung gleichartiger Individuen bleibt eben stets weit größer als zu anderen Arten. Selbst das eheliche Band wird durch geselliges Leben nicht ge- lockert, und es hält oft nicht schwer, unter dem Haufen ein zu- sammengehöriges Paar nach seinem Betragen herauszufinden. Ein Schwärm, den man durch beständige Verfolgung ängstigt, wird sich schließlich, wenigstens für kurze Zeit, in Gruppen auflösen, die vielfach auch seinen Elementen entsprechen. So kann man es bei uns erreichen, daß sich die Meisenschwärme wieder säuber- lich in kleine Gesellschaften scheiden, in denen die Arten unter sich sind, die also beispielsweise nur aus Schwanzmeisen oder nur aus Goldhähnchen u. s. w. bestehen. Geselligkeitstrieb und Bruttrieb. — Zur Zeit der höchsten Entwicklung der Keimdrüsen sondern sich bekanntlich die Vögel — soweit sie nicht Koloniebrüter sind — paarweis ab, um sich dem Nestbau, dem Brüten und der Sorge für die Nach- kommenschaft zu widmen. Die Sexualität übertäubt dann den Ge- selligkeitstrieb. Falls alle Arten, die einen gemischten Schwärm zusammen- setzen, im ersten Lebensjahre geschlechtsreif würden (was wohl bei den Passeres fast durchweg der Fall ist) und ihre Brutzeit in die gleiche Jahreszeit fiele, so würde sich daraus die Auflösung der Gesellschaften in einzelne Paare für diesen Zeitraum ergeben. Für das holarktische Faunengebiet (und wohl für alle Zonen mit einem stark ausgeprägten Wechsel der Jahreszeiten) trifft dies tatsächlich zu. Während des Frühlings und des Frühsommers finden wir bei uns keine Mischsch wärme. Die Arten, welche sich außerhalb der Brutzeit zu einem Haufen zusammenballten, verteilen VTTT O ~\ - •^^ ' ' I Streseraann: Über gemischte Vogelschwärme. 143 lyi t j sich während derselben gewissermaßen gleichmäßig über den be- wohnbaren Raum und erzeugen dadurch den Eindruck, daß er von einem weit reicheren Vogelleben erfüllt sei. Die Zeit der Bildung und Wiederauflösung der „Meisen- schwärme" setzt im Norden des holarktiscben Gebietes später ein als im Süden. Für das mittlere Europa kann als Regel ange- nommen werden, daß dieselben sich gegen Anfang Juli, auch wohl schon Mitte Juni^) zu formieren beginnen, bis zum August Zuwachs erbalten (der bald durch Abgang der Zugvögel ausgeglichen wird) und in den ersten Märztagen sich auflösen. Nach dem 15. März findet man meist keine Spur mehr von ihnen. Sie bestehen dem- nach 8 — 9 Monate lang. Anders scheinen die Verhältnisse in den Tropenwäldern zu liegen. Mein Aufenthalt in den Urwäldern des indoaustralischen Faunengebietes währte vom September 1910 bis April 1912, wo- von ich 12 aufeinanderfolgende Monate im Monsunwald (Seran und Buru) verbrachte; während dieses ganzen Zeitraumes fand ich ge- mischte Vogelschwärme. Lägen auch noch keine anderen Be- weise dafür vor, daß in diesen äquatorialen Inselgebieten trotz des (übrigens nicht allzu schroffen) Wechsels von Regen- und Trockenzeit in allen Monaten Brüten gemacht werden — die Per- manenz der Vogelgesellschaften allein würde schon zu dieser Schlußfolgerung berechtigen. Dies ist jedoch keinesfalls so auszulegen, daß man dort Eier derselben Art zu jeder Jahreszeit finden könnte. Vielmehr darf als Norm betrachtet werden, daß auf der gleichen Insel alle Paare derselben Spezies etwa im selben Jahresabschnitt zur Fortpflanzung schreiten-). Darauf deuten Mauserbefunde mit der gleichen Be- stimmtheit hin wie Untersuchungen der Geschlechtsdrüsen und die Tatsache, daß ich zu gewissen Monaten kürzlich ausgeflogene Junge der gleichen Art gemein fand (z. B. solche von Dicaeum vulneratum im Juni, von Dendrohiastes hyperythra alifiirus im Februar und März), während diese Altersstadien zu anderen Monaten fehlten. Die Permanenz der Vogelgesellschaften im indoaustralischen Archipel beweist vielmehr lediglich, daß es dort keine Frühlings- zeit in unserem Sinne gibt, sondern selbst nahe Verwandte zu verschiedenen Jahreszeiten brüten^). Von diesem Gesichtspunkte ^) So beobachtete Geyr von Schweppenburg in der Mark bereits am 20. Juni einen Schwärm, aus Kohl-, Tannen-, Hauben-, Blau-, Nonnen- und Weidenmeisen, Baumläufern, Goldhähnchen und Laubsängern bestehend. (Orn. Mouatsber. 18, 1910, p. 161.) ^) Hiervon scheint Aplonis metalUcus {Sturnidae) eine Ausnahme zu machen. 3) Von der am besten durchforschten Insel Java liegt hierzu einiges lehr- reiche Beobachtungsmaterial vor, das freilich noch recht dürftig genannt werden muß. Wir verdanken es dem Forschungseifer Bernstein's (cf. Jouru. f. Ornith. 1859, 1860, 1861) und Bartels' (ibid. 1903, 1906), welche beide im Westteil 144 Streseraann: Über gemischte Vogelschwärme. I ^' ' ' ' L Ges. Bay. aus verspricht die genaue Beobachtung der tropischen Vogelgesell- schafteu wertvolle Aufschlüsse über die Brutzeiten der einzelnen Arten, welche — wie jeder Reisende bestätigen wird — in den Urwaldgebieten so überaus schwer durch Nestfunde festgestellt werden können. In welcher Weise dies möglich sein dürfte, sei durch folgende Beispiele erläutert: Muscicapula melanoleuca ivestermanni^ die ich im September und Oktober im Gebirge von Perak, sowie im Januar auf Bali stets unter Vogelschwärmen fand, lebte im Juni, Juli und August auf Seran völlig ungesellig. Auf etwa ein Dutzend einzelner Männchen, die sich sehen ließen, kam nur ein einziges Weibchen, und die Vögel veränderten ihren Aufenthaltsort so wenig, daß ich sie regelmäßig auf dem gleichen Baum oder seiner nächsten Um- gebung wahrnahm. Diese Beobachtungen lassen darauf schließen, daß die Art auf Seran von Juni bis August brütete. Auf der gleichen Insel bekam ich von dem reizenden Meli- phagiden Myxomela ival-oloensis elisahetliae Oort während des Juni und Juli nur alte Männchen zu Gesicht, die sich einzeln an Blüten im Walde zu schaifen machten ; die Weibchen brüteten vermutlich und entfernten sich nicht weit vom Nest. Von der nahe ver- wandten Myxomela iv. imkoloensis Forbes dagegen zeigten sich von Januar bis März unverraauserte Jungvögel, solche in der ersten Mauser und Alte häufig unter den Vogelgesellschaften Buru's : die Brutzeit war vorüber! Was veranlaßt die Vögel zur Bildung solcher Ge- sellschaften? — Diese Frage drängt sich jedem auf, der dem Phänomen seine Aufmerksamkeit zugewandt hat. Sie ist bereits in verschiedenartiger Weise beantwortet worden. Wer solche Scharen nur aus Europa kennt und ihrer auch wohl nur nach dem Laubabfall — wo sie am leichtesten bemeikt werden — gewahr geworden ist, wird veileitet werden, in ihrer Bildung eine Reaktion auf die winterliche Futterknappheit zu er- blicken. So meint Newton^), daß die Annahme der Gewohnheit, der Insel ansässig waren. Dort weht der regenbringende NW.-Monsun von Oktober bis April. Einen allgemeinen Einfluß auf die Brutzeit der Vögel scheint er nicht auszuüben, denn es wurden die Eier gefunden: Von Gencichla andro- meclae im Dezember und Januar, von Fnoepyga lepida gegen Ende und vVnfang des Jahres, von Alcedo meninting im Januar, von Fericrocotn.s pereffrinus und Myiophoneus cyaneus im Februar, von Scolopax saturata und Geocichla hors- fieldi im März, von Passer montanus malaccensis im April, von Microhierax fringillarius im Mai, von Otus lempiji im Juli, von Erytliromyias dumetoria im August, von Cettia montana im September. Von einigen Arten konnte Bernstein nachweisen, daß 'sie mehrere Braten hintereinander machen, die teils auf die „nasse", teils auf die „trockene" Jahreszeit entfallen: so währt die Fort- pflanznngsperiode von Favus major cinereus von Februar bis September, von Prinia famüiaris vom März bis zum August. ') A. Xewton, A Dictionary of Birds. London 1893. Part. II, p. 554. XIII 2 1 ' ' I .Stresemann : Über gemischte Vogelschwärme. 145 sicli ZU Flügen zusammenzuscharen, wie wir es bei den Meisen sehen, das Auffinden der Nahrung außerordentlich erleichtere. „Eine einzelne Meise, welche allein umherstreift, würde wohl einen ganzen Tag lang jagen, ohne genug zu finden; wenn jedoch ein Dutzend zu demselben Zweck sich vereinigt, so wird der Ort, wo das Putter untergebracht ist, schwerlich ihrer Aufmerksamkeit entgehen, und wenn es entdeckt ist, so genügen ein paar Lock- töne des glücklichen Finders, um die ganze Gesellschaft zur Teil- nahme am Schmaus zu versammeln. Wer einen Trupp Meisen beobachtet — und sei es auch nur für einige Minuten — muß zu diesem Schluß gelangen." Dieser Meinung schließt sich Pycraft^) an. „Die umher- schweifenden Schwauzmeisentrupps, welche unseren Wäldern wäh- rend der Herbst- und Wintermonate einen solchen Reiz verleihen, werden jedenfalls hauptsächlich durch die gemeinsame Not zu- sammengehalten. Die Entdeckung von Insektennahrung ist zu dieser Jahreszeit eine schwierige Aufgabe, und wenn ein jedes Individuum dabei auf sich allein angewiesen wäre, würden viele verhungern." Nach allem früher Gesagten bedarf es wohl keiner längeren Erörterung mehr, daß diese Ansicht unhaltbar ist. Sie vermag nicht einmal die Bildung monotoner Insektenfressertrupps zu erklären, geschweige denn die Zusammenrottung verschiedener insektivorer Arten plausibel zu machen. Wer einen Schwanzmeisentrupp im Walde genau beobachtet, wird bemerken, daß meist jeder Vogel für sich mit der Nahrungssuche voll beschäftigt ist, ohne sich um das zu kümmern, was sein Nachbar treibt. Denn Insekten leben allenthalben im Walde verborgen, und wo eines gefunden wurde, braucht darum noch kein zweites in der Nähe zu sein. Völlig entkräftet wii-d Newton's Erklärungsversuch zudem durch die Tat- sache, daß ganz analoge Schwärme die Tropenwälder durchziehen, in denen doch zu keiner Jahreszeit Mangel an Insektennahrung herrscht. Im Gebiet der Tropen wird man sich nach anderen Beweg- gründen umsehen, welche die Vögel des Waldes zur Schwarm- bildung veranlassen könnten. Ich selbst habe früher 2), ohne mich auf die Frage näher einzulassen, bemerkt, daß die Erscheinung der Vogelgesellschaften bei dem naiven Beobachter den Eindruck hervorrufe, „als fürchteten sich die kleinen Vögel, allein im grenzen- losen düsteren Urwald zu leben". Marshall (1. c. p. 222) hat den angedeuteten Gedanken sich zu eigen gemacht und näher ausge- führt. „Ich für meine Person hege keinen Zweifel, daß die Er- scheinung der großen Anzahl von Raubvögeln zugeschrieben werden ') Pycraft, A History of Birds. London 1910, p. ISO. *) Nov. Zool. 21, 1914, p. 374. 10 146 Streseraana : Über gemischte Vogelschwärme. I ei . rn. L Ges. Bay. muß, welche hier [im Mashonaland] vorkommen; die kleineren Vögel halten es daher für ratsam, sich zum Schutze zu vereinigen, wo- bei die Drongos eine Art Leibwache bilden." Zu dem gleichen Schlüsse gelangt Bates, wenn er sagt: ,.Die einfachste Erklärung scheint die zu sein: daß die Vögel durch den Selbsterhaltungstrieb dazu gebracht werden, sich zu Schwärmen zu vereinigen, und daß sie es tun, um weniger leicht ein Opfei' der Habichte, Schlangen und anderer Feinde zu werden, als es der Fall sein würde, wenn sie allein nach Nahrung suchten." Gewiß hat diese Theorie viel Bestechendes. Man kann, wie bereits erwähnt, beobachten, daß die Schreck- und Warnlaute einer Art, die unter Mischschwärmen lebt, von jeder anderen Art der Gesellschaft richtig gedeutet werden, auch wenn deren eigene ent- sprechende Rufe einen gänzlich abweichenden Klang und Rhythmus besitzen. Ja so eng ist der Kontakt der Individuen eines Schwarmes, daß schon allein das Benehmen des Stückes, welches die Gefahr zuerst bemerkte, den übrigen zur Warnung dienen kann. In den großen ungepflegten Laub Waldungen der Woevre-Ebene vor Verdun stellte ich während des Oktober und November den Meisenschwärmen nach, um aus ihnen Weidenmeisen, Schwanz- meisen und Gartenbaumläufer zu schießen. Besonders häufig be- suchte ich einen langgestreckten Wald, den zwei oder drei große Meisenschwärme ständig durchzogen. Während der ersten Tage gelang es mir ohne Mühe, mich durch das dichte knackende Unter- holz bis an den Schwärm hindurchzudrücken und doi't in Ruhe meine Beute auszuwählen. Aber schon bald hatten mich die Vögel als Feind erkannt, und sobald einer von ihnen nun das ver- räterische Brechen der Zweige hörte oder meine Gestalt erblickte, erschallten — meist von selten einer Schwanz- oder Weidenmeise — einige kurze laute Warnrufe, und die bis dahin außerordentlich langsam sich fortbewegende, weit verstreute Gesellschaft ver- schwand eiligst. So sah ich mich denn fortab genötigt, den Scharen aufzulauern. Ein Netz von parallelen Pfaden ist durch diese Sumpf- waldungen geschlagen, auf denen man rasch und lautlos vorwärts- kommen kann. Auf diesen Längs- und Querwegen durcheilte ich dann den Wald so lange, bis ich irgendwo die Stimme einer Kohl- meise hörte (denn diese Art besitzt unter solchen Meisenschwärmen den durchdringendsten Lockruf), stellte vorsichtig mit dem Ohr die Richtung fest, in welcher die Gesellschaft sich vorwärts be- wegte, und erwartete sie in ihrer Marschrichtung, dicht an einen Stamm geschmiegt. Zuweilen hatte ich dabei Glück und blieb so lange unentdeckt, bis ich den gewünschten Schuß abgegeben hatte; oft aber wurde ich von einem aus der Bande vorzeitig bemerkt, und dann mußte ich es nicht selten erleben, den ganzen Schwärm, ohne daß ein Warnruf ertönt war, allmählich umkehi'en und in der Richtung wieder vei-sch winden zu sehen, aus der er gekommen ' "' j Stresemaim: Über gemischte Vogelschwärme. 147 war. Das Benehmen des einen entsetzt zurückfliegenden Gesellen hatte die ganze Scliar beeinflußt. Solches ist mir auch im Urwald mehrfach begegnet. Das Beispiel legt den Vorteil des geselligen Lebens dar, wenn es gilt, vor Feinden auf der Hut zu sein. Ein einzelner Vogel oder einige wenige hätten geringere Aussicht gehabt, die Gefahr so bald zu bemerken. Besonderen Schutz vor Überraschungen wird nun den Vogelschwärmen das Bündnis mit Arten gewähren, die von Natur argwöhnisch und vorsichtig sind und dadurch zu Anführern der übrigen Schar werden. Im Walde mögen die Drongos dazu zu rechnen sein; aber ihre Funktion als „Leib- wache" ist schwerlich die, Angriife auf den Schwärm abzuwehren, wie Marshall vermutete, als vielmehr die Warnung ihrer harm- loseren Gesellen vor drohender Gefahr. Besonders klar kommt die Tatsache, daß gewisse Arten die Rolle des Anführers und Wächters regelmäßig übernehmen, bei den Vogelgesellschaften zum Ausdruck, welche sich im Spätsommer und Herbst am Strand der Nordseeküste einfinden. Da sieht man Stiandläufer verschiedener Arten, dazwischen Sanderlinge und Steinwälzer, in engem Zusammenhalt von Bucht zu Bucht fliegen und den Auswurf des Meeres durchsuchen. Es ist nicht schwer, sich einem solchen Flug, selbst ungedeckt, bis auf Schußweite zu nähern; wenn jedoch ein einzelner Goldregenpfeifer [Fluvialis apricarms) oder Kiebitzregenpfeifer [Sqnatarola squatarola) sich ihm angeschlossen hat, dann ist, meist alle Mühe vergeblich; denn diese äußerst vorsichtigen Vögel lassen sich nicht so leicht über- listen und veranlassen den ganzen Schwärm durch ihr Beispiel zu rechtzeitiger Flucht. Es ist jedoch auf der anderen Seite zu bedenken, daß eine große Vogelansammlung, die ja stets ihre Gegenwai-t durch viel- stimmiges Lärmen auf größeie Entfernung verrät, die Feinde an- locken muß und diese, besonders die gefiederten, hier mehr Aus- sicht auf Beute haben, als wenn sie einzelnen Vögeln nachstellten. Im Urwald der malayischen Halbinsel und auf Bali sind mir die gefräßigen Spitzhörnchen {Titpaia) zuweilen recht unwillkommene Konkurrenten geworden, wenn ich einem Vogelschwarm auflauerte. Auf weite Strecken habe ich diese Tierchen im Walde nicht be- merkt; aber wenn eine Vogelgesellschaft nahte, waren sie plötzlich da, wie aus den Bäumen gewachsen, und huschten in größter Er- regung von einem Ast auf den andern, um sich einen der kleinen Vögel zu fangen. Die Vorteile, welche aus der Geselligkeit für die Führung des Lebenskampfes erwachsen, dürften die Nachteile nur wenig überwiegen. Kürzlich hat nun Swynnerton (1. c. p. 346 — 354) eine eigen- artige Theorie entwickelt. Er sagt: „Ich habe während der 148 Stresemaun: Über gemischte Vogelsch wärme. rVerh. Oni. L Ges. Bay. letzten Jahre [im Gazaland | viel Zeit auf die Begleitung und ge- naue Beobachtung solchei" Schwärme verwandt und bin zu der Überzeugung geführt worden — gewiß in Übereinstimmung mit zahlreichen anderen Beobachtern — , daß ihre hauptsächlichste B'unktion zusammenwirkendes Jagen (cooi)ei"ative hunting) ist. Sie sind wahrscheinlich Treibjagden (drives) . . . Geselligkeit bei einer Art ist ja ursprünglich das Ergebnis ganz anderer Faktoren als des Bedürfnisses nach zusammenwirkender Insektenjagd, wie aus den Flügen körnerfressender Vögel hervorgeht: aber man kann bemerken, daß die Mitglieder von Verbänden aller möglicher Insektenfresser großenteils einander in den Schnabel arbeiten." Swynnerton läßt dann eine Anzahl interessanter, detaillierter Wahrnehmungen folgen, welche die letztere Bemerkung veran- schaulichen. Von dem sich vorwärts bewegenden Schwärm werden allerlei Insekten aufgescheucht, große und kleine, und jedes findet seinen besonderen Liebhaber. Entfällt einem der in den Wipfeln schlüpfenden Vögel eine Kerfe, so wird sie gewiß von den Ge- sellen aufgenommen, welche tiefer unten suchen, und umgekehrt treiben die das Gras und Gestrüpp abstreifenden Vögel geflügelte Insekten hoch, welche von gewissen anderen Arten im Fluge er- hascht werden. Mögen auch die angezogenen Beobachtungen durchaus ein- wandfrei sein: die Bildung der Vogelgesellschaften wird durch diese Theorie nicht erklärt, ja es wird nicht einmal ihre Zweck- mäßigkeit überzeugend dargetan. Denn es ist durchaus nicht glaubhaft, daß bei einer großen Konkurrenz ein Insektenfresser seinen Hunger leichter stillen kann, als wenn er allein jagt. Überdies dürften die Fälle, wo wirklich einmal ein Vogel dem anderen „in den Schnabel arbeitet", doch verschwindend selten sein. Und schließlich: wenn wirklich „cooperative hunting' die Vögel veranlaßte, sich zusammenzuscharen, was hätten bei solchem Treiben die Baumkletterer (Spechte, Dendrocolaptiden, Baumläufer, Kleiber) und Blütenbesucher (Melipliagiden, Nectariniiden, Trochil- iden) wohl für sich zu erwarten, ganz abgesehen davon, daß sich auch Körnerfresser und Fruchtfresser nicht selten den Scharen der lusektenjäger anschließen ? Richtiger als Swynnerton, richtiger auch als Marshall und Newton scheinen mir die wilden Indianer am oberen Amazonas mit dem Instinkt des Naturmenschen das Pi-oblem erfaßt zu haben. Von ihrer Ansicht erzählt uns Bates: „Die Indianer haben diese gemischten jagenden Schwärme beachtet, scheinen jedoch nicht bemerkt zu haben, daß sie mit der Suche nach Insekten be- schäftigt sind. Sie haben ihren Wissensdurst nach Art der halb- zivilisierten Völker durch eine Theorie befriedigt, welche zu einer Sage entartete. Die sich vorwärts bewegenden Scharen, so be- haupten sie nämlich, würden durch einen kleinen grauen Vogel ^ Q '„ ' I Stresemann: Über gemischte Vogelschwärme. 149 IUI ( J namens Papd-uird geführt, der alle übrigen fasziniert und zu einem beschwerlichen Tanz durch das Dickicht verleitet." Das ist freilich Hnmbug, denn der Fapd-mrd besteht nur in der Phantasie dieses Volksstammes; und dennoch birgt sich, wie Bates sehr richtig hervorhebt „ein Schimmer von Wahrheit in dieser Erklärung; denn man kann zuweilen bemerken, daß verstreute Vögel, welchen der Haufe auf seiner Marschlinie begegnet, von ihm mit fortgerissen werden, und ab und zu findet man rein fruchtfressende Vögel mit den übrigen vermischt, gerade als wären sie von einer Art Irrwisch verführt worden". Wie der Geist des Naturmenschen die Krankheit, deren Wesen er ja nicht zu begreifen vermag, personifiziert und ihr Menschen- oder Tiergestalt verleiht, so ist auch der Papd-uird als eine Schöpfung des Bedürfnisses nach konkreter Vorstellung zu deuten. Er ist die Personifikation des Geselligkeitstriebes, dessen mächtigem Bann sich nur wenige Vogelarten ganz ent- ziehen können ; er ist es, von dem sich die meisten Insektenfresser blindlings führen lassen, durch Dick und Dünn, wochenlang, monatelang, bis ihm ein noch gewaltigerer Gegner entsteht: der Bruttrieb. Wir haben den Geselligkeitstrieb schon früher als die Ur- sache der Schwarmbildung kennen gelernt, als von den mono- tonen Schwärmen und den einfachen Mischsch wärmen die Rede war. Dort lag der arterhaltende Nutzen, der zur Entstehung des Triebes Anlaß gab, klar zutage: es war teils der Schutz, den das Beispiel der alten, erfahrenen Vögel den Jungen gewährte, teils die gegenseitige Untei'stützung im Aufsuchen der gemein- samen Nahrung. Beides kann, wie wir sahen, für die bunten Scharen der Waldvögel nicht in Betracht kommen. Hier versagt jeder Ver- such, Nützlichkeitsgründe ausfindig zu machen, hier ist es etwas unseren Begriffen Unfaßliches, dem die Vogelgesellschaften ihr Bestehen verdanken nicht die gemeinsame Not, noch das Be- dürfnis nach gegenseitigem Schutz, noch auch der aus gemein- samen Jagen entspringende Vorteil: es ist die faszinierende Wirkung der Masse. Ein Familienverband mag den Kern bilden, um den sich der Schwärm zu scharen beginnt, bis ihrer Dutzende, ja hundert und mehr geworden sind, ohne Ansehung der Art und Gewohnheit. Einem Magneten ist solch ein Schwärm vergleichbar, dessen Kraft sich durch ständigen Zuwachs mehrt, bis alles, was in seinem Bereich liegt, ihm angeheftet ist. Die suggestive Gewalt, welche von der Masse eines sich fort- bewegenden Seh warmes ausgeht, kann wohl nicht deutlicher er- wiesen werden als durch folgendes kleine Erlebnis: 150 ötresemanii: Über gemischte Vogclschwäniie. 1 |_ Ges. ßay. Weun ich von meinem Lager aus, das ich im balinesischen Gebirgswald am B'uße des Gunung Bratan aufgeschlagen hatte, einige Minuten bergan stieg, so gelangte ich an einen umgestürzten Baumriesen, in dessen totem Astgewirr ich regelmäßig das gleiche muntere Vogelpärchen beschäftigt fand. Es waren Schneider- vögel {Phi/llcrgates eucullatus (Temm.)). Sie hatten sicii den Platz zum dauernden Wohnsitz und offenbar auch zum Nestbau erkoren und entfernten sich nie außer Sichtweite von ihm. Eines Tages rastete ich wieder in seiner Nähe, als ein großer Vogel- schwarm lärmend sich nahte. Das Pht/Uerc/ates-V'da.Y, das sich bis dahin lautlos verhalten hatte, wurde nun sogleich von großer Er- regung ergriffen; voller Unruhe flog es von einem Bäumchen zum andern, und das Männchen beeilte sich, seinen wunderschönen Gesang in den Wald zu pfeifen, immer und immer wieder. Die Gesellschaft kam heran, alle umliegenden Bäume, Lianen und Sträucher wimmelten von Vögeln, und als sie langsam weiter- zogen, da gab es auch für die beiden Schneidervögel kein Halten mehr; sie mischten sich unter den Schwärm und ließen sich von ihm entführen. An diesem Tage sind sie nicht zu ihrem Ast- dickicht zurückgekehrt. Wer je entsprechendes beobachten konnte — und ich habe dazu bei vielen solitär lebenden Arten wiederholt Gelegenheit ge- habt — , dem drängt sich die Erkenntnis auf, daß jede Erklärung der Vogelgesellschaften des Waldes künstlich ist, die auf Nützlich- keitsgründen fußt. Die munteren Buben von Manusela, die mir, nur mit einem Strick um den Bauch bekleidet, zuweilen folgten, wenn ich im Walde allerhand Getier sammeln wollte, wußten sehr gut, was die kleinen Vögel anlockt. Wenn sich irgendwo aus dem grünen Wirrnis ihre feinen Stimmen vernehmen ließen, dann rissen sie dünne Blätter ab und wußten sie so anzublasen, daß es klang, als zirpte und pfiffe da eine ganze Vogelgesellschaft durcheinandei-. Der Erfolg ließ gewöhnlich nicht auf sich warten; denn der vor- überziehende Schwärm wurde tatsächlich verleitet, herbeizueilen! Zusanimeiifassuiig. Die Vogelschwärme lassen sich unter drei Kategorien ein- ordnen : 1. Die monotonen (nur aus Individuen einer Art bestehenden) Schwärme. 2. Die einfachen Mischschwärme, die von Angehörigen ver- wandter Spezies mit gleicher Geschmacksrichtung und gleichen Lebensgewohnheiten gebildet werden. 8. Die zusammengesetzten Mischschwärme, in denen sich vielerlei Aj1>en mit teilweise durchaus abweichenden biologischen ' ' I J^trcscniann: Über gemischte Vogelsch wärme. 151 Eigenarten vereinigen, und die vor allem für die Wälder be- zeichnend sind. Gegenseitige Unterstützung beim Aufsuchen der Nahrung und die durch das Zusammenleben bedingte Verwertung der Erfahrungen Anderer kann als ausreichende Erklärung für das Zustandekommen der unter 1. und 2. fallenden Schwärme angesehen werden. Die Ursache für die Bildung der zusammengesetzten Mischschwärme muß jedoch in anderen Faktoren gesucht werden. Es ist in den vorstehenden Zeilen versucht worden darzulegen, daß als solcher nur der suggestive Einfluß namhaft gemacht werden kann, den die Vereinigung vieler Individuen (die Masse) auf die meisten in Wäldern lebenden kleinen Vogelarten ausübt. Die Wälder aller Zonen werden von solchen Gesellschaften durchzogen, die bei uns als Meisenschwärme, in Nordbrasilien als Formicariidensch wärme bekannt sind und die mau im indoaustra- lischen Gebiet bald Timeliiden-, bald Muscicapidenschwärme taufen könnte. Die meisten Familien der Passeres sind darunter vertreten, insonderheit die insektenfressenden, zuweilen jedoch auch reine Körner- oder Fruchtfresser. Während ihrer Brutperiode scheiden die geselligen Arten aus dem großen Verbände aus. Das hat in Gebieten mit scharfem jahreszeitlichem Klimawechsel eine zeitweilige völlige Auflösung der Schwärme zur Folge. In der äquatorialen Region dagegen scheinen die Gesellschaften ohne Unterbrechung zu bestehen, da dort ihre Mitglieder nicht alle zur gleichen Zeit zur Brut schreiten. [TT _,L| /^fr* Ges. Bay. Die Rufe der Mauersegler. Von H. Stadler und C. Schmitt. Jedermann kennt das Rufen der Mauersegler: ein hohes, schrilles oder gellendes sii und sirrrr, das von den sich jagenden Vögeln bis zum Überdruß oft ausgestoßen wird. Vom frühen Morgen bis in die tiefe Dämmerung hinein ertönt dieses Geschrei über dem Häusermeer der Großstädte nicht weniger als über den kleinen Nestern und Dörfern — wenn sie nur Türme oder hohe alte Bauten mit Dachluken, Mauerlöchern und Nischen besitzen. Auch nachts hört man das sirrrr nicht so selten von Seglern, die an den Fenstern noch vorübersausen, oder von ihren nächtlichen Schlafplätzen herab. Auch Schlafende, im Käfig von uns beob- achtet, rufen träumend ihr sii. Es sind vier verschiedene Rufe, die man von fliegenden Seglern vernimmt: am häufigsten von allen ein Ruf, der etwa wie sirrr klingt; ein ganz kurzes — ; ein etwas längeres sii; ein Sri. Alle vier Rufarten werden gleichmäßig im Streckenflug heraus- geschrien; die Bedeutung des einen wie des andern scheint so gleich zu sein wie ihr Klang, ihre B^-Stärke, ihre Schärfe und ihre Tonhöhe, die zwischen e.^ und bg (am gewöhnlichsten wohl zwischen fg und giSg) hin- und hergeht. Das - ist ein hoher Achtelton, der gern gereiht wird — also r-H 1 1 ' 4 ^ ^ Das Sri ist ein einfacher Laut, der sich mit Notenzeichen wiedergeben läßt als rr -K XIII, 2, 1917 I Stadler und Schmitt: Die Kufe der Mauersegler. 153 Das sl(i) läßt sicli mit Pfeifchen aus dem Orgelregister Sali- zional ziemlich klanggetreu nachahmen; es ist zu schreiben bald als f » , bald als p^ ; solcher Eufe werden häufig mehrere hinter- einander gebracht; die Intervalle der 2 Töne liegen einen Viertei- bis einen halben Ton auseinander. Wenn zwei Segler sich jagen, klingen diese sii-Rufe: f L f t f f f • • d. h. der hinter dem ic ersten schreiende Vogel ruft etwas tiefer und kürzer. Das sirrr klingt auf die Entfernung als ein etwas länger aus- gehaltener Ton, der in einen abwärts ziehenden und leiser werden- den Roller übergeht, von der Form: Ff^^ ; zuweilen — nicht eben häufig nach unseren Beobachtungen — geht dem i ein Ton, bald länger, bald kürzer, als Auftakt voraus: f ff^ oder • f -fC^ • Ihre Tonhöhe wechselt von Tier zu Tier und je nach Stimmung. Von ein und derselben Turmschwalbe gereiht ändern mehrere solcher aufeinanderfolgenden Rufe ihre Höhe nicht; wenn jedoch zwei Vögel sich jagen, so entsteht regelmäßig das Notenbild: .->. -^ ;:^N. '->x (der erste Ruf ist o ^ -^ p p^ p^ yr ^ j°2' "''' ""«"- ff if \f^ t^ (der zweite Ruf ist höher). Die Stimmlage des einen Seglers ist höher, die des anderen tiefer. Hoch- und Tiefton wechseln oft fast taktg:emäß ab. Hiebei / --, ^ -^ ^^ » können die 2 Töne hin- sichtlich ihrer Länge oder hinsichtlich ihrer Stärke verschieden sein, z. B. : Sie folgen sich manchmal so schnell, daß man meint, es sei der gleiche Vogel, der rufe: L54 Stadler und 8chmitt: Die liiife der Mauersegler. 1 ^ • '"• L Ges. Bay. Es sind das Duette primitivster Art, zweifellos Weclisel- rufe von cT und 5. Dieselben Zwiegespräche eignen vernnitlicli zahlreichen Vogelarten; uns sind sie allerdings bisher nur noch von Gebirgstelzen, Kleibern, Steinkauz und Waldkauz bekannt; bei diesen beiden Eulenarten sind sie ungemein charakteristisch. Zuweilen folgt auf den Roller ein harter, tiefer Ton, in der Weise: l^p^t, auch mit Vorschlägen LP-f^ • Der Schlußton r\ kann ganz scharf abgesetzt sein, in der Form: | /^ T/ ; so hörten wirs am 24. V. 1915 auf der Ehrenburg, als uns Freund Fenk zu den dortigen Steinsperlingen führte. Die Rufe 1—1 werden häufig in allerlei Varianten vereinigt. So beobachtet man oft Rufe wie diese I^I^l Da man die sirrr-Rufe gewöhnlich auf einige Entfernung vernimmt, so er- scheinen sie als eindeutige und einfache musikalische Figuren. Immerhin findet ein geschärftes Ohr auch schon auf größere Distanz heraus, daß es mit dem Roller der Rufe eine besondere Be- wandtnis haben müsse. Gelegentlich tut uns aber ein Segler den Gefallen, sein sirrrr uns unmittelbar in die Ohren zu schreien: nun ändert sich das Bild. Dann zeigt sich folgendes. Der Ruf ist zweistimmig. Ein hohes, langgezogenes i erklingt fast während des ganzen Rufes durch," langsam leiser und leiser werdend. Einen Achtelton lang tönt dieses i für sich allein; dann setzt der Roller ein: erst leise, von der Länge eines Achteltons, selbst aus aller- nächster Nähe kaum hörbar und nur zitternd (vibrierend) ; fast plötzlich wird er laut, erklingt im crescendo, verändert seine Klang- farbe und schwingt (schwirrt) sehr stark — ein metallisches grobes Schnarren; zugleich zieht er , n abwärts; klingt noch, wenn der obere J- J — '^^""^ ^ '' Ton schon ausgeklungen hat; auf dieser Ixt^^f^^--- letzten Strecke wird er rasch wieder l ^ K- > leiser. Es ergibt sich so das unerwartet p verzwickte Notenbild: ' ') In den bisherigen Notenbeispielen haben wir einfachere Formeln — den Höreindruck auf größere Entfernung — angewendet, um das Bild nicht zu sehr zu verwirren. XIII, ^ 1917 Stadler und Schmitt: Die Rufe der Mauersegler. 155 Solch verwickelter Bau eines Vogelmotivs ist nichts Ungewöhn- liches. So muß man beispielsweise das Trielgeschrei schreiben: oder d^js l l '>^^r-r-r-r-r-^f^r-rt^t^ •/■ Freilich läßt der Eindruck, den das Dickfußgeschrei macht, von vornherein auf etwas musikalisch Ungewöhnliches raten! Es ist recht schwierig, diesen, wie wir sehen, so komplizierten Seglerruf vollständig und in jeder Teilstrecke seines Verlaufs gleichmäßig sicher aufzufangen. Am sichersten ist es uns gelungen auf der Mainbrücke in Lohr beim Radfahren. Die Segler, die hinter mehreren Vorsprüngen der südlichen Brückenwand nisten, sausen dort, unbekümmert um die ihnen vertrauten Fuhrwerke und vorbeikommenden Menschen, in Kopfhöhe des Beobachters auf und ab. Von hinten anfliegend holt zuweilen ein Segler den Rad- fahrer ein, und beide fliegen und fahren Seit' an Seite für einen Augenblick mit gleicher Geschwindigkeit zusammen: wenn der Vogel in diesem Moment schrillt, kann man dem Ruf in allen seinen Einzelheiten im wahren Sinn des Wortes folgen. Die Seglerrufe scheinen geographisch nicht verschieden zu sein. Wir haben Brutvögel verhört von Hamburg bis Hochsavoyen; und hören die Hinziehenden und Zurückwandernden rufen von Mitte April bis Ende September — neben Scharen, die bereits Anfang Juli südwärts reisen, solche, die noch Ende Juli nordwärts eilen — also Segiersippen, deren Wohngebiete über das halbe nördliche und östliche Europa verteilt sein müssen: ihre Rufe sind stets die gleichen. Über Laute des brütenden Seglerweibchens lesen wir in der „Gef. Welt" 1916, p. 317 (Hans Maurer): „Kurze Zeit nach der Ankunft muß schon die Brut beginnen, denn ich sah um diese Zeit immer nur einen der Vögel ein- und ausfliegen, während der andere im Nest saß und Töne von sich gab, welche dem von den Jungen beim Füttern ausgestoßenen Gepiepse nicht unähnlich klangen. Auch des Abends bei vorgeschrittener Dämmerung, wenn einer der Segler in der Nähe noch der Jagd auf Insekten oblag, konnte man aus dem Nest diese Töne hören. Sie wurden auch noch ausgestoßen, wenn der zweite Vogel im Nest Platz genommen hatte, so daß man wohl mit Sicherheit annehmen kann, daß das Weibchen mit diesen Tönen das Männchen um Futter anbettelt und während des Fütterns durch das Männchen das Gepiepse fort- setzt. Dieses Geschrei resp. Gepiepse habe ich öfters kurz nach der Ankunft der Segler bemerkt und beobachtet, so daß es ganz ausgeschlossen erscheint, daß es von Jungen herrühren könnte." 156 Stadler und Schmitt: Die Rufe der Mauersegler. Verh. Oni. Ges. Bay. Nestjiinge der Mauerscliwalben haben wir bisher nicht ver- hören können. Dagegen werden uns alljährlich verunglückte flügge Junge gebracht, denen wir allerlei ablauschen konnten. Manche freilich sind vollkommen stumm. Andere wieder er- heben, beunruhigt, ein gellendes Geschrei: ^ ^him Hh] eine Tonreihe, die langsam absinkt. Andere, dieselbe Rufreihe im mf hervorstoßend, hängen zuweilen p-Töne vom Eindruck bit bit bit an : ,"^ ^f,r, -n ;7 .■> A ,^ /> ^^'^^hhiii HUv ^ MUt4ä Futter heischende Junge betteln mit sehr langen Rollerlauten: erst im p, wenn sie aber bald stürmischer bitten, werden die Töne höher und lauter, und die Roller zu 32tel-Touren — werden schlot- ternd wie die Angstrufe (das Killern) des Waldkauzes, der jungen Waldohreulen, oder so vieler junger Raubvögel. Die Tonhöhe dieser Roller ist ungeheuer: 6 gestrichenes h, also ganz nahe der Hörgrenze. — Ruhig dasitzend lassen die flüggen Jungen schlotternde Unter- haltungslaute im pp hören, Tongebilde wie: uiiJ^uiiJ'LuiJ '"'•"'• Kranke Junge bringen unaufhörlich wimmernde^Rufreihen wenn die ÄrmstenMn Schmerzen leise jammerten: wie m^yny^--'- in der Tonhöhe +'^5? zwischen hinein auch tiefer, in Cj, z. B.: HiifliMy>j2jly><'-s-t XIII, 2, 1917 Stadler und Schmitt: Die Rufe der Mauersegler. 157 Unter jedem dieser Töne klingi ein helles metallisches Geräusch mit. Oder sie wimmern: ÜJ^LÜ^iU^Lü um f^ herum. Einmal wurde uns ein erwachsener Mauersegler gebracht, der von Hagelschlossen betäubt aufgefunden worden war. Als er, von seiner Betäubung erwacht, in die Hand genommen wurde, fauchte er: ^ f- etwa „fffsiiii" Das Fauchen geht unmerklich über in das siii; es klingt noch einen Augenblick unter dem siii fort. Seine Tonhöhe haben wir nicht bestimmt. Dieses Fauchen war uns vorher vom Turmsegler nicht bekannt. Nach unsern bisherigen Beobachtungen fauchen sonst noch Meisen, junge Wendehälse im Nest, junge Kuckucke, Nachtschwalben, Eulen, Reiher, Auerhahn, Gänse. 158 Gebhaidt; Fichtelgebirgsbeobachtuugen 1914. rVerh. Oru. |_ Cies. Bay. Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. Von Erwin Gebhardt (Nürnberg). Meinen langjährigen Wunsch, die alte Markgrafenstadt Bayreuth und das nahe Fichtelgebirge kennen zu lernen, konnte ich endlich im Frühjahr 1914 zur Ausführung bringen. Am Abend des 8. Juni in Bayreuth eingetrolfen, widmete ich den folgenden Tag der Stadt selbst sowie der eine Stunde westlich davon gelegenen „Fantasie" und fuhr am Spätnachmittag noch nach dem reizend gelegenen Berneck. Von dort führte mich am nächsten Morgen mein Weg das tiefeingeschniitene Tal des weißen Mains entlang über Gold- mühl, Röhrenhof und Bischofsgrüii auf den Ochsenkopf, dann nach Karches hinunter und wieder auf den Schneeberg, um endlich dem langsam abfallenden Gebirgskamm über Nußhardt (Nossert), See- hügel (Seehaus), Platte und Silberhaus nach Tröstau zu folgen, wo ich die Bahnlinie nach Wuusiedel erreichte. Von diesem Mittel- punkt des Fichtelgebirges ging es am folgenden Tage, dem 6. Juni, über die mit hübschen Anlagen, besonders Fichtenpflanzungen, ge- schmückte Katharinenhöhe nach Alexaudersbad, dann durch das einzigartige Felsgewirr der Luisenburg und über den Burgstein zum aussichtsreichen Kösseinegipfel, um von dort auf endlosem Wege zum gewerbereichen Markt Redwitz und damit zum Abendzug nach Hof zu gelangen. Nach kurzem Besuch des anmutig am Saalehang gelegenen Stadtparks „Theresienstein^' fuhr ich am fol- genden Tage von Hof über Oberkotzau und Martinlamitz nach Bahnhof Kircheulamitz und wanderte über Niederlarnitz, Kirchen- lamitz, den Epprechtstein und den Wolfstein zum (großen) Wald- stein. Von diesem Nordpfeiler des Fichtelgebirgs über Zell nach Reinersreuth hinabgestiegen, erreichte ich von dort mit der Eisen- bahn bald die Weberstadt Münchberg und abends noch Bayreuth. Der 8. Juni als letzter Reisetag war dann wieder der schönen Wagnerstadt und der ^/^ St. östlich davon gelegenen „Eremitage" gewidmet, zu der eine prachtvolle Allee über die durch Jean Paul bekannte Rollwenzelei führt. Die Umgebung Bayreuths ist landschaftlich sehr abwechs- lungsreicli und bietet mit ihren üppigen Wiesen und Feldern, den schön bewaldeten Anhöhen, den Tälern des roten Mains und mehrerer dort einmündenden Bäche sowie einer Anzahl von Weihern alle XIII/2, I Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. 159 Vorbedingungen zur Entfaltung einer reichen Vogelwelt. Beson- ders günstige Verhältnisse findet diese im schattigen und wasser- reichen Bayreuther Hofgarten, im romantischen alten Friedhof und in den Parken der beiden markgräflichen Lustschlösser Fantasie und Eremitage. Der Pai'k von Fantasie zeigt mehr Waldcharakter mit Vorherrschen der Rotbuche, während Eremitage mit seinen Wasserkünsten, Tempelbauten, künstlichen Bergen, Hainbuchen- hecken und uralten Baumrieseii ganz das Beispiel eines Rokoko- parkes ist. Was die von mir durchwanderten Teile des Fichtelgebirges betrifft, so herrscht bei Berneck das Laubholz vor und bis Röhren- hof begleitet noch ein Wiesenstreifen den weißen Main, dann aber verdrängt der Nadelwald alles andere. Bei Markt Redwitz, zwischen Rupprechtssteiu und Waldstein und bei Alexandersbad findet sich Föhrenwald, und den Waldstein bedeckt als einzigen Fichtelgebirgs- berg die Rotbuche. Sonst herrscht auf der Gebirgskette ausschließ- lich die Fichte, nur höchst selten einmal von Tanne oder Eberesche (Vogelbeerbaum) unterbrochen. Auch ist der Umtrieb dieser Fichten- waldungen ein verhältnismäßig kurzer, so daß man nur selten stär- keren als mannsdicken Stämmen begegnet. Dies alles trägt zu einer gewissen Einförmigkeit der Fichtelgebirgswaldungen bei, die sich auch in der Zusammensetzung der Vogelwelt widerspiegelt. Die von mir durchwanderten Ortschaften sind — mit Ausnahme der beiden einsamen AVald Wirtshäuser Karches und Silberhaus — natürlich alle von B^eldern und Wiesen umgeben, die bei Tröstan und Reinersreuth stellenweise stark versumpft sind. Bayreuth, Berneck, Wunsiedel, Alexandersbad, Hof und Münchberg besitzen schöne und ausgedehnte Anlagen. Was die Höhenlage betrifft, so liegt Bayreuth 345 m, Wunsiedel 600 m, Hof 500 m und Münch- berg 550 m hoch, während der Ochsenkopf 1024 m, der Schnee- berg 1053 m, die Kösseine 940 m und der Waldstein 880 m er- reichen; dabei ist auch immer die nördliche Lage dieses rauhen Landstrichs zu berücksichtigen. Ich konnte nur wenige, teilweise durch Regenwetter beein- trächtigte Tage in dem beschriebenen Gebiete verweilen. Da aber mein Besuch in die Brutzeit fällt und ich meine ganze Aufmerk- samkeit der Vogelwelt widmete, so dürfte mir doch nicht viel ent- gangen sein. Was mich vor allem zur Veröffentlichung dieser bescheidenen Beobachtungen veranlaßt, ist das fast völlige Fehlen von Arbeiten über die Vogelwelt des nordöstlichen Oberfranken. Auch glaube ich einige für das ehemalige Kurfürstentum Ba3a'euth neue Vogelarten (Girlitz, Haubenlerche und Sumpfrohrsänger) dort festgestellt zu haben. Sollten diese Zeilen jemand veranlassen, die Vogel weit dieses bei den Geologen so berühmten Gebietes zu durchforschen, so würde damit der Hauptzweck meiner Arbeit ei"- reicht sein. Auch dem Vogelkundigen wird das schöne Fichtel- 160 Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. PVerh. Om. L Ges. Bay, gebirge keine Enttäusclmng bereiten. Nachstehende Aufzählung mag ihm ein ungefähres Bild von der Zusammensetzung der dor- tigen Vogelwelt geben. 1. Cor Vit s corone corone L. Ein Schwärm von 10 Rabenkrähen kam n^.ir kurz hinter Bischofsgrün, einzelne Stücke bei Alexandersbad, Bayreuth, Eremi- tage, Fantasie, Goldmühl, Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Martin- lamitz, Niederlamitz und Wunsiedel zu Gesicht. Saatkrähe, Nebelkrähe und Dohle konnte ich nicht feststellen. Größere Raubvögel begegneten mir überhaupt nicht. 2. Gamilus glandariiis glandaritis (L.). Nur vor Bischofsgrün und am Epprechtstein traf ich einzelne Eichelhäher. Die Elster scheint im Fichtelgebirge zu fehlen. 3. Sturmis vulgaris vulgaris L. Der Star ist Brutvogel in Bayreuth, Berneck, Bischofsgrün (zwei flügge Junge gesehen), Eremitage, Fantasie, Goldmühl, Hof, Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Martinlamitz, Münchberg, Nieder- lamitz, Oberkotzau, Reinersreuth, Rollwenzelei, Tröstau, Wunsiedel und Zell, also nahezu in allen Ortschaften, die nicht mitten im Gebirge liegen. 4. Orioltis orioltis orioliis (L.). Den Pirol, der ja bergiges Gelände vermeidet, konnte ich nur im Park von Eremitage feststellen. 5. Chloris chlor is chloris (L.). Der Grünling findet sich als gewöhnlicher Brutvogel in allen Ortschaften mit größeren Gärten, so in Alexandersbad, Bayreuth (Hofgarten, alter Friedhof), Berneck, Eremitage, F'antasie, Hof („Theresienstein" zahlr.), Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Münch- berg, Niederlamitz, Reinersreuth, Rollwenzelei, Tröstau und Wun- siedel (zahlr.). 6. Carduelis earduelis carduells (L.). Seltener als der Grünling ist der Stieglitz, den ich in Alexanders- bad, Bayreuth (Hofgarten, alter Friedhof, Gärten am Bahnhof), Berneck,, Eremitage, Fantasie, Rollwenzelei und Wunsiedel beob- achtete; auch bei Bischofsgrün sah ich von fern einen Trupp Vögel, die mir Stieglitze zu sein schienen. 7. Acanthis eannahina cannahhia (D.). Hänflinge zeigten sich bei Kirchenlamitz, Markt Redwitz und Reinersreuth. XIII,^2, Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtungeu 1914. 161 8. Spinus spinus (L.). Den muntern Erlzeisig hoffte ich häufiger anzutreffen. Kurz vor Bischüfsgrüu sangen mehrere Zeisige in hohen Fichten und auf dem Waldsteingipfel ließ sich ein einzelnes cf auf ganz kurze Entfernung ruhig betrachten. Auch als Stubenvogel sieht man den Zeisig sehr häufig im Eichtelgebirg, Gimpel und Kreuzschnabel kamen mir auf meiner Wanderung nicht zu Gesicht, nur am Waldstein hörte ich Gimpellockrufe, hatte aber keine Zeit, ihnen weiter nachzugehen. 9. Serintis canarius gerwianlcus Laubm. Dem Girlitz als einer vordringenden Vogelart habe ich überall meine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Singende cfcf beob- achtete ich in Bayreuth im Hofgarten, im alten Friedhof und in Gärten beim Gaswerk, hinter dem Hofgarten und bei der Kreis- oberrealschule. Auch in Bayreuth — Altstadt, einem auch Alten- stadt genannten 1 km südwestlich von Bayreuth gelegenen Vororte, sang ein einzelnes cT- Viel mehr als ein Dutzend Paare dürften in Bayreuth kaum nisten, davon die meisten im alten Friedhof. An anderen Orten wie Hof, Markt Redwitz, Wunsiedel usw. konnte ich trotz aller Bemühungen keine Girlitze entdecken, auffallender- weise aber auch nicht in den so nah bei Bayreuth gelegenen Parken von Eremitage und Fantasie, wo die Vögel die günstigsten Lebens- bedingungen finden würden. 10. Frinffilla coelehs coelehs L. In fast sämtlichen von mir besuchten Ortschaften traf ich den Buchfink, und auch, wo ich ihn bei meinem schnellen Durchwandern zufällig nicht sah, dürfte er Brutvogel sein. Der Fink bewohnt aber auch in außerordentlicher Menge das ganze Gebirge bis auf die höchsten Spitzen. Es fällt sehr auf, diesen „Körnerfresser" so zahlreich an Örtlichkeiteu anzutreffen, deren Pflanzenkleid aus- schließlich aus hochstämmigen Fichten, aus Schw^arzbeeren (Vac- cinium myrtillus L.), Moosen und Flechten besteht. In Bayreuth und in Bischofsgrün waren die Jungen gerade ausgeflogen. Der Gesang der Fichtelgebirgsvögel ist kein hervorragender; am Ep- prechtstein brachte ein Stück die merkwürdige Strophe: zizizi istderistderzi. 11. Passer doniestic/iis domesticiis (L.). Der Haussperling kommt in Bayreuth, Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Goldmühl, Hof, Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Martin- lamitz, Münchberg, Niederlamitz, Oberkotzau, Reiuersreuth, RoU- wenzelei, Wunsiedel und Zell vor. In den höher gelegenen Ort- schaften tritt er nur spärlich auf oder verschwindet ganz. 11 162 Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtuito-en 191-1. TVerh. Orii. [ Ges. Bay. 12. Passer montanns monfanus (L.). Der kleine Feldsperling brütet in Bayreuth (bei der Lehrer- bildungsanstalt und im Hofgarten, wo er die für Meisen aufgehängten Nisthöhlen besetzt hat), in Berneck und in Fantasie. 13. J^jinheriza calandra ealandra L. Nur bei Münchberg hörte ich das eigenartige Lied des Grau- ammers, obwohl auch an anderen Plätzen für ihn geeignete Oit- lichkeiten gewesen wären. 14. Etnherisia eitrinella sylvestris Brehm. Wie überall, so ist der Goldammer auch in dem von mir be- suchten Gebiete ein häufiger Vogel, der sowohl Gärten als Wiesen als auch junge Waldschläge bewohnt. Ich konnte ihn bei Alexanders- bad, Bayreuth (Hofgarten, alter Friedhof), Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Fantasie, Goldmühl, Hof, Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Niederlamitz, Oberkotzau, Tröstau, Wunsiedel und Zell, sowie am Epprechtstein, der Kösseine und dem Waldstein feststellen. 15. Galerida eristnta rrisfata (L.). Haubenlerchen gab es nur in Bayreuth bei der alten Kaserne, bei der Oberrealschule und beim Langerweiher. An anderen Orten, wie z. B. Markt Redwitz, wo auch Sandboden nicht fehlt, suchte ich die geeigneten Plätze vergeblich nach dem Vogel ab. 16. Ltillula arborea arhorea (L.). Den lieblichen Gesang der Heidelerche vei-nahm ich nur bei Alexandersbad und am Epprechtstein. 17. Alauda arvertsis arvensis L. Wo Felder und Wiesen sind, wie bei Alexandersbad, Bischofs- grün, Eremitage, Kirchenlamitz, Markt Redwitz, Niederlamitz, Reinersreuth, Tröstau, Wunsiedel und Zell, da fehlt auch die Feld- lerche nicht. 18. Anthns trivialis tririalfs (Ij.). Wie alle Gebirgsgegenden, so besiedelt der Baumpieper auch das Fichtelgebirge in Menge. Singende cfcT ließen sich bei Alexanders- bad, Berneck, Bischofsgrün, Fantasie, Goldmühl, Markt Redwitz und Wunsiedel, am Burgstein, Epprechtstein, Nußhardt, Ochseukopf, Schueeberg, Waldstein und an der Kösseine hören. Besonders zahlreich war der Vogel am Ochsenkopf. Am Nußhardt sang ein Baumpieper die Schlußstrophe ist ist ist ... . vom Boden aus. Die Vögel der höheren Gebirgslagen sangen noch lebhaft, als die der Ebene schon ziemlich verstummt waren. 19. Anthtis 2>rrffen,s'i.s' (L.). Ein einziges Mal, am Glasenweiher bei Bayreuth, kam mir der Wiesenpieper zu Gesicht. Auf den vielen üppigen Wiesen des XTTT ? ~\ IQ 7 I Gebharrlt: Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. 163 Gebiets hoffte ich diesen Vogel, sowie Braunkehlchen und Grau- ammer, viel häufiger anzutreffen. 20. Motacilla cinerea cinerea Tunst. Die Gebirgsstelze kommt alszahlreicher Brutvogel bei Alexanders- bad, ßerneck, Bischofsgrün, Eremitage, Fantasie, Goldmühl, Karches, Röhrenhof, Silberhaus, Tröstau und Wunsiedel vor. Auf dem Ep- prechtstein und dem Wolfstein begnügt sie sich mit trüben Wasser- ansammlungen in den dortigen Steinbrüchen. Bei Goldmühl hatten die Vögel schon flügge Junge. — Eisvogel und Wasseramsel, die im Fichtelgebirge häufig sein sollen, konnte ich trotz alles Auf- passens nirgends bemerken : bei Goldmühl sollen 2 Paare Eisvögel brüten, wie mir ein dortiger Vogelliebhaber erzählte. 21. Motacilla alba alba L. Die Bachstelze findet sich bei Bayreuth (im Hofgarten, am roten Main und am Langerweiher), Berneck, Bischofsgrün, Fan- tasie, Kirchenlamitz und Zell. Auf dem Wolfstein bewohnt sie die gleiche Örtlichkeit wie die Gebirgsstelze. Gegen diesen Vogel tritt sie im Gebirge entschieden zurück. Flügge Junge sah ich in BajTeuth und Berneck. — Für dieSchafstelze dürfte das Gebiet zu bergig sein. 22. Certhia brarhydaetyla brachydactyla, Brehm. Der Gartenbaumläufer ist Brutvogel in Alexandersbad, Bay- reuth (Hofgarten), Berneck, Eremitage, Fantasie und RoUwenzelei. Besonders häufig war sein Liedchen im Park von Fantasie zu hören. — Auch der Waldbaumläufer dürfte im Fichtelgebirge (z. B. bei Bischofsgrün und Karches) vorkommen, doch war zur Zeit meines Besuches der Gesang wohl schon verstummt. 23. Sitta eavopaea caesia Wolf. Als ein seltenei' Vogel begegnete mir der Kleiber nur in Eremitage, Fantasie und auf dem Waldstein. In Eremitage fütterte er gerade ein flügges Junge und auf dem Waldsteingipfel sah ich ihn in einen hohlen Buchenast schlüpfen. 24. Parus major major L. In Alexandersbad, Bayreuth (Hofgarten usw.), Berneck, Er- emitage, Fantasie, Goldmühl, Hof, Markt Redwitz und Wunsiedel war die Kohlmeise ein gewöhnlicher Gartenvogel, der meist schon flügge Junge fühi'te. Nur bei der Luisenburg hatte sie — wohl verführt durch die günstige Nistgelegenheit — in einer im Fichten- hochwald angebrachten Berlepsch'schen Nisthöhle gebrütet und füt- terte dort bei meinem Hinkommen gerade ihre Jungen. 164 Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtuugen 1914. fVerh. Orn |_ Ges. ßay. 25. Parns raernleifs caeruletis L. Die Blaumeise koiiute ich nur in Bayreuth — Altstadt, Berueck, Eremitage, Fantasie und Hof feststellen. 26. I*arns ater ater L. Die häufigste Meise und wohl die zahlreichste Vogelart in den Fichtelgehirgswaldungen überhaupt ist die Tannenmeise. Bei Alexandersbad, Bischofsgrün, Fantasie, Markt Redwitz, Rtihrenhof und Silberhaus, am Burgstein, Epprechtstein, der Kösseine, der Luisenburg und dem Waldstein war das muntere Zwitschern dieses Vögelchens überall zu vernehmen. 27. Partis ('vistatus niitratus ßrehm. Die Haubenmeise bevölkerte Föhrenwald bei Alexandersbad, am Epprechtstein und bei Fantasie. 28. I*arus palttstris conminnw Baldenst. Sumpfmeisen zeigten sich in Gärten von Berueck, Fantasie, Goldmühl und Hof. — Schwanzmeisen kamen mir nirgends zu Gesicht. 29. I'avus atricapilltis salirarius Brehm. In meinen Aufschreibungen finde ich bei der Katharinenhöhe bei Wunsiedel ein Paar Sumpfmeisen mit flüggen Jungen erwähnt, die gedehnt nasal däh, däh lockten ^). Es besteht für mich kein Zweifel, daß es sich hier um die Weidenmeise handelt, die ich seitdem auch in der weiteren Umgebung Nürnbergs (Gnadenberg, Neumarkt i. Opf.) kennen gelernt habe. Wenn Parus atricapillus salicarms Brehm auch noch nicht durch Belegstück für Bayern nachgewiesen ist, so glaube ich doch die bei "Wunsiedel beobach- teten Vögel zu dieser Art, die ja nach Stücken aus Renthendorf im nahen Thüringen beschrieben ist, ziehen zu müssen^). 1) Neuerdings hat auch C. Linduer (Falco 11, Nr. 2, Dez. 1915, p. 22) die ^V^eidenmeise in der Gegend von Wunsiedel festgestellt. — C. E. H. ^) Sorgfältige Untersuchung oberfränkischer Stücke erscheint dringend ge- boten. Sieben April- Vögel aus der Gegend von Viechtach im Bayer. Wald unter- scheiden sich weder in der Größe noch in der Färbung von einer großen Suite oberbayerischer Stücke aus derselben Jahreszeit und sind unbedingt zu F. a. suh- montanus zu stellen. Wie sich diese Form zum eigentlichen F. a. salicarius ver- hält, läßt sich heute nicht mit Sicherheit beantworten. Zwei alte Vögel aus Altenburg, die ich dank dem Entgegenkommen des Herrn Hildebrandt un- längst zu untersuchen in der Lage war, scheinen dem F. a. rhenunus Klschui. aus der Rheingegend und dem nordöstlichen Frankreich näher zu stehen als dem F. a. submontanus, Avas indessen auf Zufall l)ei-uhen mag. Die Berechtigung der Form submontanus wie auch des neuerdings abgetrennten F. a. natorpi Klschm. aus Schlesien wird sich erst beurteilen lassen, wenn eine ausreichende Serie frischer Bälge des F. a. salicarius aus Thüringen zur Verfügung steht. Die aus der Brehm 'sehen Sammlung stammenden, infolge Alters fuchsig gewordenen Exemplare sind für Vergleichungszwecke nahezu wertlos. — C. E. H. ■^^P' ''^' GebharcU: Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. 165 30. Mer/nlus regiilus reyulus (L.). 31. Regtilus ignivapillus if/nicapillus (Tenim.). Beide Arten — an ihrem Gesang leicht unterscheidbar — sind eine gewöhnliche Erscheinung im Fichtelgebirge, ohne daß in bezug auf Höhenlage und Standort nennenswerte Unterschiede festzu- stellen wären, doch überwiegt das Wintergoldhähnchen entschieden an Zahl. Ich hörte Wintergoldhähnchen bei Bischofsgrün, Markt Redwitz, Röhrenhof, Silberhaus und Wunsiedel (Katharinenhöhe), auf dem Burgstein, dem Epprechtstein, der Kösseine, der Luisen- burg und dem Waldstein, Sommergoldhähnchen hingegen bei Alexandersbad, Bischofsgrün, Karches, Röhrenhof und Silberhaus, auf der Kösseine, dem Ochsenkopf und dem Waldstein. Besonders zahlreich war das Sommergoldhähnchen kurz vor Bischofsgrün und bei den Weißmainfelsen unweit Karches, 32. Lantus collurio collurio L. Nur ein einziges Mal, kurz vor Markt Redwitz, begegnete mir der Neuntöter, der ja überhaupt die letzten Jahre überall recht selten geworden ist. 33. Muscicaxxi ficedida ficedida (L.). Den grauen Fliegenschnäpper sah ich in Gärten von Alexanders- bad, Bayreuth (Hofgarten, alter Friedhof, Gärten an der Kanal- straße), Bernec]k, Eremitage, Goldmühl und Hof. Bei Fantasie traf ich ihn — wie schon vor Jahren bei Nürnberg — an zwei Stellen mitten im Föhrenhochwald. 34. Phylloscopns collyhita collybita (Vieill.). Des Weidenlaubsängers munteres Zilpzalp erklang bei Alexan- dersbad, Bayreuth (Hofgarten), Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Fantasie, Markt Redwitz und Wunsiedel (Katharinenhöhe zahlr.), am Epprechtstein, der Kösseine (zahlr.) und dem Waldstein. 35. Phylloscojyus trochilus trochilus (L.). Der Fitis, der junge Föhrenschläge über alles liebt, ließ seinen lieblichen Gesang in Bayreuth (Gärten am Bahnhof), bei Berneck, Eremitage, Fantasie (zahlr.), Karches, Markt Redwitz, Münchberg, Tröstau und AVunsiedel, am Epprechtstein (zahlr.), der Luisenburg und dem Waldstein vernehmen. 36. Phylloscojms sihilatrix sibilatrix (Bechst.). Der Waldlaubsänger bewohnt als dort zahlreicher Vogel Buchen- bestände in den Parken von Eremitage und Fantasie und auf dem Waldsteingipfel. Der Gesang der Fantasievögel klang schon recht stümperhaft. 166 üebhardt: Fichtclgebirgsbeobachtiingon 1914. 1 ^ Veih. Olli. tgs. Bay. 87, Acroc€2yhalus italnsfris (Bechst.) Mehrere herrlieh singende Sumpfrohrsängei- fand ich zu meiner Überraschung am Mistelbach gleich unterhalb des alten Friedhofs in Bayreuth. Das Bachufer ist dort von einigen alten Weiden und spärlichem Gebüsch eingefaßt. 38. Hypolais uterina (Vieill.). Der Gartenspötter ist ein zahlreicher Brutvogel in den An- lagen und Gärten von Alexandersbad, Baj^reuth (Hofgarten, alter Friedhof, Gärten beim Justizgebäude), Berneck, Eremitage, Fan- tasie, Hof (Theresienstein), Kirchenlamitz, Münchberg, Oberkotzau, Reinersreuth, Wunsiedel und Zell. Im alten Friedhof von Bayreuth traf ich am 4. Juni eben flügge Junge. 39. Sylvia hippolais Jiijyj^olais (L.). Die Gartengrasmücke ist nicht nur die häufigste der Gras- mücken, sondern einer der zahlreichsten Vögel des Gebiets über- haupt. An den meisten Örtlichkeiten ließen mehrere cTcT zugleich ihren lebhaften Gesang vernehmen und so fehlte sie nicht in Alexandersbad, Bayreuth (Hofgarten, alter Friedhof), Berneck, Eremitage, Fantasie, Goldmühl, Hof, Karches, Markt Redvvitz, Münchberg, Röhrenhof und Wunsiedel, sowie am Epprechtstein und Waldstein. 40. Sylvia atricapiUa afrirapilla (L.). Schwarzplättchen begegneten mir nur am weißen Main zwischen Röhrenhof und Bischofsgrün, der einzigen Strecke, die ihren Lebens- bedingungen (Wasser, Schatten und dichtes Gebüsch) zu entsprechen scheint. 41. Sylvia cornmiinis coni/intmis Lath. Dorngrasmücken traf ich — meist am Wasser — bei Alexauders- bad, Bayreuth (am roten Main in der Au und am Langerweiher), Berneck, Eremitage, Fantasie, Kirchenlamitz, Tröstau und Zell. 42. Sylvia riirrtica ctwruca (L.). Die Zaungrasmücke kommt in Bayreuth (Hofgarten, alter Fiied- hof, Gärten bei der Luitpoldschule), Berneck, Eremitage und an der Kösseine vor. 43. Tnrdus inscivortts viscivovus L. Die Misteldrossel ist die zahlreichste Drosselart im Fichtel- gebirge, wo mau überall ihren vollen, etwas eintönigen Gesang hören kann, so bei Bischofsgrün, Röhrenhof und Silberhaus, am Epprechtstein, der Kösseine, dem Ochsenkopf, der Platte, dem Wolfstein und dem Waldstein. Sie fehlte aljer auch nicht im ebenen Föhrenwalde bei Fantasie und Markt Redwitz. Bei Fan- tasie traf ich ^\\ggQ Junge und bei Röhrenhof kam ein solches auf ^^^^' "' Gebhardt : Fichtelgebirgsbeobachtungeu 1914. J 67 wenige Schritte an mich und die dortigen Häuser heran. — Die Wachhülderdrossel kommt angeblich am „Hochberg" bei Goldmühl vor, wie mir ein dortiger Vogelliebhaber versicherte. 44. Turdtrs philomelos philomelos Brehm. Sehr zahlreich traf ich auch die Singdrossel an, so bei Berneck, Bischofsgrün, Goldmühl, Markt Redwitz, Silberhaus und Wunsiedel, am Epprechtstein, der Kösseine, dem Ochsenkopf und dem Wald- stein, Bei Silberhaus ließen auf kurzer Strecke sechs cTcT ihren herrlichen Gesang erschallen. Auf der Katharinenhöhe bei Wun- siedel sah ich flügge Junge. 45. Planesticus nierula fiiertda (L.). Als gewöhnlicher Gartenvogel brütet die Amsel in Alexauders- bad, Bayreuth, Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Fantasie, Hof, Münchberg und Wunsiedel. Das eigentliche Gebirge meidet sie und wird dort durch Singdrossel und Misteldrossel vertreten; Silber- haus (700 m) war dort der einzige Punkt, wo ich eine Amsel hörte. 46. Saxicola riibefra rubetra (L.j. Braunkehlchen stellte ich in Bayreuth (am Mistelbach oberhalb der Ruckleinsniühle und beim alten Friedhof, sowie am Glasen- weiher), Bischofsgrün (1 Paar), Fantasie und Niederlamitz fest. — Schwarzkehlchen begegneten mir nicht. Dagegen glaube ich einen Steinschmätzer in einer Ziegeleilehmgrube oberhalb der Ruckleins- mühle gesehen zu haben; doch war die Entfernung zu groß für eine sichere Bestimmung. Die zahlreichen Granittrümmerhalden des E'ichtelgebirges würden jedenfalls auch vom Steinschmätzer zahlreich bewohnt werden, wenn sie nicht durchwegs mit schattigem Fichtenhochwald bestanden wären. 47. Phoenif'iirus phoenicuriis phoenieurus (L.). Der schöne Gartenrotschwanz nistet in Bayreuth (Hofgarten), Berneck, Eremitage und Fantasie, in den Steinbrüchen am Ep- prechtstein und auf der Kösseine, wo ich ihn gleich unterhalb des Gipfels (940 m) auf einem Holzstoß sitzen sah. 48. Phoenieurus oehruros gibraltariensis (Gm.). Der Hausrotschwanz bewohnt als zahlreicher Brutvogel Alexan- dersbad, Bayreuth, Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Fantasie, Goldmühl, Hof, Kirchenlamitz, Münchberg, Niederlamitz, Röhren- hof, Rollwenzelei, Wunsiedel und Zell. In den Steinbrüchen auf dem Epprechtstein und im alten Friedhof von Bayreuth sah ich eben Mg^e Junge. 49. Erithaeus rubecula riibecnla (L.). Wie nicht anders zu erwarten, ist das Rotkehlchen in großer Menge über das ganze Gebiet verbreitet. Ich beobachtete es in 168 Gebhardt: Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. ^'^^'^- ^^'"• L Ges. Bay. Bayreuth (Hofgarten), bei Berneck, Biscbofsgrün, in Eremitage und Fantasie, bei Karches, Röhrenbof und Silberhaus; ferner am Burg- stein, der Kösseine, der Luisenburg, dem Ochsenkopf, dem Wald- stein und dem Wolfstein. Besonders zahlreich war der Vogel bei Karches sowie zwischen Röhrenhof und Bischofsgrün, wo es viele schönsingende Wipfelsänger gab. 50. JPrtineUa modtilaris modiilaris (L.). Im ebenen Franken ein seltener Vogel, der erst die letzten Jahre mit dem vermehrten Anbau der Fichte zuzunehmen scheint, kann man die Heckenbraunelle im Fichtelgebirge so recht kennen lernen. Jungfichtenpflanzungen auf bergigem Gelände bieten ihr dort die erwünschte Nistgelegenheit. Braunellen traf ich bei Bischofsgrün und Röhren hof, am Eppr echtstein, der Kösseine. der Luisenburg, dem Ochsenkopf, dem Schneeberg und dem Waldstein. Besonders zahlreich war der Vogel in einem etwa mannshohen, aus Fichten und Föhren gemischten Bestand am Epprechtstein. Sein ziemlich klangloser Gesang hat mich eigentlich enttäuscht. 51. Troglodytes troglodytes trogloiJytes (L.). Dem Zaunkönig bietet das Fichtelgebirge in den Zwischen- räumen der zahlreichen Granitfelsen reiche Nistgelegenheit. Er findet sich bei Alexandersbad, in Bayreuth (Hofgarten, alter Fried- hof), bei Berneck, Bischofsgrün, Eremitage, Goldmühl, Röhrenhof und Wunsiedel, am Epprechtstein, der Kösseine, der Luisenburg, dem Ochsenkopf, dem Waldstein und dem Wolfstein. 52. Hirundo fustica rtisticfi L. Die Rauchschwalbe besiedelt das Gebiet verhältnismät^ig spär- lich und brütet in Alexandersbad, Bayreuth (am Röhrensee), Berneck, Goldmühl, Hof, Markt Redwitz, Münchberg, Niedei-lamitz, Reiuers- reuth, Wunsiedel und Zell. 53. Delichon urhica urbica (L.). Die in Gebirgsgegenden gewöhnlich häufigere Mehlschwalbe fand ich nur in Alexandersbad, Bayreuth (am Glasen weih er), Fan- tasie, Niederlamitz, Tröstau und Zell. 54. Micropus apus apus (L.). Der Mauersegler ist ein zahlreicher Brutvogel in Bayreuth, Berneck, Bischofsgrün, Hof, Markt Redwitz, Münchberg, Nieder- lamitz, Oberkotzau, Reinersreuth und Tröstau. 55. Ctirulus cffnorus canorns L. Der Kuckuck war überall recht häufig und oft riefen zwei Kuckucke zu gleicher Zeit. Am Waldstein rief ein Stück: Käckuckuck. Bei ■^^^^' ^' Gebhardt: FichtelgebirgsbeobachtuDgen 1914. 169 Bischofsgrün, Fantasie, Kirchenlamitz, Silberhaus und Wunsiedel, am Epprechtstein, der Kösseine, Luisenburg, Platte und dem Wald- stein hörte ich Kuckucke. In Goldmühl erzählte mir ein Vogel- liebliaber, daß er dort einen jungen Kuckuck in einem Zauukönignest gefunden habe. Da der biedere Mann aber den Kuckuck zu den Raubvögeln zählte, habe er ihn schnell „rausgeräumt", d. h. um- gebracht. 56. Picus viridis 2^'i'^^ctoruin (Brehm). Aus eingangs erwähnten Gründen finden sich Spechte in den Fichtelgebii'gswaldungen nur selten und so konnte ich auch den sonst so häufigen Grünspecht nur bei Berneck, Fantasie und Markt Redwitz feststellen. — Unverkennbare Schwarzspechtspuren be- merkte ich an Bäumen am Epprechtstein und am Ochsenkopf, doch war keiner der Vögel zu sehen oder zu hören. 57. JJryobates major lylnetoruni (Brehm). Nur ein einziges Mal, am Epprechtstein, begegnete mir der große Buntspecht. 58. Anas platyrhynchos platyrhynclios L. Als ich mich vorsichtig auf dem Bauciie an den Rand des Glasen weihers bei Bayreuth geschlichen hatte, sah ich darin zu meiner Freude zwei Stockentenweibchen mit zusammen etwa 20 halbgroßen Jungen herumschwimmen, die aber bei meinem Anblick schleunigst ins Schilf flüchteten. 59. Podiceps ruflcollis rtiftcollis (Pall.) Trillernde und tauchende Zwergtaucher belebten zwei Weiher bei Tröstau; auch im Glasenweiher bei Bayreuth schien mir der Vogel vorzukommen, doch konnte ich ihn dort nicht sicher fest- stellen. 60. Vanellus vanellus (L.). Kiebitze scheuchte ich mehrmals auf einer sumpfigen Wiese zwischen Zell und Reinersreuth auf. Auch auf den zahlreichen Fichtelgebirgsmooren, die ich leider nicht besuchen konnte, soll der Vogel zahlreich sein. 61. Ftilica atra atra L. Bläßhühner schwammen in Teichen bei Alexandersbad, Bay- reuth und Tröstau umher. Im Südosten von Bayreutli, zwischen dem Frankengut und der Haltestelle Kreuzstein, finden sich zwei vom Sendelbach durchflos- sene, von üppigen Wiesen umgebene, stark verschilfte Weiher: der Langerweiher und der Glasenweiher. Ersterer ist in zwei Hälften 170 Gebhardt: Fichtelgebirgsbcobachtungen 1!)11. fVerh. Olli. [_ Gey. Bay. geteilt, deren nördliche als Garnisonsschwimmanstalt dient; der etwas höher gelegene Glasenweiher ist vou alten Weidenbäunien dicht umgeben. Im Langerweiher vergnügten sich ein Paar Bläli- hühner mit sechs halbwüchsigen Jungen und auch im Glasenweiher sah ich außer den Stockenten drei alte und ein junges ßläßhuhn. Hoffentlich bleibt dieses so nah bei der Stadt gelegene Idyll noch recht lange ungestört. Dies ist alles, was ich während meinei- kurzen Wanderung sicher feststellen konnte. Ein längerer Aufenthalt in dem schönen Baj^-euth und dem Fichtelgebirge düifte die Zahl der von mir beobachteten Arten unschwer vermehren lassen und wird wohl niemand gereuen. XTTI 2 ~\ ' ' I Stresemann : Entfenmngsiuesser zur Ermittelung der Flughöhe. 171 Die Verwendbarkeit des Entfernungsmessers zur Ermittelung der Flughöhe. Von Erwin Stresemann. Im vorhergehenden Heft dieser Zeitschrift (Verh. 0. G. Bd. XIII, p. 50) habe ich betont, daß die Höhe des Vogelfluges, sobald der- selbe den vertikalen Abstand von etwa 100 m übersteigt, durch Beobachtungen von der Erde aus nicht mit einiger Sicherheit fest- gestellt werden könne. „Wir sind", so hob ich hervor, „auf die gelegentlichen Beobachtungen der Luftschiffer angewiesen, wenn es sich darum handelt, zuverlässige Daten über die von den Vögeln aus verschiedenem Anlaß eingenommenen größeren Höhen zu er- halten." Diese Bemerkung bedarf einer Berichtigung. Die ungeahnte Entwicklung, welche die Luftwaffe während des Krieges erfahren hat, hat auch den Ausbau und die rasche Vervollkommnung des Abwehrdienstes zur Folge gehabt. Hierin fällt eine wichtige Aufgabe dem Entfernungsmesser zu, mit dessen Hilfe es möglich ist, die Entfernung des Luftzieles vom Abwehr- geschütz festzustellen. Die Konstruktion des zur Zeit gebräuch- lichsten, des monokularen Entfernungsmessers beruht auf dem Prinzip, daß der Winkel gemessen wird, in dem zwei von einer kurzen Basis ausgehende Sehlinien sich im Ziele schneiden. Aus der so ermittelten Entfernung und dem Geländewinkel (der durch die Horizontale und die durchs Ziel laufende Sehlinie gebildet wird) ergibt sich die Höhe des Zieles. AVenn c die Entfernung, a der Geländewinkel, h der vertikale Abstand des Zieles von der Horizontalen ist, so gilt die Formel: h = c-sin. a Der Geländewinkel kann unmittelbar am Entfernungsmesser selbst abgelesen werden, indem man an letzterem ein Pendel und einen Kreisbogen mit Gradeinteilung anbringt. Eine Tabelle oder ein Diagramm mit Eintragung der Gradzahlen und Entfernungs- zahlen ermöglicht die rasche Ermittelung der Höhe. Zur Feststellung der Flughöhe größerer Vögel ist dieses In- strument äußerst geeignet. Dem Luftschiffer wird nur der Zufall 172 Streseinann: Enlfeiuungsme.s8er zur Ermittelung der Flughöhe. 1 ^' ' '"' einmal in größerer Höhe Vögel in den Weg führen; er wird ihre Flughöhe auch nur dann mit einiger Genauigkeit feststellen können, wenn das Beobachtungsobjekt in nicht zu großer seitlicher und in höchstens 100 — 200 m betragender vertikaler Entfernung an ihm vorüberfliegt. Gewöhnlich (jedoch nicht immer!) werden die Vögel, besonders die größeren, es vermeiden, sich in eine solche Nähe des Ballons zu begeben und gegebenenfalls ihre Flugrichtung ändern. Ich bemerkte bereits früher (1. c. p. 51), „daß die Er- scheinung des Fesselballons auf die meisten Vögel schreckhaft wirkt oder sie doch wenigstens (wie z. B. die Mäusebussarde) ver- anlaßt, sich bei ihren Flugspielen in weiter Entfernung davon zu halten". Mit Hilfe des leicht tragbaren und an jedem beliebigen Punkt anfstellbaren Entfernungsmessers dagegen ist es möglich, die Flughöhe eines selbst viele Kilometer entfernten Vogels auf etwa 100 m genau einznmessen. Dieser Umstand begünstigt seine praktische Verwendbarkeit im Dienste der Ornithologie in hohem Maße. Der Entfernungsmesser ermöglicht jedoch nicht allein die Messung der Flughöhe, sondern auch die der Fluggeschwindigkeit eines geradlinig vorwärtsstrebenden Luftzieles. Sie wird dadurch ermittelt, daß man 2 Punkte der B'lugbahn (A u. B) einmißt und mit Hilfe eines Richtkreises, um den der P^ntfernungsmesser dreh- bar angebracht wird, den Winkel festgestellt, unter dem sich die Sehlinien zu A u. B im Entfernungsmesser schneiden. Der zurück- gelegte Weg entspricht dann der dritten Seite eines Dreiecks, von dem 2 Seiten (die Zielentfernungen) und der eingeschlossene Winkel bekannt sind. Aus Weg und Zeit ergibt sich die scheinbare Fluggeschwindig- keit, d. i. die Schnelligkeit der Verschiebung gegen die Erde. Um die aktive Fluggeschwindigkeit des Vogels berechnen zu können, ist es notwendig, die Stärke der Luftströmung, in welcher sich der Vogel bewegt, und deren Richtung zu kennen. Bei dem Interesse, welches der Flug der Vögel und seine Abhängigkeit von meteorologischen Bedingungen beanspruchen darf, erscheint es wünschenswert, daß der Entfernungsmesser künftig auch in den Dienst der Ornithologie gestellt wird. Die Beobachtungsanstalten des Vogelzuges, wie Rossitten und Helgo- land, würden mit seiner Hilfe ihre Tätigkeit um ein neues und anregendes Gebiet erweitern können. Die rasche und genaue Bedienung des Gerätes erfordert eine gewisse Übung; die Schwierigkeit der Messung wächst mit der Beweglichkeit und Kleinheit des Objekts. Vögel bis hinab zur Größe einer Krähe sind nicht schwer zu fassen, falls ihre Flug- bahn von der geraden Linie nicht wesentlich abweicht. Dem Geübten gelingt es jedoch auch, einen enge Spiralen beschreiben- den Raubvogel einzumessen. Da die Entfernungsmesser mit einem XIII 2 1 '^ ' I Stresemanu: Entfernungsmesser zur Ermittelung der Flughöhe. ^73 stark annähernden Linsensystem ausgestattet sind, so bilden selbst bedeutende, mehrere Kilometer betragende Entfernungen für die Messung kein Hindernis. Seit kurzem habe ich Gelegenheit, die Verwendbarkeit des geschilderten Gerätes gegen Vögel zu erproben. Die Flughöhe kreisender Bussarde stellte ich in mehreren Fällen als 300 bezw. 400 m fest; der Vogel schwebte dabei einmal in einer Entfernung von 4 km und war mit bloßem Auge nur noch als Punkt erkenn- bar; dennoch war eine zuverlässige Messung möglich^). Andere lohnende Objekte haben sich mir in dem kurzen Zeitraum nicht dargeboten. Ein Unteroffizier, der den Dienst am Entfernungs- messer versieht, gab mir jedoch an, er habe im vergangenen April wiederholt ein Storchenpaar unweit Mülhausen beobachtet, wie es vom Nest sich in große Höhen aufschraubte, um sich dann rasch ins Dollertal herabzulassen, und in einem Falle die erreichte Höhe über dem Tal als 1200 m Ijestimmt. ') Manchmal schrauben sich die Mäusebussarde jedoch zu weit beträcht- licheren Höhen auf. Ein Luftschiffer-Offizier erzählte mir, sein Ballon sei ein- mal im Oberelsaß in 1100 m Höhe von 2 Bussarden umflogen worden; und ein Flieger ist seiner Versicherung nach eines Tages 1800 m über dem Rheintal bei Neu-Breisach einem „Habicht" begegnet, womit aller Wahrscheinlichkeit nach ein Bussard sjemeint war. 174 Dom&me^ski: Sil.tatuinpa(u( /iniiiei/eri K&\t.\n\dVcrv>'am\te. I L Ges. Orii. Bay. Sitta europaea homeyeri Hart, und verwandte Formen. Von Janusz von Domaniewski (Warschau). Im Sommer 1913, während meiner ornithologischen Forschungen im Kreise Pinsk, widmete ich meine besondere Aufmerksamkeit den Kleibern jener Gegend. Ich kam unmittelbar aus dem König- reich Polen und bemerkte sofort, daß die Vögel von Pinsk sich von den Kleibern, die ich dort angetrotfen hatte, ganz deutlich durch die blassere Färbung der Unterseite unterschieden. Nach Warschau zurückgekehrt, untersuchte ich das im Museum der Grafen Branicki vorhandene Material aus Polesien, Wolhynien, Podolien, dem Königreich Polen und Galizien, welches zu- sammen mit meinem eigenen mich davon überzeugte, daß die Kleiber des Königreichs Polen und Galiziens einer Form, die der östlichen anschließenden Provinzen einer zweiten, deutlich ver- schiedenen angehören. Die letztere beschrieb ich als besondere Unterart und nannte sie Sitta europaea sxtolcmani. Damals machte ich darauf aufmerksam, daß Hart er t uuter Sitta cnropaea homeyeri wahrscheinlich beide Formen vereinigt hatte. Zu diesem Schlüsse führten mich die Angaben dieses Autors über die geographische Verbreitung der S. e. homeyeri: „Russische Ostseeprovinzen, Ost- preußen, Polen (Serie aus der Krim nicht untersucht'^), (Die Vögel der paläarkt. Fauna. Bd. I, p. 330). Ungefähr dasselbe sagt Hellraayr: „Westliches Rußland (Livland, Kurland, Polen), Ost- preußen, nach Seebohm auch in der Krim, wohl überhaupt im südwestlichen Rußland" ') {Paridac, Sittidae und Certhiidae, p. 177). Um die Aufmerksamkeit der russischen Ornithologen auf die in- teressante Frage der Verbreitung und die verschiedenen geo- graphischen Formen des Kleibers zu lenken, veröifentlichte ich ^) Erklärend sei hier bemerkt, daß Hartert und Hellraayr ausschließlich ostpreußische Stücke aus eigener Anschauung kannten. Wenn diese Autoren die Verbreitung der S. e. hnmeyeri — wie wir heute wissen, irrtümlich — auf Polen , Kurland und Livland ausdehnten , so geschah dies nach Angaben in der Literatur, namentlich bei Taczanovvski und Seebohm, die auf die genannte Form zu weisen schienen. — C. E. H. ' "' I Dornaniewski : Sitta eniopaea //o»/e?/e;-/ Hart, und Verwandte. 175 den Artikel auch in russischer Sprache (Messager Ornithologique, Moskau 1915, Nr. 2). Obwohl icli in meinen beiden Arbeiten darauf hinwies, daß die Greuzen zwischen Sitta europaea homeyeri und Sitta eurojmea sztolcmnni einerseits und Sitta europaea sxtolana/fd und Sitta euro- paea europaea andererseits nicht scharf geschieden sind, schien es mir doch geboten, die beiden Formen zu trennen. In der letzten Zeit schrieb über die geographische Verbrei- tung und »Systematik des Kleibers Prof. A. Reichenow, welcher in dieser Frage einen völlig anderen Standpunkt einnimmt. Da ich mit der Beweisführung dieses Gelehrten nicht ein- verstanden bin, fühle ich mich gezwungen, noch einmal in dieser Sache das Wort zu ergreifen. In Nr. 9 „Orn. Monatsb." 1916 schreibt Reichenow folgendes: Sitta caesia sordida Rchw. „Diese norddeutsche Kleiberform ist bisher verkannt worden und mit S. caesia irrtümlich zusammen geworfen. Wie in der Urbeschreibung (Journ. f. Orn. 1907, 312) bemerkt, unterscheidet diese F'orm sich von der typisclien S. caesia durch eine blasser und unrein ockergelblich gefärbte Unterseite, während der Ton der Unterseite bei der typischen S. caesia lebhaft und rein ocker- gelb bis hellzimtfarben ist und in den Farbenton von S. caucasica übergeht. 5. caesia ist über Ungarn, Rumänien und Niederöster- reich und über das westliche Deutschland verbreitet, S. caesia sordida über Ostdeutschland, Mark, Mecklenburg, Pommern, Schlesien, West- und Ostpreußen und Posen bis Westrußland. Nach Westen geht die Form sordida in die Färbung der typischen caesia über, nach Osten wii'd sie blasser und geht in S europaea über, dereu Verbreitung in Ostpreußen und Westrußland beginnt. Solche Übergangsformen mit blasser, isabellfarbener Unterseite sind S. homeyeri genannt worden. ,,Aus Bialowies liegen mir4crcr und 3 $$ vor, gesammelt am 15., 17., 19. und 21. XI. und 7. XII., ferner ^ g von Koutschizy bei Pinsk vom 29. XII. Die Vögel zeigen zum Teil den gleichen Ton der Unterseite wie mitteldeutsche Vögel, zum Teil sind sie blasser (Form homeyeri). Zu bemerken ist ausdrücklich, daß die 5$ unterseits nicht blasser gefärbt sind als die cfcf- Von beiden Geschlechtern sind sowohl dunkler wie blasser gefärbte Stücke vorhanden. ,T Sitta europaea L. 1 cT aus Bialowies vom 23. XI. Der Bauch ist schwach rahmfarben verwaschen, was auch bei skandinavischen Vögeln vorkommt. Da der Vogel im Winter erlegt ist, so könnte es sich wohl um einen Strichvogel handeln. Herr B\)rstrat Escherich schickte mir aber ein altes g und ein junges $ vom 8. V., wodurch der Beweis erbracht ist, daß 17G Domaniewski : Sitta europaea homeyeri Hart, und Verwandte. rVerh.brn. |_ Ges. Bay. 8. europaea neben S. c. sordida in Bialowies brütet. ITerner liegen Beweise dafür vor. daß beide Formen sich miteinander paaren, woraus dann die Übergänge (homeijerl) entstehen mögen. Darauf will ich an anderer Stelle näher eingehen." Ungefähr dasselbe schreibt Reichenow im „Jouru. f. Ornith." Heft 3, Jahrg. 191G, p, 3(33: „In OstpreuLsen und im westlichen Rußland (Gegend von Bialowiesh und Pinsk) kommen Kleiber mit i-ein weißer oder fast weißer Unterseite voi', die von der ty[)i- schen S. europaea nicht zu unterscheiden sind, andererseits Vögel, die durchaus mit S. caesia sordida .übereinstimmen und endlich Stücke mit bald stärker, bald schwächer ockergelblich ver- waschener Unterseite. Solche Vögel hat man als S. europaea homeyeri [Seeb.] Hart. (S. caesia homeyeri [Seeb.] Hart. Ibis, 1892, 364) bezeichnet. Bei dem Abändern der Lebhaftigkeit des ockergelblichen Tones der Unterseite kann man aber nicht wohl von einer besonderen Form sprechen, vielmehr handelt es sich anscheinend um Übergänge, die durch Vermischung von S. europaea und 8. caesia sordida in den Grenzgebieten ihrer Verbreitung ent- stehen.'' Zuletzt („Orn. Monatsber. 1917, p. 55) kommt Reichenow noch einmal auf die Sache zurück und behauptet ungefähr das- selbe, nur mit dem Unterschied, daß er nur einen Teil von Ost- preußen als Brutgebiet von 8. sordida bezeichnet. Aus obigen Anführungen geht also hervor: 1. Reichenow will die Form, welche Hartert 8itta europaea homeyeri nennt, nicht anerkennen, 2. unterscheidet auch die Form nicht, welche ich 8itta europaea sxtolcmani nenne; 3. betrachtet den Kleiber, welcher in Ostdeutsch- land (Mark Brandenburg, Pommern, Mecklenburg, Schlesien, Westpreußen, Ostpreußen, Posen) und in Polen lebt, als eine be- sondere Form, die er 8. caesia sordida nennt; 4. trennt die jetzt allgemein als eine Ai-t angenommene *S'. europaea L. in zwei Arten: 8. europaea L. und Sitta caesia Wolf, ohne näher auszu- führen, warum er das tut. Keiner dieser Auffassungen vermag ich mich anzuschließen, und werde versuchen, meinen abweichenden Standpunkt zu be- gründen. Zunächst, was die 8. caesia sordida Rchw. anbetritft: Un- längst schickte mir Reichenow ein Exemplar der 8. sordida (Bromberg 10. IX. 03, ö" coli. K. Kothe). Beim Vergleich dieses Vogels mit Vögeln aus dem Königreich Polen machen sich gewisse Unterschiede bemerkbar, und zwar: Bei gleich kräftigem, ocker- gelblichem Tone der Unterseite hat dei- Vogel aus Bromberg noch einen leisen schmutzig grauen Anflug auf der Unterseite, was ich bei den Vögeln aus dem Königreich Polen und Galizien nie beobachtet habe. Wenn wirklich alle Vögel aus Brandenburg, Mecklenburg, Pommern, Schlesien und West- XIII 2 ~\ '^ ' I Domaniewski : Süta europaea homeyeri Hart, und Verwandte. 177 preußen dem Vogel, welchen ich vor mir habe, hierin gleichen, müßte man sie allerdings als eine besondere Form unterscheiden. Nebenbei füge ich hinzu, daß Hartert die von Reichenow aus Norddeutschland beschriebene sordida mit S. caesia zusammenfaßt. Wenn Sitta sordida in ganz Ostpreußen nistet, so ist der Name sor- dida nomenklatorisch nur ein Synonym zu Sitta homeyeri Hart. Wenn aber sordida wegen des schmutzigen Anfluges auf der Unter- seite sich als eine besondere Form erweisen sollte, so kann man sie keinesfalls mit der Form, die das Königreich Polen und Galizien be- wohnt und eine rein ockergelbe Unterseite hat, zusammenwerfen. Was das Königreich Polen und Galizien anbetrifft, so brütet in diesen beiden Ländern ebenso wie in Ostpreußen (wenigstens in dessen westlichem Teil) eine sehr deutlich unterscheidbare Form, die nach dem Recht der Priorität Sitta europaea homeyeri Hart, ge- nannt werden muß. Zwar erkennt Reichenow die Form homeyeri nicht an und betrachtet die von Hartert beschriebenen und so genannten Vögel als Übergangsexemplare oder Bastarde. Seine Anschauung ist aber irrig. Bastarde treten nur an der Grenze der Brutgebiete zweier Formen auf. Als Bastarde aber alle Vögel, die in einem so riesigen Gebiet wie: Ostpreußen, Lithauen, Polesien, Wolbynien, Podolien, Baltische Provinzen, östliches und wahrscheinlich auch südliches Rußland, billten, zu betrachten, erscheint mir etwas gewagt. Nun zu Sitta europaea sxtolcmani: Als ich die Selbständigkeit dieser Form begründete, hatte ich keine Kleiber von Ostpreußen zur Verfügung, wohl aber Exemplare aus der Gegend von Ciecha- now, also unweit der Grenze des westlichen Teils von Ostpreußen. Als Vergleichsobjekt diente mir ferner die Abbildung von S. e. homeyeri in der neuen Ausgabe von Naumann (Bd. II, T. 23, Fig.3), von welcher meine männlichen Kleiber aus Polesien sich durch viel blassere Färbung unterscheiden. Um die Sache verständlicher zu machen, gebe ich nochmals kurze Beschreibungen der Unter- seite der verschiedenen Formen der Sitta europaea. Sitta europaea caesia Wolf. (Die Beschreibung auf Grund französischer Vögel.) cT. Die ganze Unterseite, ausgenommen die weiße Kehle und Wangen, ist lebhaft ockergelb. Abb.: cf Neuausgabe des Naumann Bd. II, Taf. 23, Fig. 1. Sitta europaea Tioineyeri Hart. ^) (Die Beschreibung auf Grund der Vögel aus dem Königreich Polen und aus Galizien.) cT. Die Unterseite ist ockergelb, aber viel blasser als bei S. e. caesia. Das Ockergelb ist am lebhaftesten auf dem Bauche, auf der Brust ist es viel blasser. ') Dies dürfte nicht die echte -6'. e. homeyeri, sondern jene Form sein, welche Kleinschmidt kürzlich (Falco 13, Nr. 2, Mai 1917, p. 21) nach schlesischeu 12 TVerh. Otii. I_ Ges. Bay. 178 Domaniewski: Sitta enropaea homeyerl Hart, und Venvandte g. Dem Männchen ähnlich, aber etwas lebhafter gefärbt. Abb. cT Neuausgabe des Naumann Bd. II, Taf. 2.'^, Fig. 3. Sitta enropaea sr^tolr^nani Do man. (Die Beschreibung auf Grund der Vögel aus Polesien, W'olhynien, und Podolien.) cf. Die Unterseite ist viel blasser gefärbt, als bei S. e. homeiieri, aber nie so weiß wie bei S. e. enropaea Linn. Die Kehle un(l Brust sind weiß, der Bauch weiß mit rahmfarbenem oder mit blaß ockergelbem Anflug, aber stets blasser als bei S. e. }w»/ct/eri. $. Dem Mäunchen ähnlich, nur die Farbe der Unterseite viel lebhafter. Sitta eitrojHiea euvoj)aea Linn. (Die Beschreibung auf Grund schwedischer Vögel.) cT. Die ganze Unterseite rein weiß. g. Dem Männchen ähnlich, nur auf der Unterseite, und zwar auf dem Bauche, mit ockergelblichem Auflug. Abb.: cf Neuausgabe des Naumann Bd. IL Taf. 23, Fig. 4. Reichenow erwähnt meine S. e. sxtolemani gar nicht, was einigermaßen begreiflich ist. Wenu Ä homeijeri ein Bastard zwischen S. sordida und S. enropaea ist, so ist für S. sxtolcnHtni kein Platz mehr. S. e. sxtolemani beschrieb ich auf Grund der Exemplare von den Provinzen Polesien, Wolhynien und Podolien. Jetzt veimute ich aber, daß diese Form auch in den westlichen Teilen von Ost- preußen vorkommen könnte. Auf diesen Gedanken bringen mich unter anderem die Worte von Reichenow: ,. Wie eingangs er- wähnt, zeigen die fahlbäuchigen Kleiber ebenso wie sie im Süden und Westen ihres Verbreitungsgebietes durch dunklere Unterseite in die westlich-südliche Form caesia übergehen, nach ihrer öst- lichen Verbreitungsgrenze hin eine allmälilich blasser werdende Unterseite und gehen so in die weißbäuchige Form S. enropaea über. Von sordida liegen mir Vögel in typischer B'ärbung östlich bis Losgehnen (Kr, Friedland) und Reußwalde (Kr, Orteisburg), also bis zum 21 " ö. L. vor, von Losgehnen aber auch ein Stück mit rahmfarbener Unterseite (Form Iwweyeri). Einen typischen weißbäuchigen Kleiber S. enropaea dagegen konnte ich von Gum- binnen untersuchen, welche Art dann weiter östlich in Kurland die herrschende wird." (Orn. Monatsber. 1917, p. 56.) Diese Stücken [aläarkti.scher Kraben. 1 ^ <^''^- * >'"• [_ (los. Hay. tiraiit tres-peu snr le violet. Le cou et le ventre sont d'im iioir grisätre ou meine uoirs flambes de gris. Les grandes plumes de l'aile, les plumes de la qiieue sont d'nn noir [p. 3] plus clair en bas, tirant en haut sur le vert. La troisieme penne de l'aile est la l)lus longue; Celles de la queue, au nonibre de douze, sont arron- dies et d'une loiigueur presque egale. Les deux intermediaires sont taut soit peu plus longues. „L'iris est blanchätre passant quelquefois au bleu-grisätre. Le bec, les pieds et les ongles sont noiis. „Ils restent en liiver et en ete daus ces contrees, niais ils entrent en plus grande quantite en ville pendant l'liiver. Ils niclient comme les choucas ordinaires dans les tours les plus ele- vees, meine quelquefois daus les maisons basses des paysans. Ils pondent quatre oeufs. rQuoique le choucas de la Russie que je viens de decrire, ait beaucoup de rapport avec le choucas proprement dit, il est cependant constamment decore de cette tache blanche, ou de ce ruban blaue des deux cötes, qui forme quelquefois un Collier entier comme dans les choucas habitant la Suisse. 11 est constamment plus petit. Cette decoration constante, et sa grandeur me fönt persister dansmon opinion de considerer le choucas de la Russie comme une espece differente du choucas commun, corviis monedida, L,, et ä laquelle parait appartenir l'espece ä collier de la Suisse. On peut le reconnoitre par la phrase suivante: Corviis Soemmeringü, niger, rostro apice dentato, occipite incano, collo fascia laterali alba. „Comme synonymes de variete lui appartiennent: Monedula torqimta. Charlet. Exercit. p. 75, Nr. 7, Ono- masticon, p. 68, Nr. 7. Monedula altera Aldrovandi Aves. Tom. I, p. 775. Aliud Monedulae genus. Jonston, Aves, p. 26, T. XVI. Helvetian Daiv des Anglais. Le Choucas ä collier. Brisson, Ornithol. Tom. II, p. 27. [p. 4] Corvus monedula torqtfata. Bechstein's Vögel Deutsch- lands, Leipzig 1793, 8. Tom. 2. p. 424.^' Fischer gedenkt dann einer weißen (albinistischen) Dohle, die alljährlich auf einem Landgut des Herrn Piaton Petrovitsch de Bekettow zui- Brut schreitet. Daraufhin bespricht er gewisse Abweichungen der russischen Nebelkrähen und fährt fort: „Je donne ici une figure du Choucas de Soemmeriug, laquelle, ayant ete faite d'apres un exemplaire empaille de notre Museum, ne rend pas assez la nature et le port de ces animaux. Le gra- veur, par ses traits croissants, a en outre peche contre la Situa- tion naturelle des plumes." XIII 2 ~\ ' ' I Hellraayr: Zur Nomenklatur zweier paläarktischer Krähen. 187 Zum Schlüsse bemerkt Fischer, daß „M. le Conseiller de Cour et Dr. Meyer ä Offenbach' seiner Auffassung von der spezifischen Verschiedenheit der russischen Dohle beistimme. Die vorstehende Beschreibung läßt nicht den geringsten Zweifel an der Identität des C. soemmeringii mit der heute allgemein Coloeus }noned'ula coUaris genannten, in Ost- und SO. -Europa weit verbreiteten Dohlenform bestehen. Die Abbildung auf Tafel 1 ist allerdings herzlich schlecht, zeigt aber deutlich den charakteristi- schen weißen Fleck auf den Halsseiten. Was die von Fischer zitierten Bücherstellen betriift, die alle auf einen in der Gegend von Zug erbeuteten Vogel mit weißem Halsring zurückgehen, so dürfte es sich dabei wohl sicher um eine (vielleicht albinistische?) Varietät der gewöhnlichen Schweizer Dohle handeln. Die östliche Dohle erhält somit den Namen Coloeus monedula soeynmeringii (Fischer). Corvus Soemmeri'iKjii G. Fischer, Mem. Soc. Imp. Natur. Moscou I, p. 3, pl. I (1811. — Moskau, Rußland). C[orvus] collaris Drummond, Ann. Mag, Nat. Hist. 18, p. 11 (1846. — Macedonien etc.) Die Zoologische Sammlung besitzt eine große Serie dieser Form aus W.-Rußlaud (Smorgon), S.-Ungarn, Rumänien, Maze- donien, Krim, Kaukasien etc., ohne daß es mir möglich gewesen wäre, zwischen Exemplaren von verschiedenen Fundorten bestän- dige Unterschiede aufzufinden. 188 Hellmayr: Mii^cellaiiea Ornitholugica 11. [Vcih. Olli. Ges. Bay. Miscellanea Ornithologica 11'). Von C. E. Hellmayr. \. Zwei neue iieotropisclie Tracheoplioiieii. Ilypolophus hevnardi caja/nun^cde ii. snbsp. Tlianniophilas nibinuchalis (nee Sclater) Taczanowski, Proc. Zool, fcJoc. Lond. 1880, p. 201 (Callacate); idem, Orn. Perou, II, 1884, p. 14 (part.: Callacate, Guadalupa, Paucal). Adult. — Ähnlich H. h. beniardi (Less.)^), aus S.W.-Ecuador, aber merklich größer; Rücken viel dunkler, intensiv rostrotbraun (statt matt röstlichbraun); Außensäume der großen Oberfliigeldecken und Schwingen viel lebhafter ziratrösllich braun. Die cfcT unter- scheiden sich ferner durch viel geringere F^ntwickiung der weißen Fleckung des Oberkopfes, welche auf wenige Schaftstriche am vordersten Stirnrand beschränkt ist, und die Reduktion der weißen Mischung auf Backen, Bartgegend und Vorderkehle. cfcf AI. 86-88; caud. 68-70; i-ostr. 22— 237^ mm. ?? AI. 82V2, 85; caud. 68, 72; rostr. 20 V3, 21 V3 mm. Type im Zoologischen Museum, München: Nr. 16. 808. cT ad. Tembladera, auf dem Wege von Pacasmayo nach San Pablo, Dept. Cajamarca, N.-Peru, alt. 1200 engl. Fuß, Juni 7, 1895. 0. T. Baron coli. Hab. — West- und Ostseite der Küstenkordillere im nörd- lichen Peru in den Depts. Cajamarca (Tembladera, Callacate) und Libertad (Trujillo, Guadalupa, Paucal). ') Siehe diese „Verhandlungen" XII, Heft 2, Febr. 1915, p. 119—126. ''■) Thamnophüus Bernnrdi (Abeille Ms.) Lesson, Echo du Mond. Sav. 11, Xr. 15, col. 348 (Aug. 1844. — „aux alentours de Gayaquil" [sie], i e. Guayaquil, S.W.-Ecuador; descr. $); idem, Oeuvr. compl. Buffon (^d. L^vöque), vol. 20 | - Descr. Maramif. etOis.], 1847, p. 299 (Guayaquil). — Dieser Name hat um viele Jahre die Priorität über Thamnophüus albinu- chalis Sclater [Proc. Zool. Soc. Lond. 23, April 1855, p. 18: „in rep. Equa- toriana, Guyaquil et insula Puna. Mus. Brit."; descr. (J'$], dessen Originale, je ein Pärchen aus Guayaquil (coli. Kellett-Wood) und von der Insel Puna (coli. G. Barclay), sich im British Museum befinden. Auf meine briefliche Mitteilung hin haben bereits Brabourne & Chubb (Birds of S -America I, 1912, p. 191) diese Namensändei'ung vorgenommen, ohne indessen die früheste Veröffentlichung zu zitieren. ■^ '^"' I Hellmayr: Miscellanea Ornithologica II. 489 Obs. — Diese neue Form liegt mir in einer Suite von acht Exemplaren vor. Sechs cTcf und ein $ wurden von 0. T. Baron bei Tembladera und Trujillo am Westabhang der Küstenkordillere im Januar, Mai und Juni 1895, ein Weibchen von J. Stolzmann in Oallacate, am Ostabhang derselben Gebirgskette, im April 1879 gesammelt. Vom typischen //. b. bernardi untersuchte ich 7 cTcT 4 $$ von Guayaquil und der Insel Puua, einschließlich der Typen von T. albimichalis, ferner ein 5 ad. aus Tumbez, N.W.-Peru, das in jeder Hinsicht mit jenen aus W.-Ecuador übereinstimmt. Das auffallendste Kennzeichen der Bewohner der westlichen Andenkette von Peru liegt in der viel dunkleren, intensiv rost- rotbrauuen (statt matt röstlicherdbraunen) Rückenfärbung und den viel lebhafter ziratröstlichbraunen Säumen der großen Ober- flügeldecken und der Schwungfedern. Ferner zeigen die cfcf nur am vorderen Stirnrande einige winzige, weißliche Fleckchen, wogegen bei H. b. bernardi die ganze Stirn bis in Augenhöhe grob weiß oder rahmfarbig gefleckt ist; die weiße Mischung auf den Kopfseiten und der Kehle ist auf ein Minimum reduziert. Endlich hat H. b. cajamarcae merklich längere Flügel und Schwanz, während in der Schnabelstärke zwischen den beiden Formen kein Unterschied besteht. Das $ aus Oallacate (Ostseite der Küstenkordillere) stimmt bis auf etwas hellere Bauchmitte mit jenem aus Tembladera über- ein. Dagegen gehört ein von Stolzmann bei Tumbez, in der sandigen Küstenzone des nordwestlichen Peru am Gestade des Golfes von Guayaquil erbeutetes Weibchen des Wiener Museums unzweifelhaft zur blassen, typischen Form. Die Verbreitung der zwei Formen ist wie folgt: a) Hypolophus bernardi bernardi (Less.)^). Das trockene Küstengebiet am Golf von Guayaquil in S.W.- Ecuador (Guayaquil; Puna-Insel) und N.W.-Peru (Tumbez) '■^). Sieben cTcT, Guayaquil, Puna-Insel al. 80—84; caud. 63—67: rostr. 21—23 mm. Vier $$, Guayaquil, Puna-Insel al. 78—82; caud. 61—64; rostr. 20—22 mm. Ein $, Tumbez al. 82 ; caud. 63 ; rostr. 20 mm. ') Man könnte versucht sein, H. bernardi dem Formenkreise von U. cana- densis (Linn.) anzugliedern, mit dem er gewiß nahe verwandt ist. Indessen sprechen verschiedene Einzelheiten, vor allem die sehr abweichende Färbung des Weibchens (teilweise schwarzer Oberkopf, ziratrote, statt schwarze Oberschwanz- deeken und Steuerfedern etc.) gegen eine solche Auffassung. Die Frage scheint uns noch nicht spruchreif zu sein '•') Das von Cabanis & Heine (Mus. Hein. II, 1859, p. 16) behauptete Vor- kommen der Art in „Neu Granada" beruht wohl auf einer unrichtigen Fund- ortsangabe, sofern das erwähnte (j" jnv. überhaupt hiei'her gehört. 190 Hellmavr: Miscellanea Ornithologica II. fVerh. Orn. |_ Ges. Bay. b) Hypolophus ber?iardi cajamarrae Hellm. Küstenkordillere (West- und Ostseite) des nördlichen Peru in den Dept. Cajamarca (Tembladera, Callacate) und Libertad (Tru- jillo, Guadalupa, Paucal [= Nancho]). Fünf cTcT, Tembladera, Trujillo al. 86-88; caud. 68—70; rostr. 22— 28V2 mm, Ein $, Tembladera al. 85; caud. 72: rostr. 20^/3 mm. Ein $, Callacate al. 82V2' caud. 68; rostr. 21^/3 mm. Sittasomtis f/riseie(i2nlhfs reiseri 11. siibsp. Sittasomus erithacus susbp.?, Reiser, Denkscbr. math.-naturw. Kl. Akad. Wiss. Wien 76, 1910, p. 68 (Piauhy: Gegend von Paranaguä). Sittasomus erithacus chapadeyisis (nee Ridgway) Reiser, 1. c. p. 68 (Faz. Taboa am Rio Preto, N.W.-Babia). Adult. — Am nächsten verwandt mit S. g. griseicapillus (Vieill.)^) aus Mattogrosso, O.-Bolivia, Argentinien und N.-Paraguaj'^, aber leicht unterschieden durch geringere Größe, schwächeren Schnabel, ausgesprochen fahl bräunliche (statt olivgraue oder grün- lich olivenfarbige) F'ärbung des Hinterkopfes und Mantels, lebhaft zimtröstlichbraun überlaufene Stirn und Scheitel, endlich durch röst- lichbraune (statt olivenfarbige) Kopfseiten, warm röstlich-rahmbraune (statt schmutzig „buffy greyish") Unterseite mit entschieden zimtröstlichen Weichen. Ferner ist das Zimtrot von Flügel und Schwanz merklich heller. cTcT. — AI. 72V2— 74V2; caud. 77—78; rostr. 13— ISV^ mm. §5. — AI. 64, 65; caud. 68, 70; rostr. I2V2— 13 mm. Type im k. k. Naturhistorischen Hofmuseum, Wien: Nr. — . cf ad. Pedrinha an der Westseite des See's von Paranaguä, S.-Piauhv, N.O.-Brazil, Mai 21, 1903. Santarius coli. Nr. 764. Hab, — N.O.-Brazil, im südlichen Piauhy (Paranaguä; Tinoko nächst Buriti, See von Missäo bei Paranaguä; Pedrinha am See *) Bendrocopus griseicapillus Y'xeiWoi, Nouv. Diet. d' Hist. Nat., nouv. ed., 2(5, p. 119 (1818. — ex Azara Nr. 244: Paraguay) ist ein viel älterer Name für Sittasomus chapadensis Ridgw. (Proe. U.S. Mus 14, 1892, p. 509: Chapada, Mattogrosso, S.W.-Brazil). Vieillot's Beschreibung ist gekürzt und zum TeU irre- führend, namentlich der Passus: „un gris pale est repandu sur toute la tete, le cou, et le dessus du corps"; wogegen wir bei Azara in Sonninis französischer Ausgabe, der eine unraißdeutbare Kennzeichnung des Vogels gibt, ganz richtig lesen: „le dessous du corps". Ein (^ ad. aus Concepcion, N.-Paraguay, E. Weiske, im Münchener Museum, stimmt bis auf etwas mehr rahmgelbliche Mittellinie des Abdomens in der Tat mit Topotypen des S. chapadensis aus Chapada überein. Da D. griseicapillus Vieill. auch älter ist als Dendrocolaptes sylviellus Temm. 1821 und Z). erithacus Licht. 1822, hat er als Saunnelname für die ganze Forraengruppe in Kraft zu treten, ^^^^>^> I Hellmayr: Miscellanea Ornithologica II. 191 von Paranaguä) und nordwestlichen Bahia (Pazenda Taboa am Rio Preto). Obs. — Sechs Bälge dieser scharf gekennzeichneten Form, die den Anhängern der alten Schule als ausgezeichnete „Spezies" gelten dürfte, darunter zwei cj^cf ad., 1 $ ad. und drei jüngere Individuen wurden von dem Ornithologen der Wiener Expedition nach N.O.- Brasilien, Othmar Reiser im südlichen Piauhy und in der Nord- westecke des Staates Bahia gesammelt. Sie steht dem *S'. g. grisei- capülus, aus dem südwestlichen Brasilien (Mattogrosso) und nörd- lichen Paraguay am nächsten und teilt mit ihm den Besitz einer zimtrötlichen Subapicalzone an den Federn des Vorder- und Mittel- rückens, wodurch beide sehr auffallend von dem im südöstlichen Waldgebiet heimischen 8. griseicapillus sylvielliis (Temm.) ab- weichen. Die auffallendsten Kennzeichen des 8. griseicapillus reiseri sind der zimtröstlichbraune Anflug des Vorderkopfes und die intensiv röstlich rahmbraune Unterseite mit den zimtröstlichen Weichen, während bei der typischen Form der ganze Oberkopf gleichmäßig bräunlich- oder graulich-oliv und die Unterseite schmutzig rahmgraulich gefärbt erscheint. Der Gesamtton des Hinterkopfes und Mantels ist bei der neuen Form entschiedener bräunlich, das Zimtrot der Schwingen und Steuerfedern durch- schnittlich heller; die Kopfseiten sind fahl röstlichbraun statt olivenfarbig, was besonders an der Ohrgegend auffällt; endlich die Flügel merklich kürzer*), der Schnabel in der Regel schwächer. Die Variation der sechs Exemplare beschränkt sich in der Hauptsache auf die Intensität der Unterseite, die bald heller, bald dunkler rahmröstlichbraun erscheint. Weibchen und jüngere Vögel zeigen, wie bei den verwandten Formen, beträchtlich ge- ringere Dimensionen und an den zimtroten Bürzel- und Ober- schwanzdeckfedern feine, helle Spitzenränder. Reiser hielt den Vogel vom Rio Preto, N.W. -Bahia, für subspezifisch verschieden von den Stücken aus S. Piauhy. Obwohl das ziemlich schlecht erhaltene Exemplar unausgefärbt und überdies im Federwechsel begriffen ist, scheint mir seine Zugehörigkeit zu. 8. g. reiseri durch- aus nicht zweifelhaft; denn einige eben hervorsprießende frische Federn auf Vorderscheitel und Vorderbrust weisen deutlich die für unsere Form charakteristische Färbung auf. Gleichwohl halte ich die Untersuchung einer Serie guter Bälge vom Rio Preto für geboten. 8. grisekapilhis reiseri, den ich meinem lieben Freunde Othmar Reiser in aufrichtiger Wertschätzung widme, vertritt die typische ^) 8. griseicapillus griseicapillus (= chapadensis aucl.) zeigt folgende (i rußen Verhältnisse : Hiehzehn cTcf *l 78—82, einmal TO; caud. 77—85; rostr. l2'/.2— 14','2 mm. ^'eun $^ al. 70—75; caud. 70-79; rostr. 12'/»— 14 mm. 192 Hellmayr: Misccilanea Ornithologica II. fVerh. Orn. |_ Ges. Bay. Form augenscheinlich in den trockenen Campo-Distrikten des nord- östlichen Brasilien. Durch diese Neuentdeckung' erhöht sich die Zahl der aus Brasilien bekannten SlttasoiHus-Fovmen auf fünf. Ihre Verbreitung sei im Nachstehenden kurz skizziert. a) S. griseicapilhis aniaxonus Lafi". ^). Amazonisclies Waldgebiet, vom Tocantins und Britisch Guiana westwärts bis zu den Ostabliängen der Anden in Elcuador und Peru, südlich bis in das Quellgebiet des Rio Beni. Prov. Yungas, N.-Bolivia. b) S. griseicapillus rciseri Hellm. N.O.-Brasilien: Piauhy, N.W.-Bahia. c) S. griseicapillus griseicapillus (Vieill.). S.W.-Brasilien: Mattogrosso (Chapada, Engenho do Pari, Eng. do Gama, Urucüm, Pan de Azucar); O.-Bolivia (Santa Cruz de la Sierra, Chiquitos); N.-Paraguay (Colouia Risso, Rio Apa; Villa Concepcion); N.W.-Argentinien, von Jujuy und Tucumän ostwärts bis an den Paranä in die Prov. Santa Fe (Ocarapo). d) *S'. griseicapillus sylviellus (Temm.)^). Süd-Paraguay (Tebicuari, Sapucay, Villa Rica); N.O.- Argen- tinien: Misiones (S. Javier, Posadas); und das südöstl. Brasilien, von Espirito Santo, Rio de Janeiro und S.-Goyaz bis Rio Grande do Sul. e) S. griseicapillus oUvaceus Wied^). Waldgebiet des südlichen Bahia. VI. Über einige Coerebiden-Typeii. Im „Museum Heineanum", I, 1850, p. 96 stellte J. Cabanis eine Anzahl neuer Arten der Gattung Arbelorldna \= Cgauerpes unserer Tage] auf. Da die beigefügten Diagnosen außerordentlich kurz gehalten sind und spezielle Maliangaben durchweg fehlen, herrschte hinsichtlich der Deutung dieser Namen beträchtliche Unsicherheit, die ich im Verlaufe meiner Studien über die neo- tropische Vogelwelt wiederholt störend empfunden hatte. Küi-z- lich bot sich mir durch die Güte des Herrn Amtsrates F. Heine, dem ich hier den schuldigen Dank für sein Entgegenkommen aus- sprechen möchte, die willkommene Gelegenheit, alle Exemplare, die Cabanis vorgelegen hatten, selbst nachzuprüfen und mit den großen Serien in der Münchener Zoologischen Sammlung eingehend zu vergleichen. Eie Ergebnisse dieser Untersuchung sollen im Folgenden weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden. ') Sittasomus amazonus Lafresnaye, Rev. Mag. Zool. (2) II, p. 090 (1850. — „Haut.-Amazone", coli. Castelnaii). 2) Cfr. M^n^iux et Hellmayr, Mem. Soc. d'Hist. NaI. Auluii 19, 19(H;, p. 95. ') Cfr. Hellmavr, Nov. Zool. 15, 1908, p. G3, sub Nr. lOf). l ^^^^'„^' Hellraayr: Miscellanea Oruithologica II. 193 1. Arhelorhma brevipes Gab. Mus. Hein. I, 1850, p. 96: c^ ad. ex „Porto Cabeiro"; := Cyanerpes cyaiiea cijanea (Liim.)^), mit falschem Fundort! Nr. 2481. Arhelorhina brevipes Gab. cf ad. Porto Cabello. Polly. — AI. 63; caud. 3772 ; tars. 12; rostr. [13] mm. Nach Cabanis unterscheidet sich diese Form von A. cyanca nur durch etwas kleinere Statur und merklich kürzere Tarsen. Der Typus, ein vollkommen ausgefärbtes cT in fertigem Hochzeits- kleide, gehört keineswegs zu der großen, langschnäbligen Form der venezuelanischen Küstengebirge, wie Oberholser^) angenommen hatte, und stammt ganz gewiß nicht aus Puerto Cabello. Meine früher ausgesprochene Vermutung^), daß die Lokalität von A. brevipes unzuverlässig sein dürfte, erweist sich als durchaus zu- treifend. Ich vermag in dem Vogel nichts anderes als ein schwach- schnäbliges Exemplar der typischen C. c. cyanea zu erblicken, die mir in einer zahlreichen Suite aus Gayenne, Surinam, Bahia, Trinidad, und dem Caura-Distrikt vorliegt. Flügel- und Schwanz- länge entsprechen völlig einem cf aus Bahia; der Tarsus ist keineswegs schwächer oder kürzer als bei einigen unserer Vögel aus Gayenne und Trinidad. Die blaue Kopfplatte ist durch- aus nicht weiß lieh blau wie bei C. c. eximia, aus N.-Venezuela, sondern schön himmelblau wie bei Stücken aus Bahia etc. Nicht zu leugnen ist, daß dei* Typus schwächeren (an der Wurzel dünneren) Schnabel besitzt als die Mehrzahl unserer Bälge der typischen C. c. cyanea, obwohl ein cf ad. aus Saint- Jean-du-Maroni, Gayenne, unserer Sammlung hierin dem Vogel des Musei Heineani gleicht. [Der Schnabel scheint nicht kürzer gewesen zu sein, doch ist seine ursprüngliche Länge nicht mehr festzustellen, da die Spitze beider Mandibeln abgebrochen ist.] Angesichts der be- trächtlichen Variation, der die Schnabellänge und -stärke bei In- dividuen von einer und derselben Lokalität unterworfen ist*), vermag ich dieser Abweichung keine Bedeutung beizumessen. Die Präparationsweise des Typus von A. brevipes ist total verschieden von jener der Originale der folgenden Art. Jedenfalls ist der Vogel nicht bei Puei'to Gabello erlegt worden. Diese Stadt diente früher als Ausfuhrhafen für die Produkte des nördlichen Venezuela, und so mag auch der Balg aus dem Innern dieses Landes, viel- leicht von den Ufern des Orinoko dorthin gebracht worden sein, ') Certhia cyanea Linnaeiis, Syst. Xat. 12, I, p. 188 (1766. — es Edwards, Brisson etc. — Surinam bestimmt als Terra tvpica (ex Edwards), auct. Hell- mayr, Nov. Zool. 13, 1906, p. 9). *) Auk, 16, 1899, p. 33. ') Nov. Zool. 13, 1906, p. 10. *) In einer Herie von sechs alten (^(f aus dem Miuengebiet von Britisch Guiana schwankt die Schnabellänge zwischen If) und 18 mm. 194 Hellmayr: Miscellauoa Ornithologica II. FVerh. Orn. |_ Ges. Bay. von wo er dann seinen Weg nach Europa fand. Solches war sicherlich auch mit dem gleichfalls „Porto Cabello" etikeltieiten Typus der Sicalis colunihiana Gab. der Fall. 2. Ärhclorhina eximia Cab. 1. c. p. 96: cf' ad. ex „Poilo Cabello''; = Cijancrpes cymiea eximia (Cab.). Nr. 2482. Arbclorlnna eximia Cab. cf. Polly. I^)ito Cabello. — AI. 66; caud. 40; r. 20 mm. Nr. 2483. A. eximia Cab. ö". Porto Cabello. — AI. 66 V-,; caud. 89; r. 20 mm. Die Typen, zwei völlig ausgefärbte alte cTcf. stimmen in Größe und E'ärbung durchaus mit den von Klages im Tale von San Esteban (Hinterland von Puerto Cabello) gesammelten Stücken und anderen aus dem Gebirgsstocke von Cumanä und von der Paria Halbinsel (Yacua) überein. Es handelt sich in der Tat um die große, langschnäblige Form mit helll weißlich)blauem Scheitel, die an der ganzen Nordküste Venezuela's von Bermudez bis un- weit Merida (Ejido) vorkommt. Bereits RichmondM hatte den Namen eximia ganz zutreffend auf sie bezogen, und ich selbst habe in meiner Abhandlung „On the Birds of the Island of Trinidad" '') die Kennzeichen und Verbreitung der C. cyanea eximia (Cab.) des Längeren erörtert, worauf hiermit verwiesen sei. 3. Arhelorhina longirostristris [err. typogr. | Cabanis, 1. c. p. 96 : cT juv., 5 ex „Caraccas";= Cyanerpes caerulea irijulatis {Bonsi[).), mit falschem Fundort! Nr. 2491. Arhelorhina longirostris Cab. cf juv. Polly. Caraccas. — AI. 59; c. 30; r. 22 mm. Nr. 2492. A. longirostris Cab. cT juv. Polly. Caraccas. — AI. 57; c. 30; r. 21 V2 mm. Nr. 2494. A. longirostris Cab. g [ad.] Polly. Caraccas. — AI. 59; c. 30 V2; r. 2OV2 mm. Nr. 2493. A. longirostris Cab. g |imm.] Polly. Caraccas. — AI. 56; c. 28; r. 21 mm. Nr. 2495. A, longirostris Cab. $ [imm.] Polly. Caraccas. — AI. 543/4; c. 28; r. 21^2 mm. Diese fünf Exemplare tragen das grüne Kleid des Weibchens mit hellrostfarbiger Kehle und Zügelgegend etc. Nr. 2491 ist sicher ein junges cT im Federwechsel, da es bereits einige samt- schwarze innere große Oberflügeldecken und Armschwingen trägt, überdies auf Bürzel und Oberkopf einzelne blaue, auf der Kehle ein paar schwarze Federn hervorsprießen. Ni-. 2492, von Cabanis als cf juv. bezeichnet, unterscheidet sich in nichts von den weib- lichen Individuen. Dagegen scheinen Nr. 2493 und 2495, nach ') Proc. U.S. Mus. 18, 189Ü, p. G79. *) Nov. Zool. 13, 1906, p. 9-10. ^^^^'^> j Hellniayr: Miscellanea Ornithologica II. 195 der zerschlissen-flaumigen Struktur der Oberseitenbefiedernng zu schließen, jüngere Vögel zu sein. Diese fünf Bälge, welche als Typen von A. longirostris zu gelten haben, können unmöglich in Caracas erlegt worden sein; denn nach Stärke und Länge des Schnabels, stimmen sie voll- ständig mit der auf Trinidad beschränkten C. caerulea trinitatis (Bonap.) über ein, die in unserer Sammlung durch eine von Klages und Andre erbeutete, große Serie vertreten ist. Der langschnäbeligste Vogel, Nr. 2491, hat völlig so langen und dicken Schnabel wie unser starkschnäbeligstes Weibchen aus Caparo, Trinidad (Nr. 12. 1663), während Nr. 2494, das den kürzesten Schnabel besitzt, hierin einem Weibchen aus Aripo, Trinidad (Nr. 12. 1661) gleicht. Auch Flügel- und Schwanzlänge decken sich bei den zwei Serien nahezu vollständig: Typen A. longirostris al. 543/,— 59; c. 28— 3OV2; r. 2OV2-2IV2 mm. Sechs Weibchen aus Trinidad al. 55-58; c. 27V2— 29; r. 20^2—22 mm. Dagegen ergeben sich für 6'. c. caerulea folgende Werte: Zwei Weibchen aus Cayenne al. 54, 55; c. 26, 27; r. 18 mm. Sechs Weibchen aus Cumana al. 54— 56V2; c. 27—29; r. 17—18^3 mm. Zwei Weibchen aus S. Esteban al. 55, 56 V2; c. 27; r. 18 V2 mm. Die Kehle ist bei den Typen etwas beschmutzt und verblichen, erscheint daher heller rostfarbig als bei unseren frischen Bälgen aus Trinidad; sie ist aber immer noch etwas dunkler als bei der Serie der C. c. caerulea aus Cayenne, Brit. Guiana und N.-Venezuela. Die Entwicklung des rostfarbigen Bartstriches und die Tönung der Streifen auf der Unterseite weist dieselbe Variation auf wie bei den Weibchen der verwandten Formen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der vom Naturalien- händler Polly angegebene Fundort Caracas irrtümlich ist, und die Typen der A. longirostris Csib. tatsächlich aus Trinidad stammen, eine Vermutung, der ich schon früher^) Ausdruck gegeben habe. Die langschnäbelige Trinidad-Form, deren Merkmale an anderer Stelle ^) ausführlich erörtert wurden, hat somit anstatt C. c. trini- tatis (Bonap.) 1854 die ältere Bezeichnung C, caerulea longi- rostris (Cab.) zu tragen^). 1) Nov. Zool 13, 1906, p. 8. *) Es verdient erwähnt zu werden, daß schon Finsch (P. Z. B. Lond. 1870, p. 561) den Namen longirostris auf die Trinidad-Form bezogen hatte. 13* \ IQß Hellmayr: IMiscellaiiea ()rnitholüe;ica II. je. ^^" ^ ° L Ges. Bay. 4. Arbelorhma hrevirostris Gab. 1. c. p. 96: cT ad. ex „Porto Cabello"; = Cyancrpes nitida (Hartl.), mit falschem Fundort! Nr. 2496. Arhelorliina hrevirostris Gab. cT- PoUy. Porto Gabello. — AI. 50; caiid. 28; rostr. 11^/^ mm. Die Auflösung- dieser Art ist bisher nicht geglückt, obwohl Gabanis ^) alle wesentlichen Merkmale der C. nitida gegenüber der bekannten C. caeniha treffend hervorgehoben hatte. Der Mangel ge- nauer Maßangaben und die unrichtige Fundortsbezeichnung verfühiten alle Autoren, u. a. auch Oberholser^) und den Schreiber dieser Zeilen^), A. brerirostris für eine individuelle Abweichung von C. caerulea zu halten. Die Untersuchung der Type, eines völlig ausgefärbten alten cT, ermöglichte es, ihre absolute Identität mit C. nitida festzustellen. Verglichen mit einem cT ad. vom oberen Amazonas und einem anderen aus Nicare, Gaura, 0. -Venezuela, zeigt der Vogel des Musei Heineani nicht die geringste Abweichung: vor allem besitzt er ebenso kurzen, wenig gebogenen Schnabel, dieselbe rein blaue Nuance des Kleingefieders — wogegen es bei C. caerulea entschieden violett getönt ist — , und ebenso weit über die Gurgel hinab und hier sanft abgerundeten schwarzen Kehlfleck. Wie bei unserem Nicare- Vogel ti'agen die mattschwarzen Achsel- federn breite dunkelgrüne Spitzen, und ebensolche Subapicalliecken stehen an den Interscapular- und Schulterfedern. Diese grünen Abzeichen fehlen dem c/' vom oberen Amazonas vollständig. Der Fundort „Porto Cabello" ist natürlich auch in diesem Falle falsch; denn C. nitida bewohnt lediglich das amazonische Waldgebiet, vom östlichen Golombia (Bogota) und Venezuela (Suapure und Nicare, Gaura-Distrikt) südwärts durch das nord- westliche Brasilien (Rio Negro, Teffe, R. Javarri) bis ins nördliche Peru (Pebas, Lamas, Ghamicuros, Xeberos). Dem Namen Hart- laub's*) gebürt die Priorität. Im „Traife d'Ornithologie-', Lief. 4, Sept. 1830, p. 803 be- schrieb R. P. Lesson einen angeblichen Blütenpicker als Dicae/nn aterrimum mit den Worten: „plumage en entier noir mat, brnn sur les alles et la queue. Patrie?". Pucheran^) unterzog den Typus einer kritischen Nachprüfung und bezeichnete die west- indische Insel St. Thomas als vermutliche Heimat der Art, Aus seinen Bemerkungen ging zur Genüge hervor, daß es sich um eine *) „Ist in allen Dimensionen kleiner als A. caenilea; der Schnabel ist an f- fallend kurz; die blaue Färbung ist weniger violett; das Schwarz der Kehle er- streckt sich w'eiter nach der Brust hinab." ^) Auk 16, 1899, p. 34. ä) Nov. Zool. 13, 1906, p. 8. *) Coereba nitida Hartlaub, Rev. Zool. 10, j). S4 (1847. — „du nord du P&'ou", coli. Bremen Museum; dcscr. (/' ad.) ') Eev. Zool. 9, 1846, p. 135. XIII, -, j Hollmayr: Miscellanea Oruithologica IL 197 der auf den kleinen Antillen lieimischeu schwarzen Coereba- Arten handle, und Ridgway^) stellte den Namen Dicaeum aterrimum mit Fragezeichen zu C. atrata (Lawr.), aus St. Vincent. Bei Ge- legenheit eines mehrwöchigen Aufenthalts in Paris im Frühjahr 1914 habe ich den Typus mit Exemplaren der C. atrata (Lawr.), aus S. Vincent, C. ivellsi Cory, aus Grenada, und C. laiirae Lowe, von den Testigos-Inseln sorgfältig verglichen. Er ist noch ziem- lich gut erhalten, obwohl seit vielen Jahren in den Galerien auf- gestellt, nur fehlt ihm die äußerste Spitze des Oberschnabels. Seine Etikette lautet: „Nr. 10410. de St. Thomas, echange ä M. F. Prevost, 1824. Certhiola aterrima (Less ) Type." — AI. 57; caud. 36; rostr. [etwas defekt] 12 mm. In der Größe stimmt der Typus durchaus mit unseren Exem- plaren aus Grenada (C. wellsi) überein, wogegen Stücke aus St. Vincent [C. atrata) merklich beträchtlichere Maße aufweisen. Es ist augen- scheinlich ein altes ausgefärbtes cT; denn obwohl etwas verstaubt, läßt das Gefieder doch die dem männlichen Geschlecht zukommende schwarze (_Trundfärbung, namentlich auf Kehle und Scheitel, noch gut erkennen. Wie bei einem unserer cTcf aus Grenada (Nr. 09. 2181) zeigen Brust und Vorderbauch einen zwar schwachen, aber immer noch deutlichen, olivenfarbigen Schimmer, der sich außer- dem auf dem Bürzel vorfindet. Der Rictus erscheint am Typus gelb und war im Leben wohl aufgetrieben, wie es bei Nr. 09. 2183, 5 ad , aus Grenada, unserer Sammlung der Fall ist. Jedenfalls gehört der Typus von I). aterrimum zu derselben Form wie unsere Vögel aus Grenada. Die Fundortangabe St. Thomas dürfte auf Irrtum beruhen. Die schwarze Art von Grenada heißt demnach fortan: Coereha aterrima (Less.) 2). Dicaeum aterrimum Lesson, Traite d'Orn., livr. 4, p. 303 (Sept. 1830. — loc. ign.); Pucheran, Rev. Zool. 9, 1846, p. 135 (crit.; „St. Thomas"). Certhiola ivellsi Cory, Auk, 6, p. 219 (1889. — Grenada, coli. J. G. Wells). Hab. — Kleine Antilleninsel Grenada. Maße: Zwei cTcTad. Grenada (C. aterrima) al. 59, 60; c. 38, 38V2; r. IBVa, 1^ mm. >) Bull. U.S. Mus., Nr. 50, Part II, 1902, p. 423. ^) Clark (Auk 23, 1906, p. 392—395) hält die schwarzen Coereba-kxim von Grenada und St. Vincent lediglich für Melanismen der gelbbäuchigen ('. saccharina (Lawr.) 1878, wogegen Lowe (Ibis (9) VI, 1912, p. 523 — 526) ernst- hafte Bedenken geltend gemacht hat. Welche Ansicht auch immer die richtige sein mag, D. aterrimum Less. bleibt der älteste Name, der irgend einem Mitgliede der auf den kleinen Antillen verbreiteten Formengruppe beigelegt wurde. 198 Hellmayr: Miscellanea Ornithologica II. I ^f "t. L Ges. Bay. Zwei 55 ad. Grenada (C aterrima) al. 57, 59; c. 34, 37; r. 13 mm. Drei cTcTad. St. Vincent iC. atrata) al. 62—64; c. 40—42; r. 14— löVa mm. Ein 5 ad. St. Vincent (C. atrata) al. 57; c. 35; r. W'i^ m. VII. SjTioiiyinisches und Nomcnklatorisclies. Calliste melanotis Sclater^) ist präokkupiert durch Aglaüi viekmotis Swainson''^), da beide in dieselbe Gattung gehören, die heute den Namen Tangara Briss. 1760 führt. Wir nennen die von Sclater beschriebene und abgebildete Art Tanijara Jntleyi zu Ehren ihres Entdeckers, dessen Verdienste um die neotropische Ornis unvergänglich bleiben werden. Als Typus gilt uns der im Britisch Museum befindliche alte Vogel von den Ufern des Rio Napo im östlichen Ecuador. Diese schöne Prachttangare verbreitet sich vom zentralen Peru (Chanchamayo) nordwärts bis ins östliche Colombia (Bogota), Möglicherweise ist sie nur der nördliche Ver- treter der in den bolivianischen Yungas heimischen T. cyanotis (Sei.), von der sie sich indessen leicht durch die ganz schwarze Färbung der Wangen- und Ohrgegend und den Mangel der blauen Postfrontalbinde unterscheidet. — Lahtris Reicheuow^) 1906 muß dem viel älteren Namen Celalfjca G. R. Gi'ay 1870*) weichen, der als Subgenus für dieselbe Himalayanische Häherart, C. lanceolatiis, aufgestellt worden ist. — Leptopogon erythrops Sclater^) wurde viele Jahre vorher von Lafresnaye als Tgtrmmda rußpecfits^), gleichfalls nach einem Bogota-Balg, beschrieben. Die vorzügliche Kennzeichnung des französischen Ornithologen läßt nicht den geringsten Zweifel an der Identität der zwei Arten bestehen. Die Art muß demnach Le2)topof/on ruftpectus (Lafr.) heißen. Ihre Verbreitung ist auf Colombia (Bogota, Antioquia) und das östliche Ecuador ( Machay, Mapoto, San Jose) beschränkt. — Leptopogon rufipediis Tacz.'), aus Peru, erfordert dement- sprechend eine Neubenennung und mag als Leptoiwgon tacza- 1) Ibis (3) VI, p. 408 pl. XII fig. 1 (1876. — Eio Napo, O.-Ecuador). -) Anim. in Menageries p. 355 (Jan. 1838. — Peru); ^ Tangara schrankii (Spix) 1825 ?. . ') Journ. f. Ornith. 54, 1906, p. 478 (Genotype durch Monotypie: Garrulus lanceolutus Vig.). *) Celah/ca („Kaup 1854" Ms.) Gray, Hand-List Genera & Spec. Birds II, 1870, p. 3 (Genotype durch Monotypie: Garrulus Inncenlntus Vig.). «) Proc. Zool. Sog. Lond. 1862, p. 111 (1862. — Bogota, Colombia). ") Rev. Zool. 9, p. 207 (1846. — „Colombia" = Bogota). ') Ornith. P^rou II. p 249 (1884. — Ropaybamba, C-Peru; Ray-urmana, N.-Peru). ^^^''/"^'l Hellmayr: Miscellanea Ornithologica IL 199 noivsJHi bezeichnet, werden. In ihrem Vorkommen scheint diese Form auf das zentrale (Ropaybamba, Marayuioc) und nördliche Peru (Ray-urmana) beschränkt zu sein. L. tacxanoivskii steht dem L. rufipectus (Lafr.) [= erijthrops Sei.] wohl am ncächsten, unter- scheidet sich aber leicht durch die asc